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Mit dem Auftauchen ihrer Mutter, die sich ins Bett legt und auf nichts mehr reagiert, kehren in Gifty die schmerzhaftesten Kindheitserinnerungen zurück: das Verschwinden des Vaters, der in seine Heimat Ghana zurückging, der Tod des geliebten Bruders und die Depression der Mutter angesichts dieser Verluste. Ihre Familiengeschichte hat dazu geführt, dass Gifty als erwachsene Frau ihren Glauben gegen die Neurowissenschaften eingetauscht hat. Sie ist davon überzeugt, dass sich Depression und Abhängigkeit, und damit Trauer und Leid, durch entsprechende Behandlung verhindern lassen. Doch die Angst um ihre Mutter, die fest verankert in ihrer Religion stets allen Schwierigkeiten im weißen Amerika gewachsen war, lässt Gifty an beidem zweifeln: Kann nur die unbestechliche, aber seelenlose Wissenschaft ihr die Mutter zurückbringen oder gelingt das allein den herzerwärmenden Erlösungsversprechen der Kirche? Die bewegende Geschichte einer Familie, exemplarisch für die vom Rassismus geprägte amerikanische Gesellschaft.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Bewertung
5/5
15.11.2022
Buch (Taschenbuch)
Amerikas dunkle Seele
Dieser Roman wird von der Ich-Erzählerin Gifty erzählt. Sie ist als schwarze Aussenseiterin in einem Nest in Alabama aufgewachsen. In einer Einwandererfamilie aus Ghana, ihre Mutter, die mutig voraus ging, ihr Vater, der nachkam und auf feige Art die Familie im Stich liess, als er nach dem Urlaub in der Heimat nicht mehr aus Ghana zurück kehrte. Ja, er ist kalt und hart, dieser Traum vom besseren Leben in den USA. Die Mutter arbeitet als Pflegekraft in Privathhaushalten höchst betagter Rentner, oft für mehrere gleichzeitig. Dennoch reicht das Geld nur fürs Nötigste. Als Mitglied der freikirchlichen Erweckungskirche vor Ort findet sie Halt. Der religiöse Nebel, er begleitet uns als feste Komponente durch diesen amerikanischen “Traum”.
Ihr Bruder, der zuerst als gefeierter lokaler Sportstar der ganze Stolz der Mutter und dann als Opioid-Abhängiger ihre grösste Sorge und Last war. Diese harte, aber starke Frau, die am Tod des Sohnes, den sie in Ghana geboren hatte, zerbricht und sich das Leben nehmen will und nur allmählich wieder ins Leben findet. Und dieses Mädchen, die Ich-Erzählerin, die ihren Weg zur Forscherin konsequent geht. Doch dann hat ihre Mutter einen Rückfall. Und die kühle karrierebewusste Einzelkämpferin muss sich den Fragen des Lebens stellen. Gibt es eine Erlösung im Glauben? Wie geht es mit der gebrochenen Mutter weiter? Was müssen Angehörige durchleben, wenn sie süchtige Angehörige, gezeichnet vom langsamen Verfall durch die Opoid-Sucht, versuchen zu retten? Der Verfall des einst gefeierten Bruders, die religiöse Scheinmoral evangelikaler Kirchen, der unbarmherzige Wettbewerb an den Unis, was uns das zugemutet wird, ist starker Tobak. Aber diese Autorin fasziniert mit einer faszinierenden Erzählwelt, die fesselt und betroffen macht. Das Buch tangiert all die gesellschaftlichen Bruchstellen Amerikas, erzählt von einer der talentietesten Erzählerinnen der USA. Mit diesem Buch schenkt sie uns nach “Heimkehren” ein weiteres Meisterwerk.``
brauneye29
aus Wachtendonk
5/5
16.08.2021
eBook (ePUB)
Ein besonderes Buch
Zum Inhalt:
Gifty hat mehr als ein Problem.. Ihr Vater ist nach Ghana verschwunden, ihr Bruder einen Drogentod gestorben, ihre Mutter leidet unter Depressionen. Sie wohnt neuerdings bei ihr und reagiert auf nichts mehr. Eigentlich hat sich Gifty der Wissenschaft verschrieben, doch die Krankheit der Mutter lässt sie immer mehr zweifeln, ob Behandlungen im klassischen Sinn helfen können. Gibt es einen Weg der Mutter zu helfen, die immer in ihrer Religion Halt gefunden hat.
Meine Meinung:
Das Buch hat was sehr besonderes ohne das ich es benennen könnte. Es bringt einen tief in die Geschichte von Giftys Familie, in eine völlig andere Kultur, in das Umgehen mit der Depression oder auch des Todes einer geliebten Person. Besonders beeindruckt war ich vom Schreibstil, der enorm mitreißend war. Der Wechsel zwischen den vorherigen Geschehnissen und der Gegenwart machen das Buch sehr lebhaft.
