Produktbild: Wenn ich eine Wolke wäre. Mascha Kaléko und die Reise ihres Lebens
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Volker Weidermann

1. Wenn ich eine Wolke wäre. Mascha Kaléko und die Reise ihres Lebens

Wenn ich eine Wolke wäre. Mascha Kaléko und die Reise ihres Lebens

Gesprochen von
10

14,39 €

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Family Sharing

Ja

Gesprochen von

Ulrich Matthes + weitere

Spieldauer

6 Stunden und 11 Minuten

Abo-Fähigkeit

Nein

Erscheinungsdatum

16.10.2025

Hörtyp

Lesung

Fassung

ungekürzt

Medium

MP3

Anzahl Dateien

110

Verlag

Der Audio Verlag

Sprache

Deutsch

EAN

9783742436177

Beschreibung

Produktdetails

Family Sharing

Ja

Mit Family Sharing können Sie Hörbücher innerhalb Ihrer Familie (max. sechs Mitglieder im gleichen Haushalt) teilen. Sie entscheiden selbst, welches Hörbuch Sie mit welchem Familienmitglied teilen möchten. Auch das parallele Hören durch verschiedene Familienmitglieder ist durch Family Sharing möglich. Um Hörbücher zu teilen oder geteilt zu bekommen, muss jedes Familienmitglied ein Konto bei einem tolino-Buchhändler haben.

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6 Stunden und 11 Minuten

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Nein

Erscheinungsdatum

16.10.2025

Hörtyp

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ungekürzt

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110

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Der Audio Verlag

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Deutsch

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9783742436177

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  • Lesenswege

    5/5

    23.11.2025

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Die Wiederentdeckung der Mascha Kaléko

    Mascha Kalékos Gedichte und ihre Kurzprosa begeistern mich sehr, und warum sie solange in Vergessenheit geraten konnte, ist mir unverständlich. Wie ein Komet tauchte sie in der Endphase der Weimarer Republik unter den Autoren auf, ein Erfolg, der jäh endete, als „die paar leuchtenden Jahre“ vorbei waren. Zwar wurden ihre Werke nicht verbrannt, ihr Erstling „Das lyrische Stenogrammheft“ erschien noch 1933 im Rowohlt Verlag. 1938 ist sie mit Mann und Sohn in die USA emigriert, wo sie für siebzehn Jahre in New York ein neues Zuhause fand. 1956 will Rowohlt ihr Buch neu auflegen, und Mascha nimmt dies zum Anlass, sich auf eine ausgedehnte Europareise zu begeben. Es ist ihre erste Rückkehr nach dem Krieg, etwa ein Jahr wird sie bleiben. Volker Weidermann fokussiert sich in seiner Biografie auf dieses eine Jahr, von hier aus erzählt er rückblickend und vorausschauend vom Davor und Danach und ergänzt seinen Text an vielen Stellen durch den Einschub der entsprechenden Gedichte. Mascha hatte lange gezögert, ihre Zustimmung zur Neuauflage zu geben, und als sie es dann tat, hatte sie eine große Erwartungshaltung, sie wollte so gerne wieder Dichterin sein. Sie war glücklich, lang vermisste Freunde zu treffen, wieder in Deutschland zu sein, in Berlin vor allem. Hier wieder zu leben, zu schreiben, dass konnte sie sich vorstellen. Volker Weidermann rekonstruiert dieses eine Jahr aus nachgelassenen Briefen, die Mascha an Chemjo, ihren Ehemann, nach New York geschrieben hat. Sehr detailliert hat sie ihm von ihrem Erfolg, dem begeisterten Empfang, von Gesprächen mit Freunden, vom Wiederfinden ihrer zwei Jahrzehnte verschollenen Schwester und von ihrem Wiedersehen mit Berlin berichtet, immer wieder mit dem Versuch, ihn zur Rückkehr zu bewegen. Vergebens, für Chemjo war das keine Option. Und so entschieden sie sich für Israel, konnten aber auch dort keine Heimat finden. Tief bewegend erzählt Weidermann vom Schicksal dieser charismatischen, lebensbejaenden Frau, die so viel erleiden musste, und der es nicht gelang, an ihre Vorkriegserfolge anzuknüpfen. Nach 1956 verschwand sie für viele Jahre wieder aus dem literarischen Bewusstsein der Bundesrepublik. Das Land war wohl doch noch nicht soweit, sich mit den Gedichten einer jüdischen Autorin, die mit absoluter Präzision immer den Punkt traf, auseinanderzusetzen. Ich hätte ihr den posthumen Erfolg sehr zu Lebzeiten gegönnt.

