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Produktbild: Babyelefant und Hausverstand

Babyelefant und Hausverstand Wie Krisen produziert werden

Aus der Reihe Picus Konturen
4

24,00 €

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

11.03.2026

Verlag

Picus

Seitenzahl

224

Maße (L/B/H)

13,7/20,9/2,2 cm

Gewicht

386 g

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-7117-3506-5

Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

11.03.2026

Verlag

Picus

Seitenzahl

224

Maße (L/B/H)

13,7/20,9/2,2 cm

Gewicht

386 g

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-7117-3506-5

Herstelleradresse

Picus Verlag GmbH
Friedrich-Schmidt-Str 4
1080 Wien
AT

Email: info@picus.at

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  • Bewertung

    5/5

    30.09.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Herausragende Analyse politischer Inszenierungen im Zeitalter anhaltender Polykrisen

    Ruth Wodak und Markus Rheindorf legen in ihrem kürzlich veröffentlichten Buch eine hochinteressante und hochbrisante Analyse medialer Kommunikation und politischer Inszenierung in Zeiten anhaltender Polykrisen vor. Ausgangspunkt ihrer Analysen bildet die Corona-Krise, in der sich exemplarisch beobachten lässt, wie politische Krisenkommunikation unter Bedingungen von angsterzeugender Unsicherheit, wissenschaftlich (noch) nicht eindeutig geklärten Sachverhalten und hohem gesellschaftlichem Handlungsdruck funktioniert – und wie sie kläglich scheitern kann. Besonderes Augenmerk richten die Autoren dabei auf die im Verlauf der Pandemie zunehmend beschworenen Begriffe des „normalen Hausverstands“ und der „Eigenverantwortung“. Sie zeigen, wie solche scheinbar selbstverständlichen und konsensfähigen Begriffe politisch aufgeladen und strategisch eingesetzt werden können: Komplexe Sachverhalte werden vereinfacht (common sense) und ersetzen eine sachgerechte Auseinandersetzung und Diskussion schwieriger Themen. Weiters wird wissenschaftliche Expertise relativiert und politische Verantwortung teilweise auf den Einzelnen verlagert. Besonders anschaulich wird das grundlegende Dilemma der Krisenkommunikation an zwei Beispielen aus der Corona-Pandemie: dem „Babyelefanten“ und der Corona-Ampel. Der von Gesundheitsminister Rudolf Anschober präsentierte Babyelefant sollte den einzuhaltenden Mindestabstand in ein ebenso einfaches wie einprägsames Bild übersetzen. Die Corona-Ampel wiederum versprach, eine komplexe epidemiologische Gefahrenlage mittels einer vertrauten Farblogik von Grün-Gelb-Rot für jedermann verständlich abzubilden. Beide Instrumente folgten damit einem kommunikativen Prinzip: In einer akuten Krise müssen hochkomplexe Erkenntnisse so reduziert werden, dass daraus verständliche und praktisch umsetzbare Handlungsanweisungen entstehen. Der Babyelefant suggerierte eine Eindeutigkeit (der Abstandsregel), die so nie gegeben und wissenschaftlich umstritten war. Die verwendete Bildsprache geriet außerdem in Gefahr ins Infantile zu kippen. Bei der Corona-Ampel zeigte sich die Diskrepanz noch deutlicher: Wo die vereinfachende Inszenierung hochkomplexer epidemiologischer Gegebenheiten Eindeutigkeit verspricht, die Realität diese Eindeutigkeit aber nicht einlösen kann, entstehen eher Irritation und Verwirrung. Aus diesem Grund verschwand die Corona-Ampel wieder von der Bildfläche medialer Inszenierung. Vor diesem Hintergrund erhält auch die spätere Berufung auf „Hausverstand“ und „Eigenverantwortung“ eine zusätzliche Bedeutung. Während Babyelefant und Ampel wissenschaftliche Komplexität noch in einfache Zeichen und Regeln übersetzen sollten, wird mit dem Appell an den Hausverstand die Beurteilung komplexer Gefahren zunehmend dem vermeintlich intuitiven Wissen des Einzelnen im Sinne eines common sense überantwortet. Das Ziel einer solchen politischen Kommunikation kann wie folgt zusammengefasst werden: Was als selbstverständlich gilt entspringt dem normalen Hausverstand und muss weder näher begründet noch wissenschaftlich legitimiert werden. Der Begriff Hausverstand wurde durch österreichische Politiker*Innen in den letzten Jahren bei vielen komplexen Themen inflationär verwendet. Bemerkenswert ist dabei besonders eine Rede des ehemaligen Finanzministers Magnus Brunner, der anlässlich der Präsentation des Budgets den Begriff Hausverstand 12-mal verwendete. Am 24. Juni 2024 verkündet der Führer der rechtspopulistischen österreichischen FPÖ, die in allen Umfragen derzeit führt, Herbert Kickl, in einer FPÖ-Presseaussendung zur Überbelegung in österreichischen Gefängnissen: „Wenn mehr als die Hälfte der Gefängnisinsassen Ausländer sind, liegt die Lösung mit ein bisschen Hausverstand und Vernunft auf der Hand“. Tatsächlich besitzen zu diesem Zeitpunkt mehr als die Hälfte der Gefängnisinsassen keine österreichische Staatsbürgerschaft. Kickl leitet daraus die Forderung nach einem Stopp der „illegalen Masseneinwanderung“, nach „Remigration“ und nach „Haft in der Heimat“ ab. Hier wird eine überaus komplexe verfassungs- und migrationsrechtliche Fragestellung so dargestellt, als wäre die Lösung für jeden einsichtig und evident. Besonders problematisch ist diese rhetorische Strategie, weil gleich zwei Formen der Ausgrenzung miteinander verschränkt werden: Auf der einen Seite stehen die Andersdenkenden, die vom behaupteten common sense abweichen, denen es an Hausverstand und Vernunft fehle; auf der anderen Seite wird eine Gruppe ausländischer Gefängnisinsassen vereinnahmt um ein neues, scheinbar kausales Narrativ zu verbreiten. Kriminalitätsimport und Migration werden vermischt und eine Politik der offenen Grenzen angeprangert. In diesen Kontext fügt sich auch Kickls wiederkehrende Selbstinszenierung als zukünftiger „Volkskanzler“. Denn der schwer belastete Begriff wurde von Adolf Hitler in den frühen 1930-er Jahren oft verwendet. Herbert Kickl verwendet den Begriff in seiner Selbstinszenierung immer wieder und leistet damit einer Normalisierung eines Begriffes aus der dunkelsten Vergangenheit Österreichs Vorschub. Die wiederholte Verwendung eines historisch derart belasteten Begriffs lässt sich als Beispiel dafür lesen, wie die Grenzen des Sagbaren in der österreichischen politischen Öffentlichkeit verschoben werden. Einen weiteren Schwerpunkt des Buches bildet die Rolle der Medien als Mitgestalter gesellschaftlicher Krisenwahrnehmung. Wodak und Rheindorf arbeiten dabei detailreich unterschiedliche Kommunikationslogiken heraus. Boulevardmedien operieren stärker mit Personalisierung, Zuspitzung und einer Sprache der Emotionen und können dadurch Angst, Empörung oder Verunsicherung verstärken. Qualitätsmedien wie Der Standard oder Die Presse setzen demgegenüber tendenziell stärker auf Einordnung, argumentative Differenzierung und die Vermittlung wissenschaftlicher Expertise. Die besondere Aktualität des Buches besteht darin, dass seine Analyse keineswegs mit der Corona-Pandemie endet. Angesichts der gegenwärtigen Überlagerung wirtschaftlicher, sozialer, geopolitischer (kriegerischer) und ökologischer Krisen ist die Gefahr der Vereinfachung durch eine manipulative und fehlgeleitet politische Inszenierung, die sachliche Auseinandersetzung und wissenschaftliche Expertise verdrängt, allgegenwärtig geworden. (Michael Sellemond, 30.9.2026)

