1941 in Aspen, Colorado. Die 18-jährige Rachel tritt bei den Skimeisterschaften an. Eine Medaille gibt es nicht, dafür ist sie schwanger, als sie in ihre Heimat New Hampshire zurückkehrt. Ihr Sohn Adam wächst in einer unkonventionellen Familie auf, die allen Fragen über die bewegte Vergangenheit ausweicht. Jahre später macht er sich deshalb auf die Suche nach Antworten in Aspen. Im Hotel Jerome, in dem er gezeugt wurde, trifft Adam auf einige Geister. Doch werden sie weder die ersten noch die letzten sein, die er sieht.
Kundinnen und Kunden meinen
3.6/5.0
Danyboy
Book Circle Community
5/5
02.11.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Monumentaler Irving!
+ Das Zitat
„Als Kind denkt man, die Kindheit dauert zu lang. Man kann es nicht erwarten, erwachsen zu werden. Eines Tages ist das einfach passiert, man hat den Moment verpasst und versucht, es im Nachhinein zu begreifen. Sobald man vor Menschen, die man liebt, Geheimnisse hat, schläft man nicht mehr so tief wie ein Kind.“
+ Die Thematik
Wer einen Irving versucht inhaltlich zusammenzufassen, scheitert zwangsweise.
„Der letzte Sessellift“ ist ein Irving-typisches Panoptikum skurriler Figuren und komplexer Familienverhältnisse, eingebettet (wie meist) in einer Erzählung im Zeitraum der ca. 1940er bis in die Gegenwart. Das Setting bildet im „Sessellift“ der Wintersport im Nordosten der USA, in Aspen, aber auch z.B. in Österreich. Auch in seinem monumentalen neuen Werk kreist Irving um Themen der sexuellen Abweichung, Erwachsenwerden, Akzeptanz, Familie und Politik.
+ Zum Mitnehmen
Man liest oft, man solle Irvings Frühwerke lesen, da diese qualitativ unerreicht seien. Da möchte ich widersprechen: Die Art, wie man Irving liest, hängt eher davon ab, wie viele Werke von ihm man schon gelesen hat (und nicht WELCHE). Jungfräulichen Irving-Leser:innen empfehle ich, eins seiner neueren Werke zuerst zu lesen (z.B. „In einer Person“ oder „Der letzte Sessellift“). Es muss nicht mit “Garp“ begonnen werden…
+ Kritik
Irvings Spätwerke sind für mich eine Wucht. Insbesondere, wenn sie zentral sexuelle Befreiung behandeln. Auch der „Sessellift“ bildet hier keine Ausnahme: Für mich ist das Lesen von Irving immer wie ein Nachhausekommen, ein Sich-Suhlen in erzählerischer Geborgenheit. Seine wiederkehrenden Topoi und Thematiken über all seine Bücher hinweg sind eine Wohlfühl-Konstante. Ebenjene Wiederholungen wie auch seine ausufernde Erzählweise können aber auch abschreckend wirken: Es überrascht daher wenig, dass man Irving entweder liebt oder stinklangweilig findet. Dazwischen dürfte es wenig Spielraum geben…
Giselas Lesehimmel
aus Landshut
5/5
10.10.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Adams Family
Meine Meinung:
Adams Family
Ich habe mehrere Wochen tolle Menschen besucht. Einige davon waren sehr klein. Im Herzen jedoch groß. Mit dem Skifahren geht es mir wie Adam. Muss nicht sein. Dennoch konnte mich Adams Mutter, little Rachel, mit ihrer Leidenschaft zu diesem Wintersport faszinieren. Rachel, die nie eine Medaille gewonnen hat aber nach den Skimeisterschaften, in Aspen 1941, ihr Ein und Alles im Bauch hatte. Nämlich Adam.
Diese komplexe Geschichte muss man sich langsam auf der Zunge zergehen lassen. Schnelles Lesen war für mich nicht möglich. Aber warum auch. Ich habe mich über mehrere Wochen jeden Abend auf eine Familie gefreut, der das Wort Konventionen anscheinend nicht bekannt war.
