Sichtbare Gebrauchsspuren auf einigen Seiten z.B. leichte Knicke oder vereinzelte Markierungen möglich. Die gelieferte Auflage und das Cover können ggf. abweichen.
Den ehemaligen Kollegen hat er immer beneidet. Um den Ruhestand, das Motorrad und die neue Freiheit. Doch jetzt steht er selbst frisch verrentet auf den bemoosten Treppen vor seinem Haus und weiß nicht wohin. Eine Krawatte braucht er nicht mehr, zu Hause ist er im Weg, die Kinder sind längst ausgezogen. Ob die junge Frau, die er jüngst auf dem Friedhof getroffen hat, ihm nur etwas vormacht, vermag er nicht zu sagen. Er ist aus der Übung. Und dennoch nimmt er ihren Vorschlag an, lässt sich von ihrer Agentur »Happy family« mal als Opa, mal als Exmann, dann wieder als Vorgesetzter engagieren und trifft auf fremde Menschen und Schicksale. Er spielt seine Rollen gut, und seine Frau bekommt von alledem nichts mit. Sie hat wieder angefangen zu tanzen …
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Bewertung
aus Berlin
5/5
18.09.2020
eBook (ePUB)
Eine absolute Empfehlung
Herr Kato geht in Rente und hat endlich Zeit. Er könnte nun das alte Radio reparieren oder die Plattensammlung ordnen. Dazu hat er allerdings keine Lust. Doch als er der jungen Mie begegnet, die ihm ein seltsames Angebot macht, beginnt er die Dinge anders zu sehen. Von ihr lässt er sich überzeugen, in eine Agentur für gemietete Familienangehörige einzutreten. Ein zarter Roman über einen späten Neuanfang und über das Glück. Seine Frau beginnt zu tanzen. Und über diese neuen Erfahrungen der beiden beginnen Sie sich wieder anzunähern. Ein gelungener Roman, den ich nur weiterempfehlen kann.
Edith Berger
aus 3istau
5/5
07.02.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
großes, feines Lesevergnügen
"Es war seine Frau, die ihn dazu gedrängt hat, sich einmal von Kopf bis Fuß untersuchen zu lassen..........Immerhin wäre das eine Beschäftigung. Das Kränkende daran hat er zuerst nicht hören wollen". Herr Kato ist in Pension. Kürzlich erst und schon ist ihm die Zeit zu lang. Was er nicht alles in seinem Ruhestand unternehmen wollte. "Und jetzt? Er gibt sich den Anschein, ein Ziel zu haben". Als er eines Tages auf dem Friedhof einer jungen Frau begegnet. Sie kommen ins Gespräch. Die junge Frau macht ihm einen ungewöhnlichen Vorschlag.
Nach "Ich nannte ihn Krawatte" ist der neue Roman von Milena Michiko Flasar erneut großes, feines Lesevergnügen.
Milli
aus Wien
4/5
11.02.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das ein Schreibstil so "schön" sein kann
Herr Kato hat es endlich geschafft. Er ist im Ruhestand und könnte nun sein restliches Leben genießen. Dumm nur, dass er keinen Plan hat, was er mit sich anfangen könnte. Nicht einmal krank ist er!
Doch dann lernt er Mie kennen, die ihm ein Jobangebot macht: Schauspielern! Um genauer zu sein: er soll einen Stand-In mimen. Dabei spielt er vor allem bei völlig fremden Leuten, jene Menschen, die diesen abhanden gekommen sind, sei es durch Tod oder Entfremdung.
Dabei lernt Herr Kato nicht nur viele Menschen und deren Geschichte kennen, er lernt sich selber und seine eigene Familie besser kennen.
Wieder einmal ist Frau Flasar ein Buch gelungen, das zum Nachdenken anregt, einen mitfühlen lässt und einen staunen lässt, wie schön doch die deutsche Sprache sein kann (zumindest habe ich so empfunden).
