Thomas Manns Doktor Faustus erzählt die tragische und zugleich faszinierende Lebensgeschichte des Komponisten Adrian Leverkühn, dessen außergewöhnliches Talent von Anfang an im Schatten einer tiefen inneren Kälte steht. Der Roman wird aus der Perspektive seines Jugendfreundes Serenus Zeitblom berichtet, eines humanistisch geprägten Gelehrten, der versucht, Adrians Leben, Denken und künstlerische Entwicklung nachzuvollziehen - und dabei immer wieder an die Grenzen seines eigenen Verständnisses stößt. Adrian wächst als stiller, hochbegabter Junge in einer ländlichen Umgebung auf. Früh zeigt sich seine Neigung zur Abstraktion, zur Distanz von menschlicher Nähe. Auf der Suche nach geistiger und künstlerischer Vollendung wendet er sich zunächst der Theologie, dann kompromisslos der Musik zu. In den intellektuellen Kreisen der Zeit begegnet er schillernden Figuren, philosophischen Ideen und radikalen ästhetischen Konzepten, die seinen Weg nachhaltig prägen. Musik wird für ihn zum Experimentierfeld, auf dem er bestehende Formen sprengt und neue, oft verstörende Klangwelten erschafft. Ein geheimnisvolles, zentral gelegenes Ereignis markiert eine entscheidende Wendung in Adrians Leben: In einer existenziellen Krise scheint er einen Pakt einzugehen, der ihm schöpferische Genialität verspricht - um einen furchtbaren Preis. Von diesem Moment an entfaltet sich sein Aufstieg als Komponist parallel zu einer zunehmenden Vereinsamung. Während seine Werke Bewunderung und Unverständnis zugleich hervorrufen, entfernen sich Freunde und Weggefährten immer mehr von ihm.
Zeitbloms Bericht ist dabei mehr als eine Biografie: Er spiegelt die geistige und politische Zerrissenheit Deutschlands in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Persönliches Schicksal und historische Katastrophe greifen ineinander, sodass Adrians Lebensweg wie ein düsteres Gleichnis wirkt. Doktor Faustus verbindet Künstlerroman, philosophische Reflexion und Gesellschaftsanalyse zu einer spannenden, tiefgründigen Erzählung über Genie, Schuld und die gefährliche Verlockung grenzenloser Erkenntnis.
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Faust-Mythos, Künstler,…
Circlestonesbooks.blog am 30.03.2022
Bewertungsnummer: 2768125
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Faust-Mythos, Künstler, Weltpolitik „Ich möchte seine Einsamkeit einem Abgrund vergleichen, in welchem Gefühle, die man ihm entgegenbrachte, lautlos und spurlos untergingen. Um ihn war Kälte – und wie wird mir zumute, indem ich dies Wort gebrauche, das auch er in einem ungeheuerlichen Zusammenhange einst niederschrieb!“ (Zitat Seite 15) Inhalt Dr. phil. Serenus Zeitblom ist sechzig Jahre alt, als er am 27. Mai 1943 beginnt, die Lebensgeschichte seines langjährigen Freundes Adrian Leverkühn niederzuschreiben. Der innovative Komponist ist vor drei Jahren verstorben und hat seinem Freund Serenus alle persönlichen Aufzeichnungen und Unterlagen hinterlassen. Auf Grund dieser Aufzeichnungen schildert nun der Ich-Erzähler Serenus Zeitblom die Kindheit, Jugend, gemeinsame Studienzeit, aber auch die weiteren Lebenswege, die unterschiedlich verlaufen, sich jedoch immer wieder kreuzen. Teilweise verfasst Zeitblom die Texte zu einzelnen Kompositionen des genialen Musikers Leverkühn und erlebt auch seinen künstlerischen Werdegang schon ab der frühen Schulzeit mit, mit allen Höhen und Tiefen, geprägt von einer manchmal besessenen Hingabe zur Musik und zum Komponieren, der Suche nach neuen musikalischen Strukturen. „Nur einer so dringlich beobachtenden Freundschaft wie der meinen, konnte ein solcher Bedeutungswechsel der Dinge fühlbar oder ahnbar werden, und Gott sei davor, daß die Wahrheit mir die Freude an Adrians Nähe beeinträchtigt hätte! Was mit ihm vorging, konnte mich erschüttern, mich aber niemals von ihm entfernen.“ (Zitat Seite 322) Thema und Genre Den realen Hintergrund dieses biografischen Romans um einen fiktiven Komponisten bildet die Geschichte Deutschlands zwischen 1884 und 1945, die gesellschaftlichen Veränderungen. Das alte Faust-Thema in dieser modernen Version, welche die unerschöpfliche künstlerische Schaffenskraft in den Mittelpunkt des Pakes stellt, steht für das Leben des Adrian Leverkühn, der als Künstler genial und hochbegabt, als Mensch jedoch einsam und unnahbar bis zur Gefühllosigkeit ist. Dieses Buch ist jedoch ebenso ein Gesellschaftsroman, ein zeitgeschichtliches Dokument Deutschlands in diesen wichtigen Jahren, das die Situation des Bildungsbürgertums, die Stellung der Frauen, die kulturellen und künstlerischen Strömungen, besonders in Musik und Sprache, schildert. Es ist eine weit gefasste Suche nach den kulturgeschichtlichen Gründen für die Entstehung des nationalen Gedankengutes, das sich aus dem Verständnis der deutschen Romantik entwickelt hat und mit zum Nationalsozialismus führte. Die Handlungsorte und Personen dieses Romans sind fiktiv, alle haben jedoch reale Vorbilder, dadurch wird dieser Roman auch autobiografisch geprägt. Fazit Meine hier notierten Bemerkungen sind keinesfalls als literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Roman von Thomas Mann zu sehen, dafür gibt es qualifizierte Fachliteratur, sondern schildern meine wichtigsten Eindrücke beim Lesen dieses interessanten, ideenreichen, zeitlosen, bis heute noch lebhaft diskutierten Romans des deutschen Literaturnobelpreisträgers.
Erstaunlich Interessant
Bewertung am 11.03.2021
Bewertungsnummer: 1174611
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Ein Buch über alles mögliche. Viele Versteckte Botschaften. Alle wichtigen Themen die es so gibt werden angedeutet oder behandelt. So der erste Weltkrieg, die Revolution danach, die Kaiserzeit, Naturwissenschaft, Nietzsche, die Tiefsee, Theologie, das Universum, der zweite Weltkrieg und natürlich die Musik. Nur Mut!
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