Produktbild: Ungefähre Tage
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Ungefähre Tage Roman

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Beschreibung

Produktdetails

Zustand

Gut

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

19.01.2022

Verlag

C.H. Beck

Seitenzahl

222

Maße (L/B/H)

20,6/13,2/2,7 cm

Gewicht

343 g

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

EAN

2710002625184

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Gut

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

19.01.2022

Verlag

C.H. Beck

Seitenzahl

222

Maße (L/B/H)

20,6/13,2/2,7 cm

Gewicht

343 g

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

EAN

2710002625184

Herstelleradresse

C.H. Beck
Wilhelmstrasse 9
80801 München
DE

Email: produktsicherheit@beck.de

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Absolut realistisch

MarieOn am 12.01.2026

Bewertungsnummer: 2978646

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Grün hatte ihren Schatten hinter der Milchglastür wahrgenommen, wie sie langsam in sich zusammengesackt war. Er drückte die Türe auf und schob sie ein wenig über den Linoleumboden. Dann kniete er sich neben sie, sprach sie an, klatschte ihr mit der flachen Hand leicht gegen die Wange, sie reagierte nicht. Er schob seine Arme unter ihren Körper, hob sie hoch und trug sie ins Behandlungszimmer. Ihre Haut war wärmer als er erwartet hätte. Als sie die Augen öffnete, fragte er sie nach ihrem Namen. Aus den Unterlagen erfuhr er, dass sie schon seit acht Tagen auf Station war, bisher war sie ihm nicht aufgefallen. Daniel Rothe, der persönliche Albtraum eines jeden Pflegers war zum 15. Mal hier. Nach seinen Aufenthalten kam er jedes Mal ins betreute Wohnen. Alle paar Monate haute er dann ab, setzte die Medikamente ab und wurde mit akuten Wahnvorstellungen von der Polizei zurückgebracht. Jetzt tobte Rothe in seinem Zimmer und schredderte das Nachtschränkchen, als Grün das Zimmer betrat. Er konnte das auf ihn zurollende Bett gerade abfangen. Kurz abgelenkt, sagte er dem Praktikanten, er solle Daniel holen, da fing er sich auch schon einen Fausthieb auf die Nase. Sie überwältigten Rothe schließlich zu dritt und jagten ihm Diazepam in den Muskel. Nach der Schicht stänkerte Josefine, er sei wieder zu spät. Ob sie nicht einmal pünktlich bei ihren Eltern sein könnten. Er schlug ihr vor, mit der Kleinen schon mal vorzufahren. Er käme nach, sobald er geduscht hätte. Vor dem Spiegel untersuchte er sein Nasenbein, das scheinbar nicht gebrochen war, nahm die Tamponade heraus, die Blutung hatte aufgehört. Das linke Unterlid schimmerte in Blautönen. Er dachte an sie, wie sie in seinen Armen lag, zuerst hatte sich ihr Körper versteift, doch gleich darauf wurde er weich, wie zum Beweis seines Vertrauens in ihn. Fazit: Annika Domainko hat mir in ihrem Debütroman einen Blick in die Mühlen der Psychiatrie geschenkt, der es in sich hat. Der Pfleger namens Grün, aus dessen Sicht die fiktive Geschichte erzählt ist, arbeitet nach einem verpassten Archäologiestudium seit zwanzig Jahren auf der Geschlossenen der Psychiatrie. Seine Frau Josefine ist Akademikerin, die gemeinsame Tochter noch klein. Die Familie seiner Frau verachtet ihn. Grün selbst hat „harte“ Zeiten hinter sich, dass es um seinen Selbstwert nicht bestens bestellt ist, verwundert kaum. Er findet in einer Patientin mit psychotischen Schüben eine Vertraute. Was mir an der Geschichte richtig gut gefällt, ist die Stimme und der Aufbau. Mir wird absolut plausibel, warum sich der Pfleger zu der Patientin mit der vulnerablen Persönlichkeit hingezogen fühlt. Gleichzeitig ist unbestreitbar, dass es absolut falsch, ja verboten ist, das auszuleben. Das Machtgefälle wirkt gar nicht so groß, weil auch Grün angeschlagen ist, allerdings steht er auf der einen Seite der geschlossenen Tür und sie auf der anderen. Am Ende nimmt die Geschichte an Fahrt auf und dramatische Ausmaße an. Da ich ursprünglich selbst in der Psychiatrie gelernt habe, habe ich der Autorin jedes Wort geglaubt. Sie hat nichts beschönigt und nichts verschlimmert. Die Geschichte hätte exakt so passiert sein können. Von mir eine absolute Leseempfehlung für die großartige Umsetzung der Themen Machtmissbrauch und Manipulation.

