Berlin, in den 1940er-Jahren: Martha E. ist fleißig und äußerst sparsam. Gute Eigenschaften für die Stelle als Hausbesorgerin, die sie im Schöneberger Mietshaus der Brüder Berkowitz innehat. Liane Berkowitz kommt aus gutem Hause, ein neugieriges und lebenslustiges Mädchen, das mitten im Krieg die Liebe kennenlernt - und den Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Jahrzehnte später wandert Martha die Straßen Schönebergs entlang, zerlumpt und abgerissen. Jeder kennt sie, doch keiner weiß, wer sie wirklich ist: eine Millionärin und Zeugin von Lianes schicksalhaftem Leben.
Kundinnen und Kunden meinen
4.9/5.0
lielo99
aus Bad Münstereifel
5/5
15.04.2026
eBook (ePUB)
Erneut ein äußerst wichtiges Buch aus der Feder dieser Autorin
Martha muss sich etwas einfallen lassen. So geht es nicht weiter. Ihr Vater ist alt und krank. Er ist nicht mehr in der Lage, das Auskommen der Familie zu sichern. Jetzt liegt es an ihr, sich eine Arbeitsstelle zu suchen. Zaghaft und keineswegs von sich überzeugt, sitzt sie dann vor den Brüdern Berkowitz. Die suchen eine Hausbesorgerin für ihr Schöneberger Mietshaus. So viele Bewerberinnen gibt es für die Stelle. Vornehme Damen, die verächtlich auf Martha blicken, lassen sie an ihrem Vorhaben zweifeln. Sie würde gerne flüchten aber dann wird sie ins Büro gebeten. Und ja, sie bekommt die Stelle.
Martha nimmt ihre Tätigkeit sehr ernst. Die Brüder sind zufrieden mit ihr und einer der Brüder lässt sogar zu, dass seine kleine Tochter Liane ein häufiger Gast bei ihr ist. Leider wird das Leben in Berlin immer mehr von Gewalt und Ungerechtigkeit bestimmt. Seit Hitler die Macht an sich riss, sind seine Anhänger außer Rand und Band. Besonders Juden leben gefährlich und auch Homosexuelle müssen sich vor der Gestapo verstecken.
Nach ihrem ersten Roman Isidor freute ich mich sehr auf "Stunden wie Tage". Ich wurde nicht enttäuscht. Wieder einmal nahm mich die Autorin gefangen. Ihre Sprache ist einzigartig und niemals langweilig. Die kurz gehaltenen Kapitel handeln nicht nur vom Leben Marthas. Viel mehr beschreibt die Autorin äußerst überzeugend von Schicksalen rund um das Mietshaus. Aber auch ihre Eigentümer und deren Familie sind Thema.
Für mich kann es gar nicht genug Bücher geben, die sich mit dem Thema „Drittes Reich“ befassen. Wenn sie dann auch noch die Erlebnisse von Zeitzeugen wiedergeben, dann sind sie für mich perfekt.«
Philiene
aus Süsel
5/5
25.03.2026
eBook (ePUB)
Sehr berührend
Ich habe schon unzählige Bücher gelesen die sich mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigen, viele davon haben mich berührt, aber wenige haben es geschafft mich zum Weinen zu bringen. Dieses ist eines davon.
Das Buch beginnt mit einer alten Frau, die durch ihre Stadt schleicht, keiner kennt sie wirklich, doch es gibt Gerüchte. Doch wer war sie wirklich?
Stunden wie Tage erzählt in leisen Worten Marthas Geschichte. Es ist die Geschichte von ganz normalen Menschen die das Pech hatten in einer dunklen Zeit zu leben. Es ist die Geschichte einer Frau die ein kleines Mädchen lieben lernt und es die Geschichte dieses Mädchens das im Nationalsozialismus erwachsen wird.
Ich habe dieses Buch an einem Nachmittag komplett gelesen, Shell Kupferberg erzählt einfach großartig. Obwohl Marha vielleicht nicht die sympathischte Person ist, ist sie doch einzigartig und irgendwie auch liebenswert. Das Buch steckt voller vom echten Leben und erzählt von den Veränderungen die die Zeit mit sich bringt und vom Mut einiger weniger.
Ein emotionaler Roman der mich sehr berührt hat.
