Zeko lebt in Berlin. Hier trifft er Männer in Parks und Cafés, auf Dating-Apps und vor der Moschee. Doch jedes Mal, wenn sich ihre Lippen berühren, reißen ihn die Gedanken zurück zu Hassan, dem Nachbarsjungen in Adana, den Dede, sein Großvater, immer nur »Hundesohn« nennt. Zeko kennt das laute Viertel, den Staub in den Gassen nur aus den Sommerferien. Dann stirbt Dede an einem Herzinfarkt. Aber Zeko will nicht vergessen, nicht den Großvater, der alten Männern die Sorgen aus dem Bart schnitt und auf Arabisch sang, nicht die religiösen Rituale und den Geschmack von Bamya. Und vor allem nicht Hassan. »In neun Tagen werde ich Hassan wiedersehen«, wiederholt er wie ein Mantra: beim Freitagsgebet, in der Therapiesitzung, beim Mittagessen mit seiner besten Freundin Pari. Aber etwas ist geschehen, als Zeko und Hassan sich zum letzten Mal sahen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.1/5.0
Bewertung
5/5
26.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
F wie Filzlaus Das Buch…
F wie Filzlaus Das Buch Hundesohn von Ozan Zakariya Keskinkılıç geht auf Tuchfühlung. Ich habe mich sehr gefreut, dieses Buch zu lesen, weil ich den Schreibstil, die Sichtweise und den Mut über Intimität so noch nicht oft gelesen habe. Die Geschichte handelt von dem Ich-Erzähler Zeko, der seiner psychischen Probleme und seiner Vergangenheit durch schnelllebige, amouröse Beziehungen zu verdrängen. Auf der Suche nach Ablenkung ist Zeko aber auch immer auf der Suche nach Zärtlichkeit. Dabei ist Hassan, ein Nachbarsjunge aus Adana, in seinen Gedanken allgegenwärtig. Mehrsprachigkeit spielt in diesem Roman eine große Rolle, mit gefällt, wie der Autor damit spielt. Deutsch, Türkisch, Arabisch, Farsi. Die Sprache ist sehr poetisch und verlangt dem Lesenden einige Konzentration und Fantasie ab. Mir gefällt, dass die Verbindung von Zeko und Hassan vage bleibt, und man bis zum Ende nicht sagen kann, ob es sich um eine romantische, eine einseitige, eine gewaltsam oder eine platonische Beziehung handelt. Umso leichter wirkt die Freund*innenschaft mit Pari, Zekos Herzensmenschen. Mir gefällt außerdem, wie der Protagonist über Männlichkeit und Verletzlichkeit nachdenkt. Über männliche Gewalt in queeren Beziehungen und dass es eben keine einfachen Antworten auf komplexe Fragen gibt, etwa wie sich die Stellung von homosexuellen cis-Männer und die Stellung von Frauen im Islam verhält? Das Buchcover ist sehr ansprechend und gut gelungen und stellt eine Verbindung zum Inhalt des Buches dar. Hundesohn ist definitiv ein intensives Buch, bei dem viel über Sperma, Schweiß und Behaarung geschrieben wird. Der Kern ist jedoch eine Suche nach Zärtlichkeit, Liebe und Geborgenheit.
Raoul Chagny
5/5
22.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Großartiges Romandebüt Der…
Großartiges Romandebüt Der Roman „Hundesohn“ von Ozan Zakariya Keskinkılıç reiht sich in eine ganze Serie von Prosaveröffentlichungen von bisher nur in der Lyrik tätigen Autor:innen. Gleichzeitig hebt sich „Hundesohn“ entschieden von diesen weiteren Veröffentlichung ab und ist vielleicht das Romandebüt dieses Jahres, das sich am meisten lohnt. Keskinkılıç begeistert mit einer Sprache, die zum einen poetisch, fein und ausdrucksstark, aber auch klar, direkt und kraftvoll ist. Die Handlung erzählt er emotional packend und mitreißend. Schon nach wenigen Seiten weiß dieser Roman durch seine starke Erzählstimme und die überzeugt gewählte Sprachkomposition zu begeistern. „Hundesohn“ ist ein starkes Debüt und großartiger Roman. Dieses Buch ist eine Lektüre, die allen nur ans Herz gelegt und ohne Einschränkung weiterempfohlen werden kann.
