Produktbild: Anständige Leute

Anständige Leute Kriminalroman

6

18,00 €

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

20.02.2026

Verlag

Unionsverlag

Seitenzahl

400

Maße (L/B/H)

21/13,4/3,5 cm

Gewicht

530 g

Farbe

Bernstein

Auflage

1

Originaltitel

Personas decentes

Übersetzt von

Peter Kultzen

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-293-71057-3

Beschreibung

Rezension

»Mit Anständige Leute beweist Padura erneut, dass er zu den großen Erzählern unserer Zeit gehört. Indem er uns von seiner sozialistischen Heimat Kuba erzählt, uns Geschichte und Gegenwart sinnlich und prall auffächert, erzählt er von unser aller Glauben an eine bessere Welt. Anständige Leute ist vielleicht der beste aller Conde-Romane.« ("Buch-Magazin")
»Wie bleibt man anständig, wenn Doppelmoral und Korruption alles beherrschen? Leonardo Padura schlägt mit diesen Fragen gekonnt einen Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Ein unterhaltsamer und traurig aktueller Roman, ein   Gesellschaftsroman mit erhellenden Einblicken in Kubas Abgründe und Umbrüche.« ("SWR Kultur")
» Anständige Leute ist ein Roman des Rückblicks, der Trauer und des Abschieds. Das zermürbende Wechselspiel zwischen Hoffnung auf Freiheit und ihrer Kastration durch engstirnige Bürokraten wird doppelt gespiegelt. Ein großes Fazit seines Lebens, der kubanischen Geschichte und Paduras Lebenswerks.« ("Krimibestenliste")
»Man kann Anständige Leute nicht nur als Mördersuche lesen, sondern auch als politischen Roman, der hinter die Kulissen eines korrupten und kriminellen Regimes schaut. Besonders originell: Padura liefert zwei Krimis in einem. Condes literarische Suche nach einem Prostituierten-Killer ist mindestens genauso spannend wie seine Mordermittlung und sogar noch süffiger geschrieben. Leonardo Padura hat mit Anständige Leute zu alter Form zurückgefunden.« ("WDR 5")
» Anständige Leute ist ein tiefsinniger Abriss der Geschichte Kubas, die Begriffe ›Anstand‹ und ›Verbrechen‹ sind hier dehnbar ausgelegt. Erzählt wird vor der berauschenden Kulisse Havannas und aus dem Blickwinkel einer erschöpften Bevölkerung. Gleichzeitig taucht Padura geschmeidig in eine Zeit ein, als die kubanische Hauptstadt als ›Nizza Amerikas‹ galt.« ("Neue Presse")
»Spannende Unterhaltung auf zwei Zeitebenen. Beide Male kongenial verwoben mit einem eindringlichen Blick tief in die kubanische Vergangenheit und Gegenwart. Eine großartige Atmosphäre, lebendige Charaktere. Dies ergibt einmal mehr einen absolut bemerkenswerten Roman Leonardo Paduras, der in seiner Werkschau durchaus zu seinen besten gehört.« ("Buchhandlung Jost GmbH")
»Das Buch, das in Kuba unter Padura-Fans als PDF-Version kursiert, aber genauso wie die beiden letzten Kriminalromane nicht veröffentlicht wurde, ist zweifelsfrei eines der politischsten Paduras und ein Plädoyer gegen die Zensur auf der Insel.« ("taz")
»Leonardo Padura nimmt uns mit auf eine faszinierende Zeitreise, die den historischen Besuch Obamas und das legendäre Rolling-Stones-Konzert in Havanna in den Mittelpunkt rückt. Die geschickte Verwebung von Vergangenheit und Gegenwart bringt unerwartete Wendungen und tiefere Einsichten in die Geschichte Kubas. Ein fesselnder Mix aus Kriminalroman und Zeitporträt.« ("Buchhandlung Sedlmair")
»Ein außergewöhnliches Lesevergnügen. Ein Kriminalroman, ein historischer Roman, ein Gesellschaftsroman, ein Politroman – fulminant, scharfsinnig, einfühlsam, makellos.« ("France Inter")
»Mit liebevoller Ironie für seinen Mario Conde und beißendem schwarzem Humor inszeniert Padura eine packende politische Intrige. Elemente des Kriminalromans und des historischen Romans verwebt er zu einem ebenso melancholischen wie spannenden Porträt der kubanischen Gesellschaft – einer Gesellschaft, die von den Stürmen der Geschichte stets zwischen Hoffnung und Verzweiflung hin- und hergeworfen wird.« ("Page des Libraires")