  • Bewertung

    5/5

    18.09.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Wichtig und Hilfreich

    Für mich ein sehr wichtiges und hilfreiches Buch. Es nimmt das Wirken heimischer Medien mittels sprachwissenschaftlicher Analyse unter die Lupe und hilft dadurch, die selbst erlebte Covid-Zeit mit ihren Phasen von Aufregung, Angst und Irritationen (niemand konnte ahnen, wie unglaublich rasch die Impfstoffentwicklung erfolgreich sein würde!) zu ordnen und darüber hinaus Erkenntnisse zu möglichen Ursachen weiterer gesellschaftlicher Entwicklungen und allgemeiner Stimmungszustände zu gewinnen. Durch vollständige Anführung der jeweiligen Fundstellen wird es der Leserin und dem Leser hier in beispielhafter Weise leicht gemacht, ja geradezu aufgedrängt, die getroffenen Behauptungen Absatz für Absatz zu überprüfen und so zumindest im Nachhinein zu verstehen, wie wichtig gerade in einer Phase ereignisbedingter grosser Verunsicherung eine um neutrale Vermittlung des aktuellen Wissenstandes bemühte Berichterstattung ist und wie sich eine Berichterstattung auswirkt, die abseits der im Covid-Fall seitens der Wissenschaft laufend gewonnenen Erkenntnisse ebendiese Verunsicherung weiter hegt und pflegt. Für entsprechende Sortierung und Offenlegung durch diese gewiss äusserst mühevolle, akribische Recherche bin ich dem Autorenduo jedenfalls nachhaltig dankbar.

  • Bewertung

    5/5

    16.09.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Äußerst lesenswert und hochaktuell!

