Freitauchen
Roman | »Anna Rosina Fischer bringt mit ihrer intensiven Geschichte die Hippie-Happy-Fassade einer Familie zum Einsturz.« Anika Landsteiner
Feinfühlig, wahrhaftig und mit der genau richtigen Dosis Sommer erzählt Freitauchen vom Erwachsenwerden, von der Trauer und der Liebe Delphine glaubte, El Hierro hinter sich gelassen zu haben: die Insel, das Tauchen, ihre Familie. Doch nach Jahren des Schweigens kehrt sie zurück, um von ihrem Zwillingsbruder Abschied zu nehmen, der beim Tauchen verunglückt ist. Die Tage sind heiß, die Sonne gnadenlos, und mit der staubigen Luft steigen verdrängte Erinnerungen auf. Auch die scheinbar sorglose Welt ihrer Eltern bekommt Risse. Tragen sie eine Mitschuld am Tod ihres Bruders? Und wieso ist Yann, einst dessen größter Konkurrent um sportliche Rekorde, heute überall dort, wo ihr Bruder jetzt fehlt?
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Anni<3
aus Erfurt
5/5
28.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
atmosphärisch
Manchmal kommt ein Buch genau zum richtigen Zeitpunkt und dieses hier war für mich genau so eines. Es hat mich entschleunigt, meinen Kopf beruhigt und mich vollkommen in seine Atmosphäre gezogen.
Im Mittelpunkt stehen eine Familie auf El Hierro, alte Verletzungen, Verlust und die Frage, wie unterschiedlich Menschen mit Schmerz und Erwartungen umgehen. Gleichzeitig erzählt die Geschichte viel über Identität, Zugehörigkeit und den Mut, den eigenen Weg zu gehen.
Besonders spannend fand ich den Einblick ins Freediving, also das Tauchen ohne Sauerstoffflasche nur mit einem einzigen Atemzug. Normalerweise begeistern mich solche thematischen Schwerpunkte in Romanen eher selten, hier hat mich diese Welt aber total fasziniert.
Auch die Figuren haben die Geschichte für mich getragen – vor allem Delphine, die nicht immer leicht zu mögen ist. Sie urteilt oft streng über andere, während sie mit sich selbst deutlich sanfter umgeht. Gerade diese Widersprüche haben sie aber glaubwürdig gemacht.
Ein intensiver, atmosphärischer Roman, der zum Nachdenken anregt und einen für einige Stunden komplett aus dem Alltag herauszieht.
Silke - Buchgespür -
5/5
19.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bewegende Themen großartig ausgearbeitet
Don’t judge a book by it’s cover.
Ich sag’s euch! Hätte dieses Buch ein anderes Cover, es würde komplett andere Leserinnen und Leser ansprechen.
In dem Roman „Freitauchen“ von Anna Rosina Fischer finden wir wundervolle Naturbeschreibungen der kleinen, kanarischen Insel El Hierro.
Aber Achtung:
Wer auf Unterwasserbeschreibungen hofft, ist leider falsch, hier geht’s ums Wettkampftauchen, also darum, wie lange man in freien Gewässern die Luft anhalten kann.
Mit dem Meer und einem Taucher wäre definitiv eine andere Leserschaft auf das Buch aufmerksam geworden. Lieben würden es alle, da bin ich mir ziemlich sicher, denn man kann sich wunderbar mit einer Figur identifizieren, Alter, Charaktere und Gefühle sind da so unterschiedlich, dass sich immer jemand findet.
Klar, ich könnte jetzt die Dose interpretieren.
Öffnet man sie, entweicht Luft, wie aus Delphines Familie, als der Knoten der unausgesprochenen Gefühle und Wahrheiten platzt, oder aus einem guten Taucher, wenn er unter Wasser seine Luft ablässt. Oder aus einem Menschen, der endlich zu sich und seiner Liebe stehen kann. So gesehen passt das zum Roman… aber man muss schon hart drüber nachdenken .
Ach, macht euch einfach ein eigenen Bild, bevor ich eine Facharbeit darüber schreibe und lasst mich gern wissen, ob es euch schonmal mit einem Buch, seinem Cover und Inhalt ähnlich gibt.
Ich habe selten ein Buch erlebt, bei dem das Cover auf den ersten Blick so gar nicht zu Roman passt. Hier ist das tatsächlich so. Es geht um Familie, Dazugehörigkeit, Extremsport und Liebe. Passt ja erstmal nicht zu diesem krass gelbe Cover, Buch in pink darunter und darauf wird eine Dose geöffnet. Werfen wir aber einen tieferen Blick in die Geschichte, ist diese Dose eigentlich eine mehr als passende Metapher. Schwierig ist es nur, dass durch dieses Cover vielleicht beim Bummel durch den Buchladen andere Erwartungen geweckt werden.
