Wimbledon, 1937. Das legendäre Daviscup-Match zwischen Deutschland und den USA. Nicht nur die Sportwelt hält den Atem an, als Julius von Berg den Ball vor tausenden von Zuschauern in den blauen Himmel wirft. Aufgewachsen auf einer Burg über dem Rhein, hat er sein Tennistalent im Berlin der zwanziger und dreißiger Jahre zur Reife gebracht; ein internationaler Star, auf dem alle Blicke ruhen. Gebannt verfolgt Julie, seine Ehefrau, das Geschehen auf dem Rasen - ebenso wie die NS-Größen in der Nachbarloge, denn es steht so viel mehr auf dem Spiel als der greifbare Sieg. Selbstbestimmung oder Mitläufertum? Ruhm oder Schande? Unten, auf dem Centre Court, trifft Julius eine folgenschwere Entscheidung ...
Julius oder die Schönheit des Spiels erzählt davon, was Menschen ausmacht, und erinnert – bei allem Eintauchen in eine andere Zeit – leise daran, dass Begriffe wie Anstand und Haltung zeitlos sind.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Bewertung
aus Bendorf
5/5
14.09.2021
eBook (ePUB 3)
Anstand in dunkler Zeit
Meinung:
Ein Buch über Tennis? Das muss ich lesen, war mein erster Gedanke und ich bin froh darüber, dass ich es getan hat. Geht es nun mal nicht nur über Tennis, sondern auch über die Zeit des Nationalsozialismus und was es bedeutet in dieser Zeit anständig, respektvoll und fair zu sein.
Tom Saller entführt uns ins Rheinland zu Julius von Berg, einen jungen Mann aus einem Adelsgeschlecht, der ein unheimliches Talent für Tennis. Er kann ein Spiel lesen und lebt Tennis. Wort wörtlich er lebt Tennis. So sehr, dass er sich nichts sehnlicher vorstellen kann, als Tennisspieler von Beruf zu werden. Für die damalige Zeit, den frühen 20er Jahren des 20. Jahrhunderts ein Unding. Seine Eltern bevorzugen eine juristische Ausbildung, die ihr Sohn, dann letztendlich in Berlin auch antritt, aber noch lieber steht er auf den Tennisplatz von Rot-Weiß Berlin.
Mit Julius von Berg hat Tom Saller einen Charakter geschaffen, der ganz nah an Gottfried Freiherr von Cramm ist, den deutschen Tennisbaron. Wie er ist Julius völlig dem Tennis verschrieben und Tennis bedeutet für ihn nicht nur gewinnen, sondern auch die Schönheit des Spiels, Anstand, Fairness und Respekt. Gerade letzteres wird nach der Machtergreifung 1933 immer schwieriger und Julius von Berg muss erkennen, dass es schwierig wird sich an die Werte seiner Kindheit zu halten, wenn die Politik etwas ganz anderes fordert.
Ich bin begeistert von dem jungen Mann und wie Tom Saller ihn dargestellt hat. Er zeigt ihn in all seinen Facetten und seinen Gedanken. Sei es in der Kindheit, wo er schon von den Mitschülern gehänselt wird, weil er anders ist, in der Jugend, wo er verstärkt sich um sein perfektes Tennis kümmert oder seine Anfangsjahre in Berlin. Saller bringt einen Julius nah, ohne einen alles auf dem Silbertablett zu servieren, man muss öfters zwischen den Zeilen lesen, um alles zu erfassen.
Julius bewahrt auch Anstand und Respekt seinen Gegnern gegenüber, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen und ihn für ihre Zwecke vereinnahmen wollten. So wird das Tennismatch auf dem Center Court im Davis-Cup gegen die USA zu einem Stellvertreterkrieg.
Eingebettet ist dieser Charakter in eine wunderbar leicht zu lesende Handlung mit drei Erzählsträngen. Das hört sich im ersten Moment, vielleicht kompliziert an, aber das ist es gar nicht. Man kann sie sehr gut auseinander halten.
