• Produktbild: Simón
  • Produktbild: Simón
Gebraucht

Simón Roman

16

6,10 €

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei

Lieferung nach Hause

Beschreibung

Produktdetails

Zustand

Gut

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

20.08.2022

Verlag

Klett Cotta

Seitenzahl

448

Maße (L/B/H)

22,2/15/3,4 cm

Gewicht

616 g

Auflage

1. Auflage 2022

Übersetzt von

Matthias Strobel

Sprache

Deutsch

EAN

2710001035038

Warnhinweis

Warnhinweis nicht erforderlich

Beschreibung

Rezension

»Ein Roman der Freundschaft, ein Roman der Hoffnung.« Tobias Lehmkuhl, Deutschlandfunk Kultur, 15. Oktober 2022 ("Deutschlandfunk Kultur")
»"Simón" ist eine Huldigung an das Barcelona der einfachen Leute, eine Warnung vor den Verheerungen durch den Immobilienboom - vor allem aber die liebevolle Charakterzeichnung eines jungen Mannes, der mit Don Quijote’schem Witz, durch sein Talent und mit Hilfe der Weltliteratur seinen Weg im Leben findet.« Dirk Fuhrig, WDR 3, 12. Dezember 2022 ("WDR 3")
»Liebevolle Familiensaga mit viel katalanischem Lokalkolorit.« Thomas Kliemann, General-Anzeiger, 3. Dezember 2022 ("General-Anzeiger Bonn")
»Otero baut große Bögen auf, hält die Spannung, vergisst die Figuren nicht. Zitate tauchen auf, Gedanken. Bücher werden als eigene Wirklichkeit begriffen, die später in hartem Kontrast zu den tatsächlichen Umständen des Lebens steht. Es lohnt sich, in Miqui Oteros Barcelona einzutauchen, zumal der Roman „Simon“ Sogkraft entfaltet.« Richard Mayr, Augsburger Allgemeine Wochenblatt-Journal, 19. Oktober 2022 ("Augsburger Allgemeine")
»Miqui Otero lässt seine Figuren schillern, an abseitigen Orten von Barcelona aufblitzen, dass es nur so kracht.« Ruthard Stäblein, TAZ, 18. Oktober 2022 ("taz")
»[D]as ist wirklich ein Buch, in dem man sich verlieren kann. Und wenn man dann wieder auftaucht, sieht man das Leben vielleicht mit ein wenig anderen Augen – und das ist wohl so ziemlich das Beste, was man von einem Buch sagen kann.« Irene Binal, Ö1 ORF, 16. Oktober 2022 ("ORF Ö1")
»Miqui Otero, […] hat hier Familienroman, Soziostudie über Barcelona, Thrillerelemente und vor allem auch eine latente Liebeserklärung an die Literatur zwischen die Buchdeckel gebracht. […] Lasst uns anstoßen auf einen hochtalentierten Autor und seinen großartigen Roman „Simón“.« Peter Mohr, Landshuter Zeitung, 22. Oktober 2022 ("Lokalkompass")
»Seine Figuren beschreibt er [Otero] mit viel Einfühlungsvermögen, Liebe zum Detail und vor allem literarischer Sorgfalt, denn er nimmt seine Figuren ernst, auch wenn er ihnen mit einem gewissen Augenzwinkern begegnet. Eine[] Sprache […], die auf jeder einzelnen Seite aufs Neue verblüfft und verzaubert. Vor allem aber ist dieser Roman eine Liebeserklärung an die Literatur.« Margartia Kinstner, Radio Helsinki, 11. Oktober 2022 ("Radio Helsinki")
»[E]in schillernder Familienroman« Bernd Büttgens, Aachner Zeitung, 12. September 2022 ("Aachner Zeitung")
»Miqui Otero gelingt es ganz wunderbar, die Geschichte Simóns mit der Historie der Stadt zu verweben. […] Barcelona-Fans werden genauso viel Spaß an dem Roman haben wie Liebhaber gut gezeichneter, tragikomischer Charaktere, die mit Witz und frecher Schnauze letztlich auch die größten Tragödien überstehen« Eva Karnofsky, SWR 2, 02. September 2022 ("SWR 2")

Produktdetails

Zustand

Gut

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

20.08.2022

Verlag

Klett Cotta

Seitenzahl

448

Maße (L/B/H)

22,2/15/3,4 cm

Gewicht

616 g

Auflage

1. Auflage 2022

Übersetzt von

Matthias Strobel

Sprache

Deutsch

EAN

2710001035038

Herstelleradresse

Klett-Cotta Verlag
Rotebühlstr. 77
70178 Stuttgart
DE

Email: produktsicherheit@klett-cotta.de

Kundinnen und Kunden meinen

Informationen zu Bewertungen

Zur Abgabe einer Bewertung ist eine Anmeldung im Konto notwendig. Die Authentizität der Bewertungen wird von uns nicht überprüft. Wir behalten uns vor, Bewertungstexte, die unseren Richtlinien widersprechen, entsprechend zu kürzen oder zu löschen.

