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Tonia Schreiber ist Büglerin. Mit der Hand bügelt sie die Wäsche ihrer vermögenden Heidelberger Kunden. Die Arbeit erledigt sie mit Sorgfalt und Präzision, obgleich sie schlecht bezahlt wird. Denn das Bügeln ist ihre Form der Buße. Sie büßt für eine Tat, die ihr Leben unwiderruflich verändert hat. Ein Leben, das unter den besten Vorzeichen stand: Als Tochter renommierter Botaniker verbrachte sie ihre Kindheit auf einer Segeljacht. Später lebte sie in Wien in der elterlichen, mit Aquarien ausgestatteten Villa und zog gemeinsam mit ihrer Halbschwester ihre Nichte Emilie auf. Bis Emilie auf tragische Weise starb. Und Tonia alles aufgab, ihre Freunde, ihren Reichtum, die Wissenschaft. Sie verließ ihre Heimatstadt Wien und begann zu bügeln. Doch das Leben ist noch nicht ganz fertig mit ihr. Denn der Zufall spielt ihr etwas in die Hände, das Emilies Tod in ein anderes Licht rückt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Bewertung
5/5
24.03.2023
Buch (Taschenbuch)
Eine Geschichte vom Bruch in der Vita einer jungen Frau und ihr Weg zurück zur Lebensfreude.
Steinfest vermag es vorzüglich, den Leser mit vibrierender Neugier in der Schwebe zu halten. Seine Einfälle zeugen von nahezu hyperaktiver Kreativität - wobei er immer auch eine schlüssige Entwicklung der Figuren und der Story im Auge behält. Er schreibt mit feinem Humor und fast lakonisch über tiefe Gefühle.
Tonia Schreiber fühlt sich schuldig am Tod ihrer Nichte.
Sie, die eine wohlbehütete Kindheit auf einer Segelyacht verbracht hat und im Anschluß ein beachtliches Erbe antratt, lässt zur selbstauferlegten Buße allen Komfort und ihr altes Leben hinter sich, um fortan als Büglerin bei einer reichen Heidelberger Familie zu arbeiten.
Mich haben die originellen Blickwinkel und die überraschenden Wendungen ein Stück weit an die Fabulierlust von John Irving erinnert.
Intelligente Literatur mit hohem Unterhaltungswert!
Edith Berger
aus 3istau
5/5
08.05.2020
Buch (Taschenbuch)
großes Lesevergnügen
"Das Licht war von der allergrößten Bedeutung. Bügeln stellte eine besondere Form von Malerei dar. Jedenfalls, wenn man die Bügelarbeit so ernst nahm, wie sie es tat" In ihrem früheren Leben war Tonia Schreiber Meeresbiologin. Nach einer familiären Tragödie verlässt sie Wien. Sie lässt alles hinter sich. Ihren erdrückenden Schuldgefühlen versucht Tonia mit Selbstbestrafung beizukommen. Als Büglerin scheint sie einer gewissen Vergebung nahe zu kommen. Mit Anstrengung, Sorgfalt und Eintönigkeit.
C. Welser
aus Salzburg
5/5
27.06.2019
eBook (ePUB 3)
Authentisch
Ein bedächtig erzählter Roman mit großem Sprachbewusstsein und einem Inhalt mit Tiefenwirkung. Alles was das Herz anspruchsvoller Belletristikleser begehrt. Ein schöner Lesetipp!
Leserin X
aus Wien
1/5
05.12.2022
Buch (Taschenbuch)
Von Trier
Ich kannte den Schriftsteller nicht, wurde erst über einen Bericht zu "der betrunkene Berg" auf ihn aufmerksam.
Ein schwieriges Buch. Nach 40 Seiten wollte ich es in einen offenen Bücherschrank stellen, las es dann aber doch fertig. Zwischendurch fand ich es sogar gut. Am Schluss wieder nicht.
An sich tolle Sache: Eltern Naturwissenschaftler, die durch Zufall an Geld kamen und es dann auch sinnvoll investierten, nämlich in Freiheit auf einem Boot. Die Beschreibung der Eltern klingt aber nicht so, sondern eher nach depressiv werdenden Alkis (Kann man in Freiheit überhaupt depressiv werden ??), und auch Tonia, die sich als Teenagerin (im Internat) nach einem Sommer allein mit ihren Eltern am Boot sehnt ist mir nicht nachvollziehbar. Jede 15 jährige will doch irgendwo mit Party und Jungs, aber sicher nicht mit den Eltern Urlaub machen, oder ? Irgendetwas stimmt mit der Zeichnung dieser Teenagerin schon nicht, dass die (so beschriebenen) alki-depressiven Eltern in Folge kentern und sterben wird glaube ich vom Autor selbst in die Nähe eines vielleicht sogar beabsichtigten Todes gerückt. Und auch Tonia will insgeheim nur leiden und sterben. Dass ihre Nichte dann aber stirbt, und nicht sie, macht sie zur Büglerin (Busse tun).
Ihr - absichtlich oder zumindest halb absichtlich selbst herbeigeführter - Tod und die gleichzeitige wundersame Rettung der Tochter ihres Freundes, des Gemüsehändlers (der allerdings ein sehr netter Mensch zu sein scheint), scheinen der Geschichte ihr "rundes" Ende zu geben. Ein Ende, das allerdings eher in einen Horrorfilm passen würde (Midsommer etwa).
Spätestens mit den Dosenravioli und der partyfreien Jugend hatte ich den Eindruck, dass hier das Katholische mitmischt. Mir war nur nicht klar, ob das Absicht war, quasi um es zu überzeichnen und später aufzulösen oder ins Absurde zu führen. Oder eher nicht. Dass Tonia ihr Vermögen dann ausgerechnet der Kirche vermacht ( wie kommt man auf so eine Idee ?), dies "um sich selbst zu bestrafen", fand ich nicht nachvollziehbar (man könnte es ja zb. dem oder der Erstbesten, den/die man auf der Strasse trifft vermachen etc ), dazu hätte ich eine Erklärung gebraucht. Den Vermögensverwalter, der sie doch angeblich mochte "wie eine eigene Tochter" und diese Entscheidung zufrieden gutierte, fand ich pervers (oder habe nicht kapiert, dass er definitiv ein Perverser ist). Am Schluss kamen mir Bilder von "Breaking the Waves" in den Sinn, dem äusserst kontroversen Film von Lars von Trier. Auch hier geht eine junge Frau an Bord eines Schiffes, wissend dass man sie dort umbringen wird. Und das, damit ihr Mann wieder gesund wird. Es funktioniert ( "ein Wunder"), wobei man Lars von Trier zu unterstellen versuchte, mit diesem Opfer/ Wunder Ding dennoch keine Werbung für die katholische Kirche gemacht zu haben, sondern das Gegenteil bewirken wollte. Aber was weiss man.
Insgesamt kam mir Wien "muffig" und alt, Heidelberg sehr luftig angenehm vor, und wenn Tonia am Schluss beschlossen hätte, den ganzen Trip nun ausreichend abgehandelt zu haben, und mit ihrem eh netten Gemüsehändler ein peppiges Gemüse-Lokal in Mallorca aufgemacht hätte, hätte ich über den schwierigen Anfang des Buches hinweggesehen. Dann hätte es Wendungen gegeben, Entwicklungen, Überraschungen, Kreativität. Etwas, das mir an den Figuren (den meisten) von Martin Suter etwa gefällt. So aber ist es schwere Kost, finde ich. Zu schwer für meinen Geschmack, obwohl es zwischendurch luftige Sequenzen gab.
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