Fazit:
Ein besonderes Buch
Lea
4/5
19.07.2024
Buch (Taschenbuch)
Richtig bewegend
4,5/5 ⭐️
TW für dieses Buch: Drogenmissbrauch und Abhängigkeit, Depression, Suizidgedanken, Selbstverletzung, familiäre Dysfunktion, Trauer und Verlust, religiöser Konflikt, Rassismus
"Ein erhabenes Königreich" von Yaa Gyasi erzählt die bewegende Geschichte von Gifty, einer Neurobiologie-Doktorandin, die sich mit der Forschung zu Sucht und Depression bei Mäusen beschäftigt. Gifty wird von ihrer schmerzhaften Familiengeschichte eingeholt, als ihre Mutter, nach einem Leben voller Verluste und Herausforderungen, in eine tiefe Depression verfällt. Giftys Vater kehrte nach Ghana zurück, ihr geliebter Bruder Nana starb an einer Überdosis Opioide, und ihre Mutter verlor sich in der Trauer. Die Geschichte wechselt zwischen Giftys Vergangenheit und Gegenwart und beleuchtet ihre Kämpfe mit Glaube, Wissenschaft und der Suche nach Heilung.
Yaa Gyasis Schreibstil ist lyrisch und eindringlich, voller emotionaler Tiefe und intellektueller Schärfe. Die Autorin nutzt eine Mischung aus wissenschaftlichen Beobachtungen und persönlichen Reflexionen, um Giftys innere und äußere Konflikte darzustellen. Der Wechsel zwischen Rückblenden und der Gegenwart ist fließend, obwohl manchmal etwas verwirrend, was jedoch die Komplexität und das Durcheinander in Giftys Leben widerspiegelt. Die Sprache ist klar und direkt, doch gleichzeitig poetisch, was die ernsten Themen des Buches zugänglich und berührend macht. ✍️
Gifty ist eine faszinierende Protagonistin, die durch ihre wissenschaftliche und persönliche Reise tief ergründet wird. Sie ist stark und entschlossen, aber auch verletzlich und zweifelnd, was sie sehr menschlich und nachvollziehbar macht. Ihre Mutter, eine tiefgläubige Frau, bietet einen starken Kontrast zu Giftys wissenschaftlicher Denkweise und symbolisiert die Konflikte zwischen Religion und Wissenschaft. Nana, obwohl größtenteils durch Rückblenden präsent, bleibt ein zentraler Charakter, dessen tragisches Schicksal Giftys Leben und Entscheidungen stark beeinflusst. Die Nebenfiguren sind gut gezeichnet und tragen zur Tiefe der Geschichte bei.
Die Handlung von "Ein erhabenes Königreich" ist sowohl intensiv als auch introspektiv. Der Plot entwickelt sich durch die ständige Wechselwirkung zwischen Vergangenheit und Gegenwart und Giftys inneren Kämpfen. Themen wie Migration, Rassismus, Drogenabhängigkeit und familiäre Bindungen werden einfühlsam behandelt. Die wissenschaftlichen Elemente sind gut recherchiert und eingebettet, ohne die emotionale Tiefe der Geschichte zu überlagern. Das Buch stellt wichtige Fragen über Heilung, Erlösung und die menschliche Natur, ohne einfache Antworten zu bieten.
Fazit: "Ein erhabenes Königreich" ist ein beeindruckendes und tief bewegendes Buch, das den Leser zum Nachdenken anregt. Yaa Gyasi gelingt es meisterhaft, komplexe Themen wie Wissenschaft und Glauben, Verlust und Heilung zu verweben und dabei eine berührende Familiengeschichte zu erzählen. Die kraftvolle Sprache, die vielschichtigen Charaktere und der durchdachte Plot machen dieses Buch zu einem Leseerlebnis, das lange nachklingt. Mit 4,5 von 5 Sternen ist "Ein erhabenes Königreich" ein absolutes Muss für alle, die sich für die menschlichen Aspekte von Wissenschaft und Religion sowie die Herausforderungen der modernen Gesellschaft interessieren.
