Percival Everett - Autor des Pulitzer-Preis-prämierten Bestsellers 'James'
Thelonious 'Monk' Ellison ist Schriftsteller - und verzweifelt: Seine anspruchsvollen Bücher finden kaum Beachtung, während klischeebeladene 'Ghettoromane' über Schwarze gefeiert werden. Aus Wut schreibt er selbst unter Pseudonym einen solch stereotypen, provokanten Roman mit dem Titel 'Fuck'. Der Erfolg ist überwältigend. Doch mit dem Ruhm wächst auch das Chaos in Monks Leben. 'Ausradiert' ist eine bissige, kluge Satire auf den Literaturbetrieb, kulturelle Erwartungen und die Frage, wer erzählen darf - und wie.
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Opfer des eigenen Erfolgs
Bewertung aus Speyer am 17.03.2026
Bewertungsnummer: 3079859
Bewertet: eBook (ePUB)
Eine der glücklichsten Fügungen in meiner Lesebiographie ist der Umstand, irgendwann über Percival Everett bzw. sein Werk gestolpert zu sein. Während sein neues Werk „Ausradiert“ schon auf Lektüre wartete, stolperte ich über einen Film, den ich abgebrochen habe, als mir bewusst wurde, dass es sich um die Verfilmung eben dieses Titels handelte. Hat der Abbruch gelohnt?
Thelonious Ellison ist Schriftsteller, und zwar ein ziemlich erfolgloser, was er auf zwei Umstände schiebt: seinen literarischen Anspruch (schließlich ist er auch Literaturprofessor) und seine Hautfarbe. Mit letzterer funktionieren wohl nur „typisch schwarze Bücher“ mit einfacher Sprache und klischeehafter „Nichthandlung“. Kurzerhand schreibt er genau so eines – unter Pseudonym und wird gefeiert. Doch damit beginnen die Probleme in Thelonious‘ Leben erst so richtig …
Spontan kann einem bei der Geschichte der Sinnspruch „Überlege gut, was du dir wünschst – es könnte in Erfüllung gehen“ in den Sinn kommen. Damit träfe man Teile des Buches schon gut, würde ihm aber noch nicht gerecht, denn so einfach ist es bei Everett nicht (natürlich kam die Frage auf, ob der Roman autobiographische Züge trägt). Thelonious kommt auch in seiner Familie eine Sonderrolle zu, ist er doch das einzige Kind, das nicht in die väterlichen Fußstapfen trat. Als er feststellt, dass seine Mutter unter Demenz leidet und seine Geschwister (nennen wir es, ohne zu viel vorwegzunehmen) „ausfallen“, kümmert er sich. Nur eine Erschwernis auf seinem Weg zum literarischen Olymp – den er sich selbst ebnen könnte, schließlich sitzt er in der Jury, die über das Werk seines Pseudonyms entscheidet. Doch all das (an sich schon Geschichten Füllende) ist nur die oberflächliche Handlung, auf der Everett um den Literaturbetrieb, die Rolle der Schwarzen, kulturelle Aneignung und so vieles mehr (Demenz, Rolle in der Familie, Homosexualität) kreist. Dabei legt er den Finger in so viele Wunden gleichzeitig, dass man meinen sollte, dass die Lektüre schmerzt. Au contraire … Everett erzählt mit einer Leichtigkeit, dass man manchmal nicht einmal bemerkt, wie tief seine Kritik reicht, und die Szenen, in denen Thelonious sich vor der Öffentlichkeit zu verstecken versucht, damit sein „Doppelleben“ nicht auffliegt, sind streckenweise gar brüllend komisch. An anderen Stellen bleibt einem das Lachen im Halse stecken. So geht Satire … Wenngleich die Sprache (gerade im unter Pseudonym geschriebenen „My Pafology“) sehr derb wird, geht sich das hier aus, weil Everett wohl zeigen will, wie klischeehaft wir denken und uns den Spiegel vorhält (etwa auch, wie viel wir für Erfolg opfern würden). Kleine Längen gibt es (Fliegenfischen, Holzarbeiten, deren Sinn für die Handlung sich mir nicht so recht erschlossen hat, aber vielleicht waren das nur Momente, die Thelonius nicht abgehoben scheinen lassen sollen), nichtsdestotrotz werden die 4,5 Sterne aufgerundet und demnächst geschaut, wie gut der Film die Vorlage umsetzt.
Klug geschrieben, aber schwer zugänglich
Rina aus Mannheim am 21.04.2026
Bewertungsnummer: 3116483
Bewertet: eBook (ePUB)
Ausradiert war für mich ein Buch, bei dem ich etwas zwiegespalten zurückbleibe. Einerseits merkt man deutlich, wie klug, literarisch und pointiert Percival Everett schreibt. Andererseits fiel mir der Zugang zu dem Roman nicht leicht.
Der Schreibstil liest sich grundsätzlich flüssig, ist aber dennoch anspruchsvoll und stellenweise etwas sperrig.
Inhaltlich steckt viel im Buch. Es geht um Monks ambivalentes Verhältnis zu seinem Leben als Schriftsteller, um die Dynamiken in seiner Familie, um seine Mutter, die zunehmend Hilfe braucht, um verdrängte Familiengeheimnisse und um seine eigene Identität. Gleichzeitig ist Ausradiert auch eine bissige Satire auf den Literaturbetrieb und darauf, welche Geschichten Aufmerksamkeit bekommen – und welche nicht.
Viele Themen wirken auch heute noch aktuell, vielleicht sogar mehr denn je. Trotzdem blieb für mich einiges eher auf einer gedanklichen Ebene. Ich habe verstanden, was der Autor sagen wollte, emotional hat es mich aber nicht wirklich erreicht.
Schwierig fand ich zudem die längere Passage aus Monks eigenem Roman, in der sehr häufig das N-Wort verwendet wird. Mir ist bewusst, dass das satirisch gemeint ist, trotzdem war dieser Teil für mich unangenehm zu lesen.
Insgesamt ist Ausradiert für mich kein schlechtes Buch. Es ist klug, bissig und literarisch stark. Persönlich habe ich jedoch keinen richtigen Zugang dazu gefunden.
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