Ein starker, außergewöhnlicher Roman, der die Legenden über die Götter von Hawaii mit einer aufrüttelnden Familiengeschichte verbindet.
Nainoa ist sieben Jahre alt, als er von einem Ausflugsboot in den Pazifik fällt und bald von mehreren Haien umkreist wird. Alle befürchten das Schlimmste, doch der größte Hai trägt ihn sanft im offenen Maul zu seiner Mutter zurück – eine Legende ist geboren. Nainoas Familie gehört nicht zu den Reichen auf Hawaii, und als die Zuckerrohrindustrie zusammenbricht, haben sie mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Was sie als Gunstbeweis der alten hawaiianischen Götter gedeutet haben, weicht mit der Zeit der harschen Realität, alle drei Kinder gehen aufs amerikanische Festland, um ihren Weg zu machen, aber die Sehnsucht nach ihrer Heimat und auch die magischen Kräfte, die sie dorthin zurückziehen, sind stärker …
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
superlindner
5/5
13.02.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn man an Hawaii denkt,…
Wenn man an Hawaii denkt, dann denkt man an traumhafte Natur, Blumenketten und lange Sandstrände. Kawai Strong Washburn räumt mit diesen Klischees auf und versetzt seine Leser in die Lage einer armen, 5-köpfigen Familie. Die Eltern halten sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, während die Kinder auf das Festland ziehen um zu studieren. Jeder hat seine ganz eigenen Sorgen, vor allem Nainoa, der als etwas magisches gilt seitdem er eine Haiattacke unbeschadet überlebt hat. Nach und nach kommen die Kinder zurück nach Hawaii, immer im Konflikt untereinander und mit den Eltern, vor allem aber mit sich selbst. Die Charaktere sind allesamt so wahnsinnig tiefgründig dargestellt. Die Kapitel werden von den verschiedenen Hauptpersonen erzählt, was einen in die Geschichte und in die jeweiligen Personen abtauchen lässt. Ein Roman zwischen Realität und Fiktion, zwischen hawaiianischen Mythen und der knallharten Wahrheit vieler Familien im vermeintlichen Paradies. Eine unglaubliche Geschichte, die man gelesen haben muss.
Bewertung
5/5
10.07.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Endlich vernünftige Literatur aus Haiwaii!!
Angesprochen hat mich zuerst das Cover, dann der Klappentext und die Tatsache, dass der Autor aus Hawaii stammt.
Nachdem Nainoa zur lebenden Legende geworden ist und die Aufmerksamkeit der Familie, Freunde und Bekannten auf ihm ruht, müssen auch seine Geschwister ihren Alltag geregelt bekommen, was gar nicht so leicht ist, wenn man im Schatten des eignenen Bruders steht.
Hier geht es nicht um die Touristen-Insel, das Urlaubsparadies. Dieser Roman behandelt Mythen und Legenden, das harte Leben und den Traum von etwas Großem. Ich habe jede Seite genossen.
Identitätsfindung, Eifersucht, Heimat, Familie, sind nur ein paar der Themen, die Kawai Strong Washburn in seinem Debütroman behandeln.
In einer tollen Sprache geschrieben, zugleich eingängig als auch poetisch, bin ich förmlich durch die Seiten geflogen.
Edith Berger
aus 3istau
5/5
31.12.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
pralles, fesselndes Familienepos
Dean, Nainoa und Kaui wachsen in sehr bescheidenen Verhältnissen auf. Ihre Eltern Malia und Augie sind mit ihren Gelegenheitsjobs einzig damit beschäftigt, das Überleben der Familie zu sichern. Hawaii verändert sich durch Touristenströme zusehends in die falsche Richtung. Als bei einem Bootsausflug Nainoa ins Meer fällt und von Haien vorsichtig zum Boot zurückgetragen und gerettet wird, verändert sich auch das Leben der Familie .Dean und Kaui beginnen im Schatten des Bruders zu verschwinden.
