Zwei Sommerurlaube mit den Schwiegereltern, die herrlich schiefgehen: Keru und Nate verlieben sich gerade wegen ihrer kulturellen Unterschiede ineinander. Keru arbeitet als Unternehmensberaterin und ist mit sechs aus China in die USA eingewandert. Nate forscht als Biologe zum Sozialverhalten von Fruchtfliegen. Er ist der Erste in seiner Familie, der eine Universität von innen sieht. Das Einzige, worin ihre Eltern sich einig sind: Es ist Zeit für Enkel. Aber Keru und Nate wollen keine Kinder. Um des lieben Friedens willen planen die beiden zwei gemeinsame Sommerurlaube mit ihren Eltern, auf Cape Cod und in den Catskills. Doch irgendwann kann Keru ihre über Jahre aufgestaute Wut nicht mehr unterdrücken,
so viele Erwartungen, so viel Druck. Und Nate hat sich längst so sehr in die Welt seiner Forschungsobjekte zurückgezogen, dass er keinen Weg mehr findet, seine Frau aufzuhalten.
Der Summer Read des Jahres.
Kundinnen und Kunden meinen
3.9/5.0
nessabo
5/5
11.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vielschichtige Gesellschaftssatire einer literarisch talentierten Autorin
Weike Wang hat hier ein ehrliches Porträt über langjährige romantische Beziehungen geschrieben und verknüpft sie wie eine Art Kammerspiel intelligent mit gesellschaftlichen Ambivalenzen sowie Differenzen. Keru, amerikanische Chinesin aus einem wohlhabenderen Akademikerhaushalt, und Nate, weißer Erstakademiker, machen Urlaub mit ihren beiden Eltern. Zeitlich getrennt - aus Gründen, wie sich im Laufe der Handlung herausstellt.
Der Culture Clash ist dabei ebenso fein konstruiert wie die Figuren selbst. Wang schafft es auf beeindruckende Art, Stereotype irgendwie gleichzeitig zu bedienen und nicht zu bedienen. Die Charaktere sind vielschichtig und reflektieren über bestimmte eigene Stereotype. So verhandelt die Autorin Fragen zu Verantwortung ebenso wie zu Selbstakzeptanz und Identitätsfindung.
Das ewige People Pleasing Kerus lässt sich damit erklären, dass ihre Eltern sie genau so sozialisiert haben - die in einer rassistischen Gesellschaft wiederum ihre Gründe dafür hatten. Nate kommt aus einer weißen Familie, die sparsam leben musste - entsprechend verständlich ist sein Unwohlsein angesichts luxuriöser Urlaube. Das bedeutet umgekehrt aber auch nicht, dass Kerus Familie in jeglicher Hinsicht über mehr Kapital verfügt. Ich fand die ganzen Ambivalenzen beim Lesen durchaus fordernd, aber ganz toll herausgearbeitet.
Die Ursprungsfamilien beider Hauptfiguren sind wirklich sehr furchtbar und nur dank Wangs bissigem Humor aushaltbar. Überpenibel, gewaltvoll und kühl auf der einen Seite, rassistisch und egozentrisch auf der anderen. Dass die jeweiligen Schwiegerkinder damit ihre Schwierigkeiten haben und nicht so recht wissen, was sie tun sollen, ist nicht nur äußerst authentisch portraitiert, sondern eskaliert auch auf überspitzte Art und Weise.
Der Erzählstil ist durchaus anspruchsvoll, weil die Perspektiven so fließend wechseln. Ich bin da eher Fan von klarerer Abgrenzung, konnte mich aber im Verlauf gut dran gewöhnen. Wang hat ein Talent für eine klare und direkte, zugleich aber auch einfühlsame Sprache, die einen tollen Lesesog entwickelt.
Dabei ist das Werk kein locker-flockiger Sommerroman, sondern regt durch seine sarkastischen und ehrlichen Stellen zum Nachdenken über Privilegien und familiäre Sozialisierung an. Der zweite Teil bricht noch einmal mit der vorherigen Erzählung. Das wirkt im ersten Moment unpassend, ich empfand es aber als eine interessante zusätzliche Sozialstudie - zumal sich die Fronten (Keru: Wohlstand, Nate: Einfachheit) über die Zeit weiter verhärtet haben, die Kinderfrage für sie aber wiederum klar und übereinstimmend geklärt ist.
