Die Mathematikstudentin Charlie sitzt mit einem blauen Auge in der U-Bahn. Eben hat sie noch »schlechter Mensch« gegoogelt, jetzt ist sie auf dem Weg zu einem Antiaggressionstraining für Frauen. Nur wenn sie daran teilnimmt, darf sie weiter bei ihrer besten Freundin Ella wohnen. In die eigene Wohnung kann sie nicht zurück. Doch mit den »Schwerverbrecherinnen«, die sie in der Gruppe anzutreffen vermutet, will Charlie nichts zu tun haben. Ist es denn ihre Schuld, dass ihr Exfreund Valentin sie immer wieder zur Weißglut trieb? Dabei hatte es gut angefangen: Mit ihm an der Seite fühlte sie sich endlich schön, als besserer Mensch. Bis es eskalierte. Erst im Austausch mit den anderen Frauen beginnt Charlie, sich ihrer eigenen Verantwortung zu stellen, die Geschichte neu zu erzählen. Mit Ellas Unterstützung kämpft sie sich aus der Spirale von Wut, Schmerz und Scham heraus.
Mit Leichtigkeit und Witz erzählt Clara Leinemann in Gelbe Monster von einer Beziehung, die perfekt zu sein scheint – bis sie es nicht mehr ist. Von tradierten Liebesidealen, weiblicher Gewalt und emotionaler Abhängigkeit. Ein mitreißendes Debüt, dessen Antiheldin so liebenswert ist, dass man sich auf der letzten Seite nicht von ihr trennen möchte.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
wonderland09
5/5
11.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Weibliche Gewalt in (toxischen) Beziehungen
Gestaltung:
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Die Farbgestaltung mit dem Monster hatte mich zunächst an ein Kinderbuch denken lassen. Aber ein Monster als Symbol für kindliche Ängste und die Farben Lila, gelb und schwarz für eine Gefühlsmischung aus Wut, Trauer, Neid gemischt mit einem Hauch Feminismus, sind sehr passend gewählt. Definitiv macht dieses Cover neugierig!
Inhalt:
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"Charlie war der tiefsitzenden, grundlegenden Überzeugung, dass alles an ihr falsch war. Seit der Pubertät hatte sie immer wieder den Versuch unternommen, sich zu ändern und ein besserer Mensch zu werden. Sie wollte Shakira werden, sie wollte Helene aus der 9b werden, oder die Hauptfigur aus einer Serie, die alle in der Oberstufe sich anschauten, eine unbändige, schöne Teenagerin fatale mit glorifiziertem Drogenproblem.
So blieb es auch während des Studiums: Charlie wollte nahezu alle Frauen sein, die sie sah, nur nicht sich selbst; ihr Selbst war faul, hässlich und schaffte es nicht mal, das Pfand wegzubringen."(S. 19)
Die Mathematikstudentin Charlie fühlt sich immer schon als Außenseiterin. Als sie sich in Valentin verliebt, scheint alles perfekt. Sie fühlt sich schöner und als ein besserer Mensch. Doch dann läuft irgendetwas schief und schließlich sitzt Charlie mit einer verbundenen Hand und einem blauen Auge in der U-Bahn und ist auf dem Weg zum Antiaggressionstraining. Was ist passiert? Wird es Charlie gelingen, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen?
Mein Eindruck:
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"Sie sagte, von Gustav wisse sie, dass Valentin sich total als Opfer in der Beziehung darstellen würde, »Das ist so typisch« , fluchte sie, »sich verhalten wie ein kompletter Badboy und dann mit der Wut der Freundin nicht umgehen können und sagen, sie würde immer so ausrasten und sei so manipulativ. Das ist so unmöglich, das ist so sexistisch von ihm. Als dürfe eine Frau nicht auch mal wütend werden.«" (Ella zu Charlie, S. 169)
Das Thema an sich hätte mich erst gar nicht angesprochen, aber das Titelbild hatte mich neugierig gemacht und diese Neugier brachte mich dazu, mal kurz ins erste Kapitel reinzulesen. Und ab da konnte ich dann einfach nicht mehr aufhören, bis zum Ende. Das Buch hatte definitiv eine Sogwirkung auf mich!
Im Klappentext hieß es, die Autorin erzähle die Geschichte "klug und mit Witz". Den Witz konnte ich nicht feststellen, allerdings beschreibt sie alles mit einem feinen Gespür für die menschlichen Bedürfnisse und für tägliche Situationen und das hat den Reiz beim Lesen für mich ausgemacht.
