Subtil erkundet Tóibín die fragile Architektur der Beziehung zwischen Töchtern und Mutter, voller Zwischentöne, Verletzlichkeit und jener tiefen Melancholie, die mit Entwurzelung und dem Ringen um Zugehörigkeit in einer fremden Gesellschaft einhergeht. »Die Schwestern« ist eine eindringliche Erzählung über Erinnerung und die Möglichkeit von Versöhnung. Oda Thormeyers Stimme transportiert ein Gefühl von Melancholie und Verbundenheit. Ein neuer Kurzroman von Bestseller-Autor Colm Tóibín, übersetzt aus dem Englischen von Ditte Bandini und Giovanni Bandini.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
meerblick
5/5
12.07.2026
eBook (ePUB)
Das Erbe
Es ist eigentlich der Klassiker. Die reiche Tante stirbt und hinterlässt ihr Vermögen drei Schwestern, die in der Zwischenzeit von Spanien nach Argentinien ausgewandert sind und dort jede auf ihre Art das persönliche Glück gefunden haben. Ihr Lebensstil unterscheidet sich nicht nur aus finanzieller Sicht. Auch ihre charakterliche Prägung zeigt sich sehr deutlich in ungebremsten Meinungsäußerungen, die unweigerlich eine dramatische Atmosphäre mit explosivem Gehalt erzeugen.
Colm Tóibín zeigt zum wiederholten Mal, wie auch erwartet, in seinem Roman ‘Die Schwestern‘ sein großes schriftstellerisches Talent. Es brilliert immer wieder in seiner unverkennbaren Art, menschlichen Charakteren durch feine Beobachtungsgabe und schriftstellerisches Talent Leben einzuhauchen. Dabei fehlt es nie an einem gekonnten Spannungsaufbau, der dem Leser mit einer gut durchdachten und konstruierten Geschichte, ein besonderes Lesevergnügen liefert.
Der Roman ist unbedingt lesenswert.
Bewertung
aus München
5/5
22.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
sehr lesenswert
Ein schmales Büchlein diesmal von Colm Toibin. Aber der irische Autor braucht wenig Seiten und kannd damit doch so viel erzählen. Seine genauen Beschreibungen sind es, die wie ein Film vor dem inneren Leserauge ablaufen. Und man spürt die menschlichen Stimmungen, die familiären Verwerfungen, die drei Schwestern langsam auseinandertreiben lassen. Großartige Literatur. Feinsinnig, ruhig und aus der Perspektive des Beobachters. Das Buch hallt nach. Sehr lesenswert.
Bewertung
5/5
11.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Verlorene Nähe
Colm Tóibín erzählt in diesem Roman mit großer Feinfühligkeit von Familie, Entfremdung und der leisen Hoffnung auf Versöhnung. Besonders gelungen ist die Darstellung der komplexen Familiendynamik: Die Beziehung der drei Schwestern untereinander, aber auch ihr jeweiliges Verhältnis zur Mutter, wirkt vielschichtig, glaubwürdig und voller unausgesprochener Spannungen.
Auch die Auswanderung nach Argentinien ist eindrucksvoll beschrieben. Man bekommt ein gutes Gefühl dafür, was es bedeutet, die eigene Heimat zu verlassen und sich in einer fremden Welt neu orientieren zu müssen. Interessant ist dabei vor allem, wie unterschiedlich die drei Schwestern mit dieser Erfahrung umgehen und welche Wege sie im Leben einschlagen.
Tóibín schreibt dabei sehr subtil und ruhig, mit einem feinen Gespür für Zwischentöne und Emotionen. Gerade diese Zurückhaltung macht den Roman so eindringlich.
Einziger Kritikpunkt ist jedoch die Länge: Die Geschichte wirkt fast zu kurz, da man sich wünscht, noch tiefer in die Figuren einzutauchen und mehr über ihren weiteren Lebensweg zu erfahren.
Fee04
Thalia Book Circle Community
5/5
03.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Literarisches Highlight
„Die Schwestern“ von Colm Tóibín Verlag : Hanser
In „Die Schwestern“ von Colm Tóibín geht es um drei Schwestern, die nach dem Tod ihres Vaters ihre Heimat verlassen und gemeinsam mit ihrer Mutter nach Argentinien zurückkehren.
Eine Nonne hilft schließlich, die drei Mädchen in einer Schule unterzubringen; zunächst aus Fürsorge, später jedoch von Zweifeln geplagt, als sie erkennt, dass die Mutter nicht in der Lage ist, das Schulgeld zu bezahlen. Doch da ist es längst zu spät. Die Mädchen lernen schnell, sich anzupassen: Sie verleugnen einander, ihre Herkunft, ja alles, was sie als Familie einst ausmachte.
