Zwei verkrachte ETA-Untergrundkämpfer und eine Frau mit eigenem Kopf. Eine große menschliche Komödie über Terror, persönliche Verstrickungen und die Banalität des Bösen.
Asier und Joseba sind zwanzig, als sie nach Frankreich verschickt werden, um dort ihre Ausbildung im bewaffneten Kampf zu erhalten. Doch sie warten vergeblich auf ihr Training. Denn kurz nach ihrem Untertauchen verkündet ETA das Ende der Gewalt. Statt sich umzuorientieren, gründen Asier und Joseba ihre eigene Terrororganisation. Bloß haben sie weder Waffen noch weitere Mitstreiter. Erst die Bekanntschaft mit María Cristina, einer jungen spanischen Kommunistin, scheint ihnen den Weg in den bewaffneten Kampf zu öffnen. Sie organisiert für Asier und Joseba eine Rückkehr nach Spanien und begleitet die beiden sogar. María Cristina ist hilfsbereit, tatkräftig, überschwänglich, eine schillernde Figur - und zugleich bereit, für ihre eigenen Ziele jegliche Mittel in Kauf zu nehmen ...
Der internationale Bestsellerautor Fernando Aramburu kehrt zur Themenwelt seines großen internationalen Erfolgs Patria zurück.
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Auf der Suche nach dem Warum
galaxaura (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 10.05.2026
Bewertungsnummer: 3134342
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
„Fabula“, der neue Roman von Fernando Aramburu, erschienen 2026 bei Rowohlt, vom Verlag beworben als „Eine große menschliche Komödie, ein bestechend aktuelles Thema“, konnte mich leider nicht erreichen. Neugierig gemacht durch das Thema der sich auflösenden ETA und des baskischen Kampfes um Souveränität, habe ich davon eigentlich nicht viel erzählt bekommen, viel jedoch über zwei relativ unsoziale Männer auf ihrem Egotrip, die mich wirklich abgestoßen haben.
Vorweg: Das Buch hat ein wirklich schönes Cover, das mich sehr angezogen hat und ein Lesebändchen, das ist ja immer was Feines. Aufgeteilt in sieben Kapitelstationen, was ich beim Lesen als Struktur sehr mag, und mit einem Glossar für die baskischen Begriffe versehen, was natürlich total hilft, bin ich angetan von der Serviceorientierung Nein, im Ernst, so etwas hebt das Leseerlebnis bei mir total. Auf der Oberfläche also alles richtig gemacht, leider enttäuscht das Innenleben.
Wir begleiten lesend die zwei Protagonisten Asier und Joseba, die nach Frankreich gesendet wurden, um dort ihre Grundausbildung für die ETA zu erhalten – die dann leider nie stattfindet, weil die ETA sich zeitgleich auflöst und ihr Ende verkündet. Geparkt auf einer Hühnerfarm in Albi, langweilen beide sich zu Tode und versteigen sich deshalb in immer absurdere Trainingsmaßnahmen und Gedankenschleifen. Und auch ihr Aufbruch nach Toulouse und die Bekanntschaft mit einer jungen Frau, die deutlich mehr Pfeffer im Hintern hat als beide Kerle zusammen, führt keine Veränderung herbei, hilflos torkeln die beiden durch Ideologie und Handlungsarmut.
Dem knapp 300 Seiten zu folgen, fand ich mühselig, und ich konnte für mich auch nicht herausfinden, was der Autor mir sagen möchte, was ist seine Haltung zur ETA? Asier ist der Aktive von beiden Protagonisten, Joseba eher ein Mitläufer, der seiner schwangeren Freundin daheim nachtrauert und wahrscheinlich eher eine Impulshandlung begangen hat, der er jetzt nicht mehr entkommt. Asier formuliert viel – auch sehr kritisch zu betrachtende – Ideologie und hat ein wirklich problematisches Frauenbild, Joseba erlebe ich lesend als sanfter und hilflos, er ist ganz sicher nicht für den Kampf gemacht. Was motiviert beide in ihrem Inneren, was genau ist für sie der Wert von Euskal Herria, dem Baskenland, was würde die Unabhängigkeit für sie bedeuten? Darüber erfahren wir wenig, wie auch die Struktur der ETA und deren Kampf, deren Aufgeben eigentlich nicht beleuchtet werden. Stattdessen drehen wir mit den Protagonisten leer und folgen ihrem immer klareren Abstieg in die Asozialität. Vielleicht wollte der Autor etwas über toxische Maskulinität oder sinnentleerte Heldenbilder erzählen – ich konnte das allerdings aus diesem Buch nicht herauslesen.
Auch die Frauenfiguren, denen wir später begegnen, haben bei mir leider keine Verbindung erzeugen können. Ich brauche keine sympathischen Figuren, aber irgendeine Form von Zugänglichkeit schon. Die Handlung dreht so leer wie die beiden Figuren, das ist konsequent in der Erzählform, wie auch die Sprache so sperrig ist, wie die Figuren, und deren Schlichtheit gut abbildet, aber auf Dauer habe ich dann auch leergedreht und das Buch leider immer mehr mit Unlust angefasst. Es ist nicht schlecht geschrieben, es hat System, aber ich habe hinterher nur ein Achselzucken empfunden. Hat sich nicht angefühlt wie eine Handlung, die deutlich nach 2000 stattgefunden haben kann, was die Antiquiertheit der Menschenbilder angeht (damit will ich nicht sagen, dass es nicht Menschen gibt, die so sind). Gut gefallen haben mir die immer wieder eingestreuten baskischen Begriffe, die eine eigene Realität erzeugen. Das bestechend aktuelle Thema suche ich noch – etwa doch hilflose Männlichkeit, die keinen Platz mehr für Heldentaten hat? So wie die beiden sich anstellen, ist die Welt gut beraten, wenn sie keine Helden werden… Auch die Komödie habe ich nicht entdecken können, das Buch hat mir zu keinem Zeitpunkt ein Schmunzeln entlockt. Wenn überhaupt liegt hier eine Farce vor – vielleicht muss man ein alter Cis-Mann sein, um dem Humor folgen zu können. Für mich also leider ein Flop, der mich nicht neugierig auf das weitere Werk des Autors hat werden lassen.
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