Die Handlung ist in sofern fesselnd, weil sie zwischen Gegenwart und Rückblenden hin und her springt und man wissen möchte, wie Charlie in die Anfangssituation in der U-Bahn hineingeraten ist. So entfaltet sich das Geschehen erst nach und nach vor dem Leser. Da alles aus Charlies Perspektive beschrieben ist, kann man sich gut in sie hineinversetzen und ich konnte ihr Handeln dadurch größtenteils nachvollziehen. Valentins Perspektive und seine Motivation bleiben leider etwas blass. Ich kann gut verstehen, dass sein Verhalten häufig provokant auf sie gewirkt haben muss. Ich war beim Lesen auch des Öfteren versucht, ihn zu schütteln und zu sagen: "Was ist los mit Dir?" Auch wenn die Gewaltausbrüche von Charlie nicht sein dürften, so empfand ich auch sein Verhalten nicht korrekt und vermutlich hat er ebenfalls Probleme mit seinem Selbstwert. Daher entwickelt sich die Beziehung für beide leider in eine ungünstige Richtung.
Auch wenn ich Charlies Ausraster missbillige, so schwingt in der Erzählung immer wieder mit, dass manchmal Frauen durch das Verhalten von Männern dahin getrieben werden und sich nicht anders zu wehren wissen als körperlich. Diese Täter-Opfer-Umkehrung finde ich problematisch und hat mich nachdenklich zurückgelassen.
Leider wurde das Thema von Charlies problematischer Beziehung zu ihrer Mutter immer mal wieder kurz angerissen, aber nie ausgeführt, obwohl es scheinbar eine der Ursachen für Charlies Minderwertigkeitsgefühle darstellte. Hier hätte ich eine erklärende Episode gut gefunden. Das Ende hinterlässt ein mulmiges Gefühl bei mir, vor allem, weil es realistisch ist.
Insgesamt gefiel mir das Buch sehr gut und es macht auf ein wichtiges gesellschaftliches Problem aufmerksam und regt zum Nachdenken über Beziehungen und das Thema Grenzen setzen an.
Fazit:
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Fesselnd geschriebener Roman über weibliche Gewalt, toxische Beziehungen und den gesellschaftlichen Umgang zwischen den Geschlechtern
Bewertung
5/5
08.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn Liebe kippt
Gewalt in der Beziehung, diese Phrase löst im Kopf gewisse Bilder aus. Von Männern, die agressiv werden und Frauen, die sich nicht wehren können und doch immer wieder zurück kommen. Clara Leinemann erzählt diese Geschichte neu.
Denn diesmal ist es Clara, die in ihrer Beziehung zu Valentin die Grenzen überschreitet. Von Anfang an ist es für sie die große Liebe und sie tut alles dafür, dass jeder das auch so sieht- vor allem Valentin. Doch während er immer wieder versucht aus der Beziehung auszubrechen, klammert sie sich nur umso enger an diesen Halt, der zum Zentrum ihres Lebens geworden ist. Und gleichzeitig wächst du Wut in ihr.
Weil wir als Lesende von außen auf diese Beziehung blicken, ist von Anfang an klar, dass Clara mehr von Valentin will als dieser zu geben bereit ist. Immer mehr stürzt sie sich in diese Spirale aus Verlangen nach Nähe und den wiederkehrenden Vertrauensbrüchen und Enttäuschungen, die dazu führen, dass sich in ihr eine rasende Wut aufbaut, die sich zunächst gegen sich selbst und später immer mehr auch gegen Valentin richtet.
Diese Toxizität des Miteinanders, die Clara ihrer gesamten Umwelt gegenüber aufbaut, und gleichzeitig das Verständnis für ihr Verhalten, nachdem man nach und nach auch mehr über ihre Vergangenheit erfährt, entwickeln eine spannende Ambivalenz, die mich sehr berührt hat.
Eiegntlich mag man in dieser Geschichte niemanden so wirklich, am wenigsten Clara selbst, und doch möchte man sie am liebsten in den Arm nehmen und vor sich selbst beschützen.
Dieses Buch hat ganz vortrefflich mit meinen Emotionen gespielt!
Nina
5/5
06.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wutexplosion
In „Gelbe Monster“ von Clara Leinemann, erschienen im Suhrkamp Verlag, geht es um Charlie, die schleichend von einer tiefgreifenden Obsession eingenommen wird. In ihrem Leben dreht sich alles um Valentin. Im Zentrum der Geschichte steht eine intensive Beziehung, die von Anfang an zum scheitern verurteilt ist. Dabei wird Charlies Wut schleichend radikaler und sie zunehmend gewalttätiger.
