Alle Kinder wollen, dass es gerecht zugeht. Doch oft merken sie erst spät, dass einige bevorzugt werden und andere trotz Anstrengung nicht weiterkommen. Viele Unterschiede in Herkunft, Sprache, Ernährung oder Kultur bleiben für Kinder zunächst unsichtbar – und prägen trotzdem ihr ganzes Leben.
Genau hier setzt das Klassenbuch an: Es öffnet Kindern die Augen für soziale Unterschiede , wie sie schon Pierre Bourdieu beschrieben hat. Am Beispiel einer Grundschulklasse zeigt Gerda Raidt auf eindrucksvolle Weise, wie kleine Unterschiede im Alltag – beim Wohnen, Essen, Sprechen, Sport oder kulturellen Aktivitäten – langfristige Folgen haben können.
Engagiert im Ton, reich illustriert und mit klaren Beispielen erklärt dieses Sachbuch, wie gesellschaftliche Ungleichheiten entstehen und warum es wichtig ist, sie früh zu erkennen. Ein Buch voller Aha-Erlebnisse – spannend, kindgerecht und zugleich lehrreich.
Das erste Kindersachbuch über Klassismus für die Altersgruppe, die es am stärksten betrifft
Stark und knapp geschrieben, reich illustriert, leicht verständlich
Ideal für Grundschulklassen und gesellschaftliche Bildung
Macht Kinder aufmerksam für soziale Unterschiede und Gerechtigkeit
Unterstützt Lehrkräfte, Eltern und Pädagog:innen beim Gespräch über soziale Ungleichheit
Auf der ZEIT Kinder- und Jugendbuch-Bestenliste Juni 2026
Kundinnen und Kunden meinen
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Daggy
Thalia Book Circle Community
5/5
04.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unsere Gesellschaft und ihre Klassen
Unter einem Klassenbuch hatte ich mir eigentlich etwas anderes vorgestellt und ich denke, so ist es auch beabsichtigt. Denn dieses Klassenbuch beschreibt die Klassen unserer Gesellschaft, die es immer noch gibt und wie ich befürchte, immer geben wird.
Eine kleine Fotogalerie beginnt mit einem Babybild und auf dem letzten Foto geht der kleine Junge mir der lustigen Zahnlücke in die Schule. Da sitzt er mit seinen Mitschülerinnen und Mitschüler in der Klasse. Was werden sie wohl mal werden? Ist das, was jetzt folgt ein großes Spiel? Uns werden Personen vorgestellt, die sich durch ihre Kleidung sehr voneinander unterscheiden, durch kleine Infos werden wir auf die Unterschiede hingewiesen. Aber stimmt das, was behauptet wird oder sind es Vorurteile? Wir unterscheiden uns auch durch unsere Sprache oder durch unsere Tischgewohnheiten. Wir lieben unterschiedliche Musik und Kunst und treiben verschiedenen Sport. Aber auch unsere Vor- und Nachnamen sind sehr verschieden und sie führen eventuell dazu, dass wir einen Job oder eine Wohnung nicht bekommen. Wo und wie wir wohnen, liegt u.a. am Einkommen und an der Herkunft. Vielleicht fühlen wir uns nicht dazugehörig, weil wir irgendwie anders sind und uns dadurch ausgegrenzt fühlen?
Neben den vielen kleinen Bildern, die die beschriebenen Menschen und Situationen abbilden, gibt es kurze Texte und gelb unterlegte Sterne. Auf diesen Sternen sind Aussagen wie „Das ist doch schrecklich ungerecht“ oder „Und hat man das dann verdient?“ gedruckt. Diese Aussagen werden sicher zu Diskussionen bei den Leserinnen und Lesern führen und dafür ist dieses Buch sicher auch gedacht. Es endet mit einem Text der „Aber eigentlich müssen wir die Regeln ändern!“ überschrieben ist. Und ich frage: „Warum eigentlich?“
lesenmitausblick
5/5
11.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Pflichtlektüre für uns alle!
Wisst ihr, was Klassismus ist?
Ich stelle euch heute ein ungemein wichtiges Buch aus dem, wie kann es anders sein, Klett Kinderbuch Verlag vor. Autorin und Illustratorin Gerda Raidt setzt sich in ihrem neuen Werk „Klassenbuch – Wer gewinnt im Spiel des Lebens?“ mit der Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft auseinander.
Haben wir alle die gleichen Chancen? Ist unser Leben, sind unsere Lebenswege gerecht und geht es fair zu?
Gerda Raidt geht der Frage nach, warum es manche von uns im Leben leichter haben. Sie versucht dieses wage Gefühl in Worte zu fassen. Denn die Macht unserer Herkunft sorgt dafür, dass wir von klein auf eingeteilt werden oder selbst einteilen – Stichwort Vorurteile. Dafür geht Gerda Raidt ganz systematisch vor und beginnt am Anfang, bei der Geburt. Zunächst scheinen die Chancen für alle gleich zu sein, doch da ist so ein unbestimmbares Gefühl, dass da doch geschummelt wird. Denn geht die Rechnung so einfach: Wir alle spielen das Spiel des Lebens, in dem es darum geht einen guten Platz zu erobern und das schafft man, indem man sich anstrengt…?
