Rasend schnell breitet sich das Virus über die ganze Welt aus und die Menschen verlieren nach und nach
ihre Erinnerungen. Auf der Suche nach einem Gegenmittel nimmt eine kleine Gruppe Freiwilliger an einem
lukrativen Experiment teil. Unter ihnen: die 27-jährige Meeresbiologin Neffy. Neffy braucht das Geld. Ihr
Arbeitgeber hat sie verklagt, weil sie einen Oktopus aus einem Labor befreit hat, der in ihr seltsame Erinnerungen
an ihre Kindheit wach rief. Als das Experiment zutage fördert, dass das Gegenmittel nur bei Neffy wirkt, kippt die Stimmung in der Gruppe. Und Neffy versucht, irgendwie zu ihrem Stiefbruder Justin zu entkommen, von dem sie annimmt, dass er 100 Kilometer
entfernt an der Küste Dorsets auf sie wartet.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Nicole Kleber
aus Eisenberg
5/5
26.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Weglegen unmöglich
Achtung: Spoiler
TW: Krankheit/Tod/Pandemie
Der Roman beginnt damit, das Neffy, eine 27jährige Meeresbiologin in einer Londoner Klinik aufgenommen wird. Sehr schnell ist klar, dass dies kein „normaler“ Klinikaufenthalt sein wird, denn die Sicherheitsbestimmungen in diesem Krankenhaus sind streng und erinnern sehr an die, welche wir während der Covid-19-Pandemie erfahren haben.
Tatsächlich ist auch eine neue Pandemie ausgebrochen, verursacht vom sogenannten Dropsy-Virus.
Corona war ein Spaziergang dagegen, denn Dropsy ist eine apokalyptische Pandemie, die beinahe die gesamte Menschheit auslöscht. Das Virus verursacht tödliche Entzündungen und Schwellungen im Körper, die gerade neu aufgekommene Variante packt noch absoluten Gedächtnisverlust obendrauf. Neffy ist Probandin für die Impfstoffstudie, die Dropsy außer Gefecht setzen soll. Sie nimmt gegen den Widerstand ihrer Mutter und Justin teil, aber Neffy ist auf der Flucht: vor etwas, das bei ihrer letzten Arbeitsstelle passiert ist und weswegen sie jetzt verschuldet ist – die Impfstudie wird gut bezahlt – und vor etwas schrecklichem, das vor Kurzem in Kalifornien passiert ist …
Die Studie läuft allerdings total aus dem Ruder: sämtliches medizinisches Personal verlässt die Klinik Hals über Kopf und Neffy muss allein gegen das ihr injizierte Virus kämpfen.
Mit ihr befinden sich noch weitere Probanden in der Klinik, einer davon, Leon, besitzt ein Gerät das er „Revisitor“ nennt und mit dem Neffy auf Erinnerungsreisen geht. Die Erinnerungen in denen sie landet, sind so echt, dass sie bereits Erlebtes noch einmal genau so durchlebt, wie es war. Gerüche, Temperatur und Gefühle inklusive. Anhand dieser Erlebnisse, die ich am ehesten mit einer Art Hypnose gleichsetzen würde, bekommen wir Lesenden die Rückblicke in Neffys Leben, die wir brauchen um uns ein vollständiges Bild von dieser jungen, klugen und sehr traurigen Frau machen zu können.
Als sich herausstellt, dass Neffy die einzige gegen das Virus immune Person in der Klinik ist, beginnen die anderen Druck auf sie auszuüben. Sie soll rausgehen und nach Essen und Wasser suchen. Und damit eskaliert die eh schon katastrophale Situation noch weiter, denn Neffy macht nicht nur eine schreckliche Entdeckung …
Unterbrochen werden die Schilderungen von Neffys Klinikalltag eben von ihren Erinnerungsreisen UND kurzen Briefen, die allesamt mit „H, Liebes,“ beginnen. Diese Briefe offenbaren nach und nach, was Neffy ihre Schulden eingebrockt hat und haben mich zutiefst berührt! Auch wenn ich mir erst überhaupt nicht vorstellen konnte, wie dieses Thema in einen Roman dieser Art passen soll.