Wow. „Gelbe Monster“ hat alle meine Erwartungen übertroffen und mich oft zum Nachdenken gebracht. Charlies Gedankenwelt mit all ihren zerstörerischen, wutgeladenen aber teils auch nachvollziehbaren Gedanken/Gefühlen, sorgt für ein echt spannendes Leseerlebnis. So hab ich zwar die Gewalt die von Charlie ausgeht verurteilt, gleichzeitig aber auch verstanden wo der Ursprung dieser Wut liegt. Genau dieser Mix macht das Buch für mich so interessant, da sowohl „Täterin“ als auch „Opfer“ nicht klischeehaft beschrieben sind, sondern mehrdimensional dargestellt werden. Durch diese Komplexität wird man sehr herausgefordert, was ich unglaublich gelungen finde.
Für mich war „Gelbe Monster“ ein absolutes Highlight, da es weibliche Wut in all ihrer Vielschichtigkeit aufzeigt und gleichzeitig Raum für eigene Gedanken lässt. Ein kurzes, aber explosives Buch, welches mir lange im Kopf bleiben wird.
Aleyna
aus München
5/5
08.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mutiger Blick auf weibliche Gewalt
Clara Leinemanns „Gelbe Monster“ erzählt eindringlich von Charlie, einer jungen Frau, deren scheinbar perfekte Beziehung mit Valentin zunehmend eskaliert. Mit direkter, ehrlicher Sprache vermittelt der Roman, wie Nähe, Abhängigkeit und Wut ineinandergreifen und wie sich emotionale Gewalt entwickeln kann: oft leise, subtil und schwer greifbar.
Charlie ist keine klassische Heldin, sondern eine komplexe, widersprüchliche Figur: verletzlich, wütend, unsicher. Gerade das macht sie greifbar und authentisch. Die Geschichte wirft unbequeme Fragen auf: Wer ist Täter, wer Opfer? Wo beginnt Gewalt? Und wie beeinflussen Erwartungen an Geschlechterrollen unser Verhalten?
Leinemann gelingt es, die Intensität von Charlies Gefühlswelt spürbar zu machen, ohne zu vereinfachen. Ein Buch, das berührt, irritiert und zum Nachdenken über Beziehungen, Macht und Selbstfindung anregt. Eindrucksvoll, provokant und unvergesslich.
Hanne2
aus Langenargen
5/5
02.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Über Wut, Kontrolle und das Scheitern an sich selbst
Warum sollte man "Gelbe Monster" lesen? Weil es eine neue Perspektive auf das Thema der weiblichen Gewalt eröffnet, psychologisch sehr, sehr fein und mit vielen Nuancen geschrieben ist, weil es nachdenklich stimmt. Das angekündigte "Female Rage" und recht modern gehaltene Cover könnten vielleicht falsche Erwartungen erzeugen, der Roman lebt von seinen vielen Facetten und seinem Mut zu Widersprüchlichkeiten und Mehrdeutigkeiten.
Die Mathematikstudentin Charlie möchte nur eins - das gute Leben mit Valentin, endlich eine bessere Version von sich selber sein, geliebt sein. Ich fand es unglaublich faszinierend, wie Clara Leinemann Charlie beschreibt - ihre fragilen, unsicheren Anteile, ihr verschobener Blick auf sich und andere, ihr Bemühen um Kontrolle und dann doch immer wieder völligen Verlust der Emotionskontrolle. „Ja, wenn du dich immer so aufführst wie ein kleiner Junge, führt das halt dazu, dass ich auch mal nicht nett zu dir bin. Ich wäre gern mit einem Erwachsenen zusammen.“ - so rechtfertigt Charlie ihre zunehmenden Gewaltausbrüche.
Sehr gekonnt wird die Geschichte verschiedener Frauen, die alle zusammen mit Charlie an einer Gruppe für Antiaggressionstraining teilnehmen (müssen), eingeflochten mit der ganzen Vielfalt weiblicher Gewalt, oft gewachsen auf dem Boden patriachialer Strukturen.
Mich hat das Buch sehr beeindruckt. Die Sprache ist klar und man fliegt beim Lesen durch die Seiten – und doch bleibt man immer wieder innerlich stehen. Was mich am meisten überrascht hat: wie sehr man mit Charlie mitfühlt, obwohl – oder gerade weil – man ihr Verhalten nicht gutheißen kann. Dieser Blick auf die Formen weiblicher Gewalt, gewachsen auf dem Boden alltäglicher Verletzungen und Machtverhältnisse, hat mich noch lange nach der letzten Seite beschäftigt. Es fordert dem Lesenden gleichzeitig ab, sich auf Mehrdeutigkeiten und Graustufen einzulassen.
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