Kristall86
aus an der Nordseeküste
4/5
16.08.2021
eBook (ePUB)
Der ewig dunkle Fleck der USA
Klappentext:
„Mit dem Auftauchen ihrer Mutter, die sich ins Bett legt und auf nichts mehr reagiert, kehren in Gifty die schmerzhaftesten Kindheitserinnerungen zurück: das Verschwinden des Vaters, der in seine Heimat Ghana zurückging, der Tod des geliebten Bruders und die Depression der Mutter angesichts dieser Verluste. Ihre Familiengeschichte hat dazu geführt, dass Gifty als erwachsene Frau ihren Glauben gegen die Neurowissenschaften eingetauscht hat. Sie ist davon überzeugt, dass sich Depression und Abhängigkeit, und damit Trauer und Leid, durch entsprechende Behandlung verhindern lassen. Doch die Angst um ihre Mutter, die fest verankert in ihrer Religion stets allen Schwierigkeiten im weißen Amerika gewachsen war, lässt Gifty an beidem zweifeln: Kann nur die unbestechliche, aber seelenlose Wissenschaft ihr die Mutter zurückbringen oder gelingt das allein den herzerwärmenden Erlösungsversprechen der Kirche?“
Autorin Yaa Gyasi hat mit ihrem neuen Roman ein ganz besonderes, spezielles Buch verfasst. Ihre ruhige aber sehr emotionale Sprache fasst den Leser sehr schnell und man ist regelrecht gefangen im Einklang der Wortmelodie. Ihre Sätze sind kurz, präzise und tiefgründig zu gleich. Diese Kunst der Wortgewandtheit ist eine wahre Kunst und nicht jedem Autor eröffnet. Gyasi spricht mit ihrer Geschichte rund um Gifty und ihre Familie weltpolitische Themen wie Rassismus, Freiheit an, ohne dabei zu werten, sondern ihre Erfahrungen dabei eine gewisse Stimme zu geben. Hier und da werden Sätze in der Landessprache Ghanas als extremer Haltepunkt und emotionaler Metapher. Denn nicht immer lassen sich Emotionen so ausdrücken, wie man es sollte - Wenn das Herz spricht, verfällt man zurück an seine Wurzeln. Giftys Geschichte rund um ihre Mutter ist ein gewisses Sinnbild rund um das Thema Gerechtigkeit in allen Lebenslangen: ist Gott (Giftys Mum ist sehr gläubig!) gerecht zu einem, sind Eltern gerecht zu ihren Kindern, bin ich gerecht zu mir selbst…..? Mit enormen Tiefgang geht Gyasi hier in die Tiefe und beleuchtet ganz intensiv nicht nur ihre Protagonisten sondern auch die aktuelle Gesellschaft. Giftys Geschichte und die ihrer Mutter geht tief unter die Haut und zeigt ganz deutlich, wie schwierig es ist, seine Wurzeln woanders neu schlagen zu müssen und sich eben zu verwurzeln, liegt doch „Ein erhabenes Königreich“ immer noch dort, wo man sein Herz verliert.
Ich vergebe sehr gute 4 von 5 Sterne!
Bibliokate
3/5
29.08.2021
eBook (ePUB)
Ein guter Roman über dleinen Konflikt so alt wie die Menschheit selbst
Yaa Gyasi erzählt in ihrem neuen Roman von einem Leben zwischen Religion und
Wissenschaft.
Gifty, die Protagonistin des Romans hat mit dem Glauben, der sie einst mit ihrer Mutter Verband abgeschlossen.
Zu sehr schmerzt der Verlust des Vaters, der nach Ghana zurückgekehrt ist und der Tod des Bruders, der den Kampf gegen die Drogenabhängigkeit verloren hat.
Es ist einfach nicht möglich an Gott und die Wissenschaft gleichzeitig zu glauben und Gifty hat sich für die Wissenschaft, genauer die Neurowissenschaften entschieden und erforscht nun das Suchtverhalten anhand von Versuchen mit Mäusen.
Über ihren Bruder und dessen Schicksal spricht sie nicht bis eines Tages die Dämme brechen und sie lernen muss mit diesem Verlust zu leben und zu dem Menschen zu stehen der sie wirklich ist. Doch wer ist sie?
Ist sie wirklich 100% Vernunft oder gibt es Dinge die sich logisch nicht erklären und erforschen lassen?
Als Giftys Mutter in eine Depression verfällt muss sie sich der Vergangenheit stellen und über ihre schweren Verluste und ihre Vergangenheit sprechen.
Ein großartiger Roman über einen Konflikt der so alt ist wie die Menschheit selbst... Wissenschaft gegen Religion, was ist wichtiger und wie kann es klappen beides unter einen Hut zu bringen ohne das eine an das andere zu verraten?
Das Buch hat mich sehr bewegt, es gibt so viele Themen die angesprochen werden: Rassismus, anders sein, fremd fühlen, Assimilation, Glaube, Familie, Verlust, Sucht, psychische Probleme, Krankheit, Kampfgeist, Freundschaft, Liebe, Zusammenhalt....
Ein großartiges Buch und eine absolute Leseempfehlung. Ich freue mich jetzt schon seeehr auf Heimkehren das noch bei mir vor sich hin Subt.
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