Alles, was wir Welt nennen, alles, was wir greifen, spüren, denken – es lebt in einem schmalen Spalt von Zeit: drei Sekunden lang. Dann fliegt der Augenblick davon, verliert seine Schärfe, wird Erinnerung, wird Abwesenheit.Was wir als „Jetzt“ empfinden, ist nichts Stabiles. Neurowissenschaften haben ergeben, dass unsere bewusste Gegenwart in drei Sekunden langen Inseln des Erlebens stattfindet. Danach bricht ein neuer Zeitstrom an, ein neues „Jetzt“, welches das vorherige verschluckt. In diesen Sekundenfenstern speichert unser Gehirn den Klang einer Melodie, die Geste eines Anderen, die Bewegung des eigenen Körpers. Ist der Reiz vorbei, beginnt das Sortieren – und das Vergessen.Die Künstler:innen dieser Ausstellung begeben sich in genau diesen Spalt: in die Zeit zwischen dem, was war, und dem, was schon nicht mehr ist. Ihre Arbeiten greifen das Absente auf, zelebrieren das ephemere Dazwischen – dort, wo ein Bild zerfällt, eine Form flüchtet, ein Gedanke sich auflöst.Drei Sekunden ist ein Versuch, das Absente sichtbar zu machen. Die Ausstellung erschafft Räume für das Flüchtige, öffnet Resonanzräume für das Jetzt, das uns entgleitet, kaum dass wir es berühren. Hier wird Absenz nicht als Verlust begriffen, sondern als die notwendige Bedingung für das Empfinden von Gegenwart. Denn: Nur was vergeht, kann auch gegenwärtig gewesen sein.
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