Ein junger Ingenieur aus der Normandie erhält den Auftrag, einen alten Friedhof mitten in Paris, seit Jahrhunderten überbelegt und den Boden vergiftend, zu beseitigen. Gern lässt sich der junge Mann von einem gewitzten Organisten an der Hand nehmen, taucht mit ihm ein in das Viertel und beginnt, seine gewaltige technische Aufgabe in Angriff zu nehmen.
Es ist die Zeit kurz vor der Revolution, man liest Buffon, Voltaire, Wandparolen tauchen auf. Miller lässt uns das Alltagsleben riechen und schmecken, lässt uns Anteil an Barattes Gedanken und Nöten nehmen.
Ein ungemein farbiger, packender Roman, sowohl in der psychologischen Auslotung der Personen als auch in der Schilderung der praktischen Ingenieursarbeit.
Edith Berger
aus Graz
5/5
03.11.2013
Buch (Gebundene Ausgabe)
fesselndes Lesevergnügen
Der Ingenieur Jean-Baptiste Baratte hat es einer Verwechslung zu verdanken, dass er für die Räumung des Pariser Friedhofs der Unschuldigen die Verantwortung übertragen bekommt. Eine äußerst schwierige Aufgabe in einer schwierigen Zeit. Zur Hilfe holt er sich Lecoeur, einen engen Vertrauten aus früheren Tagen in den Bergwerken von Valenciennes und Arbeiter aus Flandern. Es ist kurz vor der französischen Revolution. Der Hof ist ungnädig, überheblich,unersättlich, blind. In der Bevölkerung rumort es. Jean-Baptiste ist zwar fortschrittlich gesinnt, aber ein sehr gemäßigter Anhänger Voltaires. Eines der wenigen Freundschaftsangebote erhält er von dem Organisten der Kirche des zu räumenden Friedhofs. Ein regelmäßiger Besucher des Friedhofs ist der freundliche Arzt Guillotin. Er kommt um bei den Ausgrabungen dabei zu sein. Er nützt die Gelegenheit, die Zersetzung der Leichen zu studieren. Ein Trost während der unappetitlichen, anstrengenden, harten Arbeit ist ihm die Zuneigung der schönen Prostituierten Héloise. Weil sie der Königin ähnlich sieht, wird sie verächtlich die Österreicherin genannt...
"Friedhof der Unschuldigen" von Andrew Miller ist ein fesselndes, großes Lesevergnügen
Fannie
aus Oelsnitz/Erzgebirge
5/5
16.09.2013
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Meisterwerk unter all den…
Ein Meisterwerk unter all den historischen Romanen Im ausgehenden 18. Jahrhundert sucht der Ingenieur Jean-Baptiste Baratte in Paris sein Glück. Im Schloss Versailles wird er mit einer heiklen Angelegenheit betraut: Er soll den “Friedhof der Unschuldigen” zerstören, der mitten in Paris liegt und langsam, aber stetig die Stadt und deren Bewohner vergiftet. Der engagierte Baratte trommelt Männer zusammen und treibt Material auf. Doch das Ausheben der unzähligen Gräber geht an seiner Mannschaft und ihm keineswegs spurlos vorbei. Andrew Millers “Friedhof der Unschuldigen” ist ein historischer Roman der ganz anderen Art. Auf eine dunkle Weise romantisch und dennoch schockierend beschreibt der Autor Frankreich kurz vor der Revolution derart eingehend, dass man die düstere Szenerie bildlich vor Augen hat. Der Friedhof der Unschuldigen ist ein geheimnisumwitterter Ort. Daran lässt Andrew Miller keinen Zweifel und lässt den Leser vollkommen am morbiden Charme des wohl ungewöhnlichsten Ortes, an dem je ein Roman spielte, teilhaben. Der Grusel, der den Leser schon nach wenigen Seiten umfängt, die scharfgezeichneten Charaktere und wohldosierte Andeutungen feinen Humors machen das Buch “Friedhof der Unschuldigen” zu einem Leseereignis, das seinesgleichen sucht. Die lyrisch anmutende Sprache, die vielen Eindrücke, die Miller auf seinen Leser niederprasseln lässt und die üppige, wenngleich durchgängig düstere Atmosphäre haben bewirkt, dass mich dieses Buch regelrecht in seinen Bann zog. Die letzten 100 Seiten habe ich mit besonderer Langsamkeit gelesen, denn ich wollte nicht, dass dieser beeindruckende Roman endet. Leider tat er das irgendwann doch. Im Ergebnis ist “Friedhof der Unschuldigen” für mich ein Meisterwerk, ja ein Kleinod unter all den historischen Romanen, dessen Mixtur aus Realität und Fiktion den besonderen Reiz ausmacht.