Dieser gesellschaftskritische Roman beinhaltet viele Themen, die mir alle bekannt sind. Wie jedoch Adams Familie damit umgegangen ist, hat mir immer wieder das Herz gewärmt. Es gibt nicht nur eine Art zu lieben. Das hat sich in der Geschichte immer wieder gezeigt. Mancher muss erkennen, dass er im falschen Körper lebt. Wieder andere fühlen sich zum gleichen Geschlecht hingezogen, aber das im richtigen Körper. Tabus kennt John Irving nicht. Auch bei politischen Themen nimmt er kein Blatt vor den Mund. Dies auf sehr humorvolle Weise. Skurrile Situationen empfindet man bei dieser Familie passend und in keinster Weise abstoßend. Auch Adams sexuelle Erfahrungen bleiben in der Familie nicht geheim. Da schreitet schon mal ein Familienmitglied ein, wenn Adam gerade beim Liebesakt in Gefahr gerät. Was habe ich gelacht. Adam ist sehr liebevoll aufgewachsen. Seine Mutter hat er über Monate nicht gesehen. In dieser Zeit kümmert sich seine Großmutter Nana liebevoll um ihn. Liest ihm jeden Tag aus Mobi Dick vor. Seinen Großvater verliert er immer ein Stückchen mehr an die Demenz. Die Skilehrerin verbringt jedoch die übrige Zeit sehr liebevoll mit ihrem *Ein und Alles*. Wer sein Vater ist, wollte sie lange nicht verraten. Erst viele Jahre später macht sich Adam auf den Weg nach Aspen, um etwas über seinen Vater zu erfahren.
Der Schreibstil ist überwiegend flüssig und sehr humorvoll. Besonders die Kapitel, die in Form eines Drehbuchs geschrieben sind, haben mir gut gefallen. Manchmal verliert sich der Autor in Wiederholungen, die es für meinen Geschmack nicht gebraucht hätte. Aber meinen Lesefluss konnte es kaum mindern. Es war für mich sehr traurig, wenn von den liebgewonnenen Protas jemand gestorben ist. Gleichzeitig wurden meine Lachmuskeln arg strapaziert, ob der skurrilen Situationen, wie es passiert ist.Richtig verloren gehen die Verstorben allerdings nicht. So manch einem begegnen sie an verschiedenen Orten als Geister wieder. Tarzan macht da keine Ausnahme.
Adam wird Autor und schreibt Drehbücher. Überhaupt kommen in der Geschichte einige Autor*innen vor.
Fazit:
Sprachgewaltig und mit dem richtigen Gespür für Situationskomik, hat John Irving eine wunderschöne Familie erschaffen. Es braucht keine Blutsverwandschaft, um von einer Familie getragen zu werden. Man muss als Mensch nicht der Norm entsprechen, um glücklich zu werden. Schon gar nicht bei so einer Familie.
Danke John Irving.
Giselas Lesehimmel
aus Landshut
5/5
10.10.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Meine Meinung: Adams Family…
Meine Meinung: Adams Family Ich habe mehrere Wochen tolle Menschen besucht. Einige davon waren sehr klein. Im Herzen jedoch groß. Mit dem Skifahren geht es mir wie Adam. Muss nicht sein. Dennoch konnte mich Adams Mutter, little Rachel, mit ihrer Leidenschaft zu diesem Wintersport faszinieren. Rachel, die nie eine Medaille gewonnen hat aber nach den Skimeisterschaften, in Aspen 1941, ihr Ein und Alles im Bauch hatte. Nämlich Adam. Diese komplexe Geschichte muss man sich langsam auf der Zunge zergehen lassen. Schnelles Lesen war für mich nicht möglich. Aber warum auch. Ich habe mich über mehrere Wochen jeden Abend auf eine Familie gefreut, der das Wort Konventionen anscheinend nicht bekannt war. Dieser gesellschaftskritische Roman beinhaltet viele Themen, die mir alle bekannt sind. Wie jedoch Adams Familie damit umgegangen ist, hat mir immer wieder das Herz gewärmt. Es gibt nicht nur eine Art zu lieben. Das hat sich in der Geschichte immer wieder gezeigt. Mancher muss erkennen, dass er im falschen Körper lebt. Wieder andere fühlen sich zum gleichen Geschlecht hingezogen, aber das im richtigen Körper. Tabus kennt John Irving nicht. Auch bei politischen Themen nimmt er kein Blatt vor den Mund. Dies auf sehr humorvolle Weise. Skurrile Situationen empfindet man bei dieser Familie passend und in keinster Weise abstoßend. Auch Adams sexuelle Erfahrungen bleiben in der Familie nicht geheim. Da schreitet schon