Der »War on Terror« hat den Irak in Schutt und Asche gelegt – mit millionenfacher Vertreibung, Kriegsverbrechen und der Destabilisierung ganzer Regionen. Auch Irland war daran beteiligt. Über zwei Jahrzehnte nutzte das US-Militär den zivilen Flughafen Shannon für Truppen- und Waffentransporte in internationale Krisenregionen. Trotz zahlreicher Hinweise auf diese völkerrechtswidrige Nutzung blieb die irische Regierung untätig. Nachdem ihnen zwei Minister spöttisch geraten hatten, sie sollten doch selbst Beweise finden, nahmen die Parlamentsabgeordneten Clare Daly und Mick Wallace die Aufforderung wörtlich: »Und genau das taten wir dann […]«. Am Morgen des 22. Juli 2014 überstiegen sie den Zaun des Flughafens, um ein US-Militärflugzeug auf illegale Waffen zu kontrollieren – und wurden verhaftet. Der anschließende Prozess wurde zum politischen Tribunal über eine Politik des Wegsehens. »Der Fall Shannon oder Tribunal des Gewissens« erzählt die Geschichte dieses Verfahrens und beleuchtet die strukturellen Hintergründe: Wie neutral ist ein Staat, der seine Infrastruktur in den Dienst militärischer Operationen anderer stellt? Welche Verantwortung tragen europäische Länder in völkerrechtswidrigen Kriegen? Was bleibt denen, die sich weigern, stillschweigend zuzustimmen? Wann wird aus Unrecht Recht – wann aus Widerstand Pflicht?
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Manuela404
5/5
26.11.2025
Buch (Taschenbuch)
eindrucksvolles Buch
„Der Fall Shannon oder Tribunal des Gewissens“ von Clare Daly und Mick Wallace ist ein engagiertes Sachbuch über die Rolle des irischen Flughafens Shannon als Drehscheibe für US-Militärtransporte und die Frage, wie vereinbar dies mit der offiziell proklamierten Neutralität Irlands ist. Das Buch verbindet politische Analyse, juristische Hintergründe und die Schilderung konkreter Aktionen und Gerichtsverfahren zu einem gut lesbaren, klar strukturierten Text. Besonders die verständliche Darstellung komplexer Zusammenhänge in Völkerrecht, Sicherheits- und Außenpolitik, ohne in akademische Trockenheit zu verfallen, ist beeindruckend. Die Autoren beziehen deutlich Stellung gegen Militarisierung und westliche Doppelmoral, was der Darstellung Schärfe und Profil verleiht, aber wenig Raum für gegenteilige Positionen lässt. Insgesamt bietet das Buch eine eindrückliche, gut recherchierte und pointiert formulierte Auseinandersetzung mit Antikriegspolitik und politischer Verantwortung und eignet sich vor allem für Leserinnen und Leser, die sich kritisch mit europäischer Sicherheits- und Außenpolitik auseinandersetzen möchten.
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