  • Bewertung

    aus Quickborn

    5/5

    20.11.2025

    eBook (ePUB 3)

    Gott hatte eine große, schreckliche Pause gemacht.

    Mascha Kalėko hadert mit ihrem Gott, und doch wird sie glückliche Momente in ihrem Leben finden, denn sie erkennt „Schicksal muss man annehmen.“ Volker Weidermann erkundet ihre Wege, besonderes Augenmerk liegt auf dem Jahr 1956, dem Wahnsinnsjahr für Mascha, die endlich wagt, ihr verlorenes, verlassenes Land und ihren Sehnsuchtsort Berlin zu besuchen. Und die Literaturgeschäfte will sie natürlich auch wieder ankurbeln. Daraus wurde ein Buch, das bis zur letzten Seite fesselt. Aber so weit bin ich hier noch nicht. Vor ein paar Tagen fiel mir zufällig ein Interview auf, das die Jüdische Allgemeine (online am 08.11.2025) mit Volker Weidermann führte. Für mich von großem Interesse, weil ich den Buchspuren dieses Autors schon länger folge, nach Mexiko wegen Anna Seghers, nach Oostende wegen der Literaten, ans Meer mit Thomas Mann. Immer habe ich seine Bücher gern gelesen, sie haben mein Literaturinteresse immer weiter gesteigert. Nun also Mascha Kalėko. Schon die Entstehungsgeschichte dieses Buches hat mich beeindruckt, ist der Inhalt, insbesondere was die Deutschlandreise betrifft, doch das Ergebnis der intensiven Rezeption von Kalékos Briefen an ihren Mann Chemjo in New York. Die jüdische Lyrikerin Mascha Kaléko war 17 Jahre zuvor mit ihrem Ehemann und dem zwei Jahre alten Sohn in die USA emigriert, gerade noch rechtzeitig, gerade noch mit Affidavit ausgestattet, die Eltern und Geschwister waren schon in Palästina, nur ihre Schwester Lena (Puttel) in der Sowjetunion. Eine zerrissene Familie, zerrissene Lebenläufe, aber gerettet. Chemjolein, wie sie ihren Ehemann liebevoll nennt, musste doch all ihre Sehnsüchte, Erlebnisse, Ärgernisse und ihr überbordendes Talent nicht nur in natura, sondern auch auf Papier aushalten. Dass sie ihn manchmal wohl auch eifersüchtig machte, nahm sie gelassen. Wie an ihm die Elogen der fremden Herren nagten, gibt er nicht preis – seine Briefe sind verbrannt. In dem genannten Interview erzählt Weidermann ganz zum Schluss, wie es zu der Widmung „Für Mascha“ gekommen ist, und genau an dieser Stelle wusste ich, dass ich das Buch unbedingt lesen wollte. Ein paar Tage später konnte ich starten. Der Schreibstil Weidermanns widersetzt sich meinem Gehirn des Öfteren, in meinen Gedanken bin ich schon voraus, am Satzende muss ich feststellen, dass er ganz anders formuliert hat, als ich es in Gedanken tat. Aber das lesende Gehirn gewöhnte sich. Ich habe das E-Book gelesen und festgestellt, dass es zwischen der Kindle-App und der iBook-App einige Unterschiede in der Formatierung gab. Was mich aber in beiden störte, lag nicht am Satz, sondern am Autor. Er zitiert mehrere Male Gedichte im laufenden Text, Zeilenumbrüche werden nur durch Schrägstriche markiert. Ich weiß, dass das die übliche Art der Zitierung von Gedichten ist, aber ich hätte wesentlich lieber auch diese Gedichte in ihrer ursprünglichen Form gelesen. Gerade der Zeilenfall ist bei Mascha Kaléko doch Bestandteil ihrer Kunst. Die Lebens- und Liebesgeschichte von Mascha Kaléko war mir in Teilen schon gut bekannt, vor Jahren habe ich die Biografie von Jutta Rosenkranz gelesen, erst im Frühjahr den Roman Die Liebe der Mascha Kaléko von