Die Weinlese im Selztal läuft auf Hochtouren, als ein Winzer im berüchtigten Teufelspfad tödlich verunglückt. Kurz darauf ereignen sich weitere rätselhafte Zwischenfälle in den Reben – steckt womöglich doch mehr hinter dem angeblichen Unfall? Nachdem Trauben verschwinden und ein Tanztee aus dem Ruder läuft, stößt Hobbyermittler Kurt-Otto Hattemer auf die Spur einer jahrzehntealten Tragödie, die plötzlich wieder gefährlich lebendig wird.
Ein atmosphärischer Rheinhessenkrimi mit Witz, Spannung und viel regionalem Flair.
Autor Andreas Wagner ist Winzer, Historiker und Autor – und kennt die Welt, von der er erzählt, aus erster Hand.
Band 6 der Reihe – auch unabhängig lesbar.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Jürg K.
5/5
23.08.2026
Buch (Taschenbuch)
Krimi mit Lokalcharakter
Was mich an diesem Krimi sofort berührt, ist die Art, wie Landschaft und Geschichte ineinandergreifen. Der tödliche Unfall im Teufelspfad fühlt sich deshalb von Anfang an nicht wie ein Zufall an, sondern wie ein Riss in einer Gemeinschaft, die sich selbst gern als idyllisch sieht. Wo der Wein wächst, stirbt die Wahrheit dieser Satz trifft mich, weil er so viel über menschliche Nähe und menschliches Wegsehen sagt. Kurt Otto Hattemer ist für mich ein wunderbar unperfekter Ermittler: neugierig, ein bisschen störrisch, einer, der die Menschen kennt, weil er ihnen zuhört. Dass er zwischen verschwundenen Trauben, einem aus dem Ruder laufenden Tanztee und alten Geschichten herumstolpert, macht den Roman so menschlich. Man spürt, wie die Vergangenheit in Rheinhessen nie ganz ruht, wie alte Tragödien unter der Oberfläche weitergären, genau wie ein Wein, der zu lange im Fass liegt. Für mich ein Krimi, der nicht nur Spannung bietet, sondern ein Gefühl von Heimat, das gleichzeitig tröstlich und beunruhigend ist. Ein Buch, das zeigt, dass Wahrheit manchmal dort stirbt, wo Gemeinschaft zu eng ist und dass genau dort jemand wie Hattemer gebraucht wird.
Peter Klein
aus Bodenheim
5/5
21.08.2026
Buch (Taschenbuch)
Die Wahrheit stirbt nicht
Ein Winzer verunglückt mit seinem Vollernter in einem Weinberg im rheinhessischen Selztal. Sein Vollernter war beim Ernten umgekippt als der Boden unter ihm einbrach. Was zunächst wie ein Unfall aussieht entpuppt sich mit der Zeit als Mord. Warum erntete der Winzer einen Weinberg, der ihm nicht gehörte und für den er keinen Auftrag hatte. Als dann ein weiterer Winzer verunglückt und auch hier die Umstände rätselhaft sind fängt der Winzerkollege Hattemer an zu ermitteln.
Andreas Wagner hat ja schon einige Winzerkrimis geschrieben und auch Winzermord reiht sich nahtlos in die Erfolgsreihe ein. Er verwendet dabei typische Namen aus der Region, erklärt eindrucksvoll die Arbeit der Weinbauern und die technischen Abläufe der Weinerzeugung. Außerdem beschreibt er die rheinhessische Weinlandschaft so präzise und eindrucksvoll, wie es nur ein echter Rheinhesse kann.
Wein, Landschaft, die Menschen und Gewaltverbrechen gepaart mit Spannung, Emotionen und Dramatik ergeben eine tolle Mischung für einen wundervollen Kriminalroman.
Bewertung
aus Bad Säckingen
5/5
16.08.2026
Buch (Taschenbuch)
Winzerkrimi mit feiner Ironie
Hobbyermittler Kurt-Otto Hattemer untersucht in seinem inzwischen 6. Fall im Winzer-Milieu. Seltsame Dinge passieren mitten in der hektischen Zeit der Weinlese. Ein Winzer verunglückt tödlich, mehrere Zwischenfälle hätten ebenfalls tödlich enden können, in den Reben lebt Gevatter Tod.
