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Der Roman, über den ganz Amerika spricht: Auf einer Landstraße kollidiert das Fahrzeug der fünfköpfigen Familie Cassidy-Shaw mit einem entgegenkommenden Wagen. Die Familie überlebt, zwei Fremde sterben. Der siebzehnjährige Charlie saß auf dem Fahrersitz, doch gesteuert wurde der Minivan von einem System, das menschliche Fehler vermeiden soll. Mit psychologischer Schärfe und erzählerischer Wucht führt dieser Roman unsere Gegenwart an ihre ethischen Grenzen – und stellt Fragen nach Schuld, Sühne und Vergebung, wenn KI Menschenleben kostet.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Bianka
Thalia Book Circle Community
5/5
17.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwischen künstlicher Intelligenz, Schuld und Familie
Mit Die letzten zehn Sekunden habe ich eine Geschichte gelesen, die thematisch mal etwas ganz anderes für mich war. Künstliche Intelligenz, autonome Fahrzeuge und die Frage, wer eigentlich die Verantwortung trägt, wenn durch solche Technologien Menschen zu Schaden kommen – das fand ich unglaublich interessant. Und je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr merkt man, dass es hier nicht einfach nur um einen Unfall geht.
Im Mittelpunkt steht die Familie Cassidy-Shaw. Vater Noah ist Anwalt, seine Frau Lorelei eine renommierte Wissenschaftlerin auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz. Als die Familie mit ihrem autonomen Minivan in einen schweren Unfall verwickelt wird, überleben zwar alle Familienmitglieder, doch zwei Menschen im entgegenkommenden Auto sterben. Charlie, der siebzehnjährige Sohn, saß am Steuer, gefahren wurde der Wagen allerdings von einem System, das eigentlich menschliche Fehler verhindern soll.
Damit stehen plötzlich viele Fragen im Raum. Wer trägt die Verantwortung für das Geschehene? Wie viel Schuld trifft den Menschen, wie viel die Technik? Und wie geht eine Familie damit um, wenn ein einziger Vorfall das Leben aller Beteiligten verändert?
Während die Polizei den Unfall untersucht, versucht Noah, seine Familie zusammenzuhalten und mit den Folgen umzugehen. Charlie muss sich mit einer ungewissen Zukunft auseinandersetzen, während Loreleis wissenschaftliche Arbeit eine zusätzliche Dimension in die Geschichte bringt. Ihre Forschung eröffnet faszinierende Möglichkeiten, wirft aber auch schwierige ethische Fragen auf. Denn was passiert, wenn Technologien, die Menschen entwickelt haben, für Zwecke eingesetzt werden, die weit über das ursprünglich Gedachte hinausgehen?
Genau diese Verbindung aus Familiendrama und technologischen Entwicklungen fand ich besonders spannend. Der Roman beschäftigt sich nicht einfach damit, ob künstliche Intelligenz gut oder schlecht ist. Vielmehr geht es darum, welche Möglichkeiten sie bietet, welche Risiken damit verbunden sind und wie schwierig es sein kann, Verantwortung eindeutig zuzuordnen. Das fand ich gerade deshalb interessant, weil diese Fragen längst nicht mehr nur in der Zukunft eine Rolle spielen.
Auch die zwischenmenschlichen Beziehungen haben mir gefallen. Die Familie muss nicht nur mit den äußeren Folgen des Unfalls umgehen, sondern auch mit den eigenen Gefühlen, Konflikten und Geheimnissen. Dabei wird deutlich, wie unterschiedlich Menschen auf dieselbe Situation reagieren können und wie schwer es manchmal ist, offen miteinander zu kommunizieren.
Besonders Noahs Perspektive hat mich dabei angesprochen. Ich kann gar nicht genau erklären, warum, aber ich konnte mich unglaublich gut in ihn als Vater hineinversetzen. Dieses Beschützenwollen, die Sorge um den eigenen Sohn, gleichzeitig die Wut und Enttäuschung über dessen Verhalten und trotzdem diese Liebe – all das konnte ich gut nachvollziehen. Man möchte sein Kind vor den Folgen seiner Entscheidungen bewahren, weiß aber gleichzeitig, dass man ihm nicht alles abnehmen kann. Gerade diese widersprüchlichen Gefühle fand ich sehr interessant.