Xirxe
aus Bad Pyrmont
4/5
14.01.2019
Buch (Taschenbuch)
Irgendwann ist es soweit: der…
Irgendwann ist es soweit: der lang ersehnte Ruhestand! Aber vielleicht ist er doch nicht so sehr ersehnt? Für die namenlose Hauptfigur dieses Buches ist es eine Zäsur, denn von einem Tag auf den anderen ist er ein Niemand. Eine unwichtige Person, die von niemandem gebraucht wird. Seine Frau schickt ihn aus dem Haus, damit er aus dem Weg ist; im Büro ruft er nicht an aus Angst, man könne sich nicht an ihn erinnern. Für die Dinge, die er sich vorgenommen hat (Radio reparieren, Plattensammlung sortieren), fehlt ihm der Elan; vielleicht auch, weil er keinen Sinn darin sieht. Doch am Meisten erschreckt ihn die Beziehungslosigkeit, in der er lebt. Seine Ehe ist schon lange ein Neben- statt ein Miteinander, mit seinen Kindern hat er kaum Umgang, und außer zu einem Obdachlosen in der Nachbarschaft gibt es keine regelmäßigen Kontakte. Doch er sucht die Ursachen dafür nicht bei sich, sondern versucht mit Disziplin eine Regelmäßigkeit in sein Leben zu bringen, das ihm wieder Sinn verleiht - ohne Erfolg. Erst als er der jungen Mei begegnet, die ihm das Angebot macht, in ihrer Agentur als Familienmitglied für Andere kurzzeitig vermittelt zu werden, beginnt sich seine Einstellung und damit auch sein Leben zu ändern. Es ist eine kleine Geschichte (nicht einmal 160 Seiten), die dennoch einige der Schwierigkeiten, mit denen viele Menschen zu kämpfen haben, überdeutlich macht. Die Konzentration auf die Arbeit (das scheinbar Wichtigste), die keine Zeit lässt, sich noch mit Anderem zu beschäftigen; die daraus entstehende Gleichgültigkeit selbst gegenüber den nächsten KollegInnen (man hat ja keine Zeit); die Problematik, Gefühle zuzulassen, nachdem man selbst schwer verletzt wurde; zu leben ohne dass es immer einen Sinn machen muss, einfach weil es schön ist. Das Buch bietet keine Lösungen an, sondern zeigt in einer liebenswerten Form, wie sich aus kleinsten Veränderungen der Einstellung oder Sichtweise Dinge beginnen, sich anders zu entwickeln als auf die sonst gewohnte Art. Der Schreibstil der Autorin ist etwas ungewohnt: Der Protagonist erzählt nicht einfach das Geschehene, sondern als Lesende folgt man meist seinen Gedanken, die, wie Gedanken nun mal so sind, nicht immer chronologisch daherkommen, sondern mal hierhin, mal dorthin springen; mal in kurzer, mal in langer Form. Ich habe mich schon nach wenigen Seiten ohne Schwierigkeiten daran gewöhnt und finde diesen Stil im Nachhinein sehr gelungen. Eine kleine feine Geschichte, die auf gelungene Weise unter anderem so Manches im (vielleicht eigenen?) Leben ganz behutsam in Frage stellt.
Readaholic
4/5
14.05.2018
Buch (Gebundene Ausgabe)
Carpe diem
Seit seiner Pensionierung weiß Herr Kato nichts mit sich anzufangen. Zuhause mäkelt er ständig an seiner Frau herum, weshalb sie froh ist, wenn er Spaziergänge unternimmt und sie das Haus für sich allein hat. Auf einem dieser Spaziergänge lernt er eine junge Frau, Mie, kennen, die ihm das Angebot macht, für sie zu arbeiten. Sie hat eine Agentur für „Stand-Ins“, bei der man Familienangehörige, Chefs, Verlobte...“mieten“ kann. Nach kurzer Bedenkzeit lässt sich Herr Kato auf das Angebot ein und bekommt sofort den ersten Auftrag, in dem er einen Großvater mimt.
Er genießt es, einen Tag lang in die Haut eines anderen zu schlüpfen und ist viel netter, als er es normalerweise zu Hause ist. Es macht ihm großen Spaß, mit seinem „Enkel“ den Tag zu verbringen. Etwas seltsam finde ich, dass seine Ehefrau abends überhaupt nicht nachfragt, wo er den ganzen Tag war. Die beiden scheinen nur noch eine reine Zweckgemeinschaft zu haben.
Auch die nächsten beiden Aufträge sind interessant. Für eine Ehefrau mit geschwätzigem Ehemann gibt er einen Tag lang den einsilbigen Zuhörer, im darauffolgenden Engagement spielt er den Chef des Bräutigams, eine Rolle, die er sehr genießt, da er im wirklichen Leben nie Chef war.
Herr Kato beginnt langsam, sich zu verändern, sein harter Panzer bekommt Risse. In Rückblenden erfahren wir von seinen eigenen Kindern und der ersten Zeit mit seiner Frau. Es ist ein Buch der leisen Töne, mit wenigen Worten und Halbsätzen wird viel gesagt. Insgesamt ist es ein sehr melancholisches Buch. Man hat das Gefühl, Katos Leben vor der Pensionierung drehte sich einzig und allein um die Arbeit, Freizeit, Hobbys, Familie kamen zu kurz. Seinen Plan, mit seiner Frau nach Paris zu fahren, sobald er nicht mehr arbeitet, wird er wohl nicht mehr umsetzen, auch wenn er sich minutiös auf den Trip vorbereitet hat und seine Frau sogar damit beginnt, Französisch zu lernen.
Das Ende empfand ich als etwas unbefriedigend, da vieles, das angesprochen wurde, nicht zu Ende geführt wird. Trotzdem ist es ein empfehlenswertes Buch, das Emotionen auslöst und nachdenklich macht.
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