Gekonnt vermittelt mir der Autor Informationen über Wein und die aktuellen Absatzprobleme der Winzer, ohne dass es belehrend wirkt. Ich muss grinsen, wann immer Posthalters Sigrun auftaucht. Die Achtzigjährige hat erst im Alter ihre wahre Berufung gefunden und wird dabei mit modernen Vertriebsmethoden durch ihren Enkel unterstützt. Die gewitzte alte Dame sieht alles und trägt Wesentliches zur Lösung des Falles bei.
Mir gefällt der subtile Humor, der sich durch das ganze Buch zieht und den Kampf zwischen Kurt-Otto und seiner Frau um die richtige Ernährung beschreibt Andreas Wagner wie folgt:
„Die Auseinandersetzungen mit seiner lieben Gattin um Maß und Verantwortung bei der Nahrungsaufnahme glichen nicht selten einem Katz- und Maus-Spiel, bei dem er sich, ausgezehrt und von ihren Ernährungskapriolen gepeinigt, stets aufs Neue behaupten musste.“ Daraufhin reiche ich dem so Geplagten eine seiner geliebten Bratwürste und stoße mit ihm auf das glückliche Ende an.
Gefühlt hat jeder der Winzer Dreck am Stecken und es werden jede Menge Weinflaschen geleert, aber man muss kein Weinkenner sein, um Spaß an „Winzermord“ zu haben. Mich sprechen mehr die Trauben auf dem Blickfang-Cover an, ich bevorzuge Trauben als Obst und nicht in flüssiger Form.
Lese-Abenteurerin
aus Oberösterreich
5/5
05.08.2026
Buch (Taschenbuch)
Tod im Weinbaudorf
Meine Meinung
Dem Autor ist mit „Winzermord“ ein geschickt eingefädelter, kurzweiliger Cosy Crime mit viel Lokalkolorit der Weingärten Rheinhessens sehr gut gelungen.
Während der Weinlese im Selztal kommt es zu mehreren merkwürdigen Unfällen mit teilweiser Todesfolge. Kurt-Otto Hattemer, pensionierter Winzer, glaubt nicht so recht an die Unfalltheorien und beginnt herumzuhorchen bzw. herumzuschnüffeln. Dabei stößt er auf alte Geheimnisse, die bis in die Gegenwart nachwirken und nun zu tödlichen Verwicklungen führen.
Was ich an dem Kriminalfall besonders mochte, war das Lokalkolorit der Weinberge und die fachlich zum Weinbau passenden eingebauten Informationen. Das mag ich immer besonders gerne, wenn ich neben unterhaltsamer Lektüre noch etwas Neues dazulernen kann. Manch skurrile, aber lustige Szenen gaben der Geschichte eine humorvolle Note, ohne dass die Spannung dabei auf der Strecke blieb. Lange tappte ich bei der Tätersuche im Dunkeln, bevor sich eine gewisse Ahnung einstellte, die dann mit einem schlüssigen Ende auch bestätigt wurde.
Was mir beim Einstieg in das Buch ein wenig zu schaffen machte, sind die vielen Namen der Winzer, die sich für mich nur schwer auseinanderhalten ließen, da sie zunächst wenige Unterscheidungsmerkmale aufwiesen. Hier wäre vielleicht ein Personenregister hilfreich gewesen.
Mein Fazit
Wer auf der Suche nach einem nicht allzu blutrünstigen Krimi mit viel Lokalkolorit der Weinbaugegend Rheinhessens ist, dem sei „Winzermord“ empfohlen. Ich fühlte mich kurzweilig unterhalten und konnte gleichzeitig meine Kenntnisse zum Weinbau erweitern.
Bewertung
5/5
19.07.2026
Buch (Taschenbuch)
Ein Regionalkrimi mit Spannung, Humor, Wein und Liebe zu Rheinhessen!
Kurzinhalt: Ein Winzer verunglückt während der Weinlese tödlich. Weitere rätselhafte Zwischenfälle lassen nicht mehr auf einen Unfall schließen. Hobbydetektiv Kurt-Otto Hattemer ermittelt auf eigene Faust und entdeckt eine Tragödie, die bereits 30 Jahre zurückliegt.