Dadurch können die Konflikte innenfamiliär noch einmal neu betrachtet und zudem um eine Perspektive der gesellschaftlichen Sicht auf Kinderfreiheit ergänzt werden. Nichtsdestotrotz geht es am Ende unglaublich schnell und bleibt eher undeutlich, das war nicht ganz mein Fall. Insgesamt verbleibe ich aber positiv überrascht von diesem gleichzeitig komplexen und gut lesbaren Werk.
4,5 ⭐️
nessabo
5/5
11.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vielschichtige Gesellschaftssa…
Vielschichtige Gesellschaftssatire einer literarisch talentierten Autorin Weike Wang hat hier ein ehrliches Porträt über langjährige romantische Beziehungen geschrieben und verknüpft sie wie eine Art Kammerspiel intelligent mit gesellschaftlichen Ambivalenzen sowie Differenzen. Keru, amerikanische Chinesin aus einem wohlhabenderen Akademikerhaushalt, und Nate, weißer Erstakademiker, machen Urlaub mit ihren beiden Eltern. Zeitlich getrennt - aus Gründen, wie sich im Laufe der Handlung herausstellt. Der Culture Clash ist dabei ebenso fein konstruiert wie die Figuren selbst. Wang schafft es auf beeindruckende Art, Stereotype irgendwie gleichzeitig zu bedienen und nicht zu bedienen. Die Charaktere sind vielschichtig und reflektieren über bestimmte eigene Stereotype. So verhandelt die Autorin Fragen zu Verantwortung ebenso wie zu Selbstakzeptanz und Identitätsfindung. Das ewige People Pleasing Kerus lässt sich damit erklären, dass ihre Eltern sie genau so sozialisiert haben - die in einer rassistischen Gesellschaft wiederum ihre Gründe dafür hatten. Nate kommt aus einer weißen Familie, die sparsam leben musste - entsprechend verständlich ist sein Unwohlsein angesichts luxuriöser Urlaube. Das bedeutet umgekehrt aber auch nicht, dass Kerus Familie in jeglicher Hinsicht über mehr Kapital verfügt. Ich fand die ganzen Ambivalenzen beim Lesen durchaus fordernd, aber ganz toll herausgearbeitet. Die Ursprungsfamilien beider Hauptfiguren sind wirklich sehr furchtbar und nur dank Wangs bissigem Humor aushaltbar. Überpenibel, gewaltvoll und kühl auf der einen Seite, rassistisch und egozentrisch auf der anderen. Dass die jeweiligen Schwiegerkinder damit ihre Schwierigkeiten haben und nicht so recht wissen, was sie tun sollen, ist nicht nur äußerst authentisch portraitiert, sondern eskaliert auch auf überspitzte Art und Weise. Der Erzählstil ist durchaus anspruchsvoll, weil die Perspektiven so fließend wechseln. Ich bin da eher Fan von klarerer Abgrenzung, konnte mich aber im Verlauf gut dran gewöhnen. Wang hat ein Talent für eine klare und direkte, zugleich aber auch einfühlsame Sprache, die einen tollen Lesesog entwickelt. Dabei ist das Werk kein locker-flockiger Sommerroman, sondern regt durch seine sarkastischen und ehrlichen Stellen zum Nachdenken über Privilegien und familiäre Sozialisierung an. Der zweite Teil bricht noch einmal mit der vorherigen Erzählung. Das wirkt im ersten Moment unpassend, ich empfand es aber als eine interessante zusätzliche Sozialstudie - zumal sich die Fronten (Keru: Wohlstand, Nate: Einfachheit) über die Zeit weiter verhärtet haben, die Kinderfrage für sie aber wiederum klar und übereinstimmend geklärt ist. Dadurch können die Konflikte innenfamiliär noch einmal neu betrachtet und zudem um eine Perspektive der gesellschaftlichen Sicht auf Kinderfreiheit ergänzt werden. Nichtsdestotrotz geht es am Ende unglaublich schnell und bleibt eher undeutlich, das war nicht ganz mein Fall. Insgesamt verbleibe ich aber positiv überrascht von diesem gleichzeitig komplexen und gut lesbaren Werk. 4,5 ⭐️
Magdalena
aus Köln
5/5
12.08.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Double income, no kids
Die Ferien ist der erste Roman der chinesisch-amerikanischen Autorin Weike Wang, der ins Deutsche übersetzt wurde. Ich habe einige Seiten gebraucht, um in die Handlung reinzukommen, habe mich aber, nachdem mir das gelungen ist, sehr gut amüsiert.