Charlotte Roth als Hörbuch gehört. Weidermanns neues Buch passt mitten hinein, erzählt von so vielen Begebenheiten, die ich noch nirgends erfahren hatte, einfach fantastisch, diese Fülle an Leben. Hinzu kommt, dass ich mir die beiden rororo-Büchlein Das lyrische Stenogrammheft und Verse für Zeitgenossen gekauft habe, ich musste sie unbedingt beide haben, obwohl mir das Stenogrammheft viel besser gefällt: nur beide zusammen ergeben auf den Covern aber ihr ganzes Gesicht. Das ist übrigens ein kluger Marketingtrick, mit Speck… Das Leben hält für Mascha Kaléko auch in den 1950er Jahren nicht nur Rosen bereit, sie erfährt viel Ablehnung, aber sie lehnt auch ab, nämlich den Fontane-Preis, von einem Nazi wollte sie den nicht entgegennehmen. Hochachtung! Einen weiteren Literaturpreis hat man ihr nie mehr angetragen. Sehr aufschlussreich sind die Wochen, in denen Chemjo sie im Sommer 1956 für kurze Zeit in Deutschland besucht. Es gibt zwar keine Briefe, aber manches hat sich doch überliefert. Auch, dass zwei so egozentrische und künstlerisch begnadete Menschen in einem kleinen Doppelzimmer nur schwer miteinander auskommen. Ihr Ruf zum Abschied ist „Ich brauche Dich. Wenn auch nicht von früh bis spät!“. Sehr gut gefallen haben mir Weidermanns „Abschweifungen“ zu anderen Schriftstellern, zu Verlegern oder Lektoren. Zum Beispiel der Nachruf auf Franz Hessel! Einfach wunderbar. Was Mascha Kaléko in Berlin noch widerfährt, was sie aus dem Gleichgewicht bringt, drüber lasse ich hier nichts verlauten. Spoiler verderben die Lesefreude. Und dann reist Mascha Kaléko weiter, wird endlich bis Ascona kommen, wird berühmte und weniger berühmte Menschen treffen, u. a. Erich Maria Remarque, Autor von Arc de Triomphe, der das Emigrantenleben so drastisch beschreibt, wird sich nach ihrem Mann verzehren, auch nach ihrem Sohn, wird klamm sein und bisweilen ungehalten, wird Berlin lieben und gleichzeitig manch Deutsches hassen. So manche Verklärung aus der Erinnerung löst sich auf. Weidermann nimmt den Leser überall mit, lässt ihn ganz tief hineinschauen in den schwarzen Brunnen ihrer Leidenschaften. Das macht mir das Buch so wertvoll, es ergänzt die Gedichte, die ich immer in Reichweite in meinem Schlafzimmer habe. Hier schließt sich für mich der Kreis. Im „Dank“ löst Weidermann dann aber das Rätsel um die Widmung doch nicht ganz auf „(für) Mascha, der das Buch gewidmet ist und die wirklich keinen besseren Namen tragen könnte als diesen.“ Das gut gelungene Cover, das verwendete Foto und der passende Titel Wenn ich eine Wolke wäre werden jeden Literaturfreund im Buchladen zugreifen lassen. Wie hält man sich an Wunder, wenn sie ausbleiben? Wie weckt man Gott, wenn er wieder schläft? Das fragt der Autor nicht umsonst, vielleicht sind es Mascha Kalékos Gedichte, die helfen, Gott zu wecken und Wunder zu bewirken. Danke, Herr Weidermann. Ich freue mich auf Ihr nächstes Buch. Fazit: Mascha Kalékos erste Reise nach Europa, 17 Jahre nach der Emigration, ist ein Abenteuer, dass sich kein Literaturfreund entgehen lassen sollte. Es lässt tief in die verletzte und verletzliche Seele dieser Ausnahmelyrikerin schauen. Trotz meiner kritischen Anmerkungen gebe ich gern 5 Sterne für dieses gelungene Buch! Diese Rezension gibt meine persönliche Meinung wieder und ist ohne KI erstellt.