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

20.02.2026

Verlag

Unionsverlag

Seitenzahl

400

Maße (L/B/H)

21/13,4/3,5 cm

Gewicht

530 g

Farbe

Bernstein

Auflage

1

Originaltitel

Personas decentes

Übersetzt von

Peter Kultzen

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-293-71057-3

Herstelleradresse

Nördlinger Verlagsauslfg
Augsburger Str. 67a
86720 Nördlingen
DE

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  • Alrik Gerlach

    Thalia Book Circle Community

    5/5

    06.06.2026

    Buch (Taschenbuch)

    Havanna tanzt, Conde ermittelt und die Vergangenheit schweigt nicht

    Havanna, Obama, Rolling Stones und mittendrin ein toter Kunst Zensor. Klingt erstmal nach Krimi mit ordentlich Musik im Hintergrund, aber Anständige Leute ist viel mehr als nur ein Mordfall mit kubanischem Flair. Dieses Buch riecht nach heißem Asphalt, altem Rum, falschen Versprechen und nach einer Stadt, die gleichzeitig tanzen und schreien möchte. Mario Conde stolpert hier nicht einfach durch Ermittlungen, er trägt diese Geschichte wie einen schweren Rucksack. Man spürt seine Müdigkeit, seine Wut und diesen trockenen Humor, bei dem man kurz grinst und direkt danach denkt: Autsch, das war eigentlich bitter. Genau das mochte ich richtig gern. Besonders stark fand ich die zwei Zeitebenen. Die Gegenwart mit Obama Besuch und Rolling Stones Konzert wirkt wie ein Land im Rausch, als würde gleich alles besser werden. Daneben das Jahr 1909 mit Halley’schem Kometen, Rotlichtmilieu, Gangstern und Mord. Erst denkt man: Okay, wohin will Padura damit? Und dann ziehen sich die Fäden langsam zusammen. Nicht hektisch, nicht billig, sondern mit richtig viel Gefühl für Geschichte. Das ist kein Krimi zum Wegatmen. Padura nimmt sich Zeit, manchmal fast frech viel Zeit, aber genau dadurch entsteht diese Wucht. Kuba wird hier nicht als Postkartenkulisse gezeigt, sondern als verletzter, widersprüchlicher Ort voller Sehnsucht, Korruption, Hoffnung und kaputter Biografien. Für mich ein dichter, kluger und atmosphärisch starker Kriminalroman, der im Kopf nachhallt. Nicht laut wie ein Knall, eher wie ein alter Song, der plötzlich wieder wehtut.

  • Bewertung

    5/5

    10.08.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Sozialkritischer Gesellschaftsroman mit Krimielementen

