Die Berliner Schriftstellerin und radioeins-Kolumnistin bearbeitet in ihrem dritten Roman mit leichter Feder und trotzigem Humor ein schweres Thema: Was tun, wenn der Kopf ein Kind will, aber der Körper nicht kann? – Nun endlich als ansprechendes Taschenbuch.
Kathi doktert an ihrer Promotion in Literaturwissenschaft zu den Brüdern Grimm rum und kommt nicht recht vom Fleck. Ihre beste Freundin Effi ist eine äußerst bodenständige Kinderärztin. Als diese schwanger wird, fasst Kathi einen Entschluss: Sie will auch ein Kind – und wenn es auf biologischem Wege nicht geht, dann geht sie eben den bürokratischen: Adoption!
Das Warten auf ihre Babys schweißt die beiden Frauen zusammen und mit ihnen entzaubern sich den Leserinnen und Lesern sowohl das Märchen von der natürlichen Geburt, der Mythos von der Mutterliebe und das Märchen vom Schneewittchen.
Lea Streisands jüngster Roman ist ein launiges Werk übers Kinderwünschen und -bekommen, übers Frau- und Freundinsein und nicht zuletzt über die große Frage, welcher Hornochse eigentlich die Idee der »guten Mutter« in die Welt gesetzt hat. Was soll das überhaupt sein?
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Eternal-Hope
aus Österreich
5/5
16.02.2026
Buch (Taschenbuch)
Empfehlenswerter Roman zum Thema Eltern-Werden durch Adoption
In "Hätt' ich ein Kind", dem neuen Roman von Lea Streisand, geht es um Kathi, 35 Jahre alt, die seit mehreren Jahren mit David zusammenlebt und sich sehnlichst mit ihm ein Kind wünscht. Doch auf biologischem Weg ist es aussichtslos, die Frauenärztin verkündet ihr die niederschmetternde Diagnose vorzeitiger Wechseljahre und dass es mit ihren eigenen Eizellen nichts mehr werden würde. Niedergeschlagen begibt sich das Paar auf den langen Weg hin zur Adoption.
Sehr gut gefallen hat mir, dass der steinige und nur manchmal mit Erfolg verbundene Weg der Adoption sehr realistisch dargestellt wird: schon, um als Adoptionswerber in Betracht zu kommen, muss eine aufwendige Prozedur auf sich genommen werden, und darauf folgt erst einmal eine jahrelange Wartezeit in Ungewissheit, ob es jemals klappen könnte mit der Vermittlung eines Adoptivkindes. Denn es gibt nicht viele davon und es werden Eltern für Kinder gesucht, nicht umgekehrt.
In dem Buch begleiten wir das sympathische Paar auf diesem Weg. Toll ist, wie Kathi sich trotz des eigenen Unglücks mit ihrer besten Freundin über deren Schwangerschaft freuen kann und sie liebevoll dabei begleitet. Überhaupt waren es sehr sympathische, freundliche und reflektierte Charaktere, deren Schicksal ich sehr gerne in diesem unterhaltsamen und leicht zu lesenden, gleichzeitig aber realistisch dargestellten Buch miterlebt habe.
Ich kann das Buch allen, die sich eine gute Unterhaltung mit durchaus so einigen tiefsinnigen Gedanken zum Thema Wahlverwandtschaft und Elternschaft wünschen, aber auch allen, die sich für das Thema Adoption interessieren, sehr empfehlen - es hat mein Herz berührt.
Bewertung
aus München
5/5
02.07.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
glaubwürdig erzählt
Warum wollte ich dieses Buch lesen? Ich bin keine Betroffene. Und noch gibt es das Problem in meiner Familie nicht. Ob zukünftige Schwiegertöchter es haben, weiß man natürlich nicht. Aber es war diese Beschreibung in einem Satz, die mich angesprochen hat. Ich suche immer nach Büchern, die mir etwas sagen wollen und die mich berühren - auf die ein oder andere Art und wenn möglich auf viele.
Es wird nicht zu viel versprochen. Ich mochte es, wie die Geschichte von Kathi und Effi erzählt wird. Ihr Kampf um ein Kind. All der Frust und die Lust, all das Glück und die Trauer über einen Verlust von etwas, was man noch gar nicht bekommen hat. Angefangen beim Verlust der Leichtigkeit beim Kindermachen, über dem Kampf mit den gesetzlichen Windmühlen bis hin zu tiefe Erkenntnissen über sich selbst, die Gesellschaft, das Leben.