Der eine Erzählstrang handelt von Julius in den Jahren 1909 bis 1937 und erzählt seine Tenniskarriere, sein Leben und die drohende Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten. Dieser Teil wird direkt aus Julius Perspektive in der Ich-Form erzählt, so ist man ihm auch direkt ganz nah und man bekommt hautnah mit wie er seinen jüdischen Mitspielern zur Flucht verhilft, wie er sich in einen Mann verliebt und wie er in Gefahr kommt.
Der zweite Erzählstrang handelt wieder von Julius, allerdings aus der Jahr 1938. Hier gibt es uns seine Gedanken wieder und all dies wird in Präsens geschrieben. Sehr direkt, deutlich und auch erschütternd.
Der dritte Erzählstrang spielt im Jahr 1984 wieder in Wimbledon und hier ist nun Julius von Bergs Finalgegner der Erzähler. Gerade das erste Auftreten von ihm hat mich begeistert, wie er einschritt und erkennt, dass sich nicht viel verändert hat zu der Zeit von damals. Jedenfalls nicht, wenn es um die Sexualität geht.
Alle drei Erzählstränge zusammen ergeben ein gutes Bild von Julius von Berg und dem Geschehen damals.
Als besonders habe ich es empfunden, dass auf von der Stimmung her schöne Kapitel traurige gekommen sind. Wobei die schönen Kapitel länger waren und die traurigen immer sehr kurz gefasst waren. Ein tolles Stilmittel und hat für mich dieses Buch zu etwas besonderen gemacht.
Fazit
“Julius und die Schönheit des Spiels” von Tom Saller ist ein wundervoller Roman mit historischem Hintergrund über was es bedeutet auch in dunklen Zeiten an seinen Werten Anstand, Fairness und Respekt festzuhalten.
Gertie G.
aus Wien
5/5
21.08.2021
eBook (ePUB 3)
Kein Fairplay in der NS-Zeit
„Ich gehe jedes Match so an, als ginge es um Leben und Tod. Ich kann nicht anders.“
Der junge Julius von Berg spielt Tennis für sein Leben gern. Seiner privilegierten Herkunft hat er einen eigenen Tennisplatz zu verdanken. Zunächst wächst er auf der Burg am Rhein gemeinsam mit seinen beiden Schwestern Almuth und Viktoria behütet, aber im Geiste von Anstand und Respekt auf.
Tennis spielt die ganze Familie, doch Julius ist mit außerordentlichem Talent gesegnet und übersiedelt nach Berlin. Dort angekommen, muss er erkennen, dass das Leben hier ganz anders ist, als er es bislang gewöhnt ist.
Anstand und Respekt zählen im Berlin der Zwischenkriegszeit außerhalb des Tennisklubs wenig. Trotzdem bleibt er diesen Prinzipien und sich selbst weiter treu. Er wird in die deutsche Tennismannschaft geholt und eilt von Sieg zu Sieg. Dem aufstrebenden Nationalsozialismus kann er ebenso wenig abgewinnen wie den Bestrebungen zahlreicher Frauen, Politiker und Industrieller, die sich in seinem Schatten sonnen wollen.
Als Julius von Berg, groß, blond und erfolgreich - der Prototyp eines Vertreters der Herrenrasse, den entscheidenden Sieg beim Turnier im Davis-Cup zugunsten des Fairplays und eines Amerikaners vergibt, bekommt er die volle Härte des Regimes zu spüren.
Meine Meinung:
Autor Tom Saller ist ein wunderbarer historischer Roman gelungen, auch wenn dessen Ausgang für Julius in einer Tragödie endet.