    Ein beeindruckendes, kluges und ausgesprochen wichtiges Buch! Babyelefant und Hausverstand schafft es, ein komplexes und kontroverses Thema verständlich, pointiert und zugleich wissenschaftlich fundiert aufzubereiten. Ruth Wodak und Markus Rheindorf verbinden fundierte Analyse mit einer bemerkenswert klaren Sprache. Man merkt beim Lesen, wie viel Recherche und wissenschaftliche Arbeit hinter diesem Buch steckt – und trotzdem liest es sich keineswegs trocken. Im Gegenteil: Es regt immer wieder zum Nachdenken an und lässt einen viele politische und gesellschaftliche Entwicklungen aus einem neuen Blickwinkel betrachten. Besonders gelungen finde ich den europäischen Vergleich und die Verbindung von Sprache, Kommunikation und politischem Handeln. Das Buch zeigt eindrucksvoll, welche Bedeutung Kommunikation in Krisenzeiten hat – und welche Folgen es haben kann, wenn Vertrauen verspielt oder gesellschaftliche Debatten falsch eingeschätzt werden. Ein aufklärendes, engagiertes und äußerst anregendes Buch, das weit über die Corona-Krise hinausweist. Wer verstehen möchte, wie Krisenkommunikation funktioniert und welchen Einfluss Sprache und politische Kommunikation auf eine Gesellschaft haben können, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Eine klare Leseempfehlung – spannend, erkenntnisreich und ausgesprochen relevant!

  • Eternal-Hope

    aus Österreich

    1/5

    24.07.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Unzugänglich und einseitig

    Die Autoren möchten in ihrem Werk die Kommunikation, vor allem jene in verschiedenen österreichischen und zum Teil internationalen Medien, sowie durch die Politik, während der Corona-Zeit analysieren. Erhofft hätte ich mir dabei eine ausgewogene Perspektive, die Empathie für verschiedene Teile der Bevölkerung und ihre Betroffenheit durch die damals sehr zugespitzte, polarisierende Rhetorik zeigt. Stattdessen wird aber wieder mal, wie auch damals schon so häufig, deutlich, auf welcher Seite die Autoren stehen und dass auch sie nicht sehen möchten, wie sehr damals impfkritische Menschen diffamiert, massiv unter Druck gesetzt und durch 2G und die tatsächlich in Kraft getretene Impfpflicht in Österreich gesetzlich und gesellschaftlich ausgeschlossen und an den Rand gedrängt wurden. Ich kann ein Buch nicht ernst nehmen, das einerseits nur so mit elitär-akademischer Sprache und einem Zitat nach dem anderen um sich wirft, sich dabei oberflächlich betrachtet wissenschaftlich geben will, aber damit nur für wenige Bevölkerungsgruppen zugänglich ist und alle anderen von der Lektüre ausschließt (Beispiele dafür sind etwa nativistisch, manichäisch etc., - Fachbegriffe, die ohne Erklärung auch viele sehr gut gebildete Akademikerinnen und Akademiker ohne weiteres Nachrecherchieren nicht unbedingt sofort verstehen) und andererseits so schlampig recherchiert, dass behauptet wird, die Impfpflicht in Österreich sei nie in Kraft getreten (wie jeder leicht nachrecherchieren kann, ist sie das sehr wohl; nur wurde sie ausgesetzt, bevor das rechtliche Konsequenzen haben hätte können; individuelle Konsequenzen auf Beruf und gesellschaftliche Position vieler Menschen hatte sie dennoch) und wiederum das oft medial wiederholte, aber empirisch wenig haltbare Narrativ bedient wird, das Problem sei die mangelnde Umsetzung der Impfpflicht und nicht die vorhergehende Polarisierung und überhaupt die Einführung dieser gegen den Widerstand großer Bevölkerungsteile gewesen. Dazu kommt auch hier wieder der Versuch der Diskreditierung der erlebten Ausgrenzungserfahrung vieler Menschen in Österreich, indem behauptet wird, Menschen ohne Impfung seien während 2G nicht tatsächlich von weiten Teilen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen gewesen, sondern das hätten nur die bösen Boulevardmedien behauptet (auch hier kann man nur von mangelhafter Recherche, gepaart mit wenig Verständnis und Empathie, sprechen). Es ist also insgesamt ein Buch, das sich von außen her als wissenschaftlich und faktenbasiert darstellen möchte, dem aber eine klare politische Positionierung zugrunde liegt, die aber nicht offen gelegt wird, weil es sich scheinbar neutral geben will. Damit ist es ein weiterer Baustein, um gesellschaftliche Polarisierung zu verstärken und das bekannte Narrativ der bösen Rechten zu bedienen, statt zu versuchen, Menschen mit anderen Positionen zu verstehen und zur Versöhnung und Aufarbeitung beizutragen, was unsere Gesellschaft dringend nötig hätte. So gesehen ist es ein Glück, dass das Buch in weiten Teilen sprachlich so unzugänglich geschrieben ist, dass es vermutlich nicht viele Menschen erreichen wird. Empfehlen kann ich es keinem.

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Bewertungen (4)

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