Bewertung
aus Hamburg
5/5
21.10.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Familien- und Geschwisterbande jenseits aller Südsee-Romantik
Südseeromantik gibt es in „Haie in Zeiten von Erlösern“ nur für die Haole, die Weißen, die sich den Luxus dieser einzigartigen, unglaublich schönen Natur leisten können. Für die indigene Bevölkerung ist Hawai ein mythischer, magischer Ort, aber auch ein Ort, an dem es schwer ist, Arbeit zu finden und einen Lebensunterhalt zu bestreiten.
Die Geschwister Dean, Nainoa und Kaui leben mit ihren Eltern ein sehr einfaches, entbehrungsreiches Leben in Honokaʻa auf Big Island/Hawai. Als die Zuckerrohrplantage geschlossen wird, versiegen die ohnehin spärlichen Einkünfte. Zunächst versuchen Augie (der Vater) und Malia (die Mutter) sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten; aber das Geld reicht nicht, so dass die Familie schweren Herzens auf die Insel Oʻahu/Hawai in die Stadt Kalihi, nahe Honolulu, ziehen muss. Kurz vor dem geplanten Umzug ereignet sich ein folgenreicher Zwischenfall. Der siebenjährige Nainoa stürzt während eines Ausflugs von einem Schiff ins Meer. Die Rettungsversuche gestalten sich schwierig, Haie nähern sich, umkreisen ihn; der größte Hai nimmt Nainoa schließlich in sein Maul und transportiert ihn zurück zum Schiff. Nainoa wird gerettet - für die Eltern ein unmissverständliches Zeichen der Götter, dass Nainoa von den ´aumakua, den Seelengeistern, gesegnet und zu größerem auserwählt wurde. Schon bald zeigen sich bei Nainoa außergewöhnliche Fähigkeiten. Er spürt eine eigentümliche Kraft in sich und ist in der Lage Krankheiten und Verletzungen von Körpern zu lokalisieren und innerhalb kürzester Zeit zu heilen bzw. Heilungsprozesse anzustoßen. Schnell sprechen sich Nainoas Fähigkeiten herum, die Menschen bitten um Audienz, geben großzügig Spenden, so dass die Familie zum ersten Mal in ihrem Leben finanziell abgesichert ist. Doch manchmal scheitert Nainoa; irgendwann wird dem Jungen alles zu viel und die Hilfesuchenden werden mit dem Hinweis, ihr Sohn benötige eine Pause, wieder weggeschickt. Erneut reicht das Geld kaum zum Leben, aber Nainoa bleibt das „Wunderkind“ der Familie. Mit Leichtigkeit erhält er ein Stipendium für eine der renommiertesten Schulen, erzielt überall Bestnoten. Obwohl auch seine jüngere Schwester Kaui dort eines der wenigen Stipendien erhält, steht sie zeitlebens im Schatten ihres Bruders. Auch Dean, der Älteste, kämpft um Anerkennung: schulisch kann er mit seinen Geschwistern nicht mithalten, scheitert immer wieder an der Aufnahmeprüfung, hat dafür aber ein großes Talent für Basketball, macht dort zunächst Karriere.
Kawai Strong Washburn konzentriert sich auf die Lebenswege der einzelnen Geschwister, die alle Hawai verlassen, um in den USA zu studieren bzw. zu arbeiten. Alle sind auf der Suche, wirken verloren und einsam. Nainoa versucht seine Gabe zu verstehen, kommt damit nicht klar, hat niemanden, der begreift, was wirklich in ihm vorgeht. Kaui und Dean versuchen beide auf ihre Weise die Last des „übermächtigen“ Bruders abzuschütteln, neben dem sie von ihren Eltern einfach nicht gesehen werden. Sehr bedrückend und intensiv zeigt der Autor wie alle drei wütend und verloren durchs Leben stolpern, wie die Familie weiterhin versucht auch über die Distanz den Kontakt aufrechtzuerhalten und dabei schon längst einen „echten“ Zugang zueinander verloren hat. Wir begleiten die einzelnen Familienmitglieder über einen Zeitraum von 14 Jahren (1995 - 2009). Jede:r erhält eigene Kapitel, die mit dem jeweiligen Namen und der Jahreszahl gekennzeichnet sind. Meist kommen Nainoa, Dean oder Kaui zu Wort, zwischendurch auch die Mutter Malia. Vater Augies Perspektive erhalten wir nur im abschließenden Kapitel.
