Das können wir uns nicht leisten
Was es bedeutet, in Deutschland arm zu sein - Von der Gastgeberin des beliebten Podcasts »Danke, gut«. - - SPIEGEL-Bestseller
Davoudvandi erzählt von ihrem Aufwachsen in Armut und liefert die Fakten dazu. Denn Armut betrifft alle Lebensbereiche: Geburt, Bildung, Liebe & Dating, Gesundheit, Kriminalisierung, Tod etc.»In Deutschland heißt es, ich sei in relativer Armut aufgewachsen. Hineingeboren in eine Familie, die noch ärmer aufgewachsen ist als ich, habe ich vor allem eines gelernt: Beschwer dich nicht, dir geht's relativ gut.«Nach ihrem ersten Kuss hat sie erst einmal geweint, denn Miriam Davoudvandi wusste, dieser Typ muss irgendwann ihr Elternhaus von innen sehen: den schäbigen Sozialbau inmitten von Einfamilienhäusern, die vollgestellten Zimmer, das zerschlissene Bad. Inzwischen hat sie es geschafft, ist sozial aufgestiegen und verdient mehr als ihre Eltern jemals. Ihr Fazit: Geld macht sehr glücklich. Aber zu welchem Preis?So entwaffnend wie berührend erzählt Miriam Davoudvandi, was es bedeutet, in Deutschland arm zu sein. Dabei ist Armut etwas, was sich – theoretisch – leicht beseitigen ließe. Dass wir das nicht hinbekommen, ist peinlich – für uns alle.Ungekürzte Lesung mit Miriam Davoudvandi5h 25min
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Bewertung
2/5
09.05.2026
Hörbuch-Download (MP3)
Fehlkauf
Es wird ein bisschen vom Leben in der Platte erzählt, wobei aber nichts herumkommt, was man sich nicht logisch erschließen könnte.
Der Rest wirkt wie eine Sammlung verkorkster Interpretationen völlig normaler Dinge.
An der Universität anfangs nicht zu verstehen, wie alles organisiert ist und festzustellen, dass andere Menschen auch Dinge wissen wird als persönliche Benachteiligung wahrgenommen und mit Armut begründet, als wäre das nicht für alle Studierenden so.
Von anderen mit dem Auto mitgenommen werden und an der Ecke abgesetzt werden anstatt bis zur Haustür gefahren zu werden wird als negativ interpretiert, weil die Leute einem ja damit zeigen, dass es einen Aufwand für sie bedeutet.
Mein persönliches Highlight war die Aktion, Ferrero Rocher als "Praline der Unterschicht" zu betiteln.
Wenn man mit so einem Blick durch die Welt geht und an allem rumnörgelt, ist man wohl wirklich arm.
xxholidayxx
5/5
19.06.2026
Buch (Taschenbuch)
Mehr als eine Frage des Geldes
„Ich war vier Jahre alt, als ich das erste Mal spürte, dass wir arm sind.“ (S. 9)
Dieser Satz steht früh in „Das können wir uns nicht leisten“ von Miriam Davoudvandi und hat sich bei mir sofort im Gedächtnis festgesetzt. Weil es sich um einen scheinbar unbedachten Kindheitsmoment handelt, der rückblickend klar macht: Hier, bereits im Alter von vier Jahren, beginnt das Bewusstsein für soziale Unterschiede (wenn auch zunächst nur als diffuses Gefühl).
Davoudvandi erzählt in ihrem Buch über Klassismus in Deutschland und entscheidet sich bewusst dafür, nicht über Zahlen oder abstrakte Modelle zu schreiben, sondern konsequent aus einer biografischen Perspektive. Genau das macht den Text meiner Meinung nach so zugänglich und gleichzeitig so eindringlich. Armut wird nicht theoretisch erklärt, sondern erfahrbar gemacht als etwas, das sich nicht nur in finanziellen Einschränkungen zeigt, sondern gravierende Auswirkungen auf alle (!) Lebensbereiche hat.
Meine Meinung
Im Zentrum des Buches steht die Frage, wie tief soziale Herkunft in Lebensrealitäten eingeschrieben ist. Davoudvandi beschreibt, wie Armut Räume definiert und begrenzt: die Wohnung, in der Besuch unangenehm wird, die Schule, die vermeintlich Chancengleichheit verspricht, aber implizite Voraussetzungen mitbringt, oder Freizeitaktivitäten, die schlicht nicht finanzierbar sind. Es sind diese alltäglichen Situationen, die sichtbar machen, wie früh Ausschluss beginnt und wie selbstverständlich er oft hingenommen wird.
Armut ist mehr als eine ökonomische Kategorie! Sie ist ein soziales und emotionales Erleben, in dem Scham ein wiederkehrendes Motiv der gesamten Erzählung ist. Sie betrifft nicht nur materielle Einschränkungen, sondern prägt Beziehungen, Selbstbild und die Art, wie man sich in der Welt bewegt. Diese Dimension von Klassismus wird selten so konsequent aus der Innenperspektive beschrieben.
