Henry Meadows wird zwölf, als die Erde stirbt. Mit seinem Vater und seinen Geschwistern reist er nach Perm, einem urzeitlichen Mond in einem fernen Sonnensystem. Henrys Mutter ist mit einem anderen Raumschiff geflogen. Sie wird von der Familie sehnsüchtig erwartet. Doch plötzlich mehren sich die Zeichen: Sie ist schon hier gewesen, vor langer Zeit. Und sie hat eine Warnung hinterlassen. Mit Hightech trotzt die erste und einzige Kolonie der Menschheit der Natur des Mondes Perm, die faszinierend und bedrohlich zugleich ist. Hier gibt es Berge, die in den Weltraum ragen, zwei Arten von Nächten und eine gefährliche, unsichtbare Tierwelt. Als Henry ankommt, ist die neue Heimat noch nicht "fertig": Die Atmosphäre ist giftig und enthält zu wenig Sauerstoff, ohne Schutz ist ein Aufenthalt im Freien tödlich. Irgendetwas hat das Terraforming Perms verhindert. Henrys Mutter Mildred kennt den Grund. Die Wissenschaftlerin hat sich entschieden, nicht mit ihren Kindern zu fliegen, sondern einen neuen Antrieb abzuwarten, mit dem sie ihre Familie um Jahrtausende überholt. Sie will für die bestmögliche aller Welten sorgen. Dazu legt sie sich mit dem mächtigen Leiter des Unternehmens an, der ein anderes Ziel verfolgt. Ein Kampf entbrennt, der über das Leben von Henry und seiner Familie entscheiden wird – viele tausend Jahre später.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Bella
aus Weinstadt
5/5
29.11.2025
Buch (Taschenbuch)
Tiefgründig, faszinierend und bildreich
Die Erde ist unbewohnbar geworden. In einer letzten, verzweifelten Anstrengung schickt das Telekommunikationsunternehmen Rayser die verbliebenen Menschen in Raumschiffen zum Mond Perm. Unter den Passagieren befindet sich der zwölfjährige Henry, begleitet von seinen beiden Geschwistern und seinem Vater. Seine Mutter Mildred, eine brillante Wissenschaftlerin, ist bereits mit der Impulsmission vorausgereist, um beim Terraforming zu helfen und Perm für die Menschheit bewohnbar zu machen.
Doch als Henry und seine Familie endlich ihr Ziel erreichen, ist Perm noch immer eine unwirtliche Welt, und von Mildred fehlt jede Spur. Während sie versuchen, sich in dieser neuen, feindseligen Umgebung zurechtzufinden, stoßen die Kinder auf immer mehr Ungereimtheiten und Lügen, die das wahre Schicksal ihrer Mutter und die Zukunft der Menschheit in Frage stellen.
Der Autor Nils Westerboer hat mit "Lyneham" eine bildgewaltige, atemberaubende und gänzlich neue Welt erschaffen, die mich von der ersten Seite an restlos fasziniert und in ihren Bann gezogen hat. Er entführt den Leser in ein Leben, das auf völlig anderen Grundlagen fußt und sich von allem Bekannten unterscheidet. Perms Lebewesen sind befremdlich, erschreckend und gleichzeitig faszinierend und wunderschön. Die Beschreibungen sind derart eindringlich und lebendig, dass ich beim Lesen vollkommen in diese Welt eigetaucht konnte.
Die Charaktere sind meiner Meinung nach sehr gut beschrieben. Vor allem die beiden Protagonisten Henry und seine Mutter Mildred, aus deren Blickwindel die Geschichte abwechselnd erzählt wird, sind vielschichtig, aber auch widersprüchlich. Die Geschichte enthüllt eindringlich das Paradox, dass selbst die edelsten Absichten auf dem Weg ihrer Verwirklichung zu ethisch fragwürdigen Entscheidungen führen können.
Die Erzählung ist durchzogen von tiefgreifenden moralischen Konflikten, die immer wieder in den Mittelpunkt rücken. Sie wirft drängende Fragen auf: Dürfen wir unser Überleben über das anderer Lebewesen stellen? Und wie weit ist ein Eingriff in eine fremde Welt überhaupt vertretbar, wenn wir deren komplexe Zusammenhänge nicht erfassen und die weitreichenden Konsequenzen unseres Handelns nicht absehen können? Haben wir aus der Zerstörung der Erde überhaupt gelernt? Sind wir tatsächlich bereit für einen echten Neuanfang? Mildreds prägnante Aussage fasst diese Dilemmata zusammen: "Instinkte sind dumm, wenn du auf etwas stößt, das du nicht verstehst."
