Rafael Sabatinis Scaramouche, 1921 erschienen, ist ein historischer Abenteuerroman vor dem Hintergrund der Französischen Revolution. Im Mittelpunkt steht André-Louis Moreau, ein scharfzüngiger junger Jurist, der nach der Ermordung eines Freundes in den Strudel politischer Umwälzung gerät, Schauspieler einer Commedia-dell'arte-Truppe wird und schließlich als Fechter und Redner seine Maske findet. Sabatini verbindet Mantel-und-Degen-Spannung mit ironischer Distanz, präziser Dramaturgie und einem ausgeprägten Sinn für historische Atmosphäre. Sabatini, 1875 in Italien geboren und in England literarisch heimisch geworden, war mehrsprachig, kosmopolitisch gebildet und besonders empfänglich für Epochen des politischen Übergangs. Seine Vertrautheit mit europäischer Geschichte, Theaterkultur und rhetorischer Inszenierung prägt diesen Roman entscheidend. Wie in Captain Blood interessiert ihn weniger bloße Heldentat als die Entstehung einer Identität unter Druck: Aus Skepsis, verletzter Loyalität und sozialer Beobachtung formt sich eine Figur, die Geschichte nicht nur erleidet, sondern mitgestaltet. Dieses Buch empfiehlt sich Lesern, die historische Genauigkeit, erzählerische Eleganz und dramatische Spannung gleichermaßen schätzen. Scaramouche ist mehr als ein klassischer Fechtroman: Er untersucht Maske, Klasse, Gerechtigkeit und persönliche Verantwortung in einer Welt, deren alte Ordnung zerbricht.
Kundinnen und Kunden meinen
2.0/5.0
Bewertung
2/5
20.09.2026
Buch (Taschenbuch)
Enttäuschende Ausgabe
Leide
Leider wirkt diese Ausgabe beispielhaft für eine Philosophie, bei der möglichst günstig und schnell produziert wird, anstatt einen Klassiker sorgfältig aufzubereiten.
Die Gestaltung wirkt bereits auf den ersten Blick äußerst lieblos. Das Inhaltsverzeichnis sieht aus, als wäre es praktisch automatisch aus einer Textdatei erzeugt worden, und auch der restliche Buchsatz wirkt sehr schlicht und wenig sorgfältig. Damit könnte ich allerdings noch leben, wenn der eigentliche Text gut wäre.
Leider ist gerade die Übersetzung ein erhebliches Problem. Bereits beim Lesen fallen zahlreiche Inkonsistenzen und offensichtlich fehlerhafte Formulierungen auf. Innerhalb desselben Dialogs wird beispielsweise zwischen „Sie“ und „Du“ gewechselt, ohne dass dies inhaltlich nachvollziehbar wäre. Namen und Begriffe werden teilweise unterschiedlich geschrieben, etwa „Harlekin“ und an anderer Stelle „Harlequin“. Dazu kommen immer wieder Sätze, die sich ausgesprochen unnatürlich lesen und teilweise den Eindruck einer maschinellen bzw. nicht ausreichend redigierten Übersetzung erwecken.
Besonders ärgerlich ist, dass solche Fehler nicht nur vereinzelt auftreten, sondern beim fortschreitenden Lesen immer wieder auffallen. Dadurch wird man ständig aus der Geschichte herausgerissen.
Bei einem klassischen Roman wie Scaramouche erwarte ich keine moderne oder besonders aufwendige Ausstattung. Eine sprachlich sorgfältige Übersetzung und eine vernünftige Endredaktion sollten bei einer Neuauflage allerdings selbstverständlich sein.
Wer den Roman kennenlernen möchte, sollte sich daher meiner Meinung nach nach einer anderen deutschen Ausgabe umsehen. Der Roman selbst kann für diese Ausgabe nichts. Sabatini verdient eine deutlich sorgfältiger bearbeitete Übersetzung.
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