Die Geburt ihres ersten Kindes ist auch der Tod der Frau, die sie ohne Kind gewesen ist - und die Geburt einer neuenSoldier hat ihr erstes Kind bekommen. Ihr Mann geht zur Arbeit, trainiert in der Garage seine Muskeln und steht ihr mit guten Ratschlägen zur Seite. Sie scheint auf einem anderen Planeten gelandet und erinnert sich nur vage an Dinge wie Schlaf oder an die Frau, die sie einmal gewesen ist. Wie kann man vor Liebe überschäumen und gleichzeitig so unglaublich wütend sein? Während Soldier ihren einsamen Überlebenskampf am Rande des Wahnsinns führt, rettet sie die Begegnung mit einem alten Freund, der selbst Vater von drei Kindern ist. Denn einen Freund kann sie gerade wirklich gebrauchen. So sehr, dass man fast glauben könnte, sie hätte ihn sich herbei geträumt ...Claire Kilroy schafft in ihrem Roman Kinderspiel eine unvergessliche Heldin, deren wilde Liebe zu ihrem kleinen Sohn mit der brennenden Wut auf alle kollidiert, die sie damit allein lassen. Noch nie hat ein Roman so ehrlich, so schwarzhumorig und so eindringlich die Ambivalenz moderner Mutterschaft eingefangen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Bewertung
5/5
15.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unbedingt lesen!
INHALT
Eine junge Frau, Soldier, wird Mutter. Seit dem ist alles anders - so anders. Nicht nur, dass sie völlig übermüdet ist, keine Zeit mehr für sich selbst hat und sich aufopferungsvoll um ihr Kind kümmert, nein, zudem kommt auch noch ein Mann, der nicht unterstützt. Es geht um Einsamkeit und Überforderung. Um Hilflosigkeit und Wut - warum ist Carearbeit automatisch Frauenarbeit?
„Ich hab den Reis anbrennen lassen. Wie kann man den Reis anbrennen lassen? Und wieder eine berechtigte Frage, zumindest vor meiner Mutterschaft. (…) ich hab ihn anbrennen lassen, okay? Ich hab den Reis anbrennen lassen. Du hingegen hast mein Leben ruiniert. Wir sind also quitt.“ Seite 88
BEWERTUNG UND EINDRUCK
Ich liebe, liebe, liebe es! Ein Manifest an Buch! Ein Buch über Grenzerfahrungen, so intensiv die die Geburt selbst (dies steht auf dem Cover, ich stimme voll und ganz zu). Und ich hab jedes Wort gefühlt! Auch wenn ich deutlich mehr Unterstützung hatte, fühlte es sich dennoch oftmals so an. Ein Buch für alle mit - und auch ohne Kinder. Lest es! So fühlt es sich an… (das sagt einem vorher keiner).
„Ich mache ausschließlich Hausarbeit und kümmere mich ums Kind, und ich leide unter Schlafanzug, und ich fühle mich um meine Gedanken betrogen, weil ich keinen einzigen Moment für mich habe, nicht einmal auf dem Klo. Ich vermisse mein altes Leben wie einen geliebten.“ Seite 93
Jürg K.
5/5
26.08.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eindrückliche Geschichte
Seit Soldier Mutter geworden ist. ist nichts mehr, wie es war. Für sie ist der Alltag wie ein Überlebenskampf, der Körper fremd, die Gedanken wirr, die Liebe zum Kind überwältigend und zugleich beängstigend. Es wird nichts beschönigt, Schlafmangel, Einsamkeit und das Gefühl, sich selbst zu verlieren, werden ungeschönt geschildert. Eine Begegnung mit einem Freund, der selbst Vater dreier Kinder ist, wird für sie zum Anker. Fast schon eine magische Verbindung. Man kann fast sagen, diese Geschichte ist wie eine Geburt, schmerzhaft, randvoll mit kompliziertesten Gefühlen. Ich muss gestehen dieser kraftvolle Roman über Mutterschaft, Identität und emotionale Grenzerfahrungen hat mich überrascht. Claire Kilroy beschreibt eindrücklich, ehrlich und radikal über das Mutter sein. Eines ist klar, dieses Buch ist kein Ratgeber, sondern ein Manifest. Das Buch kann ich allen Lesern empfehlen, die wissen wollen wie das Mutter sein im Alltag ist. Jenseits der süssen Babyfotos und gut gemeinten Ratschlägen. Von mir gibt es eine Leseempfehlung.
nessabo
Thalia Book Circle Community
4/5
24.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Intensiv, immersiv und teilweise verwirrend
Ich habe eine Weile gebraucht, um mich auf Kilroys Schreiben einzulassen. Denn sie wählt hier einen inneren Dialog, den die Protagonistin Soldier mit ihrem Sohn Sailor führt. Streckenweise war mir das auch zu monoton und langatmig, aber insgesamt ist es wirklich ein außerordentlich starkes Werk, das sich in seiner Ungeschöntheit deutlich abzuheben vermag.
Ich bin sehr glücklich kinderfrei, interessiere mich aber für die Lebensrealität von Eltern bzw. konkret Müttern. Es ist in einer progressiven Gesellschaft meiner Meinung nach auch unerlässlich, sich mit anderen Lebensrealitäten zu konfrontieren, um Vorurteilen sowie strukturellen Diskriminierungen entgegenwirken zu können. Kilroys Roman ist wirklich in weiten Teilen eine Tour de Force und ich wurde regelrecht eingesaugt.
