Der Radiologe Solomon Matzner und seine Frau freuen sich auf ihr Kind. Da erleidet Cici eine Fehlgeburt, und Sol weiß sich nicht anders zu helfen, als schnellstens ein Ersatzkind zu adoptieren: Cheri. Ein rebellisches Mädchen, das auch später als Frau nicht ansatzweise dazu bereit ist, die Erwartungen anderer zu erfüllen. Ein Buch über die Familie, an der man sich die Zähne ausbeißt und ohne die man trotzdem nicht sein kann.
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Eine Frau auf der Suche nach ihrer...
Bewertung am 03.11.2019
Bewertungsnummer: 411936
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Frau auf der Suche nach ihrer Identität: die mit eigenen Problemen belasteten und andersartigen Adoptiveltern können es nicht sein. Cici ist so nicht in der Lage, auch nur eine Version ihres Lebens voll auszuschöpfen, bis sie selbst ihre Herkunft klärt und annimmt.
Happy Family ?!
Bewertung aus Oberursel am 02.07.2019
Bewertungsnummer: 1225161
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Tracy Barone: Das wilde Leben der Cherie Matzner
oder im Originaltitel: Happy Family.
Mich erinnerte das Titelbild der mondänen jungen Frau an Breakfast at Tiffany's, einen meiner Lieblingsfilme, und auch der Klappentext machte mich neugierig: Der Radiologe Sol und seine italienische Frau Cici erleiden eine Fehlgeburt, und um Cici aus der Trauer zu reissen, adoptiert Sol kurzerhand ein Ersatzkind: Cheri, „ein rebellisches Mädchen, das auch später als Frau nicht ansatzweise dazu bereit ist, die Erwartungen anderer zu erfüllen. Ein Buch über die Familie, an der man sich die Zähne ausreisst, und ohne die man trotzdem nicht sein kann“.
Vorweg: das Titelbild ist schön, hat aber null Bezug zum Buch.
Cheri wird 1962 geboren, und der erste Teil des Buches dreht sich um die jungverliebten und -verheirateten Matzners, er – Solomon - jüdischer Herkunft und konvertierter Katholik, sie – Cici – gerade volljährig und aus Italien der Liebe wegen in die USA gekommen. Das Glück scheint mit der Schwangerschaft Cicis perfekt zu sein, und doch kommt alles ganz anders. Eine Fehlgeburt reisst die junge Frau in schwere Depressionen, aus der sie eigentlich nur Cheri, das adoptierte Ersatzbaby, wieder heraus reissen kann. Und so wächst Cheri als der Augapfel ihrer Mama auf, aber natürlich entwickeln sich Kinder selten so, wie ihre Eltern es gerne hätten. Anstatt eine Prinzessin zu werden, gibt Cheri die punkige Rebellin, die allerhand Drogen mitnimmt, dank unglaublicher Resilienz und Intelligenz aber immer kurz vor knapp die Reissleine zieht und ihr Leben neu erfindet. So wird sie Polizistin in New York, beendet dieses Kapitel nach einem traumatischem Erlebnis, studiert Religionswissenschaften, nimmt eine Karriere in Wissenschaft und Forschung auf, heiratet einen Mann aus der Filmbranche, und es scheint, ihr Leben hat nur wenige Konstanten.
Cheris Leben wird zum grössten Teil in Rückblicken erzählt, vom ersten Teil der ganz frühen Babymonate springt die Autorin ins Jahr 2002, in dem Cheri eine Professur in vergleichenden Religionswissenschaften innehat, und eine nicht wirklich glückliche Ehe mit dem wesentlich älteren Michael führt. Die aktuellen Geschehnisse – ihre Kinderwunschbehandlung, ihre Probleme mit ihrer Universität, eine zeitweilige Suspendierung – werden verwoben mit Erzählungen aus den vorangegangenen 40 Lebensjahren.
Als Michael mit Krebs diagnostiziert wird, gibt es noch einmal einen grossen Wendepunkt in Cheris Leben. Der Tod, mit dem sie sich bislang nur akademisch auseinandergesetzt hat, bekommt neue, reale Dimensionen, und sie findet noch einmal neuen Zugang zu Michael und entdeckt noch einmal den Mann, in den sie sich einst verliebt hatte.
Was dieses Buch nicht ist: „Ein herrlich wilder Familienroman“ (Klappentext!), denn das implizierte für mich irgendwie viel Spass und Situationskomik. Es ist definitiv ein Familienroman, aber ein sehr realistisch gezeichneter, und ich glaube, es gibt ganz viele Cheris, die mit ihrer Herkunft hadern, an ihren Eltern und deren Wertvorstellungen verzweifeln, es besser machen wollen, ihre Träume leben wollen, und die ihr ganzes Leben auf der Suche nach sich selbst sind.
Tracy Barone ist sehr sprachgewandt, und man kann sich in die Personen leicht hineinversetzen. Niemand ist nur gut oder schlecht, keiner ist perfekt, aber am Ende des Buches wissen wir, warum diese unperfekten Eltern doch perfekt für genau dieses Kind waren, und das das Leben nur von einem selbst geschrieben werden kann.
Mich hat das Buch sehr zum Nachdenken angeregt. Was macht einen Menschen aus, Gene oder Sozialisierung? Besonders ganz zum Schluss fand ich es noch einmal sehr spannend, als Cheri tatsächlich ihre Herkunftsfamilie ausfindig macht.
Mein Fazit: ich hab irgendwie was anderes erwartet gehabt (mehr Witz und wilde Roadtrips), aber ich bin sehr positiv überrascht und ich fands toll. Für mich hatte der Roman eine Sogwirkung, ich fand es sehr spannend, und wie gesagt, viel Stoff zum Nachdenken. Wie funktioniert Familie, wieso ticken die Leute so und nicht anders? Auch der klare Erzählstil, schnörkellos und doch mitreissend, hat mir sehr gefallen. 5 Punkte !!
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