Lediglich die wissenschaftlichen Erklärungen stellten an einigen Stellen eine kleine Herausforderung dar und waren für mich nicht immer leicht zu erfassen. Doch die fesselnde Spannung und erzählerische Tiefe des Buches wiegt dieses kleine Manko mühelos auf.
Fazit: Ein absolut empfehlenswertes Werk, das nachhaltig beeindruckt und lange in Erinnerung bleibt.
Rajets Fantastische Leseseite
aus Grünberg
5/5
20.07.2025
Buch (Taschenbuch)
Science-Fiction nicht nur Unterhaltung, sondern auch mit Tiefgang und Hinterfragen!
Der Roman beginnt mit der Landung der Familie Meadows, oder wenigsten allen bis auf die Mutter Mildred. Vater Charles, Henry ist 12 Jahre alt, sein Bruder Chester ist älter und seine Schwester Loy jünger. Henry übernimmt die Rolle des Berichterstatters, er gibt die Eindrücke wieder, die wachsenden Zweifel an den Erzählungen seines Vaters. Besonders Loy, mit ihrer unerschütterlichen Logik und der Beharrlichkeit die Wahrheit zu wissen fordert Charles heraus. Auf die Kinder warten als Lehrer und Medizinische Geräte, Wesen, die ursprünglich Elektrogeräte waren. Aber anderes wie die Sauerstoff-, Wasser- und Wärmeversorgung sind nicht an den menschlichen Körper angepasst. Ob ein Leben und damit die Fortpflanzung der Menschen möglich ist, ein Thema, das kaum zum Tragen kommt – es steht das Überleben an erster Stelle. Unter der Fuchtel von Mechthilds Chef Noah herrscht auf Perm offensichtlich ein totalitäres System, dem niemand entgehen kann und auf das bereits Kinder eingeschworen werden. Besonders Henry gerät unter Druck, als er darauf beharrt, endlich zu erfahren, wo seine Mutter geblieben ist.
Mildred Meadows lernen wir durch Aufzeichnungen in den Zwischenkapiteln kennen, man ahnt damit das es unterschiedliche Zeitabläufe und Handlungsstränge gibt (erklärt sich im Roman). Als Wissenschaftlerin stand Mildred in ihrer Zeit unter Druck, Verbesserung der Lebensbedingungen auf Perm, denn eine weiter Versorgung durch Güter von der Erde sind nicht zu erwarten und es gibt auch kein zurück – die Siedler, den nichts anderes sind die Menschen auf Perm sind auf sich selbst angewiesen.
Duch den Wechsler der Handlungs- und Erzählstränge von Mutter und Sohn wird auch ein ethisches Problem von Mechthild deutlich. Der Forschung und Abhängigkeit von Noah, sie muss um den Platz für ihre Familie kämpfen und ihr wird auch klar welchen Preis sie und ihre Familie zahlen müssen für ein Leben auf Perm. Denn der Mond birgt noch ein Geheimnis, mit dem die Siedler, auch Noah nicht, gerechnet haben – Leben!
Ich konnte den Roman nicht aus den Händen legen, gut, dass es Wochenende war und Lesezeit. Der Spannungsbogen steigt kontinuierlich an, man will erfahren welche Geheimnisse Charles und Mechthild, Noah und auch Perm verbergen. Auch fand ich die Rolle der „Strom“ (Lehrerin) und „Ronny“ (die künstliche Niere), die Intelligenz und die Vermittlung auf der einen Seite, aber auch ihre Loyalität gegenüber ihren Besitzern bemerkenswert.
Dann ist eine Familie an sich schon eine eher ungewöhnliche Protagonisten Besetzung in einem Science-Fiction Roman, aber nach meiner Ansicht überaus gelungen. Loy war die Top Protagonistin für mich mit ihrer unabkömmlichen Logik, dem ständigen Hinterfragen und ihrer gnadenlosen Beharrlichkeit (ja, ich habe mich in ihr gesehen). Aber auch Henry, der doch in ein äußerst Herausfordern Lage in seinen jungen Jahren landet und wie er damit umgeht – bemerkenswert.
Ein Roman der tiefer geht, was für einen Preis wären Siedler auf einer fremden Welt zu zahlen bereit? Demut und Respekt, oder gnadenloses Terraforming ohne Rücksicht auf vorhandene sich schon entwickelte Flora und Fauna – Leben? Haben wir Menschen eine zweite Chance verdient oder sind wir ein Auslaufmodell was sich nicht bewährt hat? Muss sich ein fremder Planet dem menschlichen Willen unterwerfen? Fragen die unangenehm sind aber angebracht.