Absolut realistisch

MarieOn am 12.01.2026
Bewertungsnummer: 2978646
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Grün hatte ihren Schatten hinter der Milchglastür wahrgenommen, wie sie langsam in sich zusammengesackt war. Er drückte die Türe auf und schob sie ein wenig über den Linoleumboden. Dann kniete er sich neben sie, sprach sie an, klatschte ihr mit der flachen Hand leicht gegen die Wange, sie reagierte nicht. Er schob seine Arme unter ihren Körper, hob sie hoch und trug sie ins Behandlungszimmer. Ihre Haut war wärmer als er erwartet hätte. Als sie die Augen öffnete, fragte er sie nach ihrem Namen. Aus den Unterlagen erfuhr er, dass sie schon seit acht Tagen auf Station war, bisher war sie ihm nicht aufgefallen. Daniel Rothe, der persönliche Albtraum eines jeden Pflegers war zum 15. Mal hier. Nach seinen Aufenthalten kam er jedes Mal ins betreute Wohnen. Alle paar Monate haute er dann ab, setzte die Medikamente ab und wurde mit akuten Wahnvorstellungen von der Polizei zurückgebracht. Jetzt tobte Rothe in seinem Zimmer und schredderte das Nachtschränkchen, als Grün das Zimmer betrat. Er konnte das auf ihn zurollende Bett gerade abfangen. Kurz abgelenkt, sagte er dem Praktikanten, er solle Daniel holen, da fing er sich auch schon einen Fausthieb auf die Nase. Sie überwältigten Rothe schließlich zu dritt und jagten ihm Diazepam in den Muskel. Nach der Schicht stänkerte Josefine, er sei wieder zu spät. Ob sie nicht einmal pünktlich bei ihren Eltern sein könnten. Er schlug ihr vor, mit der Kleinen schon mal vorzufahren. Er käme nach, sobald er geduscht hätte. Vor dem Spiegel untersuchte er sein Nasenbein, das scheinbar nicht gebrochen war, nahm die Tamponade heraus, die Blutung hatte aufgehört. Das linke Unterlid schimmerte in Blautönen. Er dachte an sie, wie sie in seinen Armen lag, zuerst hatte sich ihr Körper versteift, doch gleich darauf wurde er weich, wie zum Beweis seines Vertrauens in ihn. Fazit: Annika Domainko hat mir in ihrem Debütroman einen Blick in die Mühlen der Psychiatrie geschenkt, der es in sich hat. Der Pfleger namens Grün, aus dessen Sicht die fiktive Geschichte erzählt ist, arbeitet nach einem verpassten Archäologiestudium seit zwanzig Jahren auf der Geschlossenen der Psychiatrie. Seine Frau Josefine ist Akademikerin, die gemeinsame Tochter noch klein. Die Familie seiner Frau verachtet ihn. Grün selbst hat „harte“ Zeiten hinter sich, dass es um seinen Selbstwert nicht bestens bestellt ist, verwundert kaum. Er findet in einer Patientin mit psychotischen Schüben eine Vertraute. Was mir an der Geschichte richtig gut gefällt, ist die Stimme und der Aufbau. Mir wird absolut plausibel, warum sich der Pfleger zu der Patientin mit der vulnerablen Persönlichkeit hingezogen fühlt. Gleichzeitig ist unbestreitbar, dass es absolut falsch, ja verboten ist, das auszuleben. Das Machtgefälle wirkt gar nicht so groß, weil auch Grün angeschlagen ist, allerdings steht er auf der einen Seite der geschlossenen Tür und sie auf der anderen. Am Ende nimmt die Geschichte an Fahrt auf und dramatische Ausmaße an. Da ich ursprünglich selbst in der Psychiatrie gelernt habe, habe ich der Autorin jedes Wort geglaubt. Sie hat nichts beschönigt und nichts verschlimmert. Die Geschichte hätte exakt so passiert sein können. Von mir eine absolute Leseempfehlung für die großartige Umsetzung der Themen Machtmissbrauch und Manipulation.

Tolles Debüt!