mal ein Familienmitglied ein, wenn Adam gerade beim Liebesakt in Gefahr gerät. Was habe ich gelacht. Adam ist sehr liebevoll aufgewachsen. Seine Mutter hat er über Monate nicht gesehen. In dieser Zeit kümmert sich seine Großmutter Nana liebevoll um ihn. Liest ihm jeden Tag aus Mobi Dick vor. Seinen Großvater verliert er immer ein Stückchen mehr an die Demenz. Die Skilehrerin verbringt jedoch die übrige Zeit sehr liebevoll mit ihrem *Ein und Alles*. Wer sein Vater ist, wollte sie lange nicht verraten. Erst viele Jahre später macht sich Adam auf den Weg nach Aspen, um etwas über seinen Vater zu erfahren. Der Schreibstil ist überwiegend flüssig und sehr humorvoll. Besonders die Kapitel, die in Form eines Drehbuchs geschrieben sind, haben mir gut gefallen. Manchmal verliert sich der Autor in Wiederholungen, die es für meinen Geschmack nicht gebraucht hätte. Aber meinen Lesefluss konnte es kaum mindern. Es war für mich sehr traurig, wenn von den liebgewonnenen Protas jemand gestorben ist. Gleichzeitig wurden meine Lachmuskeln arg strapaziert, ob der skurrilen Situationen, wie es passiert ist.Richtig verloren gehen die Verstorben allerdings nicht. So manch einem begegnen sie an verschiedenen Orten als Geister wieder. Tarzan macht da keine Ausnahme. Adam wird Autor und schreibt Drehbücher. Überhaupt kommen in der Geschichte einige Autor*innen vor. Fazit: Sprachgewaltig und mit dem richtigen Gespür für Situationskomik, hat John Irving eine wunderschöne Familie erschaffen. Es braucht keine Blutsverwandschaft, um von einer Familie getragen zu werden. Man muss als Mensch nicht der Norm entsprechen, um glücklich zu werden. Schon gar nicht bei so einer Familie. Danke John Irving.
dracoma
aus LANDAU
5/5
17.07.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
„Es gibt mehr als nur eine…
„Es gibt mehr als nur eine Art zu lieben!“ Irvings Roman umfasst die Spanne von 60 Jahren, in denen wir das Leben des Adam Brewster verfolgen. Adam wächst vaterlos auf, und so wird die Suche nach seinem Vater zu einem der Motoren des Romans. Seine Mutter ist begeisterte Skilehrerin, und Adam weiß nur eines: er wurde gezeugt im Hotel Jerome im Ski-Ort Aspen. Dieses Hotel wird daher zu einem Bezugspunkt des Romans. Als Irving-Fan war für mich dieser Roman so etwas wie das Hotel Jerome. Ich fühlte mich sofort zuhause, weil ich fast alle bekannten Motive und Erzählweisen dort wiedergetroffen habe. Da waren sie wieder !: die gesellschaftlichen Außenseiter, die skurrilen Gestalten, die Kleinen, bizarre Episoden wie die Hochzeit der Mutter, Wien und Wiener Schmäh mitsamt der Zither-Musik gehören auch dazu, ebenso der Ringer-Sport, Sex in unterschiedlichen Orientierungen, die alleinerziehende Mutter und natürlich auch der Bär, der sich allerdings listig versteckte. Mir kam dieser Reigen wie die Schlussszene in einem Zirkus vor, in der alle Artisten noch einmal gebündelt auftreten und sich verabschieden. Sollte es tatsächlich Irvings Abschied vom Erzählen sein? Irvings Themen sind ebenfalls nicht neu. Er stellt ein Familienmodell vor, das sich nicht um gesellschaftliche Erwartungen kümmert, sondern dessen Mitglieder ihre Bedürfnisse und ihre Andersartigkeit konsequent ausleben können. Diese Familie wird nicht nur durch verwandtschaftliche Verhältnisse zusammengehalten, sondern es ist ein starkes emotionales Band, das sehr verschiedene Menschen zusammenbindet und füreinander einstehen lässt. Hier gelingen ihm wunderschöne und anrührende Bilder. Ich denke da besonders an die Gedenkfeier für den in Vietnam gefallenen Freund, als dessen Vater, immerhin ein hochdekorierter Offizier, die Schützlinge seines Sohnes zur Gedenkfeier einlädt : ein Trupp von verlausten, verlotterten und ausgehungerten Menschen, die aus den gesellschaftlichen Rastern herausgefallen sind. Im Zusammenhang mit dem Familienthema steht ein zweites Thema: das der ungehinderten sexuellen Orientierung, für die Irving schon immer mit aller Vehemenz eingetreten