  • Juma

    5/5

    20.11.2025

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Gott hatte eine große,…

    Gott hatte eine große, schreckliche Pause gemacht. Mascha Kalėko hadert mit ihrem Gott, und doch wird sie glückliche Momente in ihrem Leben finden, denn sie erkennt „Schicksal muss man annehmen.“ Volker Weidermann erkundet ihre Wege, besonderes Augenmerk liegt auf dem Jahr 1956, dem Wahnsinnsjahr für Mascha, die endlich wagt, ihr verlorenes, verlassenes Land und ihren Sehnsuchtsort Berlin zu besuchen. Und die Literaturgeschäfte will sie natürlich auch wieder ankurbeln. Daraus wurde ein Buch, das bis zur letzten Seite fesselt. Aber so weit bin ich hier noch nicht. Vor ein paar Tagen fiel mir zufällig ein Interview auf, das die Jüdische Allgemeine (online am 08.11.2025) mit Volker Weidermann führte. (gekürzt) Schon die Entstehungsgeschichte dieses Buches hat mich beeindruckt, ist der Inhalt, insbesondere was die Deutschlandreise betrifft, doch das Ergebnis der intensiven Rezeption von Kalékos Briefen an ihren Mann Chemjo in New York. Die jüdische Lyrikerin Mascha Kaléko war 17 Jahre zuvor mit ihrem Ehemann und dem zwei Jahre alten Sohn in die USA emigriert, gerade noch rechtzeitig, gerade noch mit Affidavit ausgestattet, die Eltern und Geschwister waren schon in Palästina, nur ihre Schwester Lena (Puttel) in der Sowjetunion. Eine zerrissene Familie, zerrissene Lebenläufe, aber gerettet. Chemjolein, wie sie ihren Ehemann liebevoll nennt, musste doch all ihre Sehnsüchte, Erlebnisse, Ärgernisse und ihr überbordendes Talent nicht nur in natura, sondern auch auf Papier aushalten. Dass sie ihn manchmal wohl auch eifersüchtig machte, nahm sie gelassen. Wie an ihm die Elogen der fremden Herren nagten, gibt er nicht preis – seine Briefe sind verbrannt. In dem genannten Interview erzählt Weidermann ganz zum Schluss, wie es zu der Widmung „Für Mascha“ gekommen ist, und genau an dieser Stelle wusste ich, dass ich das Buch unbedingt lesen wollte. Ein paar Tage später konnte ich starten. Der Schreibstil Weidermanns widersetzt sich meinem Gehirn des Öfteren, in meinen Gedanken bin ich schon voraus, am Satzende muss ich feststellen, dass er ganz anders formuliert hat, als ich es in Gedanken tat. Aber das lesende Gehirn gewöhnte sich. Ich habe das E-Book gelesen und festgestellt, dass es zwischen der Kindle-App und der iBook-App einige Unterschiede in der Formatierung gab. Was mich aber in beiden störte, lag nicht am Satz, sondern am Autor. Er zitiert mehrere Male Gedichte im laufenden Text, Zeilenumbrüche