Der Wagner-Krimi ist meine allererste Rezension. Wo fängt man an? Wo hört man auf? Wie macht man das „richtig“? Vermutlich genauso wie der Autor: Schritt für Schritt: Ich bin Archivarin. Und wenn ich eines liebe, dann sind es Ordnung, Systematik und Struktur. Und genauso ist das Wagner-Buch aufgebaut: 36 kleine Kapitel und ein Epilog. Klar und geradlinig startet der Krimi in Einzelepisoden mit einer jeweils kurzen Vorstellung der Hauptfiguren und ihrer jeweiligen Tagesabläufe an jenem 2. Oktober, mit dem das Buch einsetzt. So lernt man beispielsweise die introvertierte Astrid kennen, den jederzeit mit Silvaner bestückten Stephan, den Klingeltonliebhaber Robert, die pfiffige Startup-Rentnerin Sigrun oder auch den stets zänkischen, doch die harmonische Musik von Roland Kaiser mögenden Winzer Klaus.
Vor allem aber macht man Bekanntschaft mit dem eigentlichen Star der Buchreihe: dem jederzeit gut über Essenheim und seine Bewohner informierten Ruhestands-Winzer Mister Marple Kurt-Otto Hattemer. Er ist nun mittlerweile 68 Jahre alt, sein Gesicht bleibt immer öfter unrasiert und die täglich weniger werdenden Kopfhaare müssen noch erfinderischer in Form gebracht werden, aber: er ist auch im nunmehrigen Band 6 immer noch der größte Fan von Dosenbratwurst, die er nach wie vor im Weinberg als eiserne Reserve versteckt und wird von seiner Frau seit Neuestem vor allem mit nachhaltig produzierter Kleidung mit Traubenmotiven sowie von seiner ersten großen Liebe durch ihre blanke Anwesenheit gequält.
Andreas Wagner macht das geschickt: zu jeder einzelnen der fein ausgearbeiteten Figuren baut man sogleich eine Verbindung auf, wird immer neugieriger auf die Beziehungen der Protagonisten unter- und zueinander, bevor die eigentliche Handlung überhaupt zu Tage tritt. Was man dabei schnell herausliest: das, was für die Story wichtig ist, geschah an einem 3. Oktober vor drei Jahrzehnten, prägt das Leben bestimmter Einzelpersonen aber bis heute entscheidend. Gezielt eingeworfene Rückblicke bis in die 1980er Jahre lassen langsam erahnen, wo die Ursache der nun anstehenden, allesamt sehr einfallsreichen Tötungsdelikte und dergleichen Mordversuche liegt.
Kurt-Otto Hattemer, der am liebsten mit seinem Fendt-Traktor durch die Weinberge fährt, da er das gleichmäßige Hämmern des Motors benötigt, um in Ruhe seinen Gedanken nachzugehen, stellt sich viele Fragen: warum wurde einer der Dorfbewohner aus der Feuerwehr herausgedrängt, warum hat Posthalters Sigrun bloß so blaue Unterarme, warum steht so viel Wasser im sonst so trockenen Südhang, was hatte das alles mit Edgars Kindern und Roswithas Todestag zu tun? Schließlich kommt er einer Familientragödie auf die Spur und dem Motiv, das sich um eine Gruppe alter Schulfreunde und die Entwicklung ihrer Lebenswege dreht, auf den Grund. Aber: mehr darf ich nicht verraten!
Zwischen den Passagen über die Dorfbewohner und ihre Verstrickungen miteinander erfährt man immer wieder historische Details. Andreas Wagner ist von Haus aus Historiker. Ich bin es auch. Und deswegen kann ich beurteilen, dass er weiß, wovon er schreibt. Und das ist klasse – allen voran im Einbau des alten Essenheimer Zehnthofes, der als Weingut eine wichtige Rolle im Buch spielt. Zuletzt in der kurpfälzischen Zeit prägten diese Zehnthöfe, in denen die wichtige geistliche Einnahmequelle des Zehnten verwaltet wurde, zahlreiche rheinhessischen Gemeinden, bevor sie 1803 der napoleonischen Säkularisierung unterworfen wurden. Und charmant baut Andreas Wagner auch immer wieder die sprachlichen Überbleibsel dieser französischen Besatzungszeit ein, die bis heute in vielen Bereichen prägend ist, ohne dass beim Leser ein „Malaise“ entsteht. Darüber hinaus treffen der geschickte Einbau und die Beschreibung teils jahrhundertealter hiesiger Gewannnamen und Lagebezeichnungen, die bedauerlicherweise allerorts nach und nach in Vergessenheit geraten, direkt ins Archivarinnenherz.