Der Roman verbindet aktuelle Themen wie Klimakrise und das Ende der Erde, gekonnt mit wissenschaftlichen Aspekten (verständlich) zusammen mit emotionaler Tiefe (der Frage nach der „Ethik“, muss man alles machen, was man kann!). Der Schreibstil ist trotz alledem verständlich und ansprechend, aber auch ein wenig anspruchsvoll. Die Protagonisten/innen sind glaubhaft und real dargestellt, durch den Familienverband auch ansprechend gehalten. Man kann ihre Gefühle gut nachvollziehen, ihren Ängsten und Sorgen.
Ein „deutschsprachiger“ Science-Fiction Roman der mehr als nur Unterhalten will, sondern auch Fragen aufwirft deren Beantwortung jeder für sich mal andenken kann – die unbequem sind und unserer Gesellschaft (Menschen) einen Spiegel vorhält – die dunkle Seite der menschlichen Natur und ihr absoluter Egoismus allem gegenüber. Anstatt als Eroberer einen Planeten bevölkern zu wollen – vielleicht Demut, Dankbarkeit und ein Miteinander mit vorhandenem Anzustreben (ein Gedanke von Mildred Meadows).
Für mich ein rundum und überraschender Science-Fiction Roman er erhält den diesjährigen Phantastik Preis der Stadt Wetzlar (Überreichung am 19.September in der Phantastischen Bibliothek Wetzlar) und wäre meiner Meinung nach ein Roman, der in den Schulunterricht gehört, vor alten Standardwerken die eigentlich keiner mag oder auch überholt sind.
Von mir erhält 5 Sterne und ein klare Leseempfehlung)
Sue
aus Uelzen
5/5
18.07.2025
Buch (Taschenbuch)
Wie weit darf Wissenschaft gehen?
"In jeder Angelegenheit ist es wichtig, alle Faktoren zu kennen, um den Grund eines Handelns zu verstehen."
Nils Westerboer liefert und mit seinem Science Fiction Roman "Lyneham" eine wirklich großartige Geschichte, in die ich vollends eingetaucht bin.
"Es braucht immer zwei Wände, eine äußere und eine innere, um ein Kind bleiben zu können. Sonst kommt alles andere zu nah. Auf der Erde gab es das Haus und irgendwo, viel weiter weg, eine Grenze, die bewacht wurde. Nur mit zwei Wänden kann das Leben so weitergehen, als wäre alles überall in Ordnung."
Henry Meadows ist 12 Jahre alt, als er mit seinem Vater, seinem Bruder Chester und seiner kleinen Schwester Loy auf dem weit entfernten Mond Perm landet. Es ist die erste Kolonie der Menschen fernab der Erde. Perm ist jedoch anders als es sein sollte: Die Atmosphäre ist nach wie vor giftig und enthält zu wenig Sauerstoff, so dass ein Aufenthalt ohne Schutzanzug im Freien tödlich ist. Eigentlich sollte der Trupp Wissenschaftler zu denen auch Henrys Mutter gehört, Perm für die Menschen vorbereiten. Doch irgendetwas hat das Terraforming Perms verhindert ...
"Es ist leider ein Spezifikum des Menschseins, eine Lüge anzunehmen, wenn eine andere Stimme sie ausspricht. Sie klingt dann schöner, tief und warm, und es ist ein bisschen so, als wäre es nicht mehr die eigene."
Westerboer lässt die Geschichte aus zwei Perspektiven erzählen. Und das ist sehr gut durchdacht, wie ich finde. Da wäre einmal Henrys Sichtweise, die auch den größten Teil ausmacht und von der Sichtweise seiner Mutter unterbrochen wird. Durch Henrys Augen, sehen wir die neue Welt und die Geschehnisse aus den Augen eines Kindes. Mit all seiner Hoffnung, seiner Liebe und Unschuld. Das ändert sich, wenn wir alles durch die Augen seiner Mutter Mildred betrachten. Hier steht die Forschung, die Wissenschaft, im Vordergrund. Nüchtern, beobachtend, abwartend und manipulativ wie nur Erwachsene es sein können.
"Das Normale ist das Faszinierende, Henry. Nur weil du dich daran gewöhnt hast, dass es so ist, heißt das nicht, dass es nicht faszinierend ist."
