Faust I Der Tragödie erster Teil - Band 1
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Beschreibung
Produktdetails
Verkaufsrang
34820
Einband
Gebundene Ausgabe
Erscheinungsdatum
22.09.2025
Illustriert von
Nele Heaslip
Verlag
Jaja VerlagSeitenzahl
280
Maße (L/B/H)
28,8/20,9/3,2 cm
Gewicht
1165 g
Farbe
Indigo / Karamell
Auflage
1. Auflage
Sprache
Deutsch
ISBN
978-3-948904-73-9
Goethes Faust ist für mich einer der bedeutendsten Texte der deutschen Literatur.
Es ist zugleich auch ein Text, an den man sich sehr gewöhnt zu haben scheint – ein Text, in dem jeder zweite Vers zum geflügelten Wort geworden ist, den man in der Schule tausendmal wiederkäuen musste, der auf der Bühne auf tausend verschiedene Weisen inszeniert worden ist. Man könnte glatt dem Irrtum verfallen, dass mit dem Faust nun nichts Neues mehr anzufangen sei, und dass man ihn endlich getrost archivieren könne.
Ich denke dagegen, dass wir mit
Goethes Faust niemals fertig sind.
Ich denke, dass der Faust sich jeder neuen Zeit, jeder neuen Gesellschaft auf neue Weise offenbart. Oder eben auf alte Weise – denn auch das Altbewährte kann so innovativ über die Gegenwart hereinbrechen wie das Nie Dagewesene. Die besten Geschichten sind diejenigen, die sich immer wieder erzählen lassen, und dabei nichts von ihrem Zauber verlieren. Deswegen war es mir auch wichtig, Goethes Text in dieser grafischen Inszenierung so weit wie möglich beizubehalten. Hier spielt die Geschichte des verzweifelten Gelehrten, der eine Wette mit dem Teufel eingeht, in drei sich abwechselnden Zeitebenen – im Mittelalter, im Nationalsozialismus und in der Gegenwart. Die Idee für die Dreiteilung der Handlung ergab sich für mich nach und nach – doch sobald ich anfing, zu zeichnen, bemerkte ich mit Erstaunen, dass der Rest wie von selbst geschah. Faust machte sich selbstständig und passte sich den neuen Zeitebenen an, als wäre er eigens für sie geschrieben worden – das Stück nahm Bedeutungen an, die ich zuvor kaum darin vermutet hatte. Und es ergaben sich gesellschaftskritische Fragestellungen über die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt, Individuum und Gesellschaft und um die (Dis)kontinuität von Täter- und Opferrollen, die auf die heutige Zeit so gut zutreffen wie einst auf Goethes Zeit.
Vielleicht bedeutet das, dass wir uns in diesen 217 Jahren Faust kaum verändert haben – als Menschen und als Gesellschaft. Das würde jedenfalls meine Ansicht bestätigen, dass der kluge, übermütige, weit- und kurzsichtige Heinrich Faust den Menschen selbst verkörpert.
Der Mensch, der sowohl in seiner sensiblen
Weitsicht die Fähigkeit aufweist, die Welt von
ihren zahllosen, menschengemachten Konflikten
zu erlösen – als auch in seiner Unersättlichkeit die
Tendenz, sie tiefer ins Verderben zu stürzen.
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