Keru und Nate haben sich im College kennengelernt, Nate ist Wissenschaftler mit dem Forschungsschwerpunkt Fruchtfliegen, Keru arbeitet als Unternehmensberaterin. Keru ist mit sechs Jahren mit ihren Eltern aus China in Amerika eingewandert. Ihre Eltern führen ein zufriedenes und gutes Leben, auch wenn sie sehr zurückgezogen leben.
Nate stammt aus einfachen Verhältnissen, er ist in seiner Familie der Erste mit Collegeabschluss.
Das junge Paar lädt seine Eltern nacheinander in das von Keru gemietete Ferienhaus ein. Kerus Eltern sind sehr auf Sauberkeit, Hygiene und Keimfreiheit bedacht. Wohl oder übel müssen sie Kerus und Nates Hund Mantou akzeptieren, bestehen aber darauf, seine Pfoten im warmen Wasser zu waschen, bevor er das Haus betritt. Sie unterhalten sich fast ausschließlich mit ihrer Tochter, meist auf Chinesisch. Nate versucht, Chinesisch zu lernen, was ihm jedoch nicht leichtfällt.
Nates Eltern sind viel kommunikativer, sie beziehen Keru in ihre Gespräche mit ein und wünschen sich mehr Kontakt. Nates Bruder Ethan lebt in den Tag hinein und wechselt häufig Jobs und Freundinnen.
Beide Elternteile wünschen sich Enkelkinder, Keru und Nate wollen jedoch keine Kinder.
Die Besuche der Eltern im Urlaub auf Cape Cod sind gut beschrieben, noch mehr habe ich mich jedoch über den Urlaub fünf Jahre später amüsiert. Keru und Nate mieten einen Bungalow in den Catskills. Im Nachbarbungalow wohnt ein Ehepaar mit ihrem sechsjährigen Sohn. Elena und ihr Mann suchen bereits am ersten Tag den Kontakt zu Keru und Nate, zu fünft machen sie einen Ausflug zu einer Alpaka-Farm (Kinder erlaubt, Hunde verboten). Dabei geraten sie schnell aneinander: Keru gefällt es gar nicht, als Dinky bezeichnet zu werden (Double income no kids). Sie ist verärgert darüber, dass ihr Lebenskonzept, kinderlos zu bleiben, von der Gesellschaft nicht akzeptiert wird.
Sehr unterhaltsam fand ich den Besuch von Nates Bruder Ethan und seiner Freundin Morgan. Keru sucht verzweifelt nach Gemeinsamkeiten mit Morgan und geht sogar mit ihr joggen, obwohl sie diese Fortbewegungsart hasst.
Gerne gebe ich eine Leseempfehlung für diese amüsante Lektüre über die (Beziehungs-)probleme eines gewollt kinderlosen, gutsituierten amerikanisch-chinesischen Paares.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
4/5
29.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gesellschaftskritischer Roman über Herkunft und familiäre Erwartungen
Keru und Nate lernten sich an der Universität kennen. Gerade ihre kulturellen Unterschiede fanden sie spannend. Keru war mit ihren Eltern mit sechs Jahren aus China in die USA eingewandert; sie arbeitet als Unternehmensberaterin. Nate bezeichnet sich selbst als „white trash“; er ist der erste seiner Familie, der eine Universität von innen sieht. Er forscht als Biologe; seine Eltern hätten es lieber gesehen, wenn er Jura studiert hätte. Als Keru und Nate heiraten, sind beide Elternpaare nicht wirklich begeistert:
“Kerus Mutter sprach das Wort Hochzeit wie Huchzeit aus, unbeabsichtigt, sie konnte den Unterschied nicht hören. Aber vielleicht gab es auch keinen. Was genau löste dieses Huch aus? Dass Keru ihrer Familie entrissen und nun in eine andere Familie verpflanzt wurde? Nun wuchs da plötzlich eine verdächtige, ausländische Pflanze auf einem ansonsten makellos gepflegten Rasen. ”
Einzig in einer Frage sind sich die Eltern der beiden dann doch einig: Es ist an der Zeit, dass Keru und Nate ihnen Enkelkinder liefern. Doch das Paar hat sich gegen Kinder entschieden.