Die Bewertungen sind nach Format, Anzahl Sterne und Datum sortiert.

  • Circlestonesbooks.blog

    5/5

    22.08.2022

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Intensive Bilder einer…

    Intensive Bilder einer Generation und einer Stadt „Du kannst sein, wer immer du sein willst, aber vergiss nie, wer du bist.“ (Zitat Position 4524) Inhalt Rico, Simóns Cousin, ist zehn Jahre älter und wie ein Bruder für Simón, sein Beschützer und großes Vorbild, so lange er denken kann. Der beste Tag für den jungen Simón ist immer der Sonntag, denn an diesem Tag bringt ihm Rico ein Buch mit, das Simón suchen muss, bevor er sich in die spannenden Abenteuer von neuen Helden vertiefen kann. Bis Rico eines Tages im Sommer 1992 spurlos verschwindet und Simón nach Jahren des Suchens lernen muss, seinen eigenen Weg zu finden und dass die Abenteuer seiner edlen Romanhelden nicht immer den Weg in das wirkliche Leben finden. „Manchmal muss man fortgehen, um nach Hause zurückkehren zu können. Manchmal kann man vielleicht nicht an einen Ort zurückkehren, aber sehr wohl zu einem Menschen.“ (Zitat Pos. 4808) Thema und Genre In diesem Roman geht es um das Leben und Schicksal einer großen Familie in Barcelona, um das Aufwachsen am Stadtrand in bescheidenen Verhältnissen. Vor allem jedoch geht es um Träume, Hoffnungen, Freundschaft, Liebe und um die Kraft der Literatur. Ein wichtiges Thema sind auch die politisch wechselvollen Jahre der lebhaften Stadt Barcelona, die sich 1992 euphorisch als Austragungsort der olympischen Sommerspiele präsentiert, und mehr als zwanzig Jahre später heftige Krisenjahre durchlebt. Charaktere Die Hauptfigur in dieser Geschichte ist Simón, dessen Leben wir von seiner Kindheit bis in seine Erwachsenenjahre Mitte dreißig folgen. Er ist ein Träumer, der sich mit den Helden seiner Abenteuerromane identifiziert, sie ins eigene Leben holt. „Der Zufall bringt das Leben durcheinander, die Fiktion hingegen ordnet es“ (Zitat Pos. 5461) Genau solche Zufälle bringen auch Simóns Pläne und Leben öfter als nur ein Mal durcheinander, und es sind die Frauen, besonders seine Lebensfreundin Estela, die ihn erden. Es ist eine Geschichte von Helden, die auch manchmal scheitern dürfen, und von den starken Frauen an ihrer Seite. Handlung und Schreibstil Die Geschichte umfasst, ergänzt durch Rückblenden und Erinnerungen, die Jahre zwischen 1992 und 2018 und wird chronologisch erzählt. Die Handlung ist facettenreich und von der ersten Seite an packend. Der Autor wählt, was in modernen Romanen inzwischen eher selten geworden ist, die Erzählstimme eines allwissenden Erzählers, was mit die sprachliche Faszination dieses Buches ausmacht. Diese Erzählform unterstützt die poetische, bildintensive Sprache, erlaubt dem Autor, auch tief in die Gedanken und Gefühle seiner Figuren einzudringen und künftige Entwicklungen anzudeuten, was die Handlung manchmal in Magie hüllt, die dennoch in der Realität besteht. Fazit Ein wunderbar dichter, intensiver und auch magischer Roman, eine Mischung aus Coming-of-Age-Geschichte, Familienroman und Roman der Stadt Barcelona, in dem auch die Kraft der Literatur eine wichtige Rolle spielt.