    Conde, Ex-Polizist mit literarischen Ambitionen, ermittelt wieder, diesmal in seinem 10. Fall, der ihn quer durch alle Schichten Kubas führt: Neureiche, Intellektuelle, Künstler, Staatsfunktionäre, einfache Hausangestellte oder Menschen aus ärmlichsten Verhältnissen. „Anständige Leute“ spielt zur Zeit des Obama-Besuchs in Kuba, 2016, der Auftritt der Rolling Stones steht kurz bevor und das ganze Land verfällt in eine Euphorie, die der desillusionierte Conde eher kritisch betrachtet. Es geht um die Reichen und Mächtigen, denn ermordet wird gleich zu Beginn der alte Kulturfunktionär Quevedo, der es vielen Künstlern und Kulturschaffenden z.T. unmöglich gemacht hat, ihre Kunst zu veröffentlichen oder zu verkaufen. Er selbst hat sich an den Kunstwerken bereichert, sie für viel Geld illegal verkauft oder selbst in seinem Reich dargestellt. Die Künstler wurden mundtot gemacht, es gab Veröffentlichungsverbote, Berufsverbot oder Gefängnisaufenthalte, Suizidversuche, Depressionen. Ersichtlich wird auf den ersten Blick, dass es bei einer solchen Person des öffentlichen Lebens viele Geschädigte gibt, die möglicherweise Rachegelüste verspüren. Aber auch im privaten Leben geht es hoch her, so ist das zweite Mordopfer auch sein Schwiegersohn Marcel, der eigentlich in die USA ausgewandert ist, aber sich zufälligerweise gerade aus privaten Angelegenheiten in Kuba aufhält. Ein zweiter Handlungsstrang führt uns in das Kuba der 1910-er Jahre, Tanz auf dem Vulkan, wieder geht es um die Welt der Reichen, Schönen und Mächtigen und Schauplatz sind immer wieder Edel-Bordelle, in denen die schönsten der Frauen aus aller Herren Länder für konkurrierende Clans anschaffen. Auch in diesem Erzählstrang, der sich mit dem der Gegenwart abwechselt, gibt es einen Mord im Rotlichtmilieu. Ermittler ist hier der junge, anständige Polizist Arturo Saborit, der voller Eifer und Ideale in seinem ersten Mordfall ermittelt. Gefiltert durch seine Perspektive erfahren wir von den Ereignissen und nehmen an den Ermittlungen sowie seinen Überlegungen zu Anstand und Moral teil. Und auch in diesem Teil gibt es einen einflussreichen, charismatischen und zwielichtigen Geschäftsmann, Alberto Yarini, eine reale Gestalt, die im Zentrum steht, der sowohl Männer als auch Frauen verfallen und die seinen Aufstieg als Politiker plant. Zwei spannende, handlungsreiche Kriminalfälle wechseln sich ab, es geht z.T. blutrünstig und direkt zu, nichts für zartbesaitete Leser. Mario Conde selbst zieht Parallelen eher zu Tarantino als zu Hemingway, seinem literarischen Vorbild, dem er – sowie sein Alter Ego Padura - sich eigentlich verpflichtet fühlt. Leonardo Padura schafft mit diesem Roman aber mehr als nur einen Kriminalfall: Kuba selbst ist Hauptfigur, Themen sind die Korruptheit, Doppelmoral der Regierung, Repressionen, Zensur von Kunst, die Armut, der Erfindungsreichtum der Einwohner, der Wunsch zum Wandel und Überwindung der desaströsen Verhältnisse, die Schönheit des Landes und die Vielfalt der Menschen. Ein eindrückliches Werk, das an einzelnen Stellen den alternden Conde etwas zu lang über seine Eindrücke und philosophischen Erkenntnisse deklarieren und sinnieren lässt, aber insgesamt eine klare Empfehlung für einen starken Roman, in dessen Zentrum die Liebe zu Kuba als auch der Wunsch nach politisch-gesellschaftlichen Veränderungen steht.

  • Bewertung

    Thalia Book Circle Community

    5/5

    06.08.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Zwei Kriminalfälle und doch nur vordergründig ein Krimi...