Lorelei ist mir in ihrer Art dagegen deutlich fremder. Sie ist unglaublich intelligent, denkt sehr analytisch und geht an vieles anders heran als Noah. Trotzdem fand ich es spannend, auch ihre Perspektive kennenzulernen und zu sehen, wie unterschiedlich die beiden mit schwierigen Situationen umgehen. Die Kommunikation zwischen ihnen konnte ich nicht immer ganz nachvollziehen. Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass sie offener miteinander reden, anstatt bestimmte Dinge mit sich selbst auszumachen.
Trotzdem hatte ich beim Lesen die ganze Zeit das Gefühl, mitten in dieser Familie zu sein. Ich habe die Figuren durch ihre Konflikte begleitet, mitgerätselt und überlegt, wie die verschiedenen Ereignisse zusammenhängen. Dabei ging es für mich nicht nur darum, herauszufinden, was hinter allem steckt, sondern auch darum, wie die einzelnen Familienmitglieder mit dem umgehen, was ihnen widerfährt.
Für mich war Die letzten zehn Sekunden eine richtig gute Geschichte, die mich durch ihre ungewöhnliche Thematik und ihre Figuren überzeugt hat. Die Mischung aus künstlicher Intelligenz, moralischen Fragen und familiären Konflikten hat mir sehr gefallen. Besonders spannend fand ich, dass ich mich auf eine Geschichte einlassen konnte, die sich von vielem unterscheidet, was ich sonst lese, und dass ich mich dabei so gut in Noahs Gedanken und Gefühle hineinversetzen konnte.
Von mir gibt es verdiente fünf Sterne!
begine
aus Lemwerder
5/5
07.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Autodrive
Die letzten zehn Sekunden, von Bruce Holsinger, ist ein Roman der neuen Generation.
Das Thema ist das KI Problem. Ich persönlich traue der KI nicht. In neuester Zeit gab es ja schon Defekte die Angst machen, wenn sich die KI selbstständig macht.
Das Auto der fünfköpfigen Familie Cassidy ist mit einem Autodrive ausgerüstet.
Erschreckend wie unbekümmert alle so sicher sind. Der siebzehnjährige Charly sitzt an Steuer, sein Vater sitzt daneben, aber der ist mit seinem Memorandum beschäftigt.
Als seine Schwester schreit, zerreißt Charly das Steuer und es kommt zu einem Unfall. Die fünf überleben, aber das ältere Ehepaar aus dem anderen Auto stirbt.
Da geht es jetzt um die Schuldfrage.
Der Roman ist spannend bis zur letzten Zeile.
Reader1965
aus Hamburg
4/5
18.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wer übernimmt Verantwortung?
In "Die letzten zehn Sekunden" greift Bruce Holsinger das aktuelle Thema "KI" auf. Es geht um die Frage, wer verantwortlich ist, wenn der KI Fehler passieren? Hierbei geht es um die Aspekte Ethik, Moral, Recht & Schuld.
Die Geschichte hat mich durchgängig gefesselt und lässt sich gut & flüssig lesen. Sie ist gut aufgebaut. Stück für Stück offenbaren sich Zusammenhänge & Geheimnisse und durch einige Wendungen bleibt es bis zum Ende spannend. Diese Mischung aus Spannung & gesellschaftsrelevanter Thematik gefällt mir und auch, dass der Roman Raum für eigene Gedanken lässt & zum Diskutieren anregt.
Fazit:
KI wird eine immer größer werdende Rolle in unserem Leben spielen und ich empfehle diesen Roman allen, die sich damit auseinandersetzen möchten.
Jürg K.
4/5
16.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eindrückliches Buch
Diese Geschichte fasziniert durch den Einsatz von KI. Auf dem Fahrersitz sass der siebzehnjährige Charlie, doch gesteuert wurde das Auto von einem System. Die letzten zehn Sekunden hat mich tief getroffen und lange nachklingen lassen. Die Geschichte um die Familie Cassidy-Shaw und den siebzehnjährigen Charlie ist mehr als ein Gerichtsdrama. Sie ist ein Spiegel unserer Zeit, in dem Technik, Verantwortung und menschliche Zerbrechlichkeit aufeinanderprallen. Besonders beklemmend finde ich, wie der Roman die vermeintliche Objektivität der KI dem chaotischen, verletzlichen Innenleben der Figuren gegenüberstellt. Dass ein System, dem wir Vertrauen schenken, über Leben und Schuld mitentscheidet, macht die Schuldfrage nicht einfacher, sie wird komplexer, schmerzhafter.