Der Beginn dieses Romans, der an das Leben des deutschen Tennis-Asses Gottfried von Cramm angelehnt ist, ist geprägt von der privilegierten Herkunft hoch droben auf der Burg im Rheintal. Weltgewandt, frankophil und nicht vom täglichen Überlebenskampf gezeichnet, ruft der mädchenhafte Erbe gleich an seinem ersten Schultag Aufsehen hervor. „Die Berg’schen Mädchen sind Rowdys! Und dann gibt es Julius.“
Kurz nach dem Ersten Weltkrieg ist es nicht opportun, es sich mit den französischen Besatzern des Rheintals gut zu stellen. Schnell ist man verdächtig, mit dem Feind gemeinsame Sache zu machen.
„Zu der Zeit war der Tennissport nicht sonderlich populär in Deutschland. Der Krieg war vorbei, dennoch gab es für die Menschen Wichtigeres, als ihre Kräfte bei einer scheinbar sinnentleerten Tätigkeit zu vergeuden, die vor allem darin besteht, einer Filzkugel mittels eines geformten Holzstücks, das mit ein paar Metern Tierdarm bespannt ist, eben dort hinzuschlagen, wo niemand steht - genau genommen die Antithese zu dem Gedanken des Miteinanderspielens.“
Der Bruch im Leben von Julius beginnt mit dem Erstarken des NS-Regimes. Er hilft seinem jüdischen Tenniskollegen bei der Emigration 1933 aus Deutschland.
Als er 1937 auf dem Centercourt antreten muss, ist das eine Art Stellvertreterkrieg, ähnlich wie ihn Max Schmeling in seinem Kampf gegen Joe Louis, führen muss. Hier hätte er die Chance, den Davis-Cup-Sieg für Deutschland erringen. Doch sein Verständnis von Anstand, Respekt und Fair Play lassen ihn, den Sieg vergeben. Er wird als Homosexueller denunziert, was ihn besonders gefährdet, denn das NS-Regime hat den §175 verschärft. Hier hat jener Schulkollege seine Finger im Spiel, der in schon an seinem ersten Schultag verunglimpft hat.
Berührend sind die Szenen in denen wir Julius im Gefängnis begegnen. Zu Beginn scheint ja noch so etwas wie eine kleine Hoffnung zu bestehen, dass er freikommt. Doch seine offenherzigen Antworten beim Verhör besiegeln sein Schicksal.
„Ich gehe jedes Match so an, als ginge es um Leben und Tod. Ich kann nicht anders.“
Aufschlussreich sind auch die geschichtlichen Details zu Gottfried von Cramm, dem historischen Vorbild für Julius von Berg. Gottfried von Cramm wird die NS-Zeit überleben, obwohl er 1940 „zur Bewährung“ an die Ostfront abkommandiert wird, und bereits 1948 den deutschen Tennisverband neu gründen.
Sowohl der fiktive Julius als auch der echte Gottfried spielen elegantes, schönes Tennis, auch um den Preis einer Niederlage. Damals wird nicht gestöhnt wie ein brunftiger Hirsch oder das brachiale Bumm-Bumm-Tennis eines Boris Becker gespielt, sondern Tennis in Vollendung.
Fazit:
Ein berührender historischer Roman, der ein reales Vorbild hat. Gerne gebe ich hier eine Leseempfehlung und „Spiel, Satz, Sieg“ mit 5 Sternen.
Niko
aus Austria
5/5
15.08.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein tolles Buch, das man nicht zur Seite legen kann
„Julius oder die Schönheit des Spiels“ ist ein fiktiver Roman inspiriert von der Lebensgeschichte des Tennisspielers Gottfried von Cramm, der auch als „Tennisbaron“ bekannt ist.
Das Buch erzählt die Geschichte von Julius von Berg, ein Tennistalent der Zwanziger- und Dreißigerjahre, aufgewachsen auf einer Burg über dem Rhein in einer wohlhabenden Familie mit zwei älteren Schwestern, wo seine Familie Tennis gerne spielte und sogar ein privater Tennisplatz einrichtete. Julius zieht wegen seinem Jura Studium nach Berlin, Tennis wird aber der Mittelpunkt seines Lebens.