Die Autorin schreibt so prägnant und detailliert, dass ich seitenweise richtig angespannt war, trifft aber dennoch einen ruhigen Ton. Aufgeregt habe ich mich dennoch, vor allem über den Mann der Protagonistin, und das ist sicherlich beabsichtigt. Das Stereotype daran kann natürlich kritisiert werden, aber ich sehe den Punkt nicht wirklich. Dass Care Arbeit „Frauenarbeit“ ist und Väter für jegliches Engagement bewundert werden, ist doch ein gesellschaftlicher Fakt. Dass es Ausnahmen gibt, bestätigt dennoch die Regel und deshalb braucht es diese literarischen Figuren auch, um strukturelle Kritik zu üben. Er hat mich wirklich zur Weißglut gebracht und ich habe vielmehr nicht verstanden, wie Soldier das trotz aller Wut überhaupt akzeptieren kann.
Neben Wut geht es generell viel um Emotionen und vor allem um ihre Vermischung. In und zwischen den Zeilen ist wirklich unglaublich viel greifbar: die emotionale Ambivalenz dem Kind gegenüber, die Erschöpfung, die schiere Verzweiflung, die Ratlosigkeit, das Gefühl fehlender Kompetenz, die Isolation und neben all dem die übermenschliche Liebe. Auch das Fehlen von Worten, um die eigenen Gedanken und Gefühle zu beschreiben, bildet die Autorin geschickt ab.
Ich bin extrem positiv überrascht, wie schnell sich das Buch lesen ließ, obwohl ich mit jeder Zeile glücklicher war über meine gewählte Kinderlosigkeit. Aber Kilroy macht mit ihrem dichten Schreiben auch Nicht-Eltern klar, wo Ungerechtigkeiten liegen und findet irgendwie verständliche Worte für eine eigentlich unbeschreibliche Lebensphase. Mir waren die poetischen, metaphernreichen Abschnitte dennoch etwas zu viel - davon bin ich einfach kein Fan. Ebenso lässt die Autorin manche Dinge bewusst im Unklaren, sodass ich am Ende nicht mehr sicher bin, was nun eigentlich wirklich so stattgefunden hat und was nicht. Das ist natürlich genau der Punkt, um sich in diese Ausnahmesituation hineinversetzen zu können, aber ich mag unsichere Leerstellen nicht so gern. Dennoch bleibt es ein wirklich eindrückliches Werk und die experimentelleren Abschnitte werden auf jeden Fall durch die vielen fesselnden aufgewogen.
Bewertung
aus Leipzig
4/5
21.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mutterschaft
Mutterschaft
Noch ein Buch rund um das Muttersein? Braucht es das? Gibt es davon nicht schon genug? Scheinbar nicht, denn auch heute wird es als etwas Leichtes und Freizeit abgetan. Sie ist den ganzen Tag mit dem Kind zu Hause, warum sieht es denn dann trotzdem so wüst aus? Fertigessen, obwohl doch Zeit zum Kochen ist? Alles wunderbare Vorurteile, die man endlich abschaffen muss.
Soldier ist Mama geworden. Ein komplett neues und unvorstellbares Leben beginnt. Doch ihr Mann scheint davon kaum Notiz zu nehmen und lebt weiter wie zuvor. Sie muss sich um dieses kleine Wesen kümmern. Denn selbst kann es noch nichts. Man verliert sich selbst und ist eigentlich nur für das Kind da.
Ich konnte mich so gut in sie hineinversetzen. Das Leben ändert sich von jetzt auf gleich. Und ja, sicher kann jeder anders mit der Situation umgehen und wenn man Familie um sich hat, dann hat man doch noch etwas Hilfe. Aber auch sie kann deine Gedanken, Sorgen und Hilflosigkeit nicht abnehmen.
Das Buch war für mich wirklich toll geschrieben. Mit Ehrlichkeit und ungeschönt. Dennoch fühlt man sich gesehen - denn es geht nicht nur mir so. Auch wenn ich die ein oder andere Situation etwas überspitzt fand, war der Kerngedanke doch immer richtig und wichtig.
Allerdings musste ich das Buch in Abschnitten lesen. Denn oft hat es mich doch etwas aufgewühlt und ich musste etwas leichteres dazwischen lesen.
ISBN: 978-3758700095
Autorin: Claire Kilroy
Verlag: Fischer
Veröffentlicht. 27.08.25
Umfang: 288 Seiten
yellowdog
4/5
27.08.2025
eBook (ePUB 3)
Ode an den Sohn
Claire Kilroy ist eine irische Schriftstellerin. Kinderspiel ist anscheinend das erste Buch in deutscher Übersetztung.
In diesem Roman taucht man ins Innerste einer Frau ein, deren Perspektive ganz das Buch bestimmt. Sie ist junge Mutter und das Kind Sailor ist ihre ganze Welt. Vom Mann ist sie ein Stück weit entfremdet.
Man spürt eine gewisse Wut in ihr, vielleicht auch eine Überforderung. Sie scheint manchmal in Panik. Das gibt dem Buch eine Spannung, die sich unheilvoll anfühlt.
Trotz der Konsequenz der Erzählweise, halte ich sie in dieser Form auch für eine Einschränkung. Es bleiben gemischte Gefühle.
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