Widerwillig organisieren Nate und Keru zwei gemeinsame Sommerurlaube, um den Familienfrieden wieder herzustellen. Sie laden ihre Eltern in ein Ferienhaus ein, erst die Eltern von Keru, danach die von Nate. Doch was als Wiederannäherung gedacht war, endet im Aufbrechen von alten Wunden, Frustration und lange aufgestauter Wut.
“Wie sinnlos Urlaubmachen war. An einem neuen Ort zu sein mit neuen Straßen, Häusern und Menschen. Sich vorübergehend neue Angewohnheiten zuzulegen, angefangen davon, sich Wildfremden vorzustellen, bis zum Zwang, ein gutes Restaurant zu finden. Ohne die übliche Routine war sogar das Streiten um Kleinigkeiten anders. Was bei Keru die Frage aufwarf, warum sie in den Urlaub fuhr, obwohl sie keine Freude daran hatte.”
„Die Ferien“ von Weike Wang ist keine leichte Urlaubslektüre, sondern eher ein tiefgründiger, gesellschaftskritischer Roman. Der Schreibstil ist ruhig und nüchtern, die Geschichte eher handlungsarm. Zwischenzeitlich fand ich das Buch etwas zäh, doch insgesamt ist es ein kluges Buch über soziale und kulturelle Herkunft, Alltagsrassismus, famililäre Erwartungen, die Entscheidung für oder gegen Kinder und die allgemeine Frage, wie man „das richtige Leben“ führt.
"Obwohl Keru sich gegen Kinder entschieden hatte, durchlief sie nach diesen Unterhaltungen immer wieder ein Wechselbad der Gefühle.
Wenn Sie die Familie nicht weiterführt, wer sonst?
Aber hatte sie es sich ausgesucht, das einzige Kind ihrer Eltern zu sein?"
Ein nicht leicht zu lesendes Buch, das aber viele interessante Themen mit Tiefgang behandelt.
In „Die Ferien“ von Weike Wang ist nicht wirklich die Handlung des Buches im Vordergrund oder entscheidend, sondern das ruhige und unaufgeregte Erzählen, der Einblick in das Leben zweier gänzlich unterschiedlicher Familien. Im Mittelpunkt stehen Keru und Nate, ein seit ein paar Jahren verheiratetes Ehepaar, gewollt ohne Kinder, dafür mit einer riesigen Hirtenhündin namens Mantou. Keru ist als etwa sechsjähriges Einzelkind mit ihren Eltern von China nach Amerika eingewandert. Keru arbeitet als Firmenberaterin und hat es finanziell und von ihrer Stellung her richtig zu etwas gebracht. Nate stammt aus einer ganz einfachen Familie und arbeitet als studierter Biologe sowohl als Forscher als auch als Dozent an einer Universität. Er hat noch einen älteren Bruder, der allerdings nicht sehr erfolgreich im Leben ist.
Während zweier Ferienaufenthalte, die im Abstand von fünf Jahren stattfinden, begegnen wir Keru und Nate zusammen mit ihren jeweiligen Eltern, die sie nacheinander in ihr Feriendomizil eingeladen haben. Kerus Eltern sind sehr ordentlich, traditionsbewusst und nicht wirklich in Amerika angekommen. Sie sprechen auch vor Nate nur Chinesisch, obwohl dieser das kaum versteht, und haben nur chinesisch-stämmige Bekannte. Nates Eltern sind eher sehr einfach gestrickt und ohne nennenswerte Ambitionen. Einig sind sich beide Elternpaare, die nur selten aufeinandertreffen, aber darin, dass es endlich Zeit für Enkelkinder wäre.
Es hat bei mir ein bisschen gedauert, bis ich in das Buch hineinfand, da ja eine richtige Handlung fehlt. Aber dann hat es mich wirklich fasziniert, Einblick in so unterschiedliche Welten zu bekommen, und ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt.
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