    Havanna im Ausnahmezustand: Der historische Besuch Obamas und das legendäre Rolling-Stones-Konzert stehen kurz bevor. Amerikanische Touristen johlen in den Straßen, exklusive Bars servieren teure Drinks. Inmitten der Aufbruchstimmung ermittelt Conde in einem unliebsamen Fall: Ein berüchtigter Kunst-Zensor wird tot aufgefunden, ein Mann, der etliche Leben zerstörte. Gleichzeitig vertieft sich Conde in eine kubanische Legende: 1909, als der Halley’sche Komet für Weltuntergangsstimmung sorgt, entzündet ein Mord im Rotlichtmilieu eine Fehde zwischen zwei Gangsterbossen. Zu Condes Überraschung ergeben sich zwischen Gegenwart und Vergangenheit ungeahnte Verbindungen. (Verlagsbeschreibung) Ich hätte mich vermutlich nicht an der Leserunde zu diesem Roman beteiligt, wenn mir vorher klar gewesen wäre, dass es sich hier um eine Reihe handelt. Auch wenn die einzelnen Bände jeder für sich gelesen werden können, die Fälle abgeschlossen sein mögen, ergibt sich aus der Chronologie doch in der Regel ein ganz eigenes Bild von den Charakteren. Aber nun, vielleicht hätte ich sonst auch etwas verpasst… Das schrieb ich etwas ernüchtert zu Beginn der Leserunde, doch mittlerweile kann ich sagen: Ja, ich hätte etwas verpasst. Zwei Handlungsstränge erwarten den Leser hier, der eine um 1910 herum, der andere über hundert Jahre später, nämlich 2016. Sie beschäftigen sich mit den Umständen zweier Kriminalfälle - und führen ganz nebenher tief in die herrschenden Verhältnisse Kubas ein, in die Lebensart, die Politik, die gesellschaftlichen Normen, die große Schere zwischen Arm und Reich. Der in der Gegenwart angesiedelte Handlungsstrang begleitet den ehemaligen Polizisten Mario Conde, über 60 Jahre alt und mittlerweile eigentlich mit dem Verkauf von antiquarischen Büchern beschäftigt, der aber einem alten Kollegen zuliebe noch einmal in polizeiliche Ermittlungen einsteigt. Der Staatsbesuch von Präsident Obama steht an, und die Rolling Stones haben sich kurz darauf für ein Konzert in Havanna angesagt - der gesamte Polizeiapparat ist mit den Sicherheitsmaßnahmen beschäftigt, da bleibt für eine Mordaufklärung keine Zeit. Diese duldet aber wiederum keinen Aufschub, weil der Ermordete ein ehemaliger hochrangiger Mitarbeiter der Staatssicherheit war - Conde ist zwar insgeheim der Meinung, dass es da keinen Falschen getroffen hat, aber der Fall muss trotzdem gelöst werden. Um 1910 spielte ganz Kuba verrückt, weil es hieß, dass der Halley’sche Komet mit der Erde kollidieren würde, und bis dahin wollte alle Welt noch das Leben genießen. Besonders zu merken war dies in dem Viertel Havannas, in dem das Glücksspiel und die Prostitution zu Hause war. Dort bahnt sich der zweite Kriminalfall an, rund um den schillernden und charismatischen Bordellbesitzer Alberto Yarini. Zwei Prostituierte wurden grausam ermordet, und auch wenn sich sonst niemand für die Morde interessiert, bemüht sich der junge Polizist Arturo Saborit um die Aufklärung. Yarini unterstützt ihn darin, und allmählich entsteht zwischen den beiden eine engere Bindung. Saborit, der aus einem kubanischen Dorf stammt, lässt zusehends ab von seiner “Provinzmoral”, leben und leben lassen heißt das Motto - auch wenn er selbst deutlich weniger korrupt erscheint als ein Großteil seiner Kollegen. Doch er ahnt, dass die Zuwendungen des allseits beliebten Yarini eines Tages ihren Preis haben werden… Mehr möchte ich zu den beiden Kriminalfällen nicht sagen, da die Ermittlungen zwar eingebettet sind in die geschilderten Geschehnisse, dabei aber keineswegs die Hauptrolle spielen. Dies ist kein Krimi im klassischen Sinne - es geschehen Verbrechen, zahlreiche sogar, mit den fortschreitenden Ermittlungen entpuppen sich immer mehr. Doch ist dies ein Roman, der viele Genres bedient und in erster Linie ein Bild von den Lebensverhältnissen in Kuba zeichnet - damals wie heute. Ein historischer Roman (Alberto Yarini beispielsweise war eine tatsächlich existierende Person), ein Gesellschaftsroman, ein politischer Roman, viel Lokalkolorit und Atmosphäre - und, ja, ein wenig auch ein Kriminalroman. Doch ermittelt wird behäbig, die Auflösung ist teilweise recht unspektakulär. Dies störte mich zu meinem eigenen Erstaunen jedoch nicht. Ich fand es einfach faszinierend, wie viel man hier quasi nebenbei über Kuba erfährt, durch die zwei Handlungsstränge gar eine ganze Chronologie. Man kann sagen: die Kubaner:innen hatten und haben es nicht leicht - bis auf die Reichen und Mächtigen natürlich. Trotz der lakonischen Art des Schreibens lassen sich Melancholie, Pessimismus und Bitterkeit nicht leugnen, die Conde in den Mund gelegt werden. Pragmatismus, Zynismus und schwarzer Humor gehörten und gehören offenbar aber auch zum Überleben auf der Insel dazu. Sehr offene kritische Töne gegenüber Kubas Gesellschaft und Politik verblüfften mich dabei zunehmend - wieso darf Leonardo Padura in seinem Heimatland noch veröffentlichen? Es gibt andere kritische Autoren, mit denen da ganz anderes verfahren wird. Doch ganz im Gegenteil: Padura gehört zu den erfolgreichsten und populärsten zeitgenössischen Schriftstellern Kubas und hat für sein Werk zahlreiche Auszeichnungen und Preise erhalten - auch einheimische. Der deutsche Titel des Buches hat tatsächlich einen Bezug zur Handlung - das Thema “Anständigkeit” zieht sich durch den Roman wie ein roter Faden und steht immer wieder auf dem Prüfstand. Wer kann es sich angesichts der teilweise prekären Lebensumstände überhaupt leisten, anständig zu sein? Kann man anständig bleiben oder sich zumindest selbst noch so sehen, auch wenn man gegen Moral und Gesetz verstößt? Conde philosophiert auch darüber immer wieder einmal, und beim Lesen ertappt man sich beim Gedanken, wie man sich selbst in der ein oder anderen Situation verhalten würde. Ein geschickt konzipierter Roman, der Konzentration erfordert, der unbequeme Themen anschneidet, der zum Philosophieren einlädt, der in kriminalistischer Hinsicht nicht überzeugend punkten kann, der aber auch mit einem interessanten Hauptcharakter aufwartet, mit vielen Informationen und dichten atmosphärischen Schilderungen belohnt. Treiben lassen und schauen, was sich so ergibt. Mir hat’s gefallen!   © Parden