Tatsächlich aber, macht dieser Erzählstrang die ganze Story aus …
Claire Fuller hat es auf jeden Fall wieder getan: Sie hat mich absolut vom Lesesessel gehauen und ich habe „Das Gedächtnis der Tiere“ an zwei Abenden regelrecht verschlungen.
Ihre wiederkehrenden Themen sind Krise, Isolation/Ausgrenzung und Erinnerung und diese Punkte hat sie hier tiefgehend und nachdenklich machend umgesetzt. Über allem, inmitten größter Trostlosigkeit, steht die Sehnsucht nach Freiheit - und der Glaube daran. Außerdem ist der Appell Mitgefühl für alles Lebende zu haben, mehr als dringlich – und den zu überhören, können wir uns wahrlich nicht mehr leisten ….
Großartig!! Unbedingt lesen – ich bin Fuller-Fangirl forever!
Linda
aus Berlin
4/5
17.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Aufarbeitung der Vergangenheit gepaart mit dystopischen Elenenten
Kennt ihr das: Ihr lest ein Buch, kommt aber einfach nicht rein und schweift ständig ab. Ihr zieht durch und am Ende versteht ihr gar nicht, warum der Anfang so schwer war.
So ging es mir mit diesem Buch. Ich wollte es unbedingt lesen, weil mich der dystopische Inhalt sehr gereizt hat. Eine Pandemie, die alle dahinrafft. Da klingelt was. Die Autorin wurde tatsächlich beim Schreiben von der Wirklichkeit überholt. Einige Parallelen lassen sich in Buch erkennen, aber die Geschichte ist soviel mehr. Da ist die Frage, wie geht es weiter? Hinauswagen oder ausharren?
Claire Fuller verknüpft das Endzeit-Szenario mit Erinnerungen. Mittels eines genialen Apparates, den Revisitor, kann Neffy, die Protagonistin ihre Vergangenheit anrufen und sich in ihre Erinnerungen fallen lassen. So sehr, dass dieser Revisitor bald einer Droge gleichzusetzen ist.
In der Gegenwart schreibt Neffy Briefe an einen Oktopus, an ihren Oktopus. Auch hier entblättert sich nach und nach eine Geschichte, die uns die Protagonistin näher bringt und uns mehr von ihrem Wesen erkennen lässt.
So finden wir in diesem Buch drei Handlungsstränge, die ineinander verwoben werden, sich dabei immer nah sind und mich teilweise sehr gerührt haben. Hoffen und Bangen vermischen sich und ich war gespannt, was mich am Ende erwarten wird. Ein wenig muss ich Spoilern, doch selten hat mir ein offenes Ende so gut gefallen.
Buch_im_Koffer
aus Münster
4/5
04.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Starker Plot mit Sogwirkung
Die Meeresbiologin Neffy nimmt zusammen mit einer Handvoll Freiwilliger an einer medizinischen Studie teil. Ein Impfstoff soll inmitten einer beginnenden, tödlichen Pandemie auf seine Wirkung getestet werden. Zunächst läuft alles rund. Doch dann fällt sie für Tage in eine Art Delirium. Als sie daraus erwacht, ist das Labor leer. Pflege und Ärzteschaft sind verschwunden und die wenigen Probanden auf sich allein gestellt. Und niemand will das Gebäude verlassen…
Eingesperrt im Labor beginnt Neffy sich für den Apparat eines Teilnehmers zu interessieren, mit dessen Hilfe sie in ihre alten Erinnerungen zurückreisen kann. Szenen, die sie immer und immer wieder erleben möchte und die sie von der Realität ablenken. – Und sie schreibt, Brief um Brief, an einen Oktopus, dem sie einst sehr nahegekommen ist.
Im wahrsten Sinne des Wortes wie im Labor beobachten wir die jungen Menschen, sezieren, was diese Isolation mit ihnen als Gruppe aber auch als Individuum macht. In einem komplett anderen Handlungsstrang dann die Rückblicke in Neffys Vergangenheit mit Familie und Oktopus.
350 Seiten, durch die ich so durchgeflogen bin. Es geht um Verlust und Tod, um Isolation und Einsamkeit, aber auch um Liebe und Führsorge, Mitgefühl und Empathie. Um zutiefst menschliche Gefühle – wirklich allein menschlich?