Er wird ein sehr ambitionierter Tennisspieler, aber für ihn ist der Sieg nicht alles. Wichtiger als den Sieg selber (wie für den meisten großen Sportler) sind die Schönheit des Spieles, der Respekt vor dem Gegner und Fairness. Das ist umso schwieriger, wenn man sich nicht von Nazis Instrumentalisieren lassen will.
Das Cover habe ich sofort gemerkt, so bin ich auf das Buch aufmerksam geworden.
Die Erzählperspektive wechselt zwischen Julius und dem alten Mann, seinem Gegner im legendären Einzel von Wimbledon im Jahr 1937. Der Schreibstil ist flüssig, der Spannung steigt ständig und man kann nicht mit dem Lesen aufhören. Höhepunkt ist die detaillierte Schilderung des Wimbledon-Finales 1937.
Alle Charaktere sind sehr gut beschrieben, vor allem Julius. Man fiebert nicht nur mit dem jungen Julius mit (in den wilden Berlin Jahren), sondern auch mit dem erwachsenen Julius (zwischen den kalten Gefängniswände) mit. Er ist ein ehrenhafter junger Mann und lässt sich nicht von den Nazis einschüchtern.
Das war ein sehr gutes Buch, das viele Themen anspricht, wie zB Homosexualität in der Sportwelt, Verfolgung durch die NationalsozialistInnen in den 20er und 30er Jahren in Deutschland, deshalb würde ich das Buch nicht nur für Tennis Begeisterten empfehlen. Für das Nachwort bin ich sehr dankbar.
Bewertung
5/5
02.08.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Interessant
Julius oder die Schönheit des Spiels von dem Autor Tom Saller ist eine fesselnde Zeitgeschichte. Der Autor hat einen sehr schönen Schreibstil und schreibt sehr flüssig und der Spannungsbogen ist von Anfang an bis zum Ende da. Ich habe schon ein Buch von dem Autor gelesen, da war die Freude dann groß, dass es ein neues Buch von dem Autoren gibt. Das Cover gefällt mir sehr gut und passt zu dieser Geschichte.
Julius von Berg stammt aus einer wohlhabenden Familie und beginnt schon früh mit dem Tennis spielen. Schon bald spielt er von einem Sieg zum nächsten und zum studieren geht er nach Berlin. In Berlin lernt er das Nachtleben kennen, was er zuvor nicht kannte, aber später beeinträchtigen ihn auch die Machenschaften des Nationalsozialismus.
Ich interessiere mich sehr für Biografien und fand dieses Buch sehr gut, ich kann dieses Buch sehr empfehlen!
begine
aus Lemwerder
5/5
02.08.2021
eBook (ePUB 3)
Zeitgeschichte
Julius oder die Schönheit des Spiels von dem Schriftsteller Tom Saller ist ein fesselndes Stück Zeitgeschichte.
Julius von Berg ist eine fiktive Person, die aber nach der Kindheit an die Figur des Tennisspielers Gottfried von Cramm angelehnt wurde.
Julius wächst mit zwei Schwestern auf einer Burg über dem Rhein auf. Sein Großvater und Julius Verhältnis zu ihm ist besonders angenehm.
Julius lernt schon als Kind Tennis zu spielen.
Zum Studium geht er nach Berlin, aber Tennis ist ihm am wichtigsten. Sein unpolitischen Denken ist in den Dreißiger Jahren ein Problem.
Später kommt es zu zwei Zeitebenen. Einmal Julius 1938 in Berliner Gefängnis.
seine Gedanken sind beeindruckend dargestellt.
Dann kommt ein alter Mann 1986 ins Spiel. Er war der Gegner in Julius in seinem letzten Wimbledon Matsch.
Es werden einige problematischen Themen eingeflochten, die zu der Zeit das Leben kosten konnten.
Tom Saller ist wieder ein brillanter Roman gelungen.
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