Bewertung
aus Quickborn
5/5
25.03.2026
eBook (ePUB)
Martha ist bewundernswert oder jeder Mensch ist anders komisch
Seit ich vor zwei Jahren „Isidor“ von Shelly Kupferberg gelesen habe, ist mir die Geschichte ihres Urgroßonkels nie mehr aus dem Kopf gegangen. Ich freute mich sehr über die Ankündigung des neuen Romans und ich wurde nicht enttäuscht. Shelly Kupferberg schreibt so poetisch, lebendig und mit so viel Empathie für ihre Protagonisten, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.
Ich las die Lebensgeschichte der Frau Martha immer mit Tränen in den Augen, weil ich mit ihr fühlen konnte, als wäre sie meine Verwandte. Meine Oma war auch eine Schneidertochter, machte den Haushalt und kümmerte sich um die Buchführung. Martha erinnert mich ein wenig an sie, besonders mit ihrem stolzen Spruch, mit dem sie sich bei den Brüdern Berkowitz um eine Stelle als Hausbesorgerin bewirbt »Ich bin das einzige Kind sehr gewissenhafter, frommer Menschen. Bescheidenheit, Verantwortung und Sparsamkeit wurden mir in die Wiege gelegt. Ich habe schon früh gelernt zu haushalten.« Wie schwer es ihr mit den Jahren fallen wird, allen Anforderungen gerecht zu werden, das weiß sie da noch nicht. Auch die persönlichen Verflechtungen mit der Familie Berkowitz stehen noch in den Sternen. Denn zuerst lernt Martha – die tatsächlich die begehrte Stelle erhalten hat, inklusive einer Wohnung in dem Schöneberger Mietshaus – ihren Willy kennen. Der ist Briefträger und wird nach längerem Werben dann auch ihr Ehemann. So ganz einfach hat der Willy es auch nicht mit seiner Martha, denn die pflegt die oben beschriebenen Eigenschaften nicht nur für ihr Dienstverhältnis, sie ist auch im Privatleben sehr, sehr sparsam und gewissenhaft. Aber Willy nimmt das gelassen und so verläuft die Ehe wie viele, nur leider ohne Kinder, denn nach dem ersten, verlorenen darf Martha nie wieder schwanger werden.
Kinder sind es aber, die ihren Blick oft anziehen, als ihr Dienstherr Henry Berkowitz sein Töchterchen Liane bekommt, stellt sich ein ganz besonderes Verhältnis ein. Henrys Ehefrau, russische Emigrantin und Sängerin, ist nicht die ideale Mutter; Martha ersetzt Liane zwar die Mutter nicht, aber sicher eine liebevolle Tante. Diese innige Beziehung besteht von der Geburt der kleinen Liane bis an ihr bitteres Ende.
Shelly Kupferberg beschreibt also nicht nur den Lebensweg der Martha, sondern die tragische Lebens- und Familiengeschichten der Berkowitz‘, auch der mit Berkowitz befreundeten Familie Samulewitsch, aber auch der Mitbewohner, Nachbarn und Bekannten. Mich hat dieses Buch sehr berührt, die schwersten Prüfungen, die alle, auch Martha und Willy bestehen müssen, die überleben wollen und es doch nicht immer können, das las sich trotz des angenehmen, leichten Schreibstils der Autorin überhaupt nicht leicht. Es machte mir das Herz schwer, welchen Qualen die Menschen ausgesetzt waren im Nationalsozialismus. Es sind nicht nur die Folterqualen, es ist der psychische Druck, der die Menschen nachhaltig beschädigt hat. Nicht jeder war und ist in der Lage, diese Traumata zu überstehen.
Ein Schlüsselmoment im Roman war für mich die Beschreibung des Badevergnügens von Liane und Remus im Sommer 1940, er erinnerte mich schlagartig an den Film „Hilde“, der die Geschichte von Hilde Coppi und der „Roten Kapelle“ erzählt. Ich hatte nicht, was ich sonst leider viel zu oft tue, das Nachwort zuerst gelesen. Hier wird Shelly Kupferberg die gut recherchierten Details zu diesem Roman erklären. Für mich wurden die Zusammenhänge noch während des Lesens klar, ich verrate hier keine Geheimnisse, das Schicksal von Liane Berkowitz ist öffentlich nachzulesen u. a. bei Wikipedia. Ich erinnerte mich direkt an ihren Namen beim Lesen, sie ist eine der Frauen aus dem Biografienband „Frauen gegen Hitler - Weiblicher Widerstand im ‚Dritten Reich‘“ von Christiane Kruse, erschienen 2024 beim BeBra Verlag. Und sie war eine von 50 Porträtierten, die mir so stark im Gedächtnis geblieben sind.