werden nur durch Schrägstriche markiert. Ich weiß, dass das die übliche Art der Zitierung von Gedichten ist, aber ich hätte wesentlich lieber auch diese Gedichte in ihrer ursprünglichen Form gelesen. Gerade der Zeilenfall ist bei Mascha Kaléko doch Bestandteil ihrer Kunst. Die Lebens- und Liebesgeschichte von Mascha Kaléko war mir in Teilen schon gut bekannt, vor Jahren habe ich die Biografie von Jutta Rosenkranz gelesen, erst im Frühjahr den Roman Die Liebe der Mascha Kaléko von Charlotte Roth als Hörbuch gehört. Weidermanns neues Buch passt mitten hinein, erzählt von so vielen Begebenheiten, die ich noch nirgends erfahren hatte, einfach fantastisch, diese Fülle an Leben. Hinzu kommt, dass ich mir die beiden rororo-Büchlein Das lyrische Stenogrammheft und Verse für Zeitgenossen gekauft habe, ich musste sie unbedingt beide haben, obwohl mir das Stenogrammheft viel besser gefällt: nur beide zusammen ergeben auf den Covern aber ihr ganzes Gesicht. Das ist übrigens ein kluger Marketingtrick, mit Speck… Das Leben hält für Mascha Kaléko auch in den 1950er Jahren nicht nur Rosen bereit, sie erfährt viel Ablehnung, aber sie lehnt auch ab, nämlich den Fontane-Preis, von einem Nazi wollte sie den nicht entgegennehmen. Hochachtung! Einen weiteren Literaturpreis hat man ihr nie mehr angetragen. Sehr aufschlussreich sind die Wochen, in denen Chemjo sie im Sommer 1956 für kurze Zeit in Deutschland besucht. Es gibt zwar keine Briefe, aber manches hat sich doch überliefert. Auch, dass zwei so egozentrische und künstlerisch begnadete Menschen in einem kleinen Doppelzimmer nur schwer miteinander auskommen. Ihr Ruf zum Abschied ist „Ich brauche Dich. Wenn auch nicht von früh bis spät!“. (gekürzt) Das gut gelungene Cover, das verwendete Foto und der passende Titel Wenn ich eine Wolke wäre werden jeden Literaturfreund im Buchladen zugreifen lassen. Wie hält man sich an Wunder, wenn sie ausbleiben? Wie weckt man Gott, wenn er wieder schläft? Das fragt der Autor nicht umsonst, vielleicht sind es Mascha Kalékos Gedichte, die helfen, Gott zu wecken und Wunder zu bewirken. Danke, Herr Weidermann. Ich freue mich auf Ihr nächstes Buch. Fazit: Mascha Kalékos erste Reise nach Europa, 17 Jahre nach der Emigration, ist ein Abenteuer, dass sich kein Literaturfreund entgehen lassen sollte. Es lässt tief in die verletzte und verletzliche Seele dieser Ausnahmelyrikerin schauen. Trotz meiner kritischen Anmerkungen gebe ich gern 5 Sterne für dieses gelungene Buch! Diese Rezension gibt meine persönliche Meinung wieder und ist ohne KI erstellt.

