London, 2013: Coralie und Adam begegnen sich an einem Punkt in ihrem Leben, an dem beide mehr Fragen als Antworten haben. Adam ist Politjournalist und hat eine vierjährige Tochter namens Zora, von deren Mutter er getrennt lebt. Coralie ist neu in der Stadt und versucht, als Schriftstellerin Fuß zu fassen. Schnell merken sie, wie viel sie gemeinsam haben: Hals über Kopf verlieben sie sich ineinander. Bald teilen sie sich Wohnung und Leben, gründen schließlich eine Familie. Und dann?
Dieser Roman erzählt davon, was nach dem Happy End passiert – den ersten zehn Jahren einer Beziehung. Er erzählt von Überforderung und Versöhnung, von einem Alltag, der neben dem familiären Chaos von den politischen Krisen dieser Zeit geprägt ist: ständig wechselnden Premierministern, Brexit und der Pandemie. Er erzählt von Coralies Versuch, gleichzeitig Stiefmutter, Mutter, Schriftstellerin, Angestellte, Schwester, Freundin, Tochter und Partnerin zu sein, davon, dass man sich manchmal neu erfinden muss, um sich nicht zu verlieren. Und das alles mit einer Wärme, Authentizität und Empathie, dass es nach der Lektüre fast wehtut, die Figuren zurückzulassen.
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Patchwork that works?!
Kwinsu aus Salzburg am 18.06.2026
Bewertungsnummer: 3171988
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Coralie verschlägt es nach einer zum Wahnsinn tendierenden Affäre mit ihrem Vorgesetzten von ihrem Heimatland Australien nach London. Erst ist sie überfordert mit der lauten Stadt, bald aber schon lernt sie Adam kennen, bei dem sie Liebe und Heimat findet. Wir begleiten Coralie in den ersten zehn Jahren ihrer Beziehung, die von Höhen und Tiefen geprägt ist und vor allem: vom Alltag und der unglaublichen Geschichte Großbritanniens.
"Wir in zehn Jahren" ist sicher kein einfach zu lesender Beziehungsroman, aber dafür ein äußerst lohnender. Wir begleiten die Protagonistin und ihre Familie während der Jahre 2013 bis 2023 - Jahre, die in der britischen Geschichte so viele unglaubliche Wendungen nehmen, dass sie in einem erfundenen Buch wohl als unglaubwürdig abgestempelt werden würden: der Brexit-Volksentscheid, Boris Johnson, der Brexit selbst und natürlich auch die Covid-Jahre. In dieses Setting ist die Geschichte von Coralie und Adam gekonnt eingebettet, denn letzterer ist Journalist und Sachbuchautor und er portraitiert die wichtigsten politischen Persönlichkeiten des Landes. Sein Beruf, oder vielmehr seine Berufung und sein damit zusammenhängender Enthusiasmus für immer neue Buch- und Radioprojekte führen dazu, dass Coralie immer hinten anstehen muss und gelinde gesagt: das geht ihr gehörig gegen den Strich. Schließlich sehnt sie sich nach eigenen Kindern, auch wenn sie mit Adams Tochter Zora ein gutes Auskommen hat. Als die eigenen Sprösslinge dann da sind, erlebt sie, was wohl die meisten Mütter erleben müssen: den Großteil der Care-Arbeit darf sie erledigen. Anders als in anderen Büchern erfolgt aber nicht der rebellische Aufschrei, sondern Coralie versucht sehr authentisch, diesen Zwiespalt zwischen Mutterliebe und den eigenen Bedürfnissen zu kitten, was ihr aber nur teilweise gelingt. Hinzu kommt, dass sie selbst noch unter den harschen Erlebnisse ihrer Kindheit leidet, denn ihr Vater, zu dem sie nur selten Kontakt hat, war und ist ein erzkonservativer Tyrann. Vordergründig traf der gewalttätige Erziehungsstil hauptsächlich ihren schwulen Bruder Dan, aber wie sich im Laufe des Buches herausstellt, hat Cor selbst viele seelische Wunden erlitten.