In „Frei tauchen“ geht es um eine junge Frau, die sich in ihrer Familie nicht angenommen und gewollt fühlt. Ihre Familie nimmt immer wieder Menschen in ihrer Ferienanlage auf, einige bleiben auch dort und arbeiten mit. Nur sie selbst fühlt sich nicht willkommen. Ihr Bruder, der wie der gemeinsame Vater ein grandioser Apnoetaucher ist, ist auf der Insel geblieben und wurde immer vollkommen akzeptiert, während sie die Insel irgendwann verlassen hat. Dann stirbt ihr Zwillingsbruder ausgerechnet bei einem Tauchunfall und Delphine kehrt zur Beerdigung zurück. Ihre Familie scheint unverändert zu sein. Nicht einmal von Trauer ist bei ihrer Mutter und ihrem Vater zu spüren. Konsequent gehen sie weiter ihrer Arbeit und ihrer Leidenschaft nach.
Mag ich beim Cover noch keine feste Meinung haben, wie gut es passt, ist eins sicher: Der Titel passt ganz wunderbar zum Roman.
Delphine hat die Insel zwar verlassen, um sich nicht mehr ungewollt zu fühlen, aber richtig frei hat sie sich auch in ihrer neuen Heimat nie gefühlt. Auch Delphine war als Kind eine großartige Taucherin und der ganze Stolz ihres Vaters. Warum sie damit aufhört, dadurch seine Gunst verliert und sich fühlt, wie sie sich fühlt, erfährt man erst am Ende.
Freitauchen müssen sich in dieser Geschichte viele.
Delphine selbst von den Gefühlen gegenüber ihrer Familie. Ihre Familie von unterdrückter Trauery Yann für seine Liebe. Und vielleicht auch Delphine von ihrer Angst vor dem Meery
Was Anna Rosina Fischer gnadenlos gut gelungen ist, ist die Herausarbeitung der Charaktere ihrer Figuren. Als Leserin sitze ich mit ihnen auf der Ranch. Ich kann Delphines Entsetzen darüber, dass niemand um ihren tödlich verunglückten Bruder trauert, körperlich fühlen. Ihre Ungläubigkeit, ihre Wut, dieses Gefühl, ausgeschlossen und nicht willkommen zu sein.
Aber auch die Bewohner der Insel und das Taucherteam sind keine Randfiguren. Delphines Mutter, die verdrängt, dass ihr Sohn durch die Jagd nach Rekorden sein Leben verloren hat. Delphines Vater, der zuerst wie ein hochgradiger Narzisst wirkt, sich im Laufe der Geschichte aber vielleicht mit am meisten entwickelt, versteht und daran wächst.
Und natürlich Yann, für den Delphine Gefühle entwickelt, mit denen sie niemals gerechnet hätte, weil sie diesem jungen Mann voller Vorurteile begegnet ist.
Ach, selbst Alberto, der Besitzer von Yanns Nachbarboots, ist so ein Süßer, dass ich schmunzeln musste, wann immer er mit seinem Kaffee aufgetaucht ist.
Wenn dieses Buch eines ganz gewiss zeigt, dann, dass eigentlich nichts so ist, wie es scheint. Keine Ehe, keine Familie und auch nicht die Gründe, warum man sie verlässt. Dass man aufgrund unausgesprochener und nie besprochener Gefühle vielleicht ein Leben verpasst, das eigentlich das eigene wäre. Dass man als Familie wieder zusammenfinden kann, wenn man sich traut, offen aufeinander zuzugehen und Gefühle zuzulassen.
Dass jeder zu jeder Zeit neu anfangen darf und kann.
Und letztendlich auch, dass man mehr als einen Menschen lieben kann, sei es in Familien oder Beziehungen.
Wenn man sich von all dem befreit, das im Grunde auf Ängsten beruht, denn jede Figur trägt ihre eigenen mit sich, dann kann man wieder frei atmen. Oder eben frei tauchen.
Genau diese Aussage liebe ich an diesem Buch so sehr. Nichts muss für immer bleiben, wie es ist. Ja, es gibt Figuren, denen keine Veränderung gelingt, wie das auch im echten Leben oft so ist. Es gibt aber auch Charaktere, die zeigen, dass das Leben weitergeht. Dass man Chancen nutzen kann, Hilfe annehmen kann, selbst wachsen kann und dass Vorurteile und Gefühle nicht für immer bestehen bleiben müssen. Dass ein offenes Aufeinanderzugehen möglich ist.
Ich hab‘s geliebt. Bis zum letzten Unterwasseratemzug.
Jürg K.