Die Autorin verbindet ihre persönliche Geschichte meiner Meinung nach sehr geschickt mit einer klaren gesellschaftlichen Analyse. Und der Ton ist nicht „klassisch“ sachbuchartig, sondern sehr nahbar. Das Buch bleibt nicht bei der individuellen Ebene stehen, sondern öffnet den Blick auf strukturelle Fragen: Wie entstehen soziale Unterschiede? Und warum werden sie so oft individualisiert statt systemisch betrachtet? Auch der Aspekt des sozialen Aufstiegs wird differenziert behandelt. Denn die klassische Geschichte vom „sozialen Aufstieg“ ist eine Lüge, weil Herkunft eben nicht einfach so verschwinden kann. Selbst wenn sich materielle Bedingungen verändern, bleiben Erfahrungen, Muster und Gefühle bestehen. Aufstieg ist damit immer ein ambivalenter Zustand zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Fazit
„Das können wir uns nicht leisten“ ist ein sehr persönliches, zugleich politisches Buch, das einen wichtigen Beitrag zur Diskussion über Klassismus in Deutschland leistet. Es verschiebt den Fokus weg von individuellen Zuschreibungen hin zu strukturellen Bedingungen und macht deutlich, wie wenig sichtbar viele Formen von Armut im Alltag sind, obwohl sie diesen massiv prägen. Für mich ist es ein Jahreshighlight und von mir gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung. Vielen Dank an den btb Verlag für das Rezensionsexemplar.
Bewertung
5/5
17.06.2026
Buch (Taschenbuch)
Ein wichtiges Buch für die Gesellschaft!
Fesselnd und erschreckend zugleich. Leistet wichtige Aufklärungsarbeit und jeder der ähnlich aufgewachsen ist, findet sich sofort wieder. Klare Empfehlung für jedermann, egal welche Herkunft, Generation etc
Hanna (text.reisen)
5/5
16.06.2026
Buch (Taschenbuch)
Armut betrifft uns alle
Miriam Davoudvandis Buch ist mehr als die Geschichte einer Kindheit geprägt von Armut oder eine Erzählung über persönlichen Erfolg, es ist eine strukturelle Analyse von Armut und all ihren Facetten, der kritische Blick auf einen gesellschaftlichen Missstand, der viel zu oft romantisiert oder stigmatisiert wird - wie die Autorin bereits im Vorwort bemerkt. Miriam Davoudvandi erzählt von ihren eigenen Erfahrungen, versucht diese aber auch immer in einen größeren Zusammenhang zu stellen und findet dafür einen sehr authentischen Tonfall und klare, nachvollziehbare Argumente. Besonders gut gefallen hat mir die thematische Einteilung des Buches, die von Anfang an deutlich macht wie viele Aspekte des Lebens durch Armut beeinflusst werden und wie prägend die Erfahrungen sich „etwas nicht leisten zu können“ auch dann noch ist, wenn man den gesellschaftlichen Aufstieg „geschafft“ hat. Das Buch hat mich auf jeden Fall auch dazu gebracht meine eigenen Erfahrungen, mein soziales Umfeld und meinen familiären Hintergrund zu reflektieren. Als Person, die nie direkt von Armut betroffen war, hat mir das Buch die Augen dafür geöffnet, dass mich dieses Thema trotzdem - wenn auch nur indirekt - betrifft und ich durch eine Auseinandersetzung damit vieles besser verstehen und einordnen kann. Daher auch ganz große Leseempfehlung an alle für dieses wichtige Buch!
Bewertung
aus Wermelskirchen
5/5
27.05.2026
Buch (Taschenbuch)
Ein eindringlicher Blick auf Armut
„Das können wir uns nicht leisten“ von Miriam Davoudvandi ist viel mehr als eine autobiografische Erzählung. Es ist ein eindringlicher Blick darauf, was Armut in Deutschland wirklich bedeutet und wie es sich anfühlt.
Das Buch beinhaltet elf Kapitel, die alle mit einem Rap beginnen und dann Themen wie Armut und Wohnen oder Armut und Gesundheit aufgreifen. Die Autorin beschreibt sehr einfühlsam wie allumfassend Armut wirkt, vor allem auf das eigene Selbstbild. Es geht dabei nicht nur um das fehlende Geld, sondern um psychologische, soziale und existentielle Spuren, die bleiben.
Besonders stark ist die Verbindung aus persönlicher Geschichte und wissenschaftlichen Fakten. Die Einordnung in größere gesellschaftliche Zusammenhänge macht deutlich, dass Armut kein individuelles Problem ist, sondern Ausdruck struktureller Ungleichheit. Was am meisten nachhallt sind die Langzeitfolgen. Wer als Kind Armut erfährt, hat auch im späteren Leben oft Angst vor dem Briefkasten, vor Rechnungen oder vor einem leeren Konto. Die Gefühle und die Scham bleiben, selbst wenn die finanzielle Situation sich längst gebessert hat. Die Autorin zeigt sehr deutlich, dass Armut nicht einfach verschwindet, sondern sie prägt das Denken, das Verhalten und den Selbstwert.
Dieses Buch räumt mit Vorurteilen auf und zeigt, wie sehr finanzielle Unsicherheit alle Lebensbereiche beeinflusst. Es ist nicht nur ein gesellschaftskritisches Sachbuch, sondern ein dringender Appell für mehr soziale Gerechtigkeit.
Meine absolute Leseempfehlung für dieses bewegende, ehrliche und unglaublich wichtige Buch.
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