Was passiert, wenn man die Philosophie von Immanuel Kant mit den Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz kombiniert – und dieses Werkzeug auf die großen Debatten unserer Zeit richtet? In Kantiges Denken II entwickelt Bernd Michael Lindenberg ein ungewöhnliches Experiment: Er greift Kants Analyse der vier Denkfallen des Kopfes – Unsinn, Wahnsinn, Wahnwitz und Aberwitz – auf und formt daraus ein KI-gestütztes Denkwerkzeug. Aus philosophischen Begriffen werden Analyse-Kategorien. Mit ihrer Hilfe lassen sich Argumente prüfen, Begriffe schärfen und typische Denkfehler in politischen, gesellschaftlichen und medialen Debatten sichtbar machen. Kant erscheint dabei nicht als Denkmal der Philosophiegeschichte, sondern als Werkzeug – eine Art „Schweizer Armeemesser des Denkens“, mit dem sich Argumentationen auseinandernehmen und ideologische Verzerrungen erkennen lassen. Der erste Teil des Buches zeigt, wie aus Kants Überlegungen ein solches Analyseinstrument entstehen kann – und wie Experimente mit Künstlicher Intelligenz dabei helfen, Denkfallen systematisch aufzuspüren. Der zweite Teil geht einen anderen Weg: Hier werden aktuelle Themen – von der Rentendebatte über die Macht moderner Tech-Eliten bis zu Fragen von Demokratie, Ideologie und öffentlicher Wahrnehmung – im Licht von Kant betrachtet. Das Ergebnis ist eine Denkübung zwischen Philosophie, Gesellschaftsanalyse und KI-Experiment – für Leserinnen und Leser, die Argumente nicht nur hören, sondern verstehen, prüfen und selbstständig weiterdenken wollen. Und noch ein Hinweis zum Schluss: An diesem Buch hat tatsächlich Künstliche Intelligenz mitgeschrieben. Der Autor selbst versteht seine Rolle dabei eher als die eines Regisseurs – oder, wenn man so will, als „Autisseur“. Oder anders gesagt: Vielleicht hätte Kant seine Freude daran gehabt.
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