Seit Mahsa Jina Amini 2022 an den Folgen der Schläge durch die Sippenpolizei verstorben ist gehen die Frauen im Iran auf die Straße. So auch Nila. In ständiger Angst, erschossen zu werden. Mit Mut im Herzen. Mit dem Wunsch, der verzweifelten Sehnsucht nach Veränderung. Nila beschreibt die Situation, ihr Leben mit einer Kraft es fühlt sich an, als könnte ich die Spannung beim Lesen körperlich spüren. Sie geht nicht nur darauf ein, was passiert sondern auch darauf, warum gerade jetzt. Wer auf die Straße geht, wer nicht und warum.
Gleichzeitig setzt Nila die Situation heute in den historischen Kontext. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Tahereh, eine Dichterin aus dem 19. Jahrhundert. Ihr Schicksal scheint das aller Frauen im Iran zu sein.
Und während das kraftvoll geschriebene Buch zu Ende geht nimmt Nila plötzlich lose Fäden vom Anfang auf.
Dieses Buch hat mich umgehauen, ermattet zurück gelassen und meine Rezension kann der Energie des Buches nicht gerecht werden.
Bewertung
aus Recklinghausen
5/5
09.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bitte lest es
Was für ein starkes Buch welches mir direkt unter die Haut geht. Der Schreibstil ist so klar und doch poetisch.
Hier geht es um die starken Frauen im Iran, die gegen jeden Widerstand auf die Straße gehen und jeden Tag eine Hölle durchleben.
Ich kann das Buch nur empfehlen, es ist zwar sehr unbequem und voller Emotionen.
Es war schwierig mir alldas durchzulesen aber ich habe das Privileg, das Buch kurz zu pausieren. Die Frauen die jeden Tag auf die Straße haben dies nicht und das hat mir immer wieder die Tränen in die Augen getrieben.
Ein Buch was noch lange in mir arbeiten wird.
Bewertung
5/5
01.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Starke Frauen
Dieses Buch ist weit mehr als ein bloßer Bericht – es ist ein kraftvolles literarisches Zeugnis. Ohne sich in einer linearen Erzählweise zu verlieren, entfaltet sich eine dichte, atmosphärische Momentaufnahme eines Landes im Ausnahmezustand. Dabei gelingt es der Autorin, persönliche Erfahrungen mit historischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen zu verweben, sodass ein vielschichtiges Bild entsteht.
Besonders eindrucksvoll ist die Perspektive der Frauen, deren Alltag und Widerstand im Zentrum stehen. Ihre Stimmen sind geprägt von Angst, Wut, Hoffnung und unerschütterlichem Stolz. Gerade diese emotionale Tiefe verleiht dem Buch seine besondere Intensität. Es wird spürbar, wie sehr politische Unterdrückung in das Innere der Menschen hineinwirkt – und gleichzeitig, welche Kraft daraus entstehen kann.
Der Schreibstil bewegt sich zwischen poetischer Verdichtung und analytischer Klarheit. Diese Kombination macht das Werk nicht nur literarisch anspruchsvoll, sondern auch hochaktuell und relevant. Es fordert dazu auf, hinzusehen, zuzuhören und das Erzählte weiterzutragen.
Ein wichtiges, aufrüttelndes Buch, das unter die Haut geht und lange im Gedächtnis bleibt – nicht zuletzt, weil es den Mut sichtbar macht, der oft im Verborgenen bleibt.
mima
5/5
01.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eindringlich und authentisch
Ein kurzer, fragmentarischer Einblick in die (Gedanken-)Welt einer anonymen Bewohnerin Teherans macht ihre Wut, ihre Angst, und, vielleicht überraschend, vor allem ihre Hoffnung und Zuversicht eindrücklich spürbar. Man bekommt einen guten Eindruck ihres Lebens mit diesen gegensätzlichen Emotionen. Sie besitzt ein tiefes Verständnis dafür wie Regime wirken, über die Kraft, aber auch der Begrenzung die selbst eine „erfolgreiche“ Revolution besitzt. Trotz des Bewusstseins darum, wie langsam Veränderungen in Gesellschaft und Politik greifen, und trotz der sehr realen Gefahr für ihr Leben ist ihr absoluter Wille und ihre Stärke unverrückbar. Ich habe nichts als Respekt für sie und ihre Mitkämpfer:innen.
Auf den wenigen Seiten vermittelt das Text außerdem einiges an Hintergrundwissen zu iranischer Geschichte und Kultur.
In Hinblick auf die Tatsache, dass das Buch bereits 2023 veröffentlich wurde wünschte ich mir, es gäbe eine aktualisierte Version, ein Update, um zu erfahren wie sich ihre Welt, und sie selber, seitdem verändert hat.
Bewertung
5/5
15.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein bewegendes Buch
Aus dem Englischen übersetzt von Asal Dardan
Mit einem Vorwort von Natalie Amiri
„Wir dienen nicht mehr als Kurzformel für das Elend dieser Welt. Wir sind das Abbild des Widerstands.“
Seit Monaten bekommen wir nur wenige Informationen über das Leben der Menschen im Iran, weil das Regime das Internet für seine Bevölkerung ausgeschaltet hat, damit nichts von dem Grauen nach außen dringt.
Nila, eine junge, iranische Autorin schreibt anonym in diesem Buch über den täglichen Kampf der Frauen im Iran für ihre Freiheit. Sie geht damit ein großes Risiko für ihr Leben ein.
„Nila schreibt als Zeugin. Als Teil der Bewegung. Als jemand, der weiß, dass Schreiben selbst ein Risiko ist. Ihre Sprache ist literarisch, historisch, schonungslos.“ (Natalie Amiri)
Nila geht auf den Beginn der Bewegung 2022 ein: „Frauen, Leben, Freiheit“, die Bedeutung dieser Protestbewegung und die darauf folgenden weiteren Repressalien gegen die Bevölkerung. „Das Regime hat begonnen, auf die Augen der Demonstrant:innen zu zielen, auf eines oder beide. Das ist ihre neueste Methode, um sie direkt nach der Einlieferung im Krankenhaus ausfindig machen zu können.“
Nila erzählt die Geschichte um die berühmte Tahereh, (oft auch Tahirih oder Qurrat al-ʿAin genannt), die sich im 19. Jahrhundert auflehnt, und öffentlich ihr Kopftuch ablegt, sie wird hingerichtet. Tahereh gilt als Symbolfigur für Frauenrechte im Iran.“
Auch der Tod von Jina Mahsa Amini hat viel verändert. Die Menschen sind aufgerüttelt.
„Wir werden auf keinen Fall zu unserem früheren Leben zurückkehren. Wir haben Angst, aber wir haben unsere Ängste überwunden und sind auf die Straße gegangen.“
Dieses Buch ist auch ein Blick in die persische Seele, der Stolz auf eine große Geschichte, die sich immer wieder ihren Feinden widersetzt hat, die große Mystik und Faszination der persischen Dichtkunst, die Leidensfähigkeit, aber auch die Vorsicht der Menschen.
Und es ist ein Schrei nach Aufmerksamkeit und Solidarität.
„Dies sind die Worte, die ich in die Zukunft senden möchte, nachdem ich durch Blut gegangen bin.“
Unbedingte Leseempfehlung
Pfaueninsel-Verlag 2026
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