  • begine

    aus Lemwerder

    5/5

    20.08.2022

    eBook (ePUB 3)

    Cousinbruder

    Der spanische Schriftsteller Miqui Otero zeigt die Stadt Barcelona mit ihren Büchern. Das habe ich schon von Zafon geleliebt, darum musste ich diesen Roman lesen. „Simon“ ist ein interessanter Roman der 90er Jahre in Barcelona. Der Autor lässt den 8jährigen Simon unter nicht so einfachen Bedingungen aufwachsen. Simon wächst in der Bar seiner Eltern auf und lebt durch die Fatasie seiner Bücher-. Sein Cousinbruder ist 10 Jahre älter als Simon und er bringt ihm jeden Sonntag ein Buch vom Bücherflohmarkt mit. Als der verschwindet ist er untröstlich. Wir erleben Simons erwachsen werden. Miqui Otero porträtiert gekonnt die Lage Barcelonas. So ist gute Literatur.

  • Christian1977

    aus Leipzig

    4/5

    28.10.2022

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Rico, Simón und die drei großen Bs

    Der achtjährige Simón und sein zehn Jahre älterer Cousin Rico sind wie Brüder. Rico ist ein Held, ein Idol für den kleinen Jungen, und so ist es nicht verwunderlich, dass auch Simón sich bald für die großen Abenteuerromane des 19. Jahrhunderts zu begeistern beginnt, die Rico so liebt. Doch nach dem mittsommerlichen Sant Joan-Fest des Jahres 1992 verschwindet der Größere plötzlich spurlos. Fortan muss sich Simón auf den Straßen Barcelonas selbst behaupten. Wie entwickelt sich ein kleiner Büchernarr, wenn ihm das Vorbild von einem auf den anderen Tag abhandenkommt? Und was macht es aus einer Familie, wenn eines der Mitglieder plötzlich fehlt? Nicht nur darüber schreibt Miqui Otero in seinem neuen Roman "Simón", der kürzlich bei Klett-Cotta in der deutschen Übersetzung aus dem Spanischen von Matthias Strobel erschienen ist. Otero gilt in seiner katalanischen Heimat als eine "Schlüsselfigur in der Kulturszene" und seit seinem Debütroman "Rayos" von 2012 , der noch nicht auf Deutsch erschienen ist, als "Chronist Barcelonas". "Rayos" handelte von einem Galicier, der nach Barcelona emigriert und deckte die Jahre mit Beginn der dortigen Weltausstellung von 1929 bis zu den Olympischen Spielen von 1992 ab. So scheint es nur konsequent, dass der Chronist Otero die Handlung bei "Simón" ganz kurz vor dieser Olympiade einsetzen lässt und seinen Protagonisten erneut über einen recht stattlichen Zeitrahmen bis ins Frühjahr 2018 begleitet. Wer nun wegen der drei großen Bs - Buben, Bücher, Barcelona - an Ähnlichkeiten mit Carlos Ruiz Zafóns "Der Schatten des Windes" denken mag, liegt nur auf den ersten Blick richtig. Denn neben diesen drei Bs gibt es nur noch eine weitere Gemeinsamkeit: Sowohl Zafón, als auch Otero schreiben ihre Romane auf Spanisch und nicht auf Katalanisch. Otero laut einem eigenen Twitter-Beitrag übrigens, weil er sich in dieser Sprache besser ausdrücken könne als auf Katalanisch, womit er das Problem der Minderheitensprache gleich deutlich macht. Ob er dem Katalanischen mit seiner Entscheidung jedoch einen Gefallen tut, steht auf einem ganz anderen Blatt und soll uns hier nicht weiter beschäftigen. "Simón" ist in seinem Mut zur Hässlichkeit, in seiner Gesellschaftskritik und seinem - auf die Stadt bezogenen - Realismus vielmehr eine Art Anti-Zafón. Das Dunkelromantische und Mystische, das bei Zafón immer mitschwingt, sucht man auf den fast 450 Seiten von "Simón" vergeblich. Stärker erinnert "Simón" beispielsweise an "Tender Bar" von J. R. Moehringer, denn genau wie der kleine J.R. verbringt Simón einen Großteil seiner Kindheit in einer Kneipe. Und genau wie J.R. nimmt er sich ein zweifelhaftes Vorbild. Denn dieser Rico - so erfahren wir es recht früh - ist alles andere als ein Kind von Traurigkeit. Er handelt auf den Straßen Barcelonas mit in Filmdöschen versteckten Drogen und bekommt sein Leben nicht auf die Reihe. Sicherlich darf auch "Don Quixote" bei möglichen Parallelen nicht fehlen. Denn Miqui Otero erzählt episodenhaft und von einzelnen Abenteuern seines in jeder Szene präsenten Titelhelden. Wobei er den "Helden" stets kursiv druckt und damit wohl seine Ironie ausdrückt. Auch Simón kann nicht mehr zwischen der Realität und den Romanen unterscheiden. Schon als Kind spricht er zumindest in seinem Kopf wie seine Lieblingsfiguren aus der Literatur des 19. Jahrhunderts. Doch anders als Don Quixote kämpft Simón nicht gegen Windmühlen, sondern