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Ein achtjähriger Junge wird von seinen Eltern zu Verwandten geschickt, sie selbst können ihn nicht mehr ernähren. In San Sebastián erwartet ihn eine typisch baskische Familie der sechziger Jahre: Die Tante hat das Sagen, ihr Mann kriegt den Mund nicht auf. Die Cousine und der Cousin suchen auf verschiedene Weisen neue Freiheiten, von denen die Eltern nichts wissen. Der Junge beobachtet mit den staunenden Augen eines Kindes, wie mühevoll es ist, seinen eigenen Weg zu finden. Doch als er seine Chance bekommt, nutzt er sie.
Ein berührender Roman über das Schicksal einer Familie, der einem zu Herzen geht und gleichzeitig viel darüber erzählt, wie wir zu dem werden, was wir sind.
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Toller Autor
Bewertung am 01.10.2025
Bewertungsnummer: 2612434
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein sehr gut und einfühlsam gestaltetes Buch, welches das damalige Leben eindrucksvoll erstehen lässt. Ein guter Vorläufer zu Patria. Aramburu ist einer der wirklich sehr guten Schriftsteller nach meiner Ansicht. Der Blick aus die damalige Gesellschaft und deren starke Beschränkung durch sich selbst ist schönes Theater für den inneren Geist im Leser
pointierter Ausflug in die baskische Vergangenheit der 60er Jahre
Elke Seifried aus Gundelfingen am 18.04.2021
Bewertungsnummer: 1229003
Bewertet: Hörbuch (CD)
Als der Vater stirbt, ist es der Mutter nicht möglich alleine für ihre drei Söhne zu sorgen. Den Jüngsten nimmt ihre Schwester in der Familie auf und so steht der achtjährige Junge schon bald mit seinem kleinen Koffer und zwei Hühnern als Geschenk vor deren Tür. Zurückhaltend, naiv und stets um Gehorsam bemüht, wird er ab da zum Zeuge von Familienleben der ganz anderen, aber dennoch für die Zeit sehr authentischen, Art. Mit seinem Cousin in ein Zimmer gesteckt, erträgt er dessen Schweißfüße klaglos, erfährt dafür von dessen baskischen Flagge unter der Bettdecke und den anderen Dingen, die dort vorgehen und legt sich mit ihm auch auf die Lauer, um seine Cousine dabei zu beobachten, wie sie ihren Verehrern mehr als schöne Augen macht.
Als Hörer kommt man mit dem Jungen in eine völlig neue Umgebung, lernt dort nach und nach alle Familienmitglieder mit ihren Eigenheiten und Ansichten kennen. Durch den Fortgang der Geschichte erhält man einen kleinen Einblick zum Leben unter der Diktatur Francos, eine eindrückliche Vorstellung von der unglaublichen Polizeiwillkür, die zu dieser Zeit herrschte, und auch die Rolle der Priester und der Kirche bei der Entstehung bzw. den Vorläufern der ETA ist Thema. Nicht unbedingt im Baskenland verortet werden muss das Bild das mittels der Cousine gezeichnet wird. Jungen, vor allem nicht nur einem, schöne Augen machen, schon alleine das ist anrüchig, schlimmer noch ein lediges Kind. Da schon lieber mit dem Dorftrottel verheiratet.
Ich musste erst einige Tracks hören, bis mir klar war, dass hier ein Junge bzw. vielmehr ein Mann einem Autor seine Erinnerungen an die Kindheit schildert und auch der Autor zu Wort kommt. Solch eine Art der Darstellung war mir bisher fremd, hat mir aber super gut gefallen. Einerseits bekommt die Geschichte durch die kindliche, teils reichlich naive Betrachtungs- und Erzählweise seinen ganz besonderen Charme und Witz, zum anderen wird aber durch die Ergänzungen auch ein authentisches Gesellschaftsbild der Zeit geschaffen, dass ohne die Anmerkungen des Autors nie so entstehen hätte können, ohne unstimmig zu wirken.
Ich konnte mich beim Hören sehr gut in den Jungen hineinversetzen, habe ihn, den anständigen Kerl auch sofort in mein Herz geschlossen, und habe mich bei seinen naiven Schilderungen prächtig amüsiert, ist doch dem erwachsenen Zuhörer viel mehr klar als dem unbedarften Jungen. Wie schon erwähnt, gibt es immer wieder Tracks, die Ergänzungen zum aus der Perspektive des Jungen Erzähltem. So werden in durchnummerierten Notaten Regieanweisungen gegeben, wie was in einem möglichen Roman verändert, ergänzt oder umformuliert werden soll, stellenweise auch Szenen, die der Junge nicht beobachtet hat, sondern die nachträglich recherchiert wurden, hinzugefügt. Auch diesen fehlt die feine Prise Humor nicht. So heißt es da schon mal „ich habe mir vorgenommen jeden Dialog [,,,] mit der geringstmöglichen Wortmenge zu bestücken, der Roman wird kurz, oder er wird gar nicht“, oder „soll nicht erwähnt werden, […] der mutmaßliche Leser, soll das selbst herausfinden, wenn ihm das nicht gelingt, dann kann er mich mal.“. Richtig spannend empfand ich geschildert, was mit der Cousine und vor allem später ihrem Kind wird, informativ war hingegen die Entwicklung des Cousins.
Der Autor hat mich nicht nur mit seiner besonderen Darstellungswiese begeistert, auch die Charaktere sind großartig gezeichnet. „Wenn man mich triezt, bin ich imstande einem Stier die Hörner gerade zu biegen.“ Das Oberkommando hat die energische, konservative, erzkatholische Tante. Über ihre klaren Ansagen habe ich mich mindestens genauso amüsiert, wie über das Ducken ihres Ehemanns, der meist nur seine Baskenmütze geraderückt. Besonders erwähnen möchte ich auch noch den schiefen Schwiegersohn, dessen Gestank noch schlimmer ist, als die Käsefüße des Cousins und dessen Parfüm sogar die Milch sauer werden lässt. Alle sind sie herrlich porträtiert.
Ich kenne und schätze Frank Stöckle schon von anderen Hörbüchern und wieder einmal konnten er und sein Vortrag mich völlig überzeugen. Ich höre seiner angenehmen Stimme generell gerne zu und hier hat er sowohl die kindlich naive Betrachtungsweise, als auch die herrlich vielen Spitzen, die sich in der Geschichte verbergen, grandios gut in Szene setzt.
Alles in allem zeichnet der Roman mit einer ganz eigenen Art der Darstellungsweise und an Humor, die mir beide unheimlich gut gefallen haben, ein authentisch, realistisches Gesellschaftsbild der 60er Jahre, das ich unheimlich gerne von Franz Stöckle vortragen habe lassen. Fünf Sterne sind da gar keine Frage.
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