gürkchen
5/5
26.08.2013
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Ingenieur Jean-Baptiste…
Der Ingenieur Jean-Baptiste Baratte will ein berühmter Brückenbauer werden, und um sich diesen Traum jeden Tag vor Augen zu halten, hängt in seinem Zimmer ein Kupferstich mit dem imposanten Motiv eben jener Verbindungen über das Wasser. Als dann aber ein Auftrag aus Versailles an ihn herangetragen wird, muss er sich nun mit einem gänzlich anderen Projekt befassen, denn der Friedhof der Unschuldigen, welcher mitten in Paris gelegen die gesamte Umgebung mit Verwesungsgestank vernebelt, hat ihren Zenit erreicht und soll (inklusive Kirche) zerstört werden. Der tüchtige Baratte weiß, dass man einem Minister des Königs nicht widersprechen darf und macht sich ans Werk. Doch die Bewohner sind abergläubisch und in Worten und Handeln gar nicht so unschuldig wie die zahlreichen Leichen aus längst vergangenen Zeiten. Es passiert nicht oft, aber hin und wieder gibt es diese Bücher, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seiten in eine andere Welt entführen und sowohl inhaltlich, als auch sprachlich regelrecht mitreißen. Leider fällt es mir bei diesen Exemplaren dann immer besonders schwer, meine Begeisterung in Worte zu fassen. Andrew Miller hat mich mit seinem sechsten Roman jedenfalls in einen wahren Papierrausch versetzt, sodass ich die Seiten innerhalb weniger Stunden inhaliert habe – trotz ziemlich anspruchsvoller Sprache, die mich bei anderen Autoren vermutlich angestrengt zu mehreren Lesepausen gezwungen hätte. Hier bekommen die schönen Wörter aber einen leichten und feinen Rahmen, der das Geschriebene umschmeichelt. Baratte und seine sehr unappetitlichen Arbeit haben mich gefangen genommen und in Verbindung mit der persönlichen Wandlung des Protagonisten durch verschiedene Frauenbekanntschaften (erfreuliche wie erschreckende) immer wieder begeistert. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich zu schnell durch den herausragenden Roman geflogen bin, denn man sollte sich viel mehr Zeit für die authentische Atmosphäre von Frankreich nehmen und den Vorabend der Revolution mit jeder Faser auskosten. Deshalb werde ich bald noch einmal in aller Ruhe durch die stinkenden Straßen der Stadt der Liebe wandeln und ich freue mich sehr auf ein Wiedersehen mit Baratte und seinen treuen Gehilfen, wie dem kommunikativen Organisten Armand und seiner rechten Hand Lecoeur auf dem trüben Pflaster. Der „Friedhof der Unschuldigen“ ist mein Highlight im August und für Leser aller Genres ein kleines Goldstück im Bücherregal!
esposa1969
aus Mannheim
5/5
17.08.2013
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wir schreiben das Jahr 1785.…
Wir schreiben das Jahr 1785. Der junge Ingenieur Jean-Baptiste Baratte erhält direkt von höchster Stelle im Schloss von Verseilles einen Auftrag vom Minister: Er soll den Friedhof der Unschuldigen " Les Innocents" dem Erdboden gleichzumachen, der mitten in Paris liegt und Hunderttausenden von Toten beherbergt. Schon seit Jahren wird er nicht mehr benutzt, sein Gestank und Ausdübstungen der Toten aber verpestet die gesamte Umgebung. Im Haus der Monnards, welches direkt am Friedhof gelegen ist, bezieht er Unterkunft. Alles stinkt nach Tod: Die Speisen haben einen seltsamen Beigeschmack, der Atemn der Anwohner, die gesamte Luft ist verseucht. Er lernt Armand, den Organisten ohne Zuhörer kenne, Charvet, den Schneider und Ziguette, die Tochter der Monnards. Schon alleine die Leseprobe hat mich sehr gruseln lassen. Da ich meine Bücher im spät nachts beim Zu-Bett-Gehen lese, hatte ich schon ein wenig Angst, dass mich das Thema nicht schlafen lassen würde. Es ist zwar unheimlich, sich vorzustellen, wie man mit diesem Gestank und dieser Bedrohung durch die Toten leben kann, da es aber in einer anderen Zeit spielt, ängstigt mich dieses Thema nicht allzu sehr, sondern ich betrachte es eher unter geschichtlichen Aspekten. Während des Lesens hatte ich das dort Beschriebene bildlich vor mir: Ich konnte mir die Kammer von Jean-Baptiste vorstellen, ebenso ihn selbst, als auch den Friedhof. Alles ist so haarklein beschrieben, dass vor meinem geistigen Auge das Buch wie eine Verfilmung ablief. Insgesamt ist das Buch in 4 Kapiteln aufgeteilt, da es aber keine großen Zeitsprünge in diesem Buch gibt handeln die Kapitel - die alle mit einer Weisheit beginnen - allesamt in einer Zeitspanne. * Kapitel 1 handelt von seiner Ankunft und Vermessungen des Friedhofs. * Kapitel 2 handelt wie er in seine Heimat Bellême in die Normandie reist, um sich dort Verstärkung für die Aushebung der Gräber zu holen. * Kapitel 3 handelt davon wie Jean-Baptiste angefeindet und dabei schwer verletzt wird und sein Wesen sich zu ändern beginnt, da er nicht mehr derselbe ist. * Kapitel 4 handelt von der Zerstörung der Kirche Das Cover, das nicht nur als Schutzumschlag dient, sondern auch Dank des einklappbaren Klappentextes als Lesezeichen, ist sehr passend gewählt: Jean-Baptiste Baratte, wie er in seinem neuen von Charvet geschneiderten pistaziengrünen Anzug halb ohnmächtig vom Gestank über seine Vermessungen liegt und von schwarzen Raben angeflogen wird. Diese Federzeichnungen in schwarz-weiss stechen besonders durch ihre schimmernden goldenene Verzierungen hervor und lassen das Cover edel und mystisch zu gleich erscheinen. Das schönste Cover - meiner Meinung nach -, das je ein Buch geziert hat. Alles in allem zwar eine recht morbide Handlung, wie beschrieben wird, dass man in den Gruben fast versinkt, wenn man den Friedhof überquert, oder wie Liebespärchen es auf dem stinkenden Friedhof miteinander tun. Während des Lesens meinte ich sogar den stinkenden Geruch in der Nase zu riechen, so versunken war ich in diesem Buch, das ich vollstens weiterempfehlen kann!!
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