Die Autorin thematisiert also unsere bunte Gesellschaft, in der wir alle ganz verschieden sind. Manche Unterschiede sind offensichtlich und äußerlich, manche sind eher versteckt zu ergründen. Und genau dort schaut Raidt genauer hin und hält ihren Finger in die Wunde.
Sie benennt die „feinen Unterschiede“ (nach Pierre Bourdieu) und veranschaulicht diese in gut zu verstehenden, kindgerechten Illustrationen. Da sind unsere Kleidung, die Sprache, das Essen, auch Musik und Kunst(geschmack) sowie Sport. Aber auch Statussymbole, die zeigen sollen, dass man dazugehört und anerkannt ist. Sucht man sich etwas aus, weil man es mag oder weil die Leute, die man kennt, es gut finden? Na? All das sortiert uns ein.
Sogar unsere Namen! Wir werden einsortiert, bevor man uns sieht, allein über unsere Namen. Auch der Ort, wo wir wohnen, sagt etwas über uns aus. Beziehungsweise können wir uns unsere Adresse nicht immer aussuchen, denn Leute mit einem Namen, der nicht deutsch klingt, haben es bei der Wohnungssuche deutlich schwerer. Auch unsere Wohnungen zeigen klar und deutlich Unterschiede in der Art, wie sie eingerichtet sind.
Diese feinen Unterschiede haben eine große Macht und Wirkung. Man spürt sie erst, wenn man unter Leuten ist, die es anders machen. Dann fühlen wir uns womöglich unbehaglich, können nicht mitreden, fühlen uns fremd. Und manchmal werden wir auf Grund dessen ausgegrenzt.
Gerda Raidt beschreibt das Einsortieren und die feinen Unterschiede sehr kindgerecht und verständlich nachvollziehbar. Die Illustrationen greifen dabei auch Alltagssituationen aus dem Erleben von Kindern auf, so werden ihre Erklärungen noch greifbarer. Dass es schon immer Klassen gab, veranschaulicht die Autorin auch in einem Blick in unsere Vergangenheit, anhand der Klassen in einem Zug. Wusstet ihr, dass es sogar eine vierte Klasse gab? Extra für Arbeiter, nur Stehplätze. Heute sagen wir nicht mehr Klasse, sondern sprechen von Schichten. Die Autorin wirft die These auf, dass wer es heute noch unbequem hat, sich einfach nicht genug angestrengt hat. Und widerlegt sie sofort anhand von verständlichen Beispielen. Denn sie geht davon aus, dass man in der Klasse festgehalten wird, wo man herkommt. Denn einige Kinder haben einen Vorsprung, zum Beispiel, wenn ihnen viel vorgelesen wurde, und andere eben nicht. Aber alle bekommen in der Schule die gleichen Aufgaben und Noten. Hier spielt auch das Konstrukt der sich selbst erfüllenden Prophezeiung aus der Lernpsychologie eine immense Rolle.
Gerda Raidt benutzt hier nochmal eine sehr gut nachvollziehbare Veranschaulichung anhand eines Wettkampfes, bei dem einige Kinder eben schon mit großem Vorsprung loslaufen, andere mit schwerem Gepäck hinterlaufen und einige es erst gar nicht ins Ziel schaffen. Schulabschlüsse, Bewerbungen, Jobs – überall geht es ungerecht zu. Selbst, wenn man gestorben ist, lässt sich noch erkennen, wo man einsortiert war. Ist das nicht krass, wenn man sich das mal ganz bewusst, zum Beispiel mit Hilfe dieses großartigen, erklärenden Buches vor Augen hält?!
Aber an dieser Stelle endet die Autorin nicht, sondern gibt Hinweise, was jede/r von uns tun kann, damit dieses Spiel des Lebens nicht so unfair weiterlaufen kann. Mehr noch, sie ruft dazu auf, dass wir die Regeln ändern müssen. Um gleichberechtigt zu sein, müssen wir uns öffnen, uns besuchen, hinsehen und den Platz der anderen und somit ihre Perspektiven einnehmen. Wir müssen sehen, fühlen, reden, um zu verstehen. Und wir müssen uns laut beschweren! Wenn die Unterschiede kleiner würden, wäre das nur gerecht.
Puh, was bin ich froh, dass mir „Klassenbuch“ über den Weg gelaufen ist. Dieses Buch hilft auch mir als Lehrerin sensibler zu sein, genauer hinzusehen, Ungerechtigkeiten aufzudecken, zu verstehen und zu vermeiden. Gerda Raidt erklärt in ihrem Buch klar und systematisch, auf den Punkt und sehr verständlich, was Klassismus ist und wie wir ihn erkennen und ihm begegnen können. Und das ohne dieses für Kinder schwer zu verstehende Fremdwort zu benutzen!
Wie der Klappentext treffend formuliert: „Ein augenöffnendes Buch über die Macht unserer Herkunft“(Klappentext), das in jede (Schul)Klasse und jedes Lehrerzimmer gehört.
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