Stella Kleve, Emilia Pardo Bazán, Olha Kobyljanska, Annemarie Schwarzenbach und Virginia Woolf waren ihrer Zeit weit voraus! Sie forderten Raum für ihre eigenen Träume, Hoffnungen und ihr Begehren. Sie schrieben selbstbewusst und modern, aus Leidenschaft und von Beruf. Und sie hielten der Gesellschaft der Männer unermüdlich den Spiegel vor. Die hier versammelten Erzählungen erscheinen teilweise zum ersten Mal auf Deutsch und sind kluge, radikale, einfühlsame und immer wieder auch sehr komische Texte von erstaunlichen Frauen und Autorinnen aus fünf Ländern, die uns auch heute noch viel zu sagen haben – über Selbstbestimmung, Liebe und Partnerschaft genauso wie über Unterdrückung, Befreiung und Solidarität.
Der Schuber enthält folgende Erzählungen:
Stella Kleve: Pyrrhussiege
Emilia Pardo Bazán: Die Feministin und Champagner
Olha Kobyljanska: Fantaisie Impromptu.Eine Skizze
Annemarie Schwarzenbach: Eine Bekanntmachung
Virginia Woolf: Das Vermächtnis
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Widerstand als roter Faden der Geschichte
xxholidayxx am 31.03.2026
Bewertungsnummer: 3095785
Bewertet: Buch (Set mit diversen Artikeln)
„Stella Kleve, Emilia Pardo Bazán, Olha Kobyljanska, Annemarie Schwarzenbach und Virginia Woolf waren ihrer Zeit weit voraus!“ (Klappentext) Dieser Satz aus dem Schuber „Ihrer Zeit voraus“ ist Programm. Er erinnert uns daran, dass Feminismus keine Erfindung der Neuzeit ist, sondern ein jahrhundertealter, kontinuierlicher Kampf um Raum, Träume und das Recht auf Begehren. Der Lampe Verlag versammelt hier sechs Erzählungen von fünf Frauen aus verschiedenen Ländern, die eines eint: der unnachgiebige Wille zur Selbstbestimmung.
Meine Meinung
Was mich an diesem Format besonders begeistert, ist die hochwertige Gestaltung. Explizit hervorheben möchte ich meine Begeisterung darüber, dass die Übersetzer:innen prominent auf den Covern der einzelnen Büchlein abgebildet sind. Eine Wertschätzung für diese so wichtige Arbeit, die man viel zu selten sieht. Die sechs Texte funktionieren als Kollektiv hervorragend, um die Universalität weiblicher Unterdrückung und Befreiung aufzuzeigen.
Zwei Erzählungen sind mir besonders nahegegangen. Da ist zum einen Stella Kleves „Pyrrhussiege“ – eine Novelle, die 1886 in Schweden für einen solchen Aufschrei sorgte, dass die Zeitschrift, in der sie erschien, eingestellt werden musste. Kleve schreibt über weibliche Lust und den „male gaze“, lange bevor es den Begriff gab. Die Protagonistin Märta hasst die „erbärmliche Vorsicht“, dieses „zweideutige Surrogat für Tugend“ (S. 7), mit dem Frauen ihre Interessen zupflastern müssen. Es ist eine fast schon fiebrige Analyse unterdrückter Sinnlichkeit.
Zum anderen hat mich Annemarie Schwarzenbachs „Eine Bekanntmachung“ tief beeindruckt. Mit einer fast schon kühlen Präzision schildert sie, wie ein Ehemann versucht, seine Frau durch eine öffentliche Zeitungsannonce zu demütigen und finanziell abhängig zu halten. Doch Schwarzenbach lässt ihre Figur nicht zerbrechen. Die Reaktion – ein ungläubiges, fast belustigtes „Die Hauptsache ist, dass ich wieder frei bin“ (S. 20) – ist ein kraftvolles Zeugnis weiblicher Resilienz. Es zeigt: Wer die Ketten erst einmal erkannt hat, den kann man nicht mehr so leicht demütigen.
Das Format (ca. 128 Seiten insgesamt) ist ideal, um diese Stimmen in einem Rutsch wirken zu lassen. Es ist eine sehr wichtige Lektüre, die beweist, dass Frauen schon immer das patriarchale Autoritätsgefüge hinterfragt haben.
Fazit
„Ihrer Zeit voraus“ ist für alle, die literarische Entdeckungen lieben und verstehen wollen, dass unsere heutige Freiheit auf den radikalen Texten dieser Frauen fußt. Ein Schuber voller kluger, schmerzhafter und teilweise hochkomischer Texte, die uns auch heute noch, oder gerade heute! extrem viel zu sagen haben. Vielen Dank an den Lampe Verlag für dieses wertvolle Rezensionsexemplar.
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