Sichtbare Gebrauchsspuren auf einigen Seiten z.B. leichte Knicke oder vereinzelte Markierungen möglich. Die gelieferte Auflage und das Cover können ggf. abweichen.
Irene Diwiak beleuchtet in ihrem neuen Roman die faszinierende Welt der Reichen und Schönen in Italien. Und sie zeigt auch deren Abgründe.
Christina reist nach Italien, um bei der Hochzeit ihrer Cousine Marietta zu fotografieren; sie kennt bisher weder die Braut noch deren Geschwister. Der Reichtum der Familie ist beeindruckend: Sie wohnen in einer schlossartigen Villa, und alle im Dorf scheinen für sie zu arbeiten und vor allem auf die Frauen der Familie zu hören.
Doch die Idylle ist trügerisch: Nach wenigen Tagen findet Christina die Leiche von Blanca, die zuvor als Fotografin vorgesehen war. Und auch sie hat das Gefühl, auf Schritt und Tritt verfolgt zu werden.
Irene Diwiak gelingt es meisterhaft, uns in eine faszinierende Welt zu entführen, in der man sich wenig Mühe gibt, den Eingang zur Hölle zu verstecken.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Bewertung
aus Düsseldorf
4/5
06.12.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Roman, der abseits allem bisher Bekannten wandelt
Ich beschreibe mich selbst als einen Menschen, der relativ gut Krimis entschlüsseln kann. Ich wäge alle Fakten ab, studiere die einzelnen Protagonisten, suche zwischen den Zeilen nach versteckten Botschaften und wenn es nicht allzu komplex ist, kann ich zumindest eine grobe Einschätzung abliefern was das wahre Gesicht der Geschichte betrifft, was die Intention hinter der Storyline ist und im Endeffekt wie eins zum anderen kam.
In dem Fall von "Malvita" von Irene Diwak muss ich zugeben, dass ich bis zum Schluss und über den Schluss hinaus ahnungslos geblieben bin, denn ihre Geschichte, die Erzählart, sowie die Protagonisten, allen voran Christina, sowie ihre Charakterzüge- das alles hat sich zu einem Spinnennetz verwoben, in dem ich gefühlt mit meiner kleinen Ahnung nur eine Fruchtfliege am Rand gewesen zu sein scheine, die das große Ganze, das wahre Böse nicht annähernd begreifen kann.
Christina reist nach Malvita zur Hochzeit ihrer Cousine, die sie bisher nicht wirklich kennt, sowie den ganzen restlichen Familienzweig, aber es ist eine gefundene Abwechslung für sie in diesem Moment und ihr fotografisches Talent ist gefragt, sodass sie diesen Job nicht ablehnen kann. Sie stößt in Malvita auf eine Riege dominanter Frauen in ihrer Verwandschaft, die alle ihr eigenes Ziel verfolgen und als Christina langsam die Zeichen zu deuten weiß, steht sie bereits selbst mit dem Rücken zum Abgrund.
Ein skurriles Ereignis reiht sich an das nächste, nichts ist durchschaubar, kein roter Faden erkennbar. Irene Diwak wirbelt alles durcheinander, überrascht, verblüfft und hinterlässt sprachlose Leser. Ich konnte mich beim Lesen von dem beklemmenden Gefühl nicht lösen permanent im falschen Film zu sein. Unbequem, unangenehm und auf ironische Art und Weise süffisant begleitet der Leser Christinas Reise durch ihre eigene Familie, die Laster der Vergangenheit und Entscheidungen für die Zukunft. Eine Empfehlung für alle, die sich auf eine außergewöhnliche, komplizierte Geschichte einlassen wollen, die schwarzen Humor zu schätzen wissen und die Skurilles nicht scheuen.
Bewertung
4/5
30.11.2020
eBook (ePUB)
Malvita - das böse Leben in einer schönen Umgebung
Eine Familie voller Geheimnisse, in der jeder ein tragisches Päckchen mit sich zu tragen hat. Und Christina mittendrinnen. Von ihrem Freund und ihrer besten Freundin hintergangen und betrogen, macht sie sich auf nach Italien. Dort soll sie als Fotografin auf die Hochzeit ihrer Cousine. Sie hat den Teil ihrer Familie noch nie getroffen und ist überwältigt von deren Schönheit und Perfektion - aber ist wirklich alles so perfekt? Was liegt hinter den kühlen Fassaden und dem schönen Schein? Was ist mit der ermordeten Blanca passiert, die vor ihr als Fotografin gearbeitet hat? Und welche Rolle spielt Christina selbst dabei?