Zugegeben: das Buch ist schon sehr kopflastig. Es wird viel reflektiert, viel ausverhandelt, viel politisiert. Das erfordert Konzentration, "Wir in zehn Jahren" ist kein Buch, das man so nebenbei lesen kann. Erst dachte ich mir, es zieht sich wie Kaugummi, aber in Wahrheit gibt es einen tiefen Einblick in die komplexe Welt der familiären Beziehungen, es ist äußerst realitätsnah, so sehr, dass es auch eine Autobiographie sein könnte. Man erlebt förmlich mit, wie Coralie sich selbst zurücksteckt, wie sie als Person ein Stück weit vergeht, so weit, dass sie schlussendlich zusammenbricht. Das heißt aber nicht, dass es ein düsterer Roman ist, nein, besonders die Liebe zu ihren Kindern, auch zu ihrer Stieftochter Zora, ist stets spürbar und das ganz ohne Kitsch, sondern mit viel Realismus. Und sie kämpft auch für ihren Freiraum, mit der Kraft, die sie ihr selbst zugestehen lässt. Die Figur Coralie ist so überzeugend und authentisch, dass man ihre Geschichte fast fühlend miterlebt. Die familiären Konstellationen sind komplex, so haben Adams Ex und ihr im wahrsten Sinne des Wortes konservativer (da Tory) Mann Tom genauso ihren regelmäßigen Auftritt wie Adams Mutter samt Ehefrau, Coralies Bruder Dan und sein Lebensgefährte samt Hund, als auch ihr autoritärer Vater Roger mit Frau (und Hund). Selbstredend sind die Kinder aus den verschiedenen Beziehungen ein Kern der Geschichte. Patchwork ist also ein zentrales Motiv des Romans, der einen wunderbaren, tiefgehenden Blick in dieses so zeitgemäße Familienkonstrukt bietet.
Mein Fazit: "Wir in zehn Jahren" ist ein äußerst authentischer Beziehungsroman, der ganz ohne Kitsch, dafür mit viel Realität auskommt. Es ist ein Buch, das Konzentration erfordert, das nicht leicht ist, aber auch nicht schwer - es ist wie ein Abbild eines Lebens, dass jede von uns auch selbst erlebt haben könnte. Die gesellschaftspolitischen Ereignisse Großbritanniens der Jahre 2013 bis 2023 werden gekonnt in die Story eingeflochten und lassen uns diese unheilvolle Zeit hautnah miterleben. Eine große Leseempfehlung für alle, die sich auf eine realistische Beziehungsentwicklung einlassen wollen.
Empfehlenswerter Roman
Bewertung am 09.06.2026
Bewertungsnummer: 3162559
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Roman erzählt in einem Zeitraum von zehn Jahren aus dem Leben von Coralie und Adam., die sich in London kennenlernen, als Coralie Adams Tochter Zora vor dem Ertrinken rettet. Einige Zeit später treffen sie wieder aufeinander und verlieben sich., da sie gemeinsam lachen können und auf einer Wellenlänge sind. Beider haben "Altlasten", die Familie, die sie mit sich herumtragen und erst einmal nicht von Belang ist.
Als sie nach kurzer Zeit zusammenziehen, versucht Coralie es Adam, der als Journalist im Bereich Politik und als Autor tätig ist, sein Fortkommen zu ermöglichen und gleichzeitig als allen anderen Rollen gerecht zu werden, die u. a. in der Patchworkfamilie anfallen.
Der Reiz der Geschichte hat für mich nicht nur der Inhalt, denn ich ich bekomme ungeschönt alle Probleme, die anfallen, erzählt, sondern auch die Art wie die Autorin erzählt, ausgemacht. Sie beginnt mit einen Prolog im Jahr 2022 und dann erzählt sie ziemlich chronologisch, was alles passiert vom Kennenlernen 2013 bis 2022 und quasi im eEpilog 2023.
Jeder/jede die in einer längeren Partnerschaft, insbesondere auch mit Kindern ,lebt, wird sicherlich "leider" auch etwas wiedererkennen. Wie verändert sich das Miteinander? Wie hören wir einander zu? Haben wir gemeinsame Ziele/Sehnsüchte? Wie ist der Alltag? Was machen äußere Einflüsse mit uns?
In dem Roman geht es jedoch auch nicht nur um die Partnerschaft, die Liebe, die Kinder und alle anderen Familienmitglieder, die man als Mensch vom Partner mitbekommt, ob man will oder nicht, sondern auch ganz viel um die politische Situation in London - u.a. der Brexit, da nicht nur Adam politisch involiviert sondern auch der neue Partner seiner Exfrau ein Politiker ist. Dazu kommt dann noch die Coronapandemie.
Mir war der politische Anteil der Story manchmal ein wenig zu ausüfernd und anstrengend, obwohl es genau die Situation, in der sich Coralie befindet, genau widerspiegelt.
Insgesamt ein Roman, der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird und zeigt wie wichtig gute Kommunikation zwischen den Menschen ist, damit jeder auch die Bedürfnisse des anderen wahrnimmt.
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