eher gegen seine Vergangenheit und gegen den Schmerz über den Verlust seines Cousin-Bruders. "Simón" ist ein äußerst ambitionierter Roman. Miqui Otero versucht in ihm, für die Stadt Barcelona so prägende Ereignisse wie den Terroranschlag im August 2017 oder das Referendum über die katalanische Unabhängigkeit vom 1. Oktober desselben Jahres unterzubringen. Jenen "Bloody Sunday", als die spanische Polizei auch mit Gewalt versuchte, diese Abstimmungen zu verhindern. Dies gelingt ihm jedoch leidlich. Denn auch hier übertrumpft Simón als Figur die Hintergründe. Einmal gibt es einen eher albernen Moped-Unfall zu bestaunen, beim anderen Mal schwafelt Simón irgendetwas vom Glauben und bleibt dabei seltsam schwammig. Ohnehin wagt Otero einen riskanten Spagat zwischen Humor und ernster Melancholie, zwischen Fäkalsprache und Poesie. Ganz ohne Zweifel sind die Stärken des Romans die ernsten Stellen - und die Figuren. Die Charaktere sind vielschichtig und ambivalent. Keinem aus dem bunt schillerndem Cast gelingt es, nicht an mindestens einer Stelle im Roman zu nerven. Doch andererseits schafft es auch jede Figur, die Leserschaft zeitweise tief zu berühren. Erstaunlicherweise gilt das Gleiche für den gesamten Roman, der eine ähnliche Entwicklung wie sein Protagonist durchzumachen scheint. Das kindlich-warmherzige Verhältnis zwischen Simón und Rico - sicherlich einer der Höhepunkte des Romans - wird von einer albern-pubertären Episode des heranwachsenden Jungen abgelöst, ehe sich Buch und Held langsam aber sicher emanzipieren, um in ihrer Reife gelegentlich zu langweilen. Die Szenen zwischen den Cousin-Brüdern bleiben lange in Erinnerung. In jedem Alter. Das Verhältnis ist von tiefer Liebe durchdrungen, von Wärme und Freundschaft, aber auch von Verrat und Ängsten. In diesen Momenten strahlt "Simón". Auch die Frauenfiguren bleiben im Gedächtnis. Ob Kindheitsfreundin Estela, eine grünhaarige Unabhängigkeitsbefürworterin, die leicht schizophrene Immobilienmaklerin und Drogenabhängige Beth oder Candela, die wohl erste große Liebe Simóns aus der Dominikanischen Republik - sie alle verkörpern das, was den Männern manchmal fehlt: Haltung und Charakter. Rico ist ein ewiges Kind, ein in Selbstmitleid getränkter Verlierer. Doch auch er ist in seiner Verlorenheit und in seiner Tragik ein Highlight und erinnert ein wenig an Anton aus Damon Galguts "Das Versprechen", was Qualitätsmerkmal genug sein sollte. Und Simón selbst? Er ist vielleicht die Mischung aus allem, aus Verrücktheit und Vernunft. Ein Junge und später Mann, der zahlreiche Fehler begeht, und sich doch in die Herzen der Leser:innen drängt. Auch formal weiß "Simón" zu überzeugen. Die bisweilen großen Zeitsprünge zwischen den Kapiteln werden elegant durch gewisse Rückblicke überbrückt, die aber so wenig Raum einnehmen, dass sie nicht einmal im Ansatz langweilen. Jedem Kapitel wird ein Zitat vorangestellt, das eine liebevolle Hommage an die Literatur ist, welche sich zudem durch das ständige Auftauchen des Barceloneser Bücherflohmarkts von Sant Antoni ausdrückt. Häufig lesen wir auch E-Mails an Simón, die zwar unbeantwortet bleiben, aber sich nahtlos in die Handlung einfügen. Hier stört in einigen Details nur die etwas merkwürdige deutsche Übersetzung. Ganz hervorragend gelingen Miqui Otero Ein- und Ausstieg der jeweiligen Kapitel. In diesen Momenten hat das Buch seine vielleicht emotionalsten und spannendsten Stellen. Ein durchdringend klingelndes Telefon in der Kneipe von Simóns Eltern, während sich die gesamte Belegschaft um einen Schwerverletzten kümmern muss. Ein Erzähler, der auch schon mal Simón direkt anspricht und damit für Gänsehaut sorgt. Wirklich besonders und kreativ. Insgesamt war "Simón" für mich ein Wechselbad der Gefühle. Ein Roman, der mich streckenweise stark berührt hat, mich an anderen, redundanten oder zu langen Stellen aber regelrecht geärgert hat. Dass das Buch aber eigentlich ständig irgendeine positive oder negative Reaktion bei mir auslöste, rechne ich ihm als Pluspunkt an. Denn ob nun Simón, Daniel Sempere im "Schatten des Windes" oder zuletzt Benny Oh in Ruth Ozekis "Die leise Last der Dinge": Bücher, die langweilen, haben alle drei Jungen bestimmt längst vergessen. Doch diejenigen, die berühren oder ärgern, die bleiben noch lange im Gedächtnis. Wie "Simón" von Miqui Otero.