Wedma am 22.04.2022

Bewertungsnummer: 1699774

Bewertet: eBook (ePUB)

Es ist Roman, über den ich nicht schweigen kann. Beeindruckend vom Anfang bis zum Ende, in vielerlei Hinsicht: die Form und der Inhalt passen perfekt, und nicht nur das. Psychologisch fein austariert, sprachlich wunderbar. Dazu eine coole, knappe, präzise, einnehmende Art zu erzählen. Klappentext beschreibt das Geschehen sehr gut, insb.: „…Wäre es denn so fatal, sich näherzukommen? Und wie groß ist die Gefahr, in einem fremden Leben zu verschwinden? ‚Ungefähre Tage‘ ist das Psychogramm zweier Menschen im Ausnahmezustand. Wie unter einem Brennglas leuchtet diese Geschichte Machtmissbrauch, Manipulation und menschliche Abgründe aus.“ Und gibt den Stoff, über so vieles nachzudenken. Die Leseprobe hat mich fasziniert. Wer so erzählen kann, da gehört viel Aufmerksamkeit hin. Und ja, der Roman hat mir wunderbare, erfüllte Lesestunden geschenkt. Wenig Personal. Passt hier aber. Dafür welch Menschenkenntnis! Welch Gedankentiefe und noch vieles mehr. Latente Spannung lag stets zwischen den Zeilen, vom Anfang an, sodass ich das Buch kaum aus der Hand legen mochte. Pausen einzulegen, tat aber auch gut. Diese Intensität, in der Sprache, in der geschaffenen Atmosphäre, verleitete dazu. Zudem war das Ganze insgesamt so gut, dass die frische der Wahrnehmung unbedingt sein musste. „Und wie geht es weiter? Wohin soll das führen?“ sorgte dafür, dass der Roman auch die nächste Lesesitzung voll ausfüllte. Wie alle großartigen Bücher, war auch dieses zu schnell vorbei. Natürlich, wer eher das rein informative, oberflächliche Lesen in dürftiger Sprache für das Optimum hält, der kommt womöglich nicht unbedingt auf seine Kosten. Aber ein Versuch wäre es wert. Ich blicke voller Dank auf dieses herausragende Debüt zurück und hoffe, bald einen neuen Roman aus der Feder der Autorin in den Händen zu halten.

Tolles Debüt!

Wedma am 22.04.2022
Bewertungsnummer: 1699774
Bewertet: eBook (ePUB)

Es ist Roman, über den ich nicht schweigen kann. Beeindruckend vom Anfang bis zum Ende, in vielerlei Hinsicht: die Form und der Inhalt passen perfekt, und nicht nur das. Psychologisch fein austariert, sprachlich wunderbar. Dazu eine coole, knappe, präzise, einnehmende Art zu erzählen. Klappentext beschreibt das Geschehen sehr gut, insb.: „…Wäre es denn so fatal, sich näherzukommen? Und wie groß ist die Gefahr, in einem fremden Leben zu verschwinden? ‚Ungefähre Tage‘ ist das Psychogramm zweier Menschen im Ausnahmezustand. Wie unter einem Brennglas leuchtet diese Geschichte Machtmissbrauch, Manipulation und menschliche Abgründe aus.“ Und gibt den Stoff, über so vieles nachzudenken. Die Leseprobe hat mich fasziniert. Wer so erzählen kann, da gehört viel Aufmerksamkeit hin. Und ja, der Roman hat mir wunderbare, erfüllte Lesestunden geschenkt. Wenig Personal. Passt hier aber. Dafür welch Menschenkenntnis! Welch Gedankentiefe und noch vieles mehr. Latente Spannung lag stets zwischen den Zeilen, vom Anfang an, sodass ich das Buch kaum aus der Hand legen mochte. Pausen einzulegen, tat aber auch gut. Diese Intensität, in der Sprache, in der geschaffenen Atmosphäre, verleitete dazu. Zudem war das Ganze insgesamt so gut, dass die frische der Wahrnehmung unbedingt sein musste. „Und wie geht es weiter? Wohin soll das führen?“ sorgte dafür, dass der Roman auch die nächste Lesesitzung voll ausfüllte. Wie alle großartigen Bücher, war auch dieses zu schnell vorbei. Natürlich, wer eher das rein informative, oberflächliche Lesen in dürftiger Sprache für das Optimum hält, der kommt womöglich nicht unbedingt auf seine Kosten. Aber ein Versuch wäre es wert. Ich blicke voller Dank auf dieses herausragende Debüt zurück und hoffe, bald einen neuen Roman aus der Feder der Autorin in den Händen zu halten.

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Ungefähre Tage

von Annika Domainko

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