  • Bewertung

    5/5

    26.10.2025

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein Fenster zur Seele Mascha Kalékos

    Zaghaft und mit wachsender Neugier öffnete sich mir in diesem Jahr das poetische Universum Mascha Kalékos. Volker Weidermanns einfühlsame Reise durch ihr Leben ließ aus Neugier Liebe werden. Ich verstehe, warum er das Jahr 1956 aus ihrem wechselvollen Leben herausgreift und wie einen Kometen vor uns aufscheinen lässt. „Es ist das Glück der plötzlichen Sichtbarkeit ihrer Person, ihrer Kunst. Maschas persönlicher Triumph nach den Jahren der Auslöschung.“ (S.141) Es ist das Jahr, in dem die jüdische Dichterin aus ihrem Exil in New York erstmals wieder deutschen Boden, das Land ihrer Sprache betritt. Es ist ihre „Wunderreise“ nach Berlin, in die Stadt ihres Herzens, zu den Straßen und Orten der Jugend zurück. Ihre Reise wird ein Erfolg: „Ein Mensch war stumm und verschwunden, getilgt aus der Stadt, ihre Bücher aus den Bibliotheken und Buchläden. Und jetzt steht fast jeden Tag ein Gedicht von ihr in einer der Zeitungen.“ S.142 Elektrisiert, aufgeregt und euphorisch berichtet sie in täglichen Briefen an ihren Mann Chemjo in New York von ihren Eindrücken und bereitet voller Hoffnung die Rückkehr der Familie nach Deutschland vor. Doch auch Zweifel und Enttäuschungen schwingen mit, eine Fremdheit zu diesem Land, das die Gräuel und das Leid des Krieges und des Holocausts totzuschweigen scheint. Das seine Identität einfach umwidmet und in dem sie von einem auf den anderen Moment von der Vertriebenen zur Gefeierten wird. Mit viel Emotion und Gespür für das richtige Timing nimmt Volker Weidermann uns mit auf die Reise durch dieses Jahr im Leben von Mascha Kaléko. Er bettet es ein in die Erzählung vom davor und danach bis zu ihrem Tod. Er lässt die Verbindungen zu Weggefährt:innen und Zeitgenoss:innen einfließen und wirft ein Licht auf den Literaturzirkus. Er flicht politische Entwicklungen ein und fügt seine Recherchen, Maschas Gedichte und ihre Briefe zu einem prosaischen Text zusammen, der sich anfühlt wie ein Roman. Seine Sprache nimmt Kalékos Gefühle, ihre Euphorie, ihre Ängste, ihre Liebe, ihre Trauer auf, seinen Text verwebt er symbiotisch mit ihren Worten. Diese Biografie ist ein Fenster zu einer Seele, die durch Worte gelebt hat. Für alle, die sich je gefragt haben, was Mascha Kalékos Stimme noch heute – vielleicht gerade heute - so lebendig macht, ist Volker Weidermanns Erzählung eine Einladung: zum Verstehen, zum Lachen, zum Weinen, zum Verlieben.

  • CK

    aus Raum Stuttgart

    5/5

    23.10.2025

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Mascha Kaléko: In Gedichten…