Wenngleich die Story sehr kurzweilig war, so bekomme ich das Gelesene am Ende des Romans leider jedoch nicht vollends zusammen. Auf mich persönlich wirken die drei parallelen Geschichten doch recht isoliert, wenngleich jede für sich genommen dann durchaus sehr faszinierend und fesselnd ist. Und auch der Titel lässt viel Raum für Interpretation – tierisches Gedächtnis versus technischer Apparat? Lest selbst!
Renas Wortwelt
3/5
03.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Nach starkem Beginn etwas abflachende Dystopie mit mittelmäßigen Figuren
Zuerst hat mich dieser Roman wirklich gepackt, war der Einstieg spannend und vor allem erinnerte es mich an den ganz wunderbaren Roman „Die Letzte macht das Licht aus“ von Bethany Cliff. So waren dann meine Erwartungen nach den ersten Kapiteln dementsprechend hoch.
Nur leider flachte das Ganze dann recht schnell ziemlich ab, die Spannung ging verloren, die Handlung schleppte sich dahin und als schließlich noch eine Erinnerungsmaschine ins Spiel kam, bin ich irgendwann vollends ausgestiegen.
Hauptfigur ist Ich-Erzählerin Neffy, die sich freiwillig einem Experiment zur Verfügung stellt, denn sie braucht das Geld, das man dafür bekommt. Es geht um Versuche mit einem neuen Impfstoff gegen ein neuartiges Virus, das um sich greift und die Menschen tötet wie die Fliegen. Außer Neffy nehmen noch weitere Personen an den Versuchen teil, doch irgendetwas geht schief.
Nachdem Neffy das Präparat verabreicht bekommen hat, fällt sie in eine Art Koma. Als sie daraus erwacht, sind alle Ärzte und Schwestern verschwunden ebenso wie die meisten Versuchspersonen. Geblieben sind außer Neffy nur noch zwei weitere Frauen und zwei Männer.
Man belauert sich, traut sich nicht gänzlich, ist aber auf einander angewiesen. Zu essen ist vorerst genug vorhanden in der Gebäude, in dem sich alle aufhalten. Abgeschottet von der Außenwelt, der sie jeden Zutritt verwehren, versuchen die fünf Personen nun zu überleben. Durch die Fenster beobachten sie die Menschen, die wenigen, die bislang überlebt haben, doch es werden immer weniger. Die Skepsis der anderen gegenüber Neffy wächst, als es den Anschein hat, als habe bei ihr als einziger der Impfstoff gewirkt. Als die Vorräte zur Neige gehen, wird diskutiert, ob Neffy nach draußen geschickt werden könnte und die Spannungen zwischen den Anwesenden steigen.
Leon, einer der Männer, schließt Neffy schließlich an eine von ihm entwickelte Erinnerungsmaschine an, die dazu führt, dass sie sich gezielt an ihre Kindheit und Jugend, an ihren Vater, dessen Frau und an Ferienerlebnisse erinnert. Parallel gibt es immer wieder eine Art Brief an einen oder eine H Liebes, in welchen Neffy von einem Oktopus erzählt.
All das ist zuerst wie gesagt sehr spannend, man erwartet eine dramatische Geschichte, doch dann driftet es immer wieder in andere Themen ab, wie z.B. auch Neffys Wunsch, ihren geliebten Halbbruder wiederzutreffen, von dem sie aber nicht weiß, wo er sich bei Ausbruch des Virus befand. Auch das Ganze um den oder die Oktopusse hat sich mir, ehrlich gesagt, nicht wirklich erschlossen. So dass mich der Roman irgendwann nur noch ratlos zurückließ, auch wenn das Ende dann einigermaßen erwartbar war. Dazu darf ich hier jedoch nichts verraten, um nicht zu spoilern.
Insgesamt also ein Roman, der mich nur bedingt fesseln und überzeugen konnte. Vielleicht war ich aber schlicht mit den falschen Erwartungen herangegangen.
Claire Fuller - Das Gedächtnis der Tiere
Originaltitel: The Memory of Animals
aus dem Englischen von Andrea O’Brien
Kjona, April 2026
Gebundene Ausgabe, 351 Seiten, 25,00 €
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