Bruce Holsinger schreibt mit psychologischer Schärfe, die Perspektiven sind so nah, dass man die Atemlosigkeit der Familie förmlich spürt. Gleichzeitig gelingt es, die öffentliche Empörung und die Medienmaschinerie als eigene, zerstörerische Kraft zu zeigen. Für mich ist das Buch kein moralischer Zeigefinger, sondern ein dringender Appell. Wir müssen über Technik nachdenken, ohne die Menschen dahinter zu vergessen. Ein klug gebauter, emotionaler Roman, der ethische Fragen stellt, statt einfache Antworten zu liefern und genau deshalb bleibt er mir im Kopf.
SimoneF
3/5
11.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Etwas Potential verschenkt
Es sollte ein unbeschwerter Familienausflug werden, als das autonome Fahrzeug von Familie Cassidy-Shaw mit einem entgegenkommenden Wagen kollidiert. Die Cassidy-Shaws werden nur leicht verletzt, die beiden Insassen des anderen Autos sterben. Nun stellt sich die Frage nach Verantwortung und Schuld: Am Steuer saß der 17-jährige Charlie. Sein Vater, der rechtlich gesamtschuldnerisch mithaftet und auf dem Beifahrersitz saß, arbeitete am Laptop. Auch die Mutter nutzte die Fahrt zum Arbeiten. Wer kann nun für den Unfall haftbar gemacht werden? Der Fahrzeughersteller, der Fahrer oder der Vater?
Auch wenn aktuell in den USA und Europa noch keine autonomen Level-4-Fahrzeuge wie der fiktive SensTrek aus dem Roman auf allen Straßen zugelassen sind (insbesondere nicht in Delaware, wo der Roman spielt), wird es wohl nicht mehr lange dauern, bis dies Wirklichkeit wird. Die rechtlichen, moralischen und ethischen Fragen, die sich aus dem Einsatz von KI in sicherheitsrelevanten Bereichen ergeben, finde ich hochspannend, und ich war sehr neugierig, wie der Autor Bruce Holsinger das in seinem Roman aufgreifen würde.
Aufgrund der sehr positiven Kritiken in den USA hatte ich sehr hohen Erwartungen an das Buch, die sich letztendlich nicht erfüllt haben. Eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit den oben genannten Fragen findet leider nicht statt. Die Geschichte wird aus Sicht von Vater Noah erzählt, einem eher durchschnittlichen Anwalt, der Minderwertigkeitskomplexe gegenüber seiner Frau Lorelei hat, ständig überfordert wirkt und vor allem Mitleid mit sich selbst und seiner Familie hat. Er verliert sich immer wieder in der Beschreibung von Äußerlichkeiten, etwa wenn er selbst verzückt ist von der Schönheit seines muskulösen, sportlichen Sohnes oder seiner Frau, dass es mich zunehmend nervte. Warum der Autor ausgerechnet Noahs Perspektive gewählt hat, ist mir schleierhaft. Ich hätte Charlies oder Loreleis Blickwinkel wesentlich interessanter gefunden.
Lorelei ist eine preisgekrönte Professorin und international gefragte Expertin im Bereich Algorithmische Ethik und Informatik. Diese fachliche Exzellenz bleibt im Roman jedoch bloße Behauptung, auch wenn einige Kapitel mit Zitaten aus einem von ihr verfassten Buch enden. Ihr moralischer Kompass versagt erstaunlich schnell, wenn es um ihre eigene Familie geht. Als Figur bleibt sie blass und entspricht dem Klischee der neurotischen, etwas lebensfremden Wissenschaftlerin.
Insgesamt bietet dieser Roman sicher eine gute Ausgangsbasis für eine Diskussion rund um KI-Systeme, verschenkt aber meiner Meinung nach viel Potential.
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