5/5
21.02.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eindringliches Buch über Identität, Freiheit
Wenn Delphine von El Hierro aus auf das Meer blickt, fühlt sie vor allem eines, dass sie nicht an diesen Ort gehört. Eigentlich hatte sich die junge Frau geschworen, der Insel für immer den Rücken zu kehren. Doch dann verunglückt ihr Zwillingsbruder beim Tauchen, und Delphine bleibt keine andere Wahl, als sich ihren Ängsten zu stellen. Dies ist einer der Romane, die nicht laut auftreten müssen, um einen tief zu treffen. Schon auf den ersten Seiten spürt man diese Mischung aus Hitze, Salzluft und innerer Enge, die Delphine begleitet, sobald sie wieder auf El Hierro steht, ein Ort, der für sie Heimat und Wunde zugleich ist. Ich habe selten eine Figur erlebt, die so spürbar zwischen Flucht und Sehnsucht gefangen ist. Der Roman zeigt mit großer Sensibilität, wie familiäre Bindungen gleichzeitig Halt und Fessel sein können. Was mich besonders berührt hat, ist die Art, wie Anna Rosina Fischer die Landschaft beschreibt, nicht als Kulisse, sondern als Spiegel. Die sengende Sonne, das schroffe Vulkangestein, das unendliche Blau des Meeres. Der Roman erzählt nicht nur von einem Unfall, sondern von einem Leben, das aus dem Gleichgewicht geraten ist. Von einer jungen Frau, die gelernt hat, stark zu sein, indem sie schweigt. Für mich ist dieser eindrückliche Roman kein lautes Drama, sondern ein stilles, eindringliches Buch über Identität, Freiheit und die Frage, wie man sich selbst wiederfindet, wenn die Vergangenheit einen festhält. Das Lesen lohnt sich sehr.
all.the.books.i.read.before
4/5
26.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein tragischer Sommer
✨ Rezension ✨
Freitauchen | Anna Rosina Fischer | Ecco | 352 Seiten | ⭐️⭐️⭐️⭐️
In Freitauchen verbringen wir mit Delphine einen Sommer auf ihrer alten Heimatinsel. Eigentlich hatte sie die Insel und ihre Hippie Eltern hinter sich gelassen, aber als ihr Zwillingsbruder beim tauchen verunglückt, muss sie zur Beerdigung heimkehren. Nach 6 Jahren ist irgendwie alles wie immer und doch alles anders. Angefangen bei der Beziehung ihrer Eltern, weiter bei Yann, früher größter Rivale ihres Bruders und jetzt regelmäßiger Gast und Mitarbeiter ihrer Eltern. Wo früher Skepsis und Feindschaft waren, entsteht jetzt eine Verbindung.
Der Stil hat mir gefallen und mich sehr schnell in die Geschichte geholt. Der Sommer steckte auf jeder Seite und auch die Emotionen unserer Protagonisten kamen sehr direkt bei mir an. Schwierige Themen werden gut transportiert und benannt. Traumata aufgearbeitet. Probleme werden nicht klein geredet oder vergessen, sondern betitelt.
Mir hat das Buch insgesamt wirklich gut gefallen und ich freue mich schon auf Tage draussen in der Wärme.
Heike
aus Herne
3/5
30.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Trauma und Liebe
„Du bist so erwachsen geworden, ohne mich. Und ich bin es ohne dich geworden. Wir haben so viel verpasst. Ich wünschte, ich wäre für dich da gewesen.“
Delphine kehrt nach Jahren an den Ort zurück, den sie einst wegen ihrer Familie verlassen hat, um sich von ihrem Bruder zu verabschieden. Doch nicht nur alte Erinnerungen liegen in der Luft, auch die Frage nach der Schuld an seinem Tod.
Es ist ein Buch, das sich flüssig liest, berührt und gleichzeitig dieses Gefühl von Sommer, Urlaub und tief verwurzeltem Familientrauma vermittelt.
Ihr wisst ja, ich bin ein kleiner Klappentext Junkie. Genau deshalb habe ich mich für dieses Buch entschieden und irgendwie etwas ganz anderes erwartet. Ich hatte mit ein bisschen Spannung gerechnet, vielleicht sogar mit einem leichten Thriller. Stattdessen ist es eine sehr intensive, traumatische Familien und Liebesgeschichte. Vielleicht hat sie mich gerade wegen dieser falschen Erwartung nicht ganz überzeugen können, obwohl sie wirklich gut war.
Man erlebt den Verlust eines Familienmitglieds, lernt viel über Selbstreflexion, über das Tauchen, über das Überwinden von Angst und über Gedanken, die einem oft im Weg stehen, obwohl sie es gar nicht müssten. Es geht um verschiedene Welten, die aufeinandertreffen, um Menschen, die sich selbst im Weg stehen, um Vergangenheit, Trauma und eine Verzweiflung, die am Ende ganz anders ist, als man zunächst denkt.
Irgendwie würde ich sagen, es ist schon eine Empfehlung für alle, die nach einer etwas anderen Liebesgeschichte suchen. Für alle, die vielleicht gerade etwas brauchen, das ein kleines bisschen beim Heilen hilft.
3,5 Sterne
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