  • drawe

    aus Landau

    5/5

    04.08.2024

    eBook (ePUB 3)

    Über den Anstand in schwierigen Zeiten

    Krimi? Das ist dieser Roman nur vordergründig. Er erzählt vom kubanischen Lebensgefühl, der Geschichte der Insel und der kubanischen Gesellschaft, die durch extreme Gegensätze gespalten wird und die vor allem geprägt ist von der Unterdrückung durch Diktatoren und ihre korrupten Nutznießer. Sehr eingängig zeigt Padura auf, dass man die Gegenwart nur versteht, wenn man die Vergangenheit kennt und wie die Gegenwart immer bestimmt wird von der Vergangenheit. Dazu erzählt er in zwei Handlungssträngen mehrere Kriminalfälle aus verschiedenen Zeiten. Ein Handlungsstrang befasst sich mit zwei über 100 Jahre zurückliegenden Morden aus dem Rotlicht-Milieu im Umkreis des charismatischen Alberto Yarini, einer in Kuba nach wie vor umglänzten historischen Gestalt. Hier ist es ein junger Polizist, der in der Rückschau erzählt, wie er Schritt für Schritt in die Verkommenheit seiner Zeit hineingezogen wird. Auch im anderen Handlungsstrang ist ein Polizist der Erzähler: Mario Conde, inzwischen in die Jahre gekommen und aus moralischen Gründen aus dem Polizeidienst ausgeschieden. Conde hat sämtliche Illusionen und jeden Fortschrittsglauben verloren. Ein einsamer Mensch, der sein kleines Glück täglich neu finden muss. Auch seine Morde sind in einem dekadenten Milieu angesiedelt: im Milieu der Unterdrücker und ihrer Nutznießer. Padura verbindet beide Handlungsstränge nicht nur durch die Gemeinsamkeiten der Erzähler und das Milieu, sondern auch dadurch, dass er alle Mordfälle ursächlich ineinanderfügt und damit ein sehr deprimierendes Bild seiner Heimat zeichnet: das eines Landes, das schon immer bestimmt wurde von Unterdrückung, Korruption und Verkommenheit auf der einen Seite und Angst, Hass, Verzweiflung und großer Armut auf der anderen Seite. Padura verklammert darüber hinaus seine Handlungsstränge durch einen ethischen Gesichtspunkt. Wie kann ein Mensch in schwierigen Zeiten seinen Anstand bewahren? Sich nicht korrumpieren zu lassen? Ist ein Mensch, der blutige Rache an einem Richter und Henker nimmt, anständig? Heiligt der Zweck die Mittel? Die Beantwortung dieser Frage überlässt Padura dem Leser. Fazit: Das Buch fordert die Konzentration des Lesers, aber entschädigt mit prallen Schilderungen Kubas und einem stets präsenten augenzwinkernden Humor.

  • begine

    aus Lemwerder

    5/5

    08.07.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Erinnerung bewahren

    Der kubanische Schriftsteller Leonardo Padura zeichnet in seinem Roman Anständige Leute, ein Portrait der kubanischen Gesellschaft. Der Roman besteht aus zwei Erzählstränge, einmal als Ichform und dann als Erform. Es ist eine interessante Geschichte in Havanna. Es ist ein Temporeihers Werk. Der Krimifall ist untergeordnet. Die verschiedenen Elemente über das leben in Kuba gefällt. Man lernt ein echtes Kuba kennen. Am Ende gibt es einen Bericht von Leonardo Padura und ganz am Schluss kommt noch ein Interview mit ihm. Das ist besonders informativ. Das Buch ist unbedingt lesenswert.

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