Leopold I. war länger Oberhaupt des frühneuzeitlichen Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation als jeder andere Kaiser. Diese Regierungszeit war eine Wendezeit, eine Zeit grundstürzender Veränderungen. Der Kaiser selbst war zu einer Machtstellung aufgestiegen, die jene aller seiner Vorgänger und Nachfolger übertraf. Gleichwohl fehlt eine aktuelle, wissenschaftlichen Anforderungen genügende Biografie. Bisher wurde der Kaiser als entscheidungsschwach, unmilitärisch, skrupulös und bigott beschrieben. Eine nähere Betrachtung zeigt ein ganz anderes Bild: Wenn es seinen politisch-dynastischen Interessen diente, konnte Leopold rasch und entschlossen handeln. In krassem Gegensatz dazu stand seine geschickt gewählte Selbstdarstellung, in der er sich als frommer, rechtlich denkender und fürsorgender Monarch inszenierte – eine Selbstinszenierung mit großer Wirkung auf die Zeitgenossen und prägender Kraft für das spätere Geschichtsbild. Das Buch bietet ein neues Bild dieses Kaisers sowie seiner an dramatischen Entwicklungen und folgenschweren politischen Weichenstellungen reichen Epoche.
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