Núria, die Älteste, mittlerweile Witwe und einst Unternehmersgattin; Conxita, die mittlere Schwester, angestellt bei einer wohlhabenden Tochter, in deren Haushalt sie arbeitet; und Montse, die Jüngste, die nun in einer Autowerkstatt ihren Lebensunterhalt verdient. Montse war 20 Jahre die Geliebte eines älteren Herren und hat die Vorzüge genossen.
Der Kontakt zwischen den Schwestern ist lose geworden; bereits vor langer Zeit haben sie sich voneinander entfernt.
Die Mutter, stark im Einfluss der wohlhabenden und dominanten Núria, vernachlässigt die beiden anderen Töchter und drängt sie früh in die Selbständigkeit.
Mit bewundernswerter Präzision gelingt es dem Autor, auf wenigen Seiten die fragile Beziehung zwischen den Schwestern und auch zur Mutter eindringlich zu zeichnen. Leise und von stiller Intensität erzählt er von ihrem Leben in der Fremde, damals wie heute. Damals als arme Familie ohne Halt in Buenos Aires, heute, nach dem Erbe ihrer Tante in den Pyrenäen, als sie gemeinsam in die Vergangenheit zurückkehren.
Zart und von melancholischer Schönheit durchzogen, entwirft der Autor das Leben der Geschwister. Die Distanz und Entfremdung werden ungeschönt dargestellt; zugleich beschreibt er mit feinem Gespür die vorsichtige Annäherung während ihres Aufenthalts im kleinen Haus der Tante. Nach all den Jahren kommen sie sich wieder näher und doch bleibt das Band zwischen ihnen von einer fast schmerzhaften Zerbrechlichkeit.
Colm Tóibín überzeugt durch seinen ruhigen, fließenden und zugleich ungemein präzisen Schreibstil. Mit wenigen Worten erschafft er ein intensives, atmosphärisch dichtes Familienporträt. Er macht die Distanz spürbar und lässt zugleich in späteren Jahren Vertrautheit und Verbundenheit wieder aufscheinen; leise, behutsam und von großer literarischer Eleganz.
Was für ein Werk, was für ein zutiefst poetisches, berührendes literarisches Highlight.
Bewertung
5/5
27.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Komplizierte Verhältnisse
Dass Geschwister-Beziehungen nicht immer einfach sind ist wohl kein Geheimnis! Colm Tóibín geht in „Die Schwestern“ der Beziehung der drei Schwestern Montse, Nuria und Conxita auf den Grund.
Mit viel Emotionen und Direktheit beschreibt er aus Montses Perspektive, wie die Schwestern als Jugendliche, nach dem überstürzten Umzug der Mutter mit ihnen nach Buenos Aires unterschiedliche Wege gehen. Nuria, die älteste setzt alles daran , aus der Armut zu entfliehen und in den reicheren Gesellschaftsschichten anerkannt zu werden. Sie heiratet schließlich einen wohlhabenden Mann, verleugnet ihre Schwestern und meldet sich auch sonst kaum. Nur ihre Mutter kann sie gebrauchen, um sich um die Kinder zu kümmern. Conxita ist dagegen eher ruhig und findet nach der Schule eine Anstellung im Haus einer wohlhabenden Familie, in dem sie auch nach Jahren noch tätig ist. Montse dagegen laviert sich durchs Leben, früh gezwungen, selbstständig zu sein und kommt irgendwie über die Runden. Die drei Schwestern haben sich sehr entfremdet und sprechen kaum miteinander.
Als nun der Brief des spanischen Anwalts kommt, der den dreien das Erbe des Hauses ihrer Tante mitteilt, hofft man (vergebens?) dass die komplizierte emotionale Beziehung der drei Schwestern alle Wendungen nehmen könnte.
Das Buch hat ein sehr angenehmes Schreibstil, und gleichzeitig habe ich ständig ein gefüllter Empörung beim Lesen. Jede Schwester, insbesondere die ältere scheint, ihre eigene Agenda zu haben und diese über die Bedürfnisse der anderen Schwestern zu setzen. Erschreckenderweise finde ich sehr viele Parallelen zu meiner Beziehung zu meinen Geschwistern wieder, weshalb mich das Buch wahrscheinlich doppelt triggert. Ich habe es dennoch sehr, sehr gerne gelesen
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