Ich hatte teils ein sehr beklemmendes Gefühl beim Lesen. Es wirkt alles sehr kühl und skurril auf mich und steht im Widerspruch zur Wärme und Herzlichkeit, die man eigentlich mit Italien verbindet. Gleichzeitig liegt ein Knistern in der Luft, das mich sehr neugierig gemacht hat und das Lesen des Buches war, als würde man immer wieder eine Tür öffnen, von der man weiß, dass man sie vielleicht lieber zu lässt.
Ein Buch, das auf jeden Fall für sich steht und den Leser nachdenklich, verwirrt und teils verstört zurücklässt.
https://lieslos.blog/
4/5
27.10.2020
eBook (ePUB)
Eine Welt der Schönen und Reichen...
Das frühlingshaft farbenfrohe und heitere Cover mit Mohnblumen ist schon das erste, wunderschöne und verführerische Täuschungsmanöver der Autorin Irene Diwiak. Es ist schon deshalb gut gewählt, weil man spätestens nach dem Zuklappen des Romans sagen muss: Die Fassade kann trügen und einen auf Irrwege leiten…
Christina, Studentin und Hobbyfotografin, befindet sich in einer deprimierenden Lebensphase, seit ihr Freund sie mit ihrer besten Freundin betrogen hat. Sie zieht sich enttäuscht zurück und treibt durch ihren Alltag. Erst eine Einladung bzw. Anfrage ihrer Tante Ada aus der Toskana erweckt sie ansatzweise aus ihrer Lethargie.
Die Schwester ihrer Mutter bittet sie darum, auf der Hochzeit ihrer Tochter Marietta zu fotografieren. Eine Einladung, die Christina zunächst überfordert, die aber eigentlich genau zum rechten Zeitpunkt erfolgt.
Christina kennt die italienischen Verwandten nicht. Sie weiß nur, dass ihre Tante in die äußerst wohlhabende Familie Esposito eingeheiratet hat.
Als sie nach einer Zugfahrt durch freundlich-mediterrane Regionen in dem abgelegenen, menschenleeren und unbelebten Ort Malvita bei Florenz ankommt und nach der Fahrt im flotten Sportwagen ihrer Cousine Elena, der Schwester der Braut, die stattliche und schlossähnliche Villa der Espositos auf dem Berg entdeckt, ist sie erstaunt und überwältigt.
Zahlreiche unterwürfige Bedienstete in blauen Uniformen kümmern sich beflissen um das großräumige Domizil der vermögenden Verwandten, die nicht minder außergewöhnlich erscheinen, als der eigentümliche und extravagante Ort, an und in dem sie leben.
Ihre Cousinen Marietta und Elena sehen umwerfend aus und sind ziemlich sonderbar. Auch ihr Cousin Jordie erscheint ihr irgendwie merkwürdig.
Die Hochzeitsplanerin Angelina hat etwas einschüchterndes und beängstigendes und von Nino, der ihr als Übersetzer den Aufenthalt erleichtern soll, fühlt sie sich beobachtet und kontrolliert.
Eine unheilvolle, unheimliche und latent bedrohliche Stimmung zieht auf.
Das alte verwinkelte Gemäuer der Villa wirkt ähnlich beklemmend und düster wie die unterkühlten und distanzierten Menschen, die sich darin bewegen.
Christina erfährt über kurz oder lang nicht nur, dass sie der Ersatz für die ursprünglich engagierte Fotografin Blanca ist, sondern sie entdeckt sogar deren Leiche!
Sie wittert Geheimnisse um die noble und reiche Familie Esposito. Sie wird neugierig und gerät in Gefahr.
Ich hatte großen Spaß daran, in diese fremde, eigentümliche und geheimnisvolle Welt der Reichen und Schönen einzutauchen und einen Blick in ihre Abgründe zu werfen.
Mit bildhafter Sprache beschreibt und zeichnet die Autorin ihre Figuren in all ihrer Vielschichtigkeit und Unterschiedlichkeit, weshalb sie trotz ihrer Außergewöhnlichkeit und Eigenart authentisch und glaubhaft wirken und psychologisch interessant sind.
