Die Autorin nimmt Leser und Leserinnen auf eine Reise in ihre Kindheit mit und gibt Einblicke in ein Leben in der DDR, das sich recht individuell gestaltete und kaum in eines der gängigen Klischees passt. Sie wächst in einem kleinbürgerlichen und christlich geprägten Elternhaus auf. Ihr Großvater ist ein ehemaliger russischer Kriegsgefangener des Ersten Weltkriegs. Geboren im Jahr 1950 im brandenburgischen Schwedt an der Oder, erlebt sie den Aufbruch in eine neue Zeit. In der im Krieg fast ganz zerstörten Stadt werden zwei große Industriewerke gebaut, Menschen kommen aus allen Teilen der Republik und Wohnsiedlungen schießen wie Pilze aus dem Boden. Das Mädchen wächst in einer ganz anderen Zeit auf als ihre Mutter und ihre Großmütter. Die Frauen sind nun völlig gleichberechtigt und gestalten ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen. Dennoch werden bewährte Traditionen und Verhaltensregeln mit in die neue Zeit genommen und bewahrt.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Johanna Sumkin
aus Neustadt/Holstein
5/5
08.12.2025
Buch (Taschenbuch)
Die Autorin beschreibt…
Die Autorin beschreibt detailreich ihr Kinderleben in einer Kleinstadt der DDR. Sie führt die Leser durch eine Stadt, die im Krieg fast völlig zerstört wurde und nun wieder aufgebaut wird. Dabei nimmt sie Bezug zu den verschiedensten Bereichen des Lebens und zeigt ein völlig anderes Bild als das, was sich so mancher Westdeutsche vom Leben in der DDR macht. Es geht ihr darum, das Individuelle im Leben der Menschen darzustellen, fernab von der Ideologie des Staates, und das ist ihr gelungen. Ein lesenswertes Buch!
Bewertung
aus Neustadt
5/5
01.12.2025
Buch (Taschenbuch)
Eine lesenswerte Biografie
Darüber schreibt die Autorin: Das Leben in der DDR entsprach nicht den stereotypen Vorstellungen, die so mancher Westdeutscher heute davon hat. Nein, es war ganz verschieden individuell geprägt, je nach Herkunft, Religion und Weltanschauung. Der gemeinsame Nenner aller Leben in der DDR bestand lediglich darin, dass man sich den Herausforderungen des politischen Systems anpassen musste, um überleben zu können. Diese Hürde war individuell verschieden hoch.
Die Autorin wurde 1950 im brandenburgischen Schwedt an der Oder geboren. Die Stadt lag in Trümmern, erst Anfang der sechziger Jahre begann ihr Neuaufbau. Mit rasanter Schnelligkeit entstanden zwei große Industriewerke. Neue Schulen wurden gebaut, neue, noch ganz junge Lehrer unterrichteten. Es waren frisch ausgebildete Lehrer, die nun alles besser machen wollten, ohne den Mief des alten Deutschen Reichs. Der Unterricht in der Polytechnischen Oberschule hatte einen humanistischen Ansatz und nebenbei lernte man viele praktische Dinge fürs Leben. Die ideologische Beeinflussung hielt sich, wenn man von einer gewissen Phrasendrescherei absah, in Grenzen.
Als ein Mädchen dieser Zeit erlebte die Autorin, wie sich die Frauen weg vom häuslichen Herd bewegten. Schon in den fünfziger Jahren waren sie dem Mann per Gesetz völlig gleichgestellt.
Die liebevolle Familie, die gute Nachbarschaft und letztendlich die Schule mit ihrem völlig neuen pädagogischen Ansatz, all das trägt zu einer optimalen Entwicklung bei. Die frühe Selbstständigkeit, die dem Kind abverlangt wird, ermöglicht in erster Linie das sichere Lebensumfeld.
Was den Mangel an bestimmten Konsumgütern betrifft, so wird er kompensiert durch gegenseitige Hilfe und Kreativität. Wer so aufwächst, der wird später nie Mangel leiden. Der sparsame Umgang mit Ressourcen ist ihm in die Wiege gelegt worden und führt letztendlich zu einer sicheren materiellen Basis.
Die Autorin führt ihre Leser durch ihre Heimatstadt. Detailreich beschreibt sie das Schwedt der Nachkriegszeit. Aber auch vom alten Schwedt ist die Rede, vom einstigen Glanz der Residenzstadt, die bis zum Ende des Krieges auch eine Garnisonsstadt war. So erhält der Leser ein farbiges Bild vom Kosmos einer Kleinstadt tief im Osten Deutschlands, einer Stadt an der Grenze zu Polen.
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