In frischer Ausstattung und mit neuem Nachwort: Hasnain Kazims Familiengeschichte jetzt bei Penguin!
Auf dem Dachboden seiner Eltern findet Hasnain Kazim, Sohn indisch-pakistanischer Einwanderer, eine Kiste mit Papieren, die ein Tor zu seiner Vergangenheit öffnen: Dokumente, die belegen, dass seine Familie in den 80er-Jahren mehrmals kurz davor stand, aus Deutschland ausgewiesen zu werden. Kazim geht dieser Familiengeschichte nach, erzählt, wie seine Eltern nach Deutschland kamen und warum sie ausgerechnet in einem Dorf bei Hamburg, das alles andere als ihr Traumziel war, ihre neue Bleibe fanden.
Den Schikanen der Ausländerbehörden steht die Hilfsbereitschaft der Dorfbewohner gegenüber. Was im täglichen Leben rasch gelingt – die Integration –, wird erst nach 16 Jahren offiziell: Die Familie erhält die deutsche Staatsbürgerschaft.
Es ist ein Bogen von Dorf zu Dorf, von Lakhimpur am Fuße des Himalaya nach Hollern-Twielenfleth im Alten Land. Und es ist eine Geschichte von kulturellen Unterschieden und Gemeinsamkeiten, von Ausdauer, Liebe und Freundschaft.
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Eine spannende Integrationsgeschichte
Bewertung am 07.06.2026
Bewertungsnummer: 3160544
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Grünkohl und Curry - Hasnain Kazim
Der Autor begibt sich auf Spurensuche nach seinen Wurzel. Warum sind seine pakistanisch- indischen Eltern damals Anfang der 70er Jahre nach Deutschland gekommen und dann auch noch in dieses kleine norddeutsche Dorf?
Er recherchiert in alten Dokumenten, die er auf dem Dachboden findet. Und die Erinnerungen an seine Kindheit werden wach. Er reist mit seinem 65-jährigen Vater nach Indien. Der Vater stammt aus einer wohlhabenden indischen Familie, „islamische Adelige“, und wuchs in Pakistan auf.
Bei dem Besuch in seiner Heimat ist der Vater erschrocken über die sozialen Verhältnisse in seiner Heimat.
Kazim erzählt die Geschichte der Heimat seines Vaters, die brutalen Kämpfe der unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften, die massenhafte Flucht vieler Muslime in den neu gegründeten Staat Pakistan.
Das Afzal Majal, der Geburtsort seines Vaters existiert noch. „Im Afzal Mahal hatten die Frauen das Sagen - allen voran Afsar Begum (die Großmutter des Autors). Männliche Bedienstete waren nicht erlaubt, und wenn einmal in der Woche der Gärtner kam (…), musste er sich in ein Tuch hüllen- er war es, der den Tschador tragen musste, nicht die Frauen.“
Der Großvater ist begeistert von der Idee der Gründung eines neuen muslimischen Staates, ohne Kastenwesen und ohne Krieg zwischen Hindus und Muslimen.
1947 macht er sich mit seiner Familie auf den Weg.
Sie leben zunächst einige Jahre in einfacher Unterkunft, bis sie dann schnell wieder wirtschaftlich erfolgreich sind.
Die Mutter, geb. 1951, wuchs in Pakistan in wohlhabenden Verhältnissen auf, hat 11 Geschwister und obwohl der Vater gläubiger Moslem ist, wird sie zu einer katholischen Schule geschickt, weil sie dort seiner Meinung nach die beste Bildung bekommt. An der Schule herrscht eine liberale Atmosphäre, es wird Englisch gesprochen. Die Mutter hegt den großer Wunsch, Amerika oder England zu bereisen, sie ist begeistert von amerikanische Filme und der Musik.
Der Vater macht eine Ausbildung bei einer deutschen Reederei, die in Pakistan Personal sucht und er fährt zur See.
Die Geschwister der Eltern arrangieren die Ehe, so wie es üblich ist, 1974 findet die Eheschließung in Pakistan statt.
Der Vater ist weiterhin auf See, die Mutter lebt fortan bei den Schwiegereltern und wartet auf ihre Einreise nach Deutschland.
Sie erhält ein Besuchsvisum. Während ihr Mann die Seefahrtschule besucht, finden sie Unterkunft bei einer deutschen Familie, einem Kollegen des Vaters.
