Dieses Buch lässt uns Agatha Christie ganz neu entdecken: als Abenteurerin und junge unerschrockene Frau. Der berühmte Poirot-Darsteller David Suchet wiederholt die internationale Expedition, die Agatha Christie in den 1920er Jahren unternommen hat, und folgt ihren Spuren durch Kanada, Hawaii, Südafrika, Neuseeland und Australien. Mit seinem typisch britischen Charme und seinen aufschlussreichen Betrachtungen zeigt Suchet, welchen tiefgreifenden Einfluss diese Reisen auf die junge Agatha Christie hatten und wie sie ihre Zukunft als Queen of Crime prägten. Eine fesselnde Mischung aus Geschichte, Reise und persönlichen Einblicken, die eine Seite von Agatha Christie offenbart, die wir so noch nicht kannten.
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3.0/5.0
VolkerM
3/5
18.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wer Michael Palin kennt, wird David Suchet nicht lieben
1922 schickte die britische Regierung Archibald Christie in beratender Funktion auf eine ausgedehnte Weltreise zur Vorbereitung der großen Kolonialausstellung in Wembley Park 1924. Mit dabei war dessen Frau Agatha, damals als Autorin noch weitgehend unbekannt und gemeinsam bot sich ihnen die Chance, das Weltreich mit eigenen Augen zu sehen. Agatha war sofort Feuer und Flamme und diese erste große Reise wird ihr späteres Schaffen maßgeblich beeinflussen.
100 Jahre später ging David Suchet, bekannt als Darsteller von Agatha Christies Hercule Poirot, zusammen mit seiner Frau Sheila auf derselben Route noch einmal um die Welt, auf den Spuren der „Queen of Crime“ und ihren Figuren. Begleitet von einem Filmteam, durfte der 78-jährige Suchet allerdings das Flugzeug nehmen, während Agatha 1922 fast ein Jahr im Schiff unterwegs war. Seine Beobachtungen und Gedanken auf dieser Reise hat er in diesem Buch festgehalten.
Erwartet habe ich eine Mischung aus Dokumentation und geistreichem englischem Witz, ein bisschen wie Michael Palins berühmte Serie von spektakulären Weltumrundungen. Berührend, respektvoll, mit etwas Selbstironie und scharfer Beobachtungsgabe. So was in der Art. Bis auf den Respekt, der zweifellos vorhanden ist, habe ich bei David Suchet leider nichts davon gefunden. Die Begegnungen bleiben ausnahmslos seltsam unpersönlich und oberflächlich. So benutzt der Autor in Abwandlungen ständig Formulierungen wie „Es sind Geschichten, die zu kennen ich mich glücklich schätzen darf und an die ich mich stets erinnern werde. All das hat mein Leben verändert.“ Und dann erfährt der Leser buchstäblich keine Geschichten im Detail. Von ihnen bleiben höchstens kurze Notizen, Schilderungen, bei denen die Menschen kaum lebendiger werden als in einem Wikipedia-Eintrag. Ein paar Fakten zur Tätigkeit, den Verwandtschaftsverhältnissen, ein mahnender Absatz zur kolonialen Weltgeschichte und weiter geht es. Das Schema wiederholt sich, unterbrochen von kurzen Anekdoten aus David Suchets Leben mit Hercule Poirot. Das sind offen gestanden die interessanteren Passagen, da man viel über die Schauspielerei und die mentale Vorbereitung auf Rollen erfährt. Auch hat sich Suchet intensiv mit Agatha Christie auseinandergesetzt, deren Briefe und Tagebücher er wirklich studiert hat. Welche Einflüsse hatten welche Reisen auf ihr Werk? Wie entstanden Figuren wie Hercule Poirot, was waren die Vorbilder? Was für eine Person war die junge Agatha Christie? Das Problem bei diesem Ansatz ist es, den Leser bei der Stange zu halten, denn David Suchet neigt leider sehr zu den etwas pathetischen Phrasen der oben genannten Art, die eher an Smalltalk mit der Queen erinnern. Hinzu kommt, dass Davids Erlebnisse auf der Reise keinen Entdeckercharakter haben, sondern an eine reichlich normale Pauschalreise erinnern. Die Kimberley Mine in Südafrika, Viktoriafälle und Safari in Simbabwe, die Fahrt in einer Museumsbahn in Australien, eine Edelsteinschleiferei in Neuseeland, Hulatanzen auf Hawaii und nochmal Eisenbahnfahren in Kanada. Das sind weitgehend die Highlights. Und kaum eines der Highlights bringt es auf mehr als eine Seite im Buch. Der Rest sind biografische Notizen über Agatha Christie und Suchets eigene Lebenserinnerungen, vorgetragen mit einer überwältigenden Liste an Bescheidenheitsvokabeln: So viel „ich durfte“, „mir war vergönnt“, „mit Dankbarkeit erinnere ich mich“ ist wirklich selten. Ich glaube ihm ehrlich, dass er seine Frau Sheila liebt, aber nach der fünften Wiederholung dieser Tatsache hat es der durchschnittlich aufmerksame Leser dann doch geschnallt und man sollte sich andere Themen suchen. Auch die Fotos haben leider nur das Niveau konventioneller Urlaubsfotografie und übertragen auf den Betrachter weder Emotionen, noch sind die ästhetisch herausragend oder erzählen für sich genommen eine Geschichte. Es ist die visuelle Begleitmusik einer luxuriösen aber aus meiner Sicht etwas langweiligen Pauschal-Weltreise.
Ich habe anfangs meine Erwartungshaltung beschrieben und hoffe, es ist erkennbar, dass diese nicht erfüllt wurde. Die einzigen Personen, die auf dieser Reise lebendig werden, sind Agatha Christie und David Suchet. Wer Michael Palins Bücher kennt, weiß, dass das auch ganz anders geht.
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