    Mascha Kaléko: In Gedichten spazieren gehen und in der Vergangenheit Ich liebe Mascha Kaléko und ihre Gedichte, daher habe ich mich sehr auf die Veröffentlichung von „Wenn ich eine Wolke wäre: Mascha Kaléko und die Reise ihres Lebens“ von Volker Weidermann gefreut. Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars über NetGalley. Die hier geäußerte Meinung zum Buch ist meine eigene. 17 Jahre, nachdem Mascha Kaléko Nazi-Deutschland in letzter Minute verlassen hatte, kehrte sie 1956 zurück. Volker Weidermann widmet sich in seinem Buch ihrer Reise in die Vergangenheit, bei der sich die Dichterin die Frage stellte, ob es hier auch eine Zukunft für sich und ihre Familie gibt. Sie fährt nach Berlin, in die Stadt, die ihre Heimat war, in der sie glücklich war und zur Dichterin wurde. „Hier wird sie zur Dichterin, schon in der Schule schreibt sie unter dem Pult heimlich Gedichte. Studieren darf sie nicht, der Vater sagt, für Mädchen sei das nicht nötig, ‘Es hieß, wir sollten jetzt ins Leben treten./Ich aber leider trat nur ins Büro’, hat sie später gedichtet. Sie macht eine Bürolehre, ‘Im ersten Brief kommt ein Gähnen auf je ein Komma’, quatscht sich aber beharrlich in die literarische Welt Berlins hinein.“ Ein Jahr lang reist sie durch Deutschland, wobei sie fast täglich Briefe an ihren Mann nach New York schickt und ihm erzählt, von ihrem herzlichen Empfang in Deutschland, ihren Erfolgen und dem geliebten Berlin. Das Wiederfinden ihrer verloren geglaubten Schwester Lea macht sie glücklich und sie denk daran, doch weiterzumachen. Doch es gibt auch Rückschläge zu verkraften in der Literaturszene; und auch ansonsten gibt es Enttäuschungen auf ihrer Spurensuche des vergangenen Lebens. „Vielleicht hatte sie auch einfach etwas zu sehr auf den Engel vertraut, der verlässlich neben ihr geht auf ihrer Reise in die Vergangenheit? Vielleicht hatten die letzten Wochen sie zu euphorisch gemacht? Hatte sie wirklich geglaubt, sie könnte einfach an ihr frühes Leben anknüpfen, an ihre Triumphe, ihre Liebe, ihren Ruhm, hineinspazieren in die Welt von gestern und sie mit Optimismus und sonnigem Gemüt und Bereitschaft zu verzeihen in die Welt von heute und morgen verwandeln? Wie hält man sich an Wunder, wenn sie ausbleiben? Wie weckt man Gott, wenn er wieder schläft? Was hast du erwartet, Mascha, als du an deiner alten Wohnungstür geklingelt hast? Ein fröhliches ‘Herein! Da sind Sie ja wieder. Wir haben so lange auf sie gewartet’? Jeder Mensch hat seine eigenen Erinnerungen. Wir können die anderen nicht in unsere hineinzwingen. Höchstens für kurze Augenblicke. Mit einem Gedicht zum Beispiel. Aber was, wenn niemand liest? Niemand zuhört? Oder man selbst gerade kein Gedicht zur Hand hat? Es ist jetzt ihre Wohnung, Mascha. Da hilft auch deine sekundenschnelle Verachtung nichts. ‘Piefkehaushalt’, ‘Dienstmädchentyp’, ‘portierhafte’ Möbel. Verachtung ist eine Waffe, wenn Dichtung und Liebe und Wunderglaube nicht mehr weiterhelfen. Sie dient aber nur zum Selbstschutz. Nicht zum Angriff. Sie öffnet keine Tür.“ Volker Weidermann hat ein sehr feinfühliges Buch über das Leben von Mascha Kaléko geschrieben, das mich als Fan dieser großartigen Frau von Anfang bis Ende begeistert hat. Sehr passend waren auch immer die Auszüge aus ihren Gedichten, um ihre Reise und Gefühle zu untermauern: „Über die Todesanzeige setzte Mascha ein frühes Gedicht, eines, das im hellen Jahr 1956 das Licht der Welt erblickt hatte und das inzwischen das am häufigsten gedruckte Gedicht Mascha Kalékos ist. Damals, im April 1956, schrieb sie Chemjo voller Stolz, dass sie ‘diesem strengen literarischen Blatt’ (›Die Deutsche Rundschau‹) dieses Gedicht und ein zweites zum Abdruck zugesandt hatte, ‘und sie wurden postwendend akzeptiert’. Es heißt ‘Memento’. Und jetzt, siebzehn Jahre später, passte es so gut wie nie. Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang, Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind. Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind? Allein im Nebel tast ich todentlang Und laß mich willig in das Dunkel treiben. Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben. Der weiß es wohl, dem gleiches widerfuhr; – Und die es trugen, mögen mir vergeben. Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur, Doch mit dem Tod der andern muß man leben.“ „Es wird so bleiben. Mascha Kaléko wird sich von diesem Jahr, von dem Glück, das sie erlebte, von der Erfahrung der geträumten Welt, nicht mehr erholen. Das Jahr 1956 war ein Rausch gewesen, aus dem Nebel längst vergangener Zeiten war der Mensch wieder aufgetaucht, der sie einmal gewesen war. Es war ihr Leben vor ihr aufgetaucht, das sie hätte leben können, wenn die Deutschen sie nicht verfolgt und aus dem Land gejagt hätten. Wenn sie ein Leben gelebt hätte, wie es eigentlich für sie vorgesehen schien, als deutsche Dichterin ...“ Ein Buch für alle, die Mascha Kaléko lieben – oder diese großartige Frau mit ihren zeitlosen Gedichten gerne noch kennenlernen wollen. Eine ganz klare Empfehlung von mir mit 5⭐️

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