Die Welt, die sich uns auf Perm präsentiert ist unglaublich faszinierend, mit Bergen, die bis ins Weltall ragen. Pathogene, unsichtbare Tiere, die oftmals nur zu erahnen sind. Kleinstlebewesen - Elektrophagen genannt, die ganze Gewitter verstoffwechseln und seismische Tiere, die dasselbe mit Lava und radioaktiver Strahlung tun. Es gibt Erdbeben, Stürme und phänomenale Blitzschläge. Und eine Anomalie, die sich nach bestimmten Mustern und in bestimmten Zonen bewegt. Die Namen dieser Welt erinnern an Orte und Gegenden an der Ostküste Sardiniens: Santa Maria Navarrese, Gairo, Gorropu, Gola, Monte Ferru oder auch Monte Girasole.
"Wir selbst sind nicht mehr als eine Leihgabe des Universums."
Die Charaktere haben mir auch sehr gut gefallen. Ich mochte vor allem Loy, dieses lebendige, clevere Kind, das genau die richtigen Fragen stellt und sich nicht mit Phrasen abspeisen lässt. Sie will es genau wissen und vor allem verstehen. Mildred ist ebenfalls ein besonderer Charakter, die ich sehr gut fühlen und mir vorsrellen konnte, auch wenn sie mir im echten Leben wohl eher unsympathisch wäre. Aber auch alle anderen Charaktere haben mir gut gefallen. Henry, Chester, Noah, der Vater - alle waren gut ausgearbeitet.
Mein einziger Kritikpunkt betrifft das Ende, welches mir dann doch zu schnell und abrupt war.
"Das ist kein Zufall, das ist ein universelles Prinzip. Immer wenn wir versuchen, die grausame Langsamkeit der Evolution zu übergehen, ist es zum kurzfristigen Wohl, aber zum langfristigen Schaden."
Sven
5/5
01.07.2025
Buch (Taschenbuch)
Epische Sci-Fi-Kost aus Deutschland
Ich fand das Konzept der Story spannend genug, um mir dieses Buch umgehend zu kaufen und habe den Kauf definitiv nicht bereut. Wer Hard-Sci-Fi mag, wird hier bestens bedient. Nur das Lektorat sollte nochmal ran, da sind vor allem auf den letzten 200 Seiten mindestens noch zehn ziemlich deutliche Fehler... Und auch den Plot-Twist zum Ende fand ich während des Lesens irgendwie verschenkt. Da hätte man mehr rausholen können. Aber im Nachhinein, nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen habe, ist es doch im Großen und ganzen doch eine Pflichtlektüre, die ich jedem ans Herz legen kann.
Ben @Buchkomet
5/5
17.06.2025
Buch (Taschenbuch)
Meisterwerk
Das Sci-Fi-Meisterwerk, das uns vor Augen führt, warum der Mensch keine zweite Erde verdient
Mit Lyneham liefert Nils Westerboer einen Science-Fiction-Roman, der sich nicht in Raumschlachten, fremden Alien-Spezies oder Hochglanz-Zukunftsvisionen verliert. Stattdessen hält er uns den Spiegel vor: Was, wenn wir unsere zweite Chance bekommen — und wieder alles ruinieren?
Die Menschheit flieht auf den Exomond Perm, eine Welt voller Gefahren, fremder Ökosysteme und toxischer Schönheit. Statt Demut: Terraforming. Statt Respekt: Machthunger. Westerboer entwirft ein bitter realistisches Zukunftsszenario, das bedrückend nah an unsere Gegenwart rückt. Wir haben nichts gelernt. Und das macht den Roman so unangenehm aktuell. Hat die Menschheit überhaupt eine zweite Chance verdient?
Besonders stark: Westerboer verbindet wissenschaftliche Akribie mit emotionaler Tiefe. Biochemie, Ökologie, Terraforming – anspruchsvoll, aber größtenteils verständlich. Gleichzeitig begleitet man glaubhafte Figuren: den jungen Henry, der zwischen Sehnsucht und Angst schwankt, und seine Mutter Mildred, die sich immer stärker fragt, ob wir das überhaupt dürfen: einen fremden Planeten unserem Willen unterwerfen.
Lyneham ist Science-Fiction auf allerhöchstem Niveau: fordernd, klug, emotional und messerscharf. Kein seichtes Abenteuer, sondern ein unbequemes Meisterwerk, das lange nachwirkt. Wer Sci-Fi nur als Eskapismus sieht, wird hier gnadenlos geerdet.
Fazit: „Lyneham“ ist ein herausragendes, forderndes Meisterwerk, das mit wissenschaftlicher Präzision, emotionaler Tiefe und philosophischer Wucht die dunklen Seiten menschlicher Natur schonungslos beleuchtet.
10/10 Meisterwerk!
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