  • Christian1977

    aus Leipzig

    4/5

    28.10.2022

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Der achtjährige Simón und…

    Der achtjährige Simón und sein zehn Jahre älterer Cousin Rico sind wie Brüder. Rico ist ein Held, ein Idol für den kleinen Jungen, und so ist es nicht verwunderlich, dass auch Simón sich bald für die großen Abenteuerromane des 19. Jahrhunderts zu begeistern beginnt, die Rico so liebt. Doch nach dem mittsommerlichen Sant Joan-Fest des Jahres 1992 verschwindet der Größere plötzlich spurlos. Fortan muss sich Simón auf den Straßen Barcelonas selbst behaupten. Wie entwickelt sich ein kleiner Büchernarr, wenn ihm das Vorbild von einem auf den anderen Tag abhandenkommt? Und was macht es aus einer Familie, wenn eines der Mitglieder plötzlich fehlt? Nicht nur darüber schreibt Miqui Otero in seinem neuen Roman "Simón", der kürzlich bei Klett-Cotta in der deutschen Übersetzung aus dem Spanischen von Matthias Strobel erschienen ist. Wer nun wegen der drei großen Bs - Buben, Bücher, Barcelona - an Ähnlichkeiten mit Carlos Ruiz Zafóns "Der Schatten des Windes" denken mag, liegt nur auf den ersten Blick richtig. Denn neben diesen drei Bs gibt es nur noch eine weitere Gemeinsamkeit: Sowohl Zafón, als auch Otero schreiben ihre Romane auf Spanisch und nicht auf Katalanisch. "Simón" ist in seinem Mut zur Hässlichkeit, in seiner Gesellschaftskritik und seinem - auf die Stadt bezogenen - Realismus vielmehr eine Art Anti-Zafón. Das Dunkelromantische und Mystische, das bei Zafón immer mitschwingt, sucht man auf den fast 450 Seiten von "Simón" vergeblich. Stärker erinnert "Simón" beispielsweise an "Tender Bar" von J. R. Moehringer, denn genau wie der kleine J.R. verbringt Simón einen Großteil seiner Kindheit in einer Kneipe. Und genau wie J.R. nimmt er sich ein zweifelhaftes Vorbild. Denn dieser Rico - so erfahren wir es recht früh - ist alles andere als ein Kind von Traurigkeit. Sicherlich darf auch "Don Quixote" bei möglichen Parallelen nicht fehlen. Denn Miqui Otero erzählt episodenhaft und von einzelnen Abenteuern seines in jeder Szene präsenten Titelhelden. Auch Simón kann nicht mehr zwischen der Realität und den Romanen unterscheiden. Schon als Kind spricht er zumindest in seinem Kopf wie seine Lieblingsfiguren aus der Literatur des 19. Jahrhunderts. Doch anders als Don Quixote kämpft Simón nicht gegen Windmühlen, sondern eher gegen seine Vergangenheit und gegen den Schmerz über den Verlust seines Cousin-Bruders. "Simón" ist ein äußerst ambitionierter Roman. Miqui Otero versucht in ihm, für die Stadt Barcelona so prägende Ereignisse wie den Terroranschlag im August 2017 oder das Referendum über die katalanische Unabhängigkeit vom 1. Oktober desselben Jahres unterzubringen. Dies gelingt ihm jedoch leidlich. Denn auch hier übertrumpft Simón als Figur die Hintergründe. Einmal gibt es einen eher albernen Moped-Unfall zu bestaunen, beim anderen Mal schwafelt Simón irgendetwas vom Glauben und bleibt dabei seltsam schwammig. Ohnehin wagt Otero einen riskanten Spagat zwischen Humor und ernster Melancholie, zwischen Fäkalsprache und Poesie. Ganz ohne Zweifel sind die Stärken des Romans die ernsten Stellen - und die Figuren. Die Charaktere sind vielschichtig und ambivalent. Keinem aus dem bunt schillerndem Cast gelingt es, nicht an mindestens einer Stelle im Roman zu nerven. Doch andererseits schafft es auch jede Figur, die Leserschaft zeitweise tief zu berühren. Erstaunlicherweise gilt das Gleiche für den gesamten Roman, der eine ähnliche Entwicklung wie sein Protagonist durchzumachen scheint. Das kindlich-warmherzige Verhältnis zwischen Simón und Rico - sicherlich einer der Höhepunkte des Romans - wird von einer albern-pubertären Episode des heranwachsenden Jungen abgelöst, ehe sich Buch und Held langsam aber sicher emanzipieren, um in ihrer Reife gelegentlich zu langweilen. Die Szenen zwischen den Cousin-Brüdern bleiben lange in Erinnerung. In jedem Alter. Das Verhältnis ist von tiefer Liebe durchdrungen, von Wärme und Freundschaft, aber auch von Verrat und Ängsten. In diesen Momenten strahlt "Simón". Auch die Frauenfiguren bleiben im Gedächtnis. Auch formal weiß "Simón" zu überzeugen. Die bisweilen großen Zeitsprünge zwischen den Kapiteln werden elegant durch gewisse Rückblicke überbrückt, die aber so wenig Raum einnehmen, dass sie nicht einmal im Ansatz langweilen. Häufig lesen wir auch E-Mails an Simón, die zwar unbeantwortet bleiben, aber sich nahtlos in die Handlung einfügen. Ganz hervorragend gelingen Miqui Otero Ein- und Ausstieg der jeweiligen Kapitel. In diesen Momenten hat das Buch seine vielleicht emotionalsten und spannendsten Stellen. Ein durchdringend klingelndes Telefon in der Kneipe von Simóns Eltern, während sich die gesamte Belegschaft um einen Schwerverletzten kümmern muss. Ein Erzähler, der auch schon mal Simón direkt anspricht und damit für Gänsehaut sorgt. Wirklich besonders und kreativ. Insgesamt war "Simón" für mich ein Wechselbad der Gefühle. Ein Roman, der mich streckenweise stark berührt hat, mich an anderen, redundanten oder zu langen Stellen aber regelrecht geärgert hat.