Mir hat das Buch genau das gebracht, was ich mir erhofft hatte. Zwei starke Frauen kennen zu lernen, die sich nicht unterkriegen lassen und jede für sich einen Weg finden aus einer Krise.
Sehr empfehlenswert und glaubwürdig erzählt.
begine
aus Lemwerder
5/5
04.06.2022
eBook (ePUB 3)
Wir adoptieren
Die Autorin Lea Streisand liest ihr Hörbuch „ Hätt` ich ein Kind“ liest den Text persönlich, vielleicht ist er deshalb so besonders stimmig.
Zuerst hatte ich bedenken, ob das so gut für mich ist. Man erfährt wie es einer Frau geht, die kein Kind bekommen könne. Die Empfindungen sind genau so, wie die Autorin das schildert.
Die Prozedur, die ein Paar erlebt, das ein Kind adoptieren möchte ist Nerven belastend.
Die Zweifel und Angst einer jungen Mutter kann man gut nachvollziehen.
Diese Geschichte ist einfach brillant.
J. Kaiser
5/5
19.03.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Interessante Geschichte mit Tiefgang
Klapptext: Ein Satz stellt Kathis Leben von einer Minute auf die andere auf den Kopf.
Fazit: Das Thema dieses Buches ist einerseits lustig, klug und auch wütend machend. Kathi lebt mit ihrem Freund in einer kleinen hübschen Wohnung in Berlin. Sie ist Mitte dreissig und hat über grimm als Geschichten promoviert. Dass sie einmal Kinder haben möchten, stand ausser Frage. Bis ihr Frauenarzt den folgenschweren Satz spricht, Sie werden keine Kinder bekommen. Als ihre Freundin schwanger wird, stellt Kathi einen Adoptionsantrag. So will sie sich der Wahrheit stellen. Die beiden geniessen miteinander die Zeit, obwohl es manchmal nicht viel zu lachen gibt. Beide werden Mütter, jede auf ihre Art. Mir stellte sich die Frage nach dem Lesen des Buches, ist eine Frau nur eine Frau, wenn sie ein Kind bekommt? Die Antwort auf diese Frage überlasse ich dem jeweiligen Leser.
Kathrin Wagner von Katis-Buecherwelt
aus Witten
3/5
06.05.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
~ authentisch und emotional ~ informativ und aufbauend ~ leider mit einem zähen und langweiligen Nebenplot, über die These der Gebrüder Grimm Märchen und deren Mutterschaften
Zum Buch:
Die Gestaltung ist clean gehalten in einem einfarbigen Blauton, und einem auffällig gestalteten Titelschriftzug. Auf den Buchstaben klettert ein kleiner Junge empor. Eine Darstellung, die mich auf jeden Fall neugierig auf die Geschichte gemacht hatte und den Inhalt widerspiegelt. Außerdem wurde hier sehr viel Wert auf die Materialien des Buches gelegt. Die Seiten wurden aus festem und hochwertigen Papier gefertigt und die Seiten fühlten sich beim Blättern angenehm an.
Meine Meinung:
In "Hätt ich ein Kind" erzählt die Kolumnistin und Schriftstellerin Lea Streisand die Geschichte eines Pärchens, die über einen steinigen Weg führend zum Wunschkind finden. Ich selbst habe mich eine lange Zeit mit diesem Thema befasst und war gespannt, wie Kathi und David diesen Weg gemeinsam bestreiten würden.
Kathi wünscht sich sehnlichst ein Kind, doch nach zahlreichen Versuchen erhält sie die Diagnose der frühzeitigen Wechseljahre und somit ist sie unfruchtbar. Sie wird keine Kinder austragen/empfangen können. Ein Schock für Kathi und David. Doch für sie war sofort klar - dann wird eben adoptiert. Eine endlos lange Zeit des Wartens, geprägt von zahlreich auszufüllenden Anträgen, beginnt. Sie will nicht aufgeben und für ihren Wunsch kämpfen.
Zeitgleich wird ihre beste Freundin Effi schwanger, erleidet eine Fehlgeburt und wird anschließend erneut schwanger. Kathi freut sich sehr darüber, fühlt sich dennoch unter Druck gesetzt, jetzt unbedingt ein Adoptivkind zu bekommen. Sie möchte schließlich, dass das Kind von Effi mit ihrem Kind zusammen aufwächst. Die Angst, die Freundschaft zu verlieren, wenn Kathi kinderlos bleibt, nagt an ihr.
Und ganz nebenbei schreibt sie noch an ihrer Doktorarbeit, die sie unbedingt noch vor dem Elterndasein fertiggestellt haben möchte. Ob ihr das alles gelingt? ...