„Vielleicht braucht jeder, der aus einem fremden Land, einer anderen Kultur kommt, so eine Patenfamilie. Menschen, die den Neuankömmling an die Hand nehmen, (…)“
Der Autor wird 1974 in Oldenburg geboren und immer wieder droht der Familie die Ausweisung.
Der Kampf in Deutschland, im norddeutschen Hollern-Twielenfleth bleiben zu dürfen, ist eine unendliche Geschichte, sie leben in dauerndem Stress, abgeschoben zu werden und erreichen ihr Ziel, in Deutschland bleiben und arbeiten zu dürfen dank der Unterstützung der wunderbaren Menschen aus ihrem Freundeskreis, die sich so für sie engagieren.
Wie gelingt Integration? Was bedeutet Deutschsein und wie bewahre ich die Wurzeln meiner Herkunft? Wie lebe ich zwischen 2 religiösen Erwartungen?
Danke für diese spannende, abenteuerliche Familiengeschichte voller interessanter Informationen und kleiner Anekdoten.
Die Liebe und Unterstützung der Menschen, die so selbstverständlich und natürlich ist, stehen in großem Kontrast zur Härte und Hilflosigkeit der deutschen Behörden, die immer wieder betonen, das Deutschland kein „Einwanderungsland“ sei.
Das Buch ist erstmals 2009 erschienen, die Neuauflage von 2026 ist mit einem aktuellem Nachwort des Autors.
Penguin 2026
Der Autor hat mich frühzeitig verloren
MarieOn am 19.05.2026
Bewertungsnummer: 3142994
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
1974 sind Hasnains Eltern von Pakistan nach Deutschland gezogen. Vor den Toren Hamburgs in Twielenfeeth sollten sie ein Zuhause finden. Doch die Willkür der Ausländerbehörde hat es ihnen nicht leicht gemacht und die anpassungsfähige Familie mehrfach mit Ausweisung bedroht.
Nach fünfzig Jahren in Deutschland hat der Vater das Bedürfnis, seine Heimat wiederzusehen und so macht er sich mit seinem Sohn auf die lange Reise nach Lucknow. Endlich im Afzal Mahal angekommen, erkennt der Vater den Brunnen in der Mitte des Hauses wieder. Er ist stillgelegt, weil es längst fließendes Wasser gibt. Vieles hat sich verändert, mehrere Anbauten sind entstanden. Die Wohnräume zur Straße sind an Geschäftsleute vermietet. Die Straße vor dem Haus wurde zur Hauptverkehrsader. Ihre Ankunft hat sich herumgesprochen. Am Abend kommen alle ansässigen Verwandten, um sie willkommen zu heißen.
Die Schwester des Vaters erinnert sich an die schreckliche Zeit, als der Vater noch klein war und das alles wegen des Pfeffers. Ende des 16. Jahrhunderts kontrollierten die Niederländer den Gewürzhandel und hoben die Pfefferpreise an. Die aufsteigende Großmacht Britannien wollten sich dem Pfefferdiktat nicht beugen und wurden zuerst Handels- dann Kolonialmacht. 1757 unterwarfen die gierigen Briten Indien und boten die Spanier und Franzosen aus. 1857 probten indische Infanteriesoldaten innerhalb der britischen Armee einen Aufstand (Sepoy-Aufstand). 70 Jahre später startete der Rechtsanwalt Mahatma Gandhi symbolische Aktionen zum Ausdruck indischer Gewaltfreiheit und Beharrlichkeit, um die Briten zum Abzug zu bewegen.
Fazit: Der Autor und mehrfach ausgezeichnete Journalist, Hasnain Kazim, hat mich auf eine Reise eingeladen, von der ich frühzeitig abgesprungen bin. Ich habe das Buch auf Seite 67 abgebrochen, weil ich auf dem nicht uninteressanten, aber beschwerlichen Weg durch die Historie sowohl Orientierung als auch Geduld verloren habe. Die Geschichte des Kolonialismus finde ich wichtig, aber der Stil der Dokumentation ist unendlich dröge. Die vielen indischen Namen ließen mich immer wieder zurückblättern. Ich hätte mir ein wenig mehr Prosa gewünscht, stattdessen bekam ich, zumindest bis zu dem Punkt an den ich es geschafft hatte, journalistische Trockenheit vorgesetzt. Und ich liebe gute journalistische Artikel, wie ich sie im Spiegel finde und weiß, dass man die Dinge auch interessant beschreiben kann. Wie dem auch sei. Das Buch erschien erstmals 2009 und wurde von Penguin in überarbeiteter Form neu verlegt.
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