Marcello, um die dreißig und frischgebackener Ex-Langzeitstudent ohne richtigen Job, wohnt im Touristenstädtchen Viareggio – natürlich bei seiner Mutter. Er fürchtet, seine Freundin könnte es ernst mit ihm meinen, und ebenso sehr, sie könnte ihn verlassen. Seine größte Sorge aber ist: Er will auf gar keinen Fall die Bar seines Vaters übernehmen.Mehr aus Trotz bewirbt sich Marcello um eine Promotionsstelle an der Uni Pisa – und zur allseitigen Überraschung, auch seiner eigenen, bekommt er sie. Schnell gerät Marcello in die Ränkespiele eines legendären Literaturprofessors, der ihm ein Thema für seine Doktorarbeit aufdrückt: das schriftstellerische Werk des linken Terroristen Tito Sella. Doch warum interessiert sich sein Professor so sehr für den kaum bekannten, im Gefängnis verstorbenen Sella? Und was verrät dessen angeblich verschollene Autobiografie? Hochkomisch und einnehmend erzählt Dario Ferrari von Marcello, der sich erfolgreich dem Erwachsenwerden widersetzt – und dem zusehends die Grenzen verschwimmen: zwischen Literatur und Leben, zwischen dem schreibenden Terroristen und sich selbst.
Kundinnen und Kunden meinen
3.0/5.0
Johanna
aus München
3/5
20.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zu viel gewollt: Zwei Romane in einem
Dario Ferrari hat eine Art Schelmenroman geschrieben mit einem Helden, der gezwungen werden muss zu handeln.
Marcello ist Langzeitstudent aus Viareggio. Nach seinem Uni-Abschluss mit dreißig Jahren weiß er nichts mit sich anzufangen. Seine Freunde haben das sogenannte Erwachsenenleben begonnen, nur Marcello nicht. Sein Vater triezt ihn so lange, bis er sich aus Trotz und nicht aus Überzeugung für ein Promotionsstipendium am Lehrstuhl für italienische Literatur in Pisa bewirbt. Eigentlich ein aussichtsloses Unterfangen, denn er gehört nicht zur Lehrstuhlschickeria, denen, die blasiert mit Begriffen um sich werfen, zu denen Marcello nur heuchlerisch und scheinbar wissend nicken kann.
Eigentlich hat er gegen die die hochintellektuellen Mitbewerber keine Chance, aber merkwürdigerweise erhält er das Stipendium. Der Lehrstuhlinhaber Professor Sacrosantis ist (wie der Name schon verrät) eine Koryphäe, mit einem akademischen Hofstaat um sich herum. Und er hat eine klare Vorstellung davon, welches Thema Marcello bearbeiten soll: das erzählerische Werk Tito Sellas, eines Romanciers und ehemaligen Terroristen. Ablehnen kann der überrumpelte Marcello nicht.
Soweit der erste Teil des Romans, den man als bitter-amüsante Satire auf den Universitätsbetrieb lesen kann, in dem es nicht unbedingt um intellektuelle Meriten geht, sondern oft um Speichelleckerei vor akademischen Granden, ein System, in dem sich hochqualifizierte wissenschaftliche Mitarbeiter mit Hilfsjobs und Versprechen auf unbefristete Stellen Jahr für Jahr durchs Leben hangeln müssen. Ferraris Spott über diese Welt mischt sich mit Mitgefühl. Und das liest sich sehr gut.
Allerdings gibt es dann einen zweiten Teil, in dem Marcello aus seinen Archivfunden das Leben des italienischen Terroristen und die Umstände rekonstruiert, die aus dem Spaßguerilla den Terroristen werden ließen. Leider eine recht langwierige und oft trockene Angelegenheit. In Tito erkennt sich Marcello irgendwann selbst. Am Ende (im dritten Teil) kommt er auf die Spur eines nie gelösten kriminalistischen Rätsels und wächst an der Erkenntnis. Das ist dann wieder mitreißend erzählt. Daneben gibt es noch mehrere Liebesgeschichten – die des Terroristen und die Marcellos, in gewisser Weise parallel geführt. Die Sympathien liegen beim sympathischen Helden Marcello. Andere Figuren wirken - aufgrund der Perspektive – blasser, was besonders auf die Frauenfiguren zutrifft.
Ein Roman mit pfiffigen Dialogen und sehr vielen schönen Szenen, aber auch mit dem „Roman im Roman“, der mir nicht gefallen hat.
Übersetzung von Christiane Pöhlmann.
Dreieinhalb Punkte.
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