Von der gefeierten Autorin von »Das Lieben danach«: Wie gut kennen wir unsere eigenen Eltern – ihre Leidenschaften und Abgründe? Tief berührend, weitreichend: Helene Bracht, die erst mit fast siebzig Jahren zum Schreiben fand, erzählt von uns allen, indem sie von ihrer Mutter erzählt. Voller Wucht und Schönheit beschreibt sie den Sommer des Abschieds von ihrer alten Mutter Irma. Und damit eine zutiefst vom 20. Jahrhundert versehrte Biografie, deren Bedingungen der Tochter erst jetzt klar werden. Trotz Kriegs- und Gewalterfahrungen, trotz bürgerlicher Enge hielt Irma immer am Lachen und an der Sehnsucht fest. Vor der letzten gemeinsamen Zeit sah die Tochter sie sogar noch einmal tanzen, voller Leichtigkeit und Andacht. Was bleibt davon? Was von der Fülle eines ganzen gelebten Lebens? Es bleiben Erinnerungen wie dieses ungeheuer wahrhaftige Buch voller Trost.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
begine
aus Lemwerder
5/5
18.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mutter
Helene Bracht schreibt in dem Roman „
Irma tanzt“ über ihre Mutter.
Nach dem Schlaganfall Irmas findet sie Brefe, die zwischen ihren Eltern geschrieben wurden.
Über die Ansichten des Vaters, bin ich entsetzt. Zwischen uns hätte es richtig gekracht.
Irma hat in ihrem Leben wenig Glück, deshalb hat sie Angst vor Verlusten.
Ich habe den Roman sehr gerne gelesen und kann ihn nur weiter empfehlen
Bewertung
Thalia Book Circle Community
4/5
18.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Berührende Erinnerungen an die Mutter
In ihrem neuen Buch „Irma tanzt“ verarbeitet die spätberufene Autorin Helene Bracht den Tod ihrer Mutter und blickt zurück auf deren von Krieg und Entbehrungen geprägtes Leben.
Irma musste in ihrem Leben viel ertragen. Geboren 1911, ihre Mutter starb kurz nach der Geburt und die kleine Irma verbrachte die ersten Jahre im Heim, ihr leiblicher Vater hatte kein Anrecht auf sie. Erst als Kleinkind wurde sie von einer Tante adopiert. Sie überlebte den Krieg und Gewalterfahrungen, beides prägte ihr weiteres Leben:
„Auch später wurde ich das Gefühl nie los, dass es ihr eine gewisse Befriedigung verschaffte, sich all diesen Strapazen auszusetzen, ja, dass sie sich darin wohlfühlte. Wer hässlich ist, muss schuften, schien das dazugehörige Motto zu sein. So war sie es gewohnt, so war es vor allem im Krieg und nach dem Krieg immer gewesen. Man musste wuchten, kriechen, hungern, schleppen, frieren, sammeln, dienen. Kurz, man durfte sich für rein gar nichts zu schade sein. Ein Kernglaube ihrer Existenz.“
Dennoch glaubte ihre Mutter stets an das Gute im Menschen, sie lachte gerne und hatte eine Vorliebe für Musik und das Tanzen.
Während ihre Mutter nach einem Schlaganfall im Krankenhaus liegt, stößt die Autorin auf eine Mappe mit Briefen zwischen ihren Eltern. Dies zu lesen ist schmerzhaft; erst jetzt begreift sie, dass ihre Eltern das verband, was man heute eine toxische Beziehung nennt.
„Alle folgenden Briefe meiner Mutter klingen ohne nennenswerte Variationen ähnlich. Sie zu lesen, war eine Qual für mich. Ihre ans Obszöne grenzende Selbsterniedrigung schnürte mir die Luft ab. Ich erinnerte mich auch sofort daran, wie sie mir später erzählt hatte, dass sowohl ein von ihr sehr geschätzter Geistlicher als auch eine vertraute weltliche Beraterin, die sie im Laufe der Jahre aus wachsender Verzweiflung heraus aufgesucht hatte, ihr in nahezu wortgleicher Übereinstimmung den Rat gegeben hatten: ‚Gehen Sie den unteren Weg. Zeigen Sie sich ihm gegenüber demütig. Der Mann ist der Kopf der Frau.‘ Ich höre heute noch ihre zerknirschte Stimme, dieses über ihr Leben verhängte Urteil zitierend. Sie hat sich daran gehalten.“
Helene Bracht hat mit „Irma tanzt“ eine sehr berührende, liebevolle Biographie über ihre Mutter geschrieben; ein gleichermaßen persönliches wie nachdenklich stimmendes Buch.
Vielen Dank an den Hanser Verlag & NetGalley für das Rezensionsexemplar!
Bewertung
4/5
14.08.2026
eBook (ePUB)
Über eine Frau, die es von Anfang an im Leben schwer hatte..
Helene Bracht erzählt in diesem Buch biografisch über ihre Mutter Irma. Warum war sie wie sie war und wie hat sie es geschafft, trotz aller Schicksalsschläge und Hürden im Leben nicht die Kraft zu verlieren.
Der Schreibstil war schön und verständlich, aber nicht merkbar hervorzuheben. Es kam mir etwas wie ein Versteckspiel vor: meine Mutter war soundso und dann folgen z.B. etliche Briefwechsel zwischen ihr und ihrem Mann, in dem die häusliche Drangsalierung offenbart wird. Auch wenn es furchtbar ist, gefiel es mir gleichzeitig, dass die Autorin die Gräueltaten überhaupt und direkt angesprochen hat und nicht um den heißen Brei.
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