Was Andreas Wagner auch ist: Winzer. Ich bin es nicht. Und wovon ich keinerlei Ahnung habe: Wein und Weinbau. Wein schmeckt mir (leider) gar nicht und Weinbau hat mich nie wirklich interessiert, denn in meiner Thüringer Heimatgemeinde wird selbiger nicht angebaut. Aber: ich bin mir sicher, Andreas Wagner weiß auch hier genau, wovon er schreibt. Fast raucht einem der Kopf, was er über den Wein, den Weinbau und beider Entwicklungen der letzten Jahrzehnte zu berichten hat, doch der Lerneffekt der detailreichen Einblicke ist zumindest bei mir enorm: die Kirschessigfliege wütet im Dornfelder, aber nicht im Grauen Burgunder. Weißer Burgunder hilft nicht gegen zu viel Chili und Ingwer in der Herbstgemüsesuppe, passt dafür aber ganz wunderbar zur sahnigen Note von Geschnetzeltem. Mit dem Vollernter erntet man effizienter, wenn man im ersten Rundlauf nur jede zweite Reihe abarbeitet.
Rheinhessen ist Deutschlands größtes Weinanbaugebiet. Weingüter sind hier Familientradition, Lokalkolorit, Begegnungsorte. Im Frühjahr und vor allem im Herbst, wenn über ihnen der Duft von Federweißer und Rotem Rauscher liegt, bieten die ansässigen Straußwirtschaften eine besondere Atmosphäre. Funzelfahrten haben Kultstatus und sind Ausdruck rheinhessischer Lebensfreude. Der Name „Hattemer“ ist zwischen Selz und Rhein vertreten wie andernorts „Müller, Meyer, Schulze“. Ein Piffche als kleinstes Schankmaß für Wein kennt hier jedes Kind.
Andreas Wagner hat mit seinem Buch, aus dem deutlich der Bezug und die Liebe zu Rheinhessen herauszulesen sind, dafür gesorgt, dass sich zumindest meine Beschäftigung mit der Thematik Wein ändern wird, schließlich wohne ich heute ebenfalls in einem von Weinbau geprägten Dorf nur 25 km von Essenheim entfernt und bin mittlerweile Rhoihesse mit Leib und Seele. Schon lange sind kein Ockenheimer „Wein um 6“, kein Gau-Algesheimer „Donnerstags am Graulturm“, keine „Binger Sommernacht“ sicher vor mir – anstoßen kann man ja auch mit Traubensaftschorle und schließlich geht es hierbei um das, was die Rheinhessen ausmacht: ihre Geselligkeit.
Fazit: ich habe mir für diesen Krimi ganz bewusst Zeit genommen und ihn in zehn Stunden durchgelesen – ganz ohne Wein, ganz ohne Dosenbratwurst und ganz ohne jegliche Form von Langeweile, sondern immer mit Neugier und einem Schmunzeln um den Mund (der Konsum und der Leipziger Bowlingtreff sind mir als in der ehemaligen DDR geborene Endvierzigerin natürlich ein Begriff). Es ist natürlich kein rasanter und von nervenzerreißender Spannung durchtränkter Krimi, bei dem man Gänsehaut bekommt, sich die Fingernägel abkaut oder sich einem die Nackenhaare aufstellen und man nur noch mit Festtagsbeleuchtung einschlafen kann. Es ist eher eine menschliche Tragödie, die vor allem Mitleid mit nahezu allen Beteiligten hervorruft und dadurch Nähe schafft. Das kollektive menschliche Versagen erweckt Neugier und fesselt zugleich. Der ruhige und eher leichtgängig erzählte Krimi, der trotzdem ab und an unerwartete Wendungen mit sich bringt, macht Lust und Laune, ihn bis zum Ende lesen zu wollen, weil die teils wunderbar schrulligen Typen und ihre Dialoge so sympathisch gezeichnet sind, weil viel über die rheinhessische Historie und ihre Weinbaukultur geleert wird und weil dabei der Humor nicht zu kurz kommt. Genauso soll es für mich sein!
Klare Kaufempfehlung fürs Buch! Klare Besuchsempfehlung für eine Lesung von Andreas Wagner!
P. S.: Andreas Wagner lässt eine seiner Figuren im letzten Drittel des Buches sich echauffieren: „Eine Leiche im Getreidehäcksler und im Gärbottich gab es schon. Jetzt suchte man nach Alternativen und bediente sich bei weinbaulichen Großgeräten.“ Verrät in diesem Sinne die in diesem Band einsetzende professionelle Vermarktung von „Sigruns Winzerglut“ etwa bereits den nächsten Buchtitel?
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