Am Ende des Krieges flieht die Mutter mit den Kindern in den Schwarzwald. Dort spielt der Roman. Er beginnt mit einem surrealen Traum, in dem der Erzähler dem erwachsenen König Charles III in der bürgerlichen Wohnung seiner Kindheit begegnet – ein Besuch, der übergangslos in detailreiche Schilderungen von Familienalltag und Nachkriegskultur mündet. Und dieser Alltag ist nicht ohne Tücken: Offiziell Hans Wolfgang, wird der Erzähler in Familie und Dorf nur »Seppel« genannt. Wie soll er sich da angesprochen fühlen, als am ersten Tag in der weiterführenden Schule ein Hans Wolfgang aufgerufen wird? Gerade mal fünf Jahre alt, erlebt er die innige Liebe zu einem Flüchtlingskind. Das fremde Mädchen ist in seinem Dorf aufgetaucht. Er ist überzeugt, dass sie es ist, die schon immer zu ihm gehört hat. Aber dann ist sie so plötzlich verschwunden, wie sie gekommen ist. Trennung – der erste schwere Schmerz muss ertragen werden. Viele Jahre vergehen bis zur nächsten Liebe, auch diese durchaus verhängnisvoll. Hans Wolfgang Kölmel führt uns mit feinem Humor, scharfem Blick und großer Wärme durch die Landschaften seiner Erinnerung – von den Wirren des Zweiten Weltkriegs über die Absurditäten der Nachkriegsjahre bis hin zu den winzigen, köstlichen Triumphen eines seltenen Fischstäbchentags. So entsteht ein lebendiges Panorama aus Familienanekdoten, Alltagsbeobachtungen und historischen Momenten.
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Für Leser-Gourmets
Bewertung aus Dießen am 21.06.2026
Bewertungsnummer: 3173782
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Kaum vorstellbar, dass „Fischstäbchen“ (ein tiefgekühltes Fertigprodukt) jemals als Gourmet-Produkt angesehen wurden!
So aber war es in den unmittelbaren Jahren nach Kriegsende, in denen der Autor Kölmel seine Kindheit und Jahre des Heranwachsens und Bewusstwerdens verbrachte.
Er berichtet darüber mit großer Authentizität und minutiösem Erinnerungsvermögen. Dass gelegentlich Träumerei und Erinnerung miteinander verwoben werden, macht den Wahrheitsanspruch dieser Berichterstattung umso glaubwürdiger.
Das ist kein Widerspruch, sondern das Geheimnis großer Erzählkunst!
Die Themen sind die Freuden und Herausforderungen, die von dieser schweren Zeit geprägt werden: das Unvermögen des Kindes, diese Welt zu verstehen, in der die Eltern ihre grauenvollen Kriegserlebnisse selbst noch nicht überwunden haben, geschweige denn darüber sprechen können, noch dazu zu einem Kind!
Trotzdem lässt Koelmels feiner Humor diese Zeit lebendig werden und setzt in mir, dem gleichaltrigen Leser, der diese Jahre ebenso in Süddeutschland unter französischer Besatzung verbrachte, längst vergrabene Erinnerungen frei und den Impuls, selbst autobiografisch zu schreiben … jedoch mit dem Ziel der persönlichen Vergangenheitsbewältigung, sicherlich nicht der Veröffentlichung. Dazu fehlt die außergewöhnliche Begabung, die Kölmel besitzt, bei dem ironischerweise in der Schule eine „Leseschreibstörung“ festgestellt wurde …
Das Buch ist ein lohnender, lehrreicher und niemals langweiliger Lesestoff, der Licht auf eine besondere geschichtliche Situation wirft, die trotz großer Existenzangst von Durchhaltevermögen und lebenserwartender Hoffnung geprägt ist.
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