Zauberberggast
aus München
5/5
06.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Queere Texte sind - wenn man…
Queere Texte sind - wenn man so will - mein täglich geistig Brot, mit dem türkischen Kulturraum hatte ich aber bislang wenig Berührungspunkte. “Hundesohn” ist daher für mich eine Mischung aus Vertrautem und Unbekanntem gewesen. Am Anfang des Textes habe ich gedacht: Aha, Filzläuse - die “Downsides of Gay Dating” und dann das Schwärmen von diesem Hassan aus der Türkei - Adana, dreitausend Kilometer von ihm entfernt - den der deutsch-türkische Ich-Erzähler scheinbar liebt. Etwas experimentell, viel Sprachspiel (deutsch - türkisch - arabisch - englisch - französisch - Slang, etc etc), viel Religiosität, Multi- und Interkulturalität. Und natürlich: Berlin, Berlin. Ich habe mit einem soliden 4-Sterne-Buch gerechnet - am Anfang, weil es mich etwas verwirrt hat. Doch dann hat mich diese spröde, moderne, witzige, intime Geschichte dieses Mittzwanzigers, der wie so viele Mittzwanziger in der Literatur etwas “lost” wirkt, immer mehr gefesselt: das welpenhaft Verspielte, das hundeschnäuzig Kalte, das Kafkaeske, das Echte. Ich habe mit dem - aufgrund der Namensgleichheit mit dem Autor wahrscheinlich autofiktional inspirierten - Zakariya mitgefiebert. Ich habe den Hassan-Countdown” mitgezählt, den Orangen-und-Salz-Geruch seiner (Hassans) Achselhöhlen in mich aufgesogen. Ich bin mit Pari beim Mäcci gesessen und habe mir Pommes, Intellektuelles und Zotiges mit ihr reingezogen. Überhaupt Pari, sie ist wirklich toll *schwärm*. Jeder queere Mann braucht eine solche Freundin. Ist dieses Buch eine kafkaeske Parabel, ein Gleichnis? Kafka ist gleichzeitig Leitmotiv und gebetsmühlenhafte Versicherung eines literarischen Erbes, das der Ich-Erzähler wie einen intertextuellen Regenschirm über sich und sein Buch spannt. So wie Kafkas Werke fordert auch “Hundesohn” eine mehrfache Lektüre geradezu heraus - bei jedem Lesen werden sich neue Bedeutungen erschließen, werden den Lesenden neue Dinge auffallen: Was bedeutet das Einverleiben von Hassan mittels seines Schamhaares? Sind die Sonnenblumenkerne, die Dede zwischen seinen Zähnen zermalmt, eine Allegorie auf die interkulturelle Sinnsuche des Protagonisten? Die vielen Gerichte, die Nene kocht, ein Sinnbild für die verschiedenen Religionen und der Hunger des Ich-Erzählers steht dafür, dass es nur einen Gott gibt? Ein Text, der viel Anlass zum Weiterdenken gibt und sowas ist immer feiernswert. Auf jeden Fall eine Leseempfehlung für alle, die leicht “verrückte”, verklausulierte Texte und Kafka mögen.
Tara
aus Ratingen
5/5
09.08.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Voller Kontraste „Hundesohn“…
Voller Kontraste „Hundesohn“ ist der Debütroman des Autors Ozan Zakariya Keskinkılıç. Die Ereignisse werden aus der Ich-Perspektive von Zeko erzählt. Allerdings ist es keine Handlung im klassischen Sinn, viel mehr sind es die Erinnerungen und Gedanken des Protagonisten. Zeko lebt in Berlin und trifft an unterschiedlichen Orten Männer, die er über Dating-Apps kennenlernt. Gedanklich reist er immer wieder nach Adana, der fünftgrößten Stadt in der Türkei. Dort wird er Hassan wiedersehen, immer wieder drehen sich seine Gedanken um dieses Aufeinandertreffen. Die Sprache von Ozan Zakariya Keskinkılıç ist rau, ungeschönt, deutlich und nichts für zarte Gemüter. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und nennt die Dinge beim Namen. Dabei erweckst er eine Atmosphäre zum Leben, die einen direkt in das Leben und die Umgebung des Protagonisten eintauchen lässt - schmerzhaft schön und abstoßend deutlich. Er ist zerrissen, zwischen dem bunten Leben Berlins und familiären Traditionen. Die Kapitel sind kurz und unterbrechen sich gegenseitig. Dadurch zerreißt der Autor die Handlung sowie das Innenleben, die Gedanken und die Gefühlswelt seines Protagonisten zerrissen sind. Für mich war dies ein interessanter Zug, der hier perfekt passt. Mir hat diese mehr als ungewöhnliche Liebesgeschichte gut gefallen und ich bin gespannt was wir von dem Autor noch zu lesen bekommen.
Andy
aus Frankfurt am Main
4/5
25.10.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vulgär zur Nähe: Was ein…
Vulgär zur Nähe: Was ein Hundesohn Ich mag das Cover und den Titel. Das Konzept hat mich angesprochen und ich gab dem Roman eine Chance. Und mir war klar, dass hätte auch gut und gerne schief gehen können. Tat es aber nicht. Ozan Zakariya Keskinkılıç gibt seiner Hauptfigur, die seinen Namen trägt, eine intensive Erzählstimme. Einerseits ist Zakariya auf der Suche nach Ablenkung und immer wieder dem nächsten Reiz, andererseits sehnt er sich nach dem Wiedersehen mit seinem besten Freund Hassan. Dieses Spiel zwischen teils vulgärer Abwechslung und der Sehnsucht nach Nähe gibt dem Roman seinen roten Faden. Um diesen roten Faden herum spinnt Keskinkılıç ein Netz an unterschiedlichen Lebenserfahrungen seiner Hauptfigur, teils in der Türkei, teil in Deutschland, teils in der Vergangenheit, teils im Jetzt, die ein immer detaillierteres Bild ergeben. Dies könnte beliebig wirken, tut es aber nicht. Dabei greift Keskinkılıç zu einigen sprachlichen, künstlerischen und literarischen Stilmitteln, die ich euch gar nicht spoilern will. Mir haben die einzelnen Stilmittel als auch das Gesamtbild sehr gut gefallen. Es ist nur deshalb keiner meiner Top-Titel, weil mir ein großes eingewebtes Thema fehlt, das dem ganzen Roman noch eine weitere Ebene gegeben hätte. Ich habe diesen Roman dennoch sehr gerne gelesen und viel Spaß dabei gehabt.
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