Edgar Rothenburg ist Philosophieprofessor, sein Spezialgebiet der Historische Materialismus. Nach der Wiedervereinigung werden die alten Eliten abgewickelt. »Den Untergang seines Staates sah er, ironisch genug, durch historisch materielle Befunde gesetzmäßig erklärt. Er ließ sich leider nicht vorher-, aber eindeutig nachhersagen.« Während bei den einen Goldgräberstimmung um sich greift, verfallen andere in Verzagtheit oder Ostalgie. Rothenburg bleibt gelassen. Doch dann zwingen ihn Unterhaltsforderungen seiner Ex-Frau zum Handeln. Unfreiwilllig wird er zum Unternehmer. Seine Geschäftsidee, ein Institut für Handlinienlesen, wird zum sensationellen Erfolg. Und nicht nur verunsicherte Ostler suchen Hilfe auf okkulten Wegen, bald stellen sich Kunden und auch Partner und Förderer aus dem Westen ein. Es geht aufwärts, immer nur aufwärts. Oder doch nicht? – John Erpenbecks Geschichte bleibt nicht bei Gewinnern oder Verlierern der Einheit stehen. Sie handelt von alten und neuen Werten und dem Verlangen nach Zukunftsgewissheit.
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tolles Buch
Manuela404 am 28.11.2025
Bewertungsnummer: 2665134
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
„Aufschwung“ von John Erpenbeck ist ein vielschichtiger Roman, der die gesellschaftlichen und persönlichen Umbrüche der Nachwendezeit mit Genauigkeit und Ironie schildert. Besonders hervorzuheben ist die differenzierte Darstellung von Edgar Rothenburg, einem Philosophieprofessor, dessen Fachgebiet der Historische Materialismus ist und der nach der Wende mit dem Zusammenbruch seiner beruflichen und weltanschaulichen Sicherheit konfrontiert wird. Anstatt in Lethargie zu verfallen, reagiert Rothenburg pragmatisch auf die neue Lage und gründet mehr oder weniger unfreiwillig ein Institut für Handlinienlesen, das in der neuen Gesellschaft rasch großen Zuspruch erfährt. Besonders überzeugend wirkt, wie der Roman ohne einfache Stereotype auskommt: Es gibt nicht nur „Gewinner“ und „Verlierer“ der Einheit, sondern zahlreiche Grautöne und gebrochene Biografien. Auch optisch überzeugt der Roman durch seinen kurzen, blauen Seiteneinband zum „Leitfaden der Tes Chiros-Gesellschaft“. Insgesamt ist „Aufschwung“ ein facettenreiches Zeitbild und ein literarisch anspruchsvoller Roman, der weit über die individuellen Schicksale hinausweist und einfühlsam, aber mit klarem Blick auf die Herausforderungen und Ambivalenzen des gesellschaftlichen Wandels blickt.
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