Der Schreibstil von Lea Streisand war flüssig zu lesen und ich bekam das Gefühl, als würde mir die Protagonistin Kathi höchst persönlich ihre Geschichte erzählen. Schnell konnte ich mich in die Erzählung einfinden und hineinfühlen. Dabei entdeckte ich einige Parallelen zu Gedankengängen, die ich selbst einmal hatte, als das Thema Kinderwunsch für mich ein unerfüllter Traum war, leider aber auch dabei geblieben ist.
Die Protagonistin Kathi ist mir sehr ans Herz gewachsen und ihre Art sich über sich selbst lustig zu machen, fand ich erfrischend und lenkte ein klein wenig von dem Gefühlschaos ab, was das Paar durchleben musste. Eine Adoption ist nicht mal eben hinter sich gebracht, sondern ist ein langwieriger und harter Prozess, der hier sehr gut beschrieben und vermittelt wurde. Jeder der diesen Weg einschlagen möchte, bekommt durch diese Story einen kleinen Einblick, wie es ablaufen kann. Die Fragestellungen, die die Autorin mit auf dem Weg gab, wie z.B. "Kann ich eine gute Mutter sein?", "Kann ich das Kind wie mein eigenes lieben?" oder "Was macht eine Familie für mich aus?" waren interessante Denkanstöße und hilfreich, um eigene Selbstzweifel niederzulegen.
Kathi und David haben sich zur Adoption entschieden und einen langen bürokratischen Weg eingeschlagen. Interessant fand ich die Darstellung der Sachbearbeiterin beim Adoptionsamt, die zwar freundlich und hilfsbereit schien, aber das Pärchen immer wieder vertröstete, es sei noch kein passendes Adoptivkind gefunden. Nach monatelangen Warten und der Schwangerschaft von Effi, fasst Kathi den Entschluss, noch intensiver beim Amt nachzuhacken und fordert eine neue Sachbearbeiterin an. Überrascht war ich nicht, dass mit einer neuen Sachbearbeiterin auf einmal das Adoptionsverfahren weiter vorangeht. Dennoch finde ich es fragwürdig (an die Adoptionsämter), "Warum muss ein Paar, was ein Kind adoptieren und Liebe schenken möchte, einen zweiten Antrag stellen und das gesamte Adoptionsverfahren neu durchlaufen, wenn dies doch bereits geschehen ist?". Warum diese doppelte Antragstellung? Warum können die Sachbearbeiter nicht zusammen als Team arbeiten und bereits gesammelte Informationen über die Familien weitergeben? Ein System, was ich nicht verstehen kann und eine Qual für die Familien, die sich nichts sehnlicher wünschen, als ein Kind aufzuziehen.
Gebannt habe ich den Weg von Kathi und David verfolgt und auch den Weg von Effi, die auf natürliche Weise die Schwangerschaft erlebt hat. Die beiden Frauen hielten zusammen, egal was kommen sollte, und das fand ich großartig. Die Geschichte berichtet über zwei verschiedene Wege, eine Familie zu gründen und das schonungslos ehrlich und authentisch ohne irgendwelchen Beschönigungen. Am Ende zählt jedoch, egal wie hart und steinig der Weg war, es lohnt sich niemals aufzugeben! Und genau das wird in dieser Erzählung deutlich gemacht.
Abgelenkt haben mich die Passagen, in denen es um die Doktorarbeit von Kathi ging, in der sie Ableitungen der Märchen Gebrüder Grimm zur Mutterschaft webte. Anfänglich fand ich diese Informationen interessant, doch je intensiver sich die Autorin mit der Thematik befasste, blieb die Haupthandlung, die mich am meisten interessierte, auf der Strecke stehen. Ich empfand diese Abschnitte mit der Zeit zäh und langweilig, und musste mich teilweise zwingen, diese nicht zu überfliegen. Auf diese Abschnitte hätte ich gern verzichtet und mehr über Davids Gefühle und Gedanken während des gesamten Adoptionsverfahrens erfahren. Im Hauptfokus stand hier überwiegend Kathi.
Fazit:
"Hätt`ich ein Kind" von Lea Streisand erzählt die Geschichte eines Pärchens, die keine Kinder auf natürlichem Wege bekommen können und den zähen bürokratischen Adoptionsverfahren durchlaufen, um ihr Wunschkind in den Armen zu halten.
~ authentisch und emotional ~ informativ und aufbauend ~ leider mit einem zähen und langweiligen Nebenplot, über die These der Gebrüder Grimm Märchen und deren Mutterschaften
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