Mit psychologischer Präzision und in einer Sprache, die selbst wie ein Gemälde schimmert, erforscht Stauffer die Zerbrechlichkeit menschlicher Beziehungen in einer Welt, in der Virtualität und Realität ineinander übergehen.
Ava ist Künstlerin, sie lebt eine ungesicherte, prekäre Existenz. Sie ist dabei, sich aus einer unglücklichen Beziehung zu befreien, und gerät bei ihrer Suche nach Geborgenheit in eine Dreiecksgeschichte zwischen einem jungen, attraktiven Arzt und dem wirklichkeitsscheuen E. Es entsteht ein Wechselspiel von vibrierendem Zauber und erschütternden Wendungen, aus Jagen und Gejagt-Werden, aus Erfüllung und Entzug, aus Leben und Tod. Ein immer größer werdendes Misstrauen durchzieht ihren Geist: Wer ist der Vater ihres Kindes, ist sie tatsächlich schwanger? Wurde ihr Geliebter ermordet? Fast verliert sie sich im Hin- und Herspringen zwischen virtuellem und wirklichem Leben, und findet sich in einem Role-playing Game wieder, in einem virtuellen Spiel, in dem sie gegen sich selbst zu kämpfen scheint. Doch mit ihrem unumstößlichen Glauben an die Malerei, an die Farben, an Freundschaft und an das Gute, schafft sie ein neues, großes Gemälde und spürt, dass sie Leben erfahren musste, um sich selbst und ihrer eigenen Kunst wieder nahezukommen.
Verena Stauffer taucht mit ihrer einzigartigen, mehrfach ausgezeichneten Sprache in die digitale Welt ein und verwischt sie gekonnt und unvorhersehbar mit der Wirklichkeit.
»Nach dem Lesen dieses Romans wird die eigene Welt für immer verwandelt bleiben, sie wird farbenfroher, reicher und tiefer werden als sie es ohne dieses Buch je geworden wäre.« Yevgeniy Breyger
»Derartig elegant und mit großer Präzision geschrieben. Ich finde, das ist rundum gelungen.« ORF, Alex Stelzer
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Opus Magnum – Vita Magna
Kaffeeelse (Mitglied der Thalia Book Circle Community) am 19.05.2026
Bewertungsnummer: 3143185
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Vor einigen Jahren habe ich mit großer Begeisterung „Orchis“ von Verena Stauffer gelesen. Das Spiel mit der Realität und Gedankengängen, die ins Irrationale weisen, hat mich damals fasziniert und ich habe dieses „Orchis“, diesen Zauber von „Orchis“ nie vergessen. Das Buch ist nach der Lektüre in Buchform bei mir geblieben und immer mal wieder betrachtete ich es und staunte über dieses wunderschöne Cover, erinnerte mich an diese wunderschöne Lesereise. Und ja, natürlich möchte man von solch einer Erfahrung mehr.
Dieses Mehr bietet sich mit diesem Buch „Strahlen“. Nun ist „Strahlen“ nicht so sinnlich wie „Orchis“, dennoch hat es seinen ganz eigenen Zauber, eine besondere Fantastik und ebenso einen Lesesog.
In „Strahlen“ begegnet die Leserschaft der Figur Ava, eine Malerin. Diese möchte dieses eine Bild malen, dieses Bild mit dem gewissen Etwas, dieses Bild mit einer unermesslichen Strahlkraft. Ein Bild, welches der Betrachter nie vergessen wird. Doch Ava weiß, dieses Bild wird sie nur gestalten können, wenn sie Erfahrungen sammelt. Menschliche Erfahrungen. Und so sammelt sie diese, um ihr Opus Magnum zu erschaffen. Menschliche Gefühle. Irrungen und Wirrungen. Dass, wofür wir unser Leben benutzen, dass Ergründen der Anderen und das Ergründen von uns selbst gelingt Ava in einem überschaubaren Zeitraum. Für ihr großes Werk. Verena Stauffer schafft es wieder ein Miteinander von Gegensätzen zu erzeugen, wie in „Orchis“, wo es der Wahn und die Realität waren. Hier in „Strahlen“ ist es die digitale Welt und das reale Leben, welche sich irgendwie verbinden, Ava an ihrem Erleben zweifeln lassen. Was ist denn nun das Real Life und was ist das Game? Fragen, die man sich in unserer teilweise recht verrückten Welt schon stellen darf, ohne als verrückt abgestempelt zu werden. Denn diese Blicke auf die Trumps, auf die Netanjahus, auf diese Friedrichs und Bernds in unserer Welt lassen einen ja doch immer wieder am menschlichen Verstand, an der Realität zweifeln. Und manches vom realen Geschehen wünscht man in die tiefst mögliche Irrationalität. Aber auch die Menschen, die Ava begegnen, die Ava für ihre Erfahrungen braucht, zeigen irrationales Denken und Tun. Denn das Gegenüber, dem Ava begegnet, zeichnet ein Bild von sich, ein Bild, welches nur für Ava bestimmt ist. Ein vollständiges Bild. Mitnichten. Eher ein geschöntes Bild. Ein Bild, welches dem Zweck entspricht. So wie die Menschen in unser aller Leben teilweise diese Bilder von sich gestalten. Manche kennt man mehr, manche weniger, manche will man gar nicht kennen, manche dafür um so mehr. C’est la vie!
Avas Opus Magnum strahlt. So wie auch wir strahlen, wenn wir glücklich sind, wenn wir zufrieden und im Reinen mit uns sind.
Sprachlich und auch thematisch ähneln sich „Orchis“ und „Strahlen“. Beide Bücher sind in meinen Augen Empfehlungen, beide Bücher sind für mich 5 Sterne Kandidaten. Wobei ich aber dennoch sagen muss, dass „Orchis“ in meinen Augen noch etwas besser als „Strahlen“ ist. Das Sinnliche kommt in „Strahlen“ etwas zu kurz, nicht das „Strahlen“ dieses Sinnliche gebraucht hätte. Dennoch hätte es mir gefallen, wenn die Sinnlichkeit einen größeren Platz in „Strahlen“ eingenommen hätte. Das Abenteuerliche findet man in „Strahlen“ weniger bis kaum. Aber auch das fehlt dem Buch letztendlich nicht. Anselm aus „Orchis“ und Ava aus „Strahlen“ haben etwas gemeinsam. Sie sind Suchende. Nur das in „Strahlen“ das Finden einen größeren Platz bekommt als in „Orchis“. Hier hat Ava Anselm einiges voraus. Aber das Finden in einer digitalen Welt mag durchaus einfacher erscheinen als das Finden mit einem Kopf, der vom Wahn regiert wird.
Wie schon bei „Orchis“ rufe ich lesen. Lest Verena Stauffer! Liebe ich! Sehr! ❤
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