Zufällig ist auch in meiner weitverzweigten jüdischen Familienhälfte ein Alex Zadik Berkowitz, er hat sich diesen Namen selbst erwählt, wie einen Künstlernamen, und er starb im KZ Buchenwald. Ich habe mich lange und intensiv mit Recherchen zu Holocaustopfern und überlebenden Familienangehörigen beschäftigt, es ist sehr mühsam und aufwendig, bis so ein Buch entstehen kann. Die Hilfe von dem im „Dank“ erwähnten Johannes Tuchel und seinen Mitarbeitern kam auch meiner Arbeit zugute. Mein Vater wurde im Alter von 24 Jahren 1935 wegen Hochverrats zu zwölf Jahren Zuchthaushaft verurteilt, die nach zehn Jahren endete, weil er von der Roten Armee befreit wurde. Wäre er den Nazihäschern Anfang der 1940er Jahre in die Hände gefallen, hätte auch er ein Todesurteil erhalten. Ich hatte das während des Lesens immer im Hinterkopf, wie unsagbar tapfer Liane Berkowitz und all die anderen Widerstandskämpfer waren. Sie wussten, dass ihnen der Tod drohte. Und haben trotzdem mit ihren Aktionen nicht aufgehört.
Fazit: Shelly Kupferberg gelingt es, Menschen, die schon lange tot sind, in das Gedächtnis zurückzuholen, ihnen ein literarisches Denkmal zu setzen, der einfachen Frau Martha ebenso, wie der Widerstandskämpferin Liane Berkowitz, wie den Bewohnern dieses Schöneberger Mietshauses oder den Samulewitschs. Und es spielt keine Rolle, ob die Romanfiguren fiktiv oder real sind, ich sehe sie alle symbolisch für die Opfer des Nationalsozialismus. Der wunderbare Schreibstil lässt einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen, es fesselt bis zum Schluss. Absolute Leseempfehlung!
Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.
beavielleser
aus Bayreuth
5/5
25.03.2026
eBook (ePUB)
Fesselnde Geschichte
Martha fängt 1925 als Hausbesorgerin in einem Wohnhaus in Berlin Schöneberg an. Die Besitzer halten große Stücke auf sie, vorallem Henry Berkowitz. Oft bringt er seine kleine Tochter Liane zu den monatlichen Abrechnungsterminen mit und so entsteht zwischen Martha und Liane eine innige Beziehung und die Beiden verbringen viel Zeit miteinander.
Martha ist mir sofort ans Herz gewachsen. Mit ihrer bescheidenen, fleißigen und resoluten Art. Sie hatte das Herz am rechten Fleck und war für Liane eine wichtige Bezugsperson.
Ein berührende Geschichte über die Widerstandskämpfer Liane Berkowitz, die die ganze Härte der Nazizeit zu spüren bekommen hat.
Ein fesselndes Buch, das deutlich macht, daß so etwas nie wieder geschehen darf.
mimitatis_buecherkiste
aus Krefeld
5/5
02.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gegen das Vergessen
In Berlin der 1940er Jahre bewirbt sich Martha bei den Berkowitz-Brüdern um die Stelle als Hausbesorgerin. Die Brüder möchten das Haus in Schöneberg in guten Händen wissen und entscheiden sich für die junge Frau. Viele Jahrzehnte später ahnt niemand, dass die alte Frau, die durch Schönebergs Straßen läuft, Millionärin ist und Zeugin von unvorstellbaren Taten im Zusammenhang mit dem Widerstand gegen die Nationalsozialisten.
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»Mit den Jahren war auch das Unnormale, das Unvorstellbare zum Alltag geworden. Nie hätte Martha gedacht, dass es noch einmal einen Krieg geben würde.« (Seite 186)
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Vor längerer Zeit las ich den ersten Roman der in Tel Aviv geborenen Autorin mit dem schönen Titel »Isidor« und war erfreut darüber, als ich hörte, dass sie ein neues Buch geschrieben hat. Auch das vorliegende Werk behandelt die Dunkelzeit Deutschlands, die Verfolgung bestimmter Menschen sowie den Widerstand gegen die Herrschaft der Nationalsozialisten und verbindet Tatsachen mit Fiktion. Martha ist eine eigenwillige Frau, nicht unbedingt eine Sympathieträgerin, allerdings jemand, der das Herz auf dem rechten Fleck hat. Ihre Geschichte und auch die der ihr näherstehenden Personen hat mich beeindruckt und berührt, insbesondere die zweite Hälfte des Buches hat mich wirklich sehr bewegt. Ein wunderbarer Roman, den ich gerne empfehlen möchte.
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