Ein verirrter Brief bringt alles in Gang: Der Student Carlo hat sich insgeheim in ein Lissabonner Zimmermädchen verliebt. Als er, zurück in Hannover, über das Hotel Kontakt aufnehmen will, landet das Antwortschreiben ohne hilfreiche Auskunft ein paar Häuser weiter bei der liebesschlingernden Buchhändlerin Carla, die sich gerade mit ihrem neuen Nachbarn, dem eigenbrötlerischen Kramer, anzufreunden beginnt. In Carla gärt eine Schnapsidee: Bevor Carlos Herzschmerz in echte Saudade umschlägt, will sie dem Jungen helfen – und sich auch. Alle haben sie ihre Geschichten und tun sich schwer, sie zu erzählen. Dennoch kommt man sich näher, als vielleicht gut ist; und dass Abhauen nicht alle Fragen beantwortet, muss nicht überraschen.Ein melancholisch-komischer Roman, der erzählerische Leichtigkeit mit formaler Seriosität verbindet und die ganz großen Themen beiseite lässt, um sich den ganz großen Fragen zu widmen: nach dem Losfahren, dem Ankommen und dem Zurückbleiben.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Johanna
aus München
5/5
12.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Reiseroman voller Ironie und Komik
Zum Hotel „Vier Jahreszeiten“ reichts halt nicht und für „Sich abfinden und auf Wasser sehn“ (nach Gottfried Benn) ist es zu früh.
Ein Reiseroman voller Ironie und Komik. Zum lauthals Lachen, Kichern und sich am Ende wehmütig der portugiesischen "saudade" Hingeben. Ein Roadtrip von Hannover nach Lissabon.
Die zweiundvierzigjährige Buchhändlerin Carla erzählt ihrer etwa gleichaltrigen Freundin an mehreren Abenden die Geschichte einer Reise, die erstere erlebt haben will und letztere plausibel nennt, mit einer Wahrheit, „die nichts mit kriminalistischer Überprüfbarkeit zu tun haben muss“.
Carla bringt dem vierundzwanzigjährigen Carlo aus der Nachbarschaft einen Brief, der sich zu ihr verirrt hat. Sie bohrt so lange nach, bis er ihr erzählt, er habe sich beim Portier eines Lissaboner Hotels nach der Adresse eines Zimmermädchens erkundigt, in das er sich bei einem Aufenthalt dort verliebt habe. Leider sei die Auskunft des Portiers unzureichend und enttäuschend gewesen. Ein paar Tage zuvor hat Carla die Bekanntschaft des Nachbarn Kramer gemacht und erfahren, dass der einen uralten blauen Mercedes von seinem Onkel „geerbt“ hat. In ihr reift eine romantische Idee. Warum nicht mit einem spontanen Roadtrip nach Portugal dem jungen Carlo zu seiner Liebe verhelfen? (Und nebenbei was gegen die eigene Einsamkeit unternehmen?)
Drei abgebrochene Akademiker unterschiedlichen Alters begeben sich von Hannover nach Lissabon. Unterwegs gabeln sie in Belgien noch eine alleinerziehende Schreinerin namens Rosalie auf. Selbstverständlich ergeben sich auf der Reise gewisse zwischenmenschliche Komplikationen …
Ein schöner Roman mit liebenswerten Figuren, denen ein Hang ins abstrus Lebensphilosophische innewohnt, mit spritzigen, albernen, rabulistischen Kneipen- und Auto-Dialogen, witzigen und aberwitzigen „Geistreicheleien“. Zwischen Eckhard Henscheid und Kurt Tucholsky. Ein paar Längen seien da verziehen. Schon allein wegen der Sprache, derer sich Gärtner befleißigt. Manche mögen sie prätentiös nennen, andere stilsicher und elegant. Durchsetzt mit Alltagsdeutsch in den Dialogen und literarischen Verweisen von Kästner bis Benn.
„Tschick“, aber in erwachsen?
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