ist. Ein neues Thema klingt jedoch an: das des Verschwindens und des Todes. Ein zunehmend elegisch werdender Ton zieht sich durch das Buch, verstärkt durch das Auftreten von Gespenstern und dem Einfügen von Drehbüchern; immerhin halten Filme auch die Verstorbenen lebendig. Die Schlusskapitel zeigen in beeindruckender Verdichtung das immer schneller werdende Vergehen der Zeit, das mit immer häufiger werdenden Altersangaben gezeigt wird, dazu kommen ruhelos wirkende stringente Sätze – ein schöner erzählerischer Kunstgriff! Die Biographie des Adam Brewster erinnert in weiten Teilen an Irvings eigene Biografie, so dass man Adam getrost als Irvings Alter Ego auffassen kann. Die Themen, die Adam umtreiben, sind daher auch die Themen, mit denen sich Irving in den USA unbeliebt gemacht hatte, z. B. seine kritische Stellungnahme zum Vietnamkrieg und zum Abtreibungsverbot. Und so vermengt sich die autofiktionale Biografie mit der Zeitgeschichte, ein großes Panorama der amerikanischen Gesellschaft tut sich auf, und in den Passagen über die Macht der Katholischen Kirche oder die Ignoranz Reagans gegenüber AIDS spürt man die Empörung des Autors. Das Lesen des fast 1100 Seiten starken Romans wird erschwert durch zu viele Wiederholungen, und auch die standardisierten Umschreibungen der Personen wurden mir mit der Zeit lästig. Auch die genauen Informationen über diverse globale Skiweltmeisterschaften etc. verstärkten vielleicht das Lokalkolorit, aber waren in dieser Ausführlichkeit nicht notwendig. Der Roman wurde damit gelegentlich schwammig und verlor seine Prägnanz. Umso mehr ist Irvings souveräne Erzählkunst hervorzuheben, die den Leser wieder einfängt und in die Geschichte zurückzieht.
darkola77
5/5
12.06.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Da ist er: ein neuer, großer Irving
Wenn die Vorfreude mindestens so groß ist, wie der Roman seitenschwer! Und wenn ich mich in wunderbarer Frühlingsluft in die kalte Winterlandschaft von Aspen wünsche – dann muss es ein ganz besonderer Autor sein.
John Irving ist dieser Autor für mich. „Witwe für ein Jahr“ gehört für mich zu den großen Romanen, die mich schon über so viele Jahre in Gedanken begleiten. Und den ich immer, immer wieder zur Hand nehme. Und was wären Literatur- und Filmgeschichte ohne „Gottes Werk und Teufels Beitrag“?! Leuchtend rote Äpfel erinnern mich stets an Homer und Dr. Larch.
Dementsprechend hoch und noch viel höher waren meine Erwartungen an „Der letzte Sessellift“. Und dann endlich die ersten Seiten – und die erste Verwirrung. So viele Namen, wo ist die Geschichte?
Doch dann habe ich sie gefunden oder der Roman vielleicht eher mich. Hat mich gepackt, festgehalten, nicht mehr losgelassen. Denn all das, was ich mir erhofft hatte, da war es! Figuren, so herzerwärmednd wie skurril in ihrer Zeichnung. Eine Handlung, gekonnt und vielschichtig konstruiert und für mich so unvorhersehbar in ihren Entwicklungen, Wendungen, der Metaphysik als durchgängigem Motiv. Und vor allem und ganz viel davon: Die Geschichte ist ein Statement, so politisch, ein Appell für Gleichheit, Gleichberechtigung, der Liebe zum Menschen, unabhängig von seinem Geschlecht, biologischen und sozialen Konstruktionen und Zuschreibungen.
Ich möchte nicht so weit gehen, ihn als eine Pflichtlektüre zu bezeichnen – für diejenigen, die es bisher nicht verstanden haben und eine Gesellschaft, die sich in einem steten Entwicklungsprozess befindet. Über 1.000 Seiten Handlung sind nicht für jede*n zugänglich. Und doch ist der Roman wichtig. Sehr sogar.
Doch vor allem ist er für mich eins: ein großes, reichhaltiges, so schönes Lesevergnügen! Ein Buch zum Entdecken, Erkennen, Darübernachdenken. Und eine Geschichte, die neue Erinnerungen an den für mich so besonderen Autor schafft. Nur das Skifahren, das ist nach wie vor nichts für mich. Lieber bleib ich doch in der warmen Frühlingsluft, mit einem seitenschweren Roman in der Hand.
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