Für mich steht in diesem Roman eindeutig die Geschwisterbeziehung im Vordergrund und die Frage, welche Auswirkungen unbewusste Bevorzugung eines einzelnen auf das System Familie haben können. Es geht aber auch um Wurzeln, Entwurzelung und die Kraft, die Menschen aus einer Besinnung auf ihre Herkunft sowie Tätigkeiten ziehen können, die sie begeistern, in denen sie vollkommen aufgehen. Hawai lässt keinen der Geschwister los, alle kehren zeitweilig zurück, fühlen sich von der alten, mythengesättigten Natur angezogen. Kaui gelangt durch Hula-Tänze an einen „Kraftort“ in ihrem Inneren, Nainoa empfindet ähnliches beim Spiel auf der Ukulele und Dean, wenn er in einen Flow beim Basketballspiel gelangt. Aber es ist schwer, diese kurzen kraftvollen Momente nachhaltig in den Alltag zu integrieren. Der Roman ist auch ein Buch über das Scheitern und Weitermachen.
Kawai Strong Washburns Sprache kommt von der Straße, ist oftmals derb, dann wieder zart poetisch. Ich konnte mich der Intensität des Textes kaum entziehen und habe dieses tief traurige Debüt voller hoffnungsvoller Momente verschlungen.
Bewertung
5/5
27.09.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Heiler, Mythen und amerikanische Realitäten auf Hawaii
Dieser Titel ist erstens ungewöhnlich und zweitens sperrig. Aber eines vorneweg: Es entwickelt einen erzählerischen Sog und hallt nach. Doch zum Inhalt: Wenn ein Buch so betitelt wird, dann kann man nicht überrascht sein, dass dieser Roman mit paranormalen Phänomenen durchsetzt ist. Aber eigentlich ist es ein Familienroman. Und er stellt die wichtige Frage, was passiert mit einer Familie, mit den Geschwistern, wenn das eine Kind heilende Kräfte hat? Als Nainoa gezeugt wird, wandern Geister, Nachtmarschierer durch das dichte Grün von Wai’opa-Valley. Als er Jahre später vom Boot fällt, bringen der bangen Mutter Haie diesen besonderen Jungen zurück. Der, wie sich bald herausstellt, heilende Kräfte hat. Die Familie hat indigene Wurzeln, ist vertraut mit den überlieferten Mythen. Auch im Tourismusparadies Hawaii kämpfen sich viele Ureinwohner-Nachfahren grad mal durch. Und ihnen sind die überlieferten Mythen wichtiger Teil ihrer kulturellen Idendität. Durch die Heilungen bessert so mancher Zustupf das Familienbudget auf. Der besondere und sensible Junge Nainoa hadert besonders dann, wenn ihm die Rettung nicht gelingt. Er leidet so stark, dass die Eltern das Kind schützen müssen. Seine Geschwister verkümmern ob deutlich weniger Zuwendung.und entwickeln Ehrgeiz. Dean,der Bruder, profiliert sich im Basketball, Kaui als blitzgescheite Schülerin doch Nainoa überstrahlt alle. Die Familie kämpft wiederholt um ihre Existenz. Die Kinder fliegen aus, gehen aufs Festland, um ihre Bestimmung zu finden. Nach einem tragischen Versuch, eine Schwangere nach einem Unfall zu beleben, flüchtet sich das Wunderkind von einst in die Natur. Als er nicht wieder auftaucht, und kein Suchtrupp den jungen Mann findet, kehrt Dean zurück. Er sucht fast ununterbrochen, bis er die Leiche seines Bruders findet. Der Vater zerbricht daran, wird dement. Erst als Kaui zurück kommt, ihr Leben in die Hände nimmt zeichnet sich so etwas wie ein Happyend ab. Dieser Roman ist Familienroman, amerikanisches Epos und Abgesang auf das allmähliche Verschwinden der hawaiianische Urbevölkerung und ihrer Kultur. Washburn ist ein überragender Erzähler. Er packt das menschliche Leiden und Scheitern, die Kraft und der Fluch der Familie und die Magie der eigenen Wurzeln in eine Geschichte, die bis zur letzten Seite fesselt.
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