  • Gavroche

    4/5

    21.09.2022

    eBook (ePUB 3)

    Märchenhaft

    Simón und sein älterer Cousin Rico wachsen fast wie Brüder auf. Die Eltern sind Geschwisterpaare und betreiben gemeinsam eine Bar in Barcelona. Rico kümmert sich derweil um Simón. An den Sonntag muss Simón Rätsel lösen oder Schnitzeljagden machen, an deren Ende ein neues Buch vom Flohmarkt auf ihn wartet. Rico ist sein großes Vorbild und sein Halt, aber auch sein Held. Ein Leben voller Abenteuer. Doch eines abends verschwindet der Ältere ohne eine Nachricht oder Spur zu hinterlassen. Simón macht sich auf die Suche, untertützt vom Nachbarsmädchen Estela mit den "grünen Haaren", deren Mutter Simón weiter die Liebe zu Büchern nahebringt. In Zweijahresabschnitten vergeht der erste Teil, Simón wird älter. Er verlässt Barcelona, wird Koch, trifft sogar Rico wieder. Eine poetischer Schriftstil, eine Geschichte, die manchmal ein wenig märchenhaft anmutet oder wie ein Gedicht. Manche Sätze hören sich toll an, bedürfen jedoch einer Interpretation wie ein Gedicht. Ein Buch, das mich gefordert hat und bei dem ich Lust bekomme, meine Spanischkenntnisse zusammen zu kratzen und es im Original zu lesen.

Kundinnen und Kunden meinen

5

2

4

4

3

4

2

6

1

0

Bewertungen (16)

Die Leseprobe wird geladen.
  • Produktbild: Simón
  • Produktbild: Simón