Christina, die Protagonistin, ist eine eindrucksvolle junge Frau. Ich fragte mich oft, warum sie nicht einfach die Koffer packt und wieder geht. Ihre Entwicklung überraschte mich, war aber nachvollziehbar und stimmig.
„Malvita“ ist ein atmosphärischer, lesenswerter und kurzweiliger Pageturner, dem Humor und Zynismus nicht fehlen und der gesellschaftskritische und moralische Fragen aufwirft und zum Nachdenken anregt.
Irene Diwiak führt ihre Leser manchmal an der Nase herum, leitet sie auf Holzwege, spielt vielleicht sogar mit ihnen.
Sie vermittelt brillant die verschiedenen Stimmungen und schafft es, die unterschiedlichsten Emotionen im Leser auszulösen
Mit dem offenen Ende könnte man so seine Probleme haben. Aber es machte mir hier nichts aus, meine eigene Fantasie spielen zu lassen. Es geht nicht darum, dass alles durchbuchstabiert werden muss oder dass alle Fragen geklärt werden müssen.
Ich empfand den Schluss etwas überstürzt. Ein bisschen wie abgerissen. Hier hätte ich mir gewünscht, dass sich die Autorin ein bisschen mehr Zeit nimmt und den Roman fließender ausklingen lässt.
Ich empfehle dieses preisgekrönte Werk der jungen österreichischen Schriftstellerin Irene Diwiak sehr gerne weiter: Der Plot ist spannend und ich flog in Windeseile durch den Roman, der trotz kriminalistischen Elementen und spannender Rahmenhandlung weit mehr als ein Krimi ist.
Hanna von Buchsichten
aus Düsseldorf
4/5
23.10.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was planen die Frauen der Familie Esposito?
Christina reist nach Italien zur Familie der Schwester ihrer Mutter, um die Hochzeit ihrer Cousine Marietta Esposito als Fotografin zu begleiten. Sie hat diesen Teil der Familie nie kennengelernt, doch ihre Mutter hat die Sache eingefädelt, um sie - chronisch pleite, nicht wirklich studierend und eine Trennung verarbeitend - auf andere Gedanken zu bringen. Mit dem, was sie vor Ort erwartet, hätte sie jedoch nicht gerechnet: Die riesige Villa Esposito thront in der Nähe des fast ausgestorbenen Dorfes Malvita, und seine Bewohner verhalten sich allesamt höchst merkwürdig. Christina fühlt sich fehl am Platz und beobachtet. Was geht hier vor sich?
Die Geschichte beginnt mit Christinas Ankunft in Malvita, wo sie von ihrer Cousine Elena, einem zugeknöpften, dürren Model, in Empfang genommen wird. Ein warmer Empfang sieht anders aus, und das ändert sich auch bei ihrer Ankunft in der Villa nicht. In einem kleinen Dachgeschoss-Zimmer wird sie geradezu abgestellt, bevor sie den Rest der Familie kennenlernen darf: Marietta, die Braut, die das Verschwinden ihrer Trauzeugin und ursprünglichen Fotografin hysterisch als Verrat bezeichnet; Ada, die Tante, die sich nett aber ohne besonderes Interesse gibt; Jodie, den Bruder, den alle wie ein kleines Kind behandeln und Tonio, den Vater, das schweigsame Familienoberhaupt.
Christina fühlt sich wie ein Fremdkörper im Kosmos der Villa Esposito und das Gebaren ihrer Verwandten gibt ihr Rätsel auf. Auch die Angestellten sind keine Hilfe dabei, Licht ins dunkel zu bringen. Als Christina nach 100 Seiten eine Leiche findet, die ermordet worden zu sein scheint, liegt der Verdacht nahe, dass hier gefährliche Dinge vor sich gehen. Gerade weil alle so bemüht sind, sie vom Geschehen abzuschirmen, möchte sie herausfinden, was hinter all dem steckt.
Nacheinander lernt man die Mitglieder der Familie Esposito besser kennen, und zwar zum einen durch Christinas Begegnungen mit ihnen und zum anderen durch weitere Informationen zu ihrem Leben und ihrer Vergangenheit, die man als Leser exklusiv erhält. Dabei wird deutlich, wie psychisch labil jeder einzelne von ihnen ist und wie dysfunktional ihre Beziehungen zueinander sind. Aber wer von ihnen ist harmlos, und wer gefährlich? Ich fand es interessant, in die Psyche der verschiedenen Charaktere einzutauchen.
Der schwarze Humor der Autorin zieht sich durch die Geschichte, die ich lockerem Ton erzählt wird, während das Geschehen immer absurder wird. Es gipfelt in einem finalen Showdown, der bei mir allerdings jede Menge Fragezeichen erzeugte. In Summe lässt die Geschichte viel Raum für Interpretation. Ein ungewöhnliches Leseerlebnis irgendwo zwischen Krimi, Familiendrama und Verschwörungsroman!
Magnolia
4/5
16.10.2020
Buch (Gebundene Ausgabe)
Spannend erzählte Gesellschaftskritik
Christina ist betrogen worden: Von ihrem Freund, von ihrer besten Freundin. Da kommt das Angebot, in die Toskana zu reisen, gerade recht. Sie soll hier die Hochzeit ihrer Cousine Marietta fotografisch begleiten, da die ursprüngliche Fotografin unauffindbar ist. Ihre italienische Verwandtschaft, die Familie Esposito, kennt sie bis dato nicht. Von der Schwester der Braut – Elena - wird sie in einem rasanten Sportwagen abgeholt, sie durchqueren den Ort Malvita, der ausgestorben vor sich hinsiecht, kommen in der Villa an und Christina ist in einer ganz anderen, für sie völlig unbekannten Welt. Das Spiel beginnt.
In dieser Familie ist vieles im Argen. Eine unnahbare, zuweilen unheimliche Atmosphäre herrscht hier inmitten des alten Gemäuers. Das Haus strahlt genau soviel beklemmende Düsternis aus wie all seine Bewohner. Eine ganze Armee von blaugewandeten Bediensteten verrichtet - ich möchte fast sagen eingeschüchtert - ihren Dienst. Die ehemalige Fabrik gibt es nicht mehr, also sind die Espositos mit ihrer Villa, ihrem weitläufigen Besitz, ihre Brötchengeber.
Irene Diwiak entführt mich in eine unbekannte Welt. In die Welt der Reichen und Schönen und deren Abgründe. Es gelingt ihr hervorragend, alle möglichen Gefühle in mir hochkommen zu lassen. So war ich mit Christina in diesen verwinkelten, über etliche Generationen immer wieder angebauten Gebäudeteilen, total verwirrt unterwegs. Wie kann man sich hier zurechtfinden? In Nino bekam sie dann einen „Aufpasser“, der sie durch die Treppenhäuser lotste, sie zu den seltenen Mahlzeiten führte. Ganz schön verrückt! Sämtliche Familienmitglieder – distanziert, frostig, zuweilen feindselig und unterkühlt - waren mir äußerst suspekt. In dieser Umgebung, mit dieser dubiosen Familie, hätte ich des Öfteren ganz einfach meine Sachen gepackt und wäre regelrecht geflohen. Nicht nur einmal fragte ich mich, was sie hier hält. So nach und nach kamen ob der ominösen Verhaltensweisen immer mehr Fragen auf. Irgendwann wusste ich auch, was mit Blanca, der vermissten Fotografin, geschah.
„Malvita“ lässt den Leser in menschliche Abgründe schauen, zeigt den zuweilen zynischen Umgang der besser Situierten mit den von ihnen Abhängigen in einer gut und kurzweilig lesbaren Form und deckt doch die Unwägbarkeiten, die Probleme dieser vermeintlich besseren Gesellschaft auf.
Ein Buch, das ich nicht aus der Hand legen konnte. So spannend, so fesselnd ist diese Geschichte erzählt. Ich war beim Lesen mittendrin, hatte meine Bedenken, bangte um Christinas Sicherheit, war aber auch mal fröhlich, ausgelassen und unbeschwert mit ihr unterwegs. Die Autorin treibt einen förmlich durch den Roman, macht einen neugierig, wie denn dies alles enden mag. Ja, das Ende – lässt so viele Fragen offen, ist so losgelöst vom Rest des Buches. Es muss nicht immer alles bis ins Detail geklärt sein, aber hier kippt alles. Sollte es genau dieser Bruch sein? Es war mir zum Schluss alles zu schnell abgehandelt, als ob keine Zeit mehr bliebe für ein wenig mehr Gewissheit, ein klein wenig mehr Auflösung.
Trotzdem: Ein Lesegenuss mit dem Schluss als kleinen Schönheitsfehler. Ein Roman, der ein Krimi sein könnte und zuweilen auch genau dies